Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

625

Tarudant - Taschenspieler

Tarudant, Hauptstadt der marokk. Provinz Wad Sus, am rechten Ufer des Wadi Sus, 180 m über dem Meere, an der großen Karawanenstraße, die von Marokko durch den Paß von Bibauan über T. und Tenduf nach Timbuktu führt, hat 8300 E., ausgedehnte Gärten innerhalb der Mauern; Industrie in Kupferwaren, Baumwollzeugen und Lederwaren. Zu Zeiten des Leo Africanus baute man in der fruchtbaren Umgebung Zuckerrohr, heute Wein, Datteln und Getreide.

Tarutino. 1) Dorf im Kreis Borowsk des russ. Gouvernements Kaluga, an der Nara, hat 948 E., Denkmal zur Erinnerung an den Sieg vom 18. Okt. 1812, den hier die Russen unter Kutusow über die Franzosen unter Murat erfochten. - 2) T. oder Antschokrat, deutsche Kolonie im Kreis Akjerman des russ. Gouvernements Bessarabien, im Thal des Kunduk, hat (1891) 3642 E., Post, Telegraph, evang. Kirche; Acker-, Obst-, Weinbau, eine Tabakfabrik, Spinnerei und 13 Weinkeller.

Tarvis, Marktflecken in der österr. Bezirkshauptmannschaft Villach in Kärnten, Hauptort des schönen Kanalthals, am Raibler Seebach und nahe der Wasserscheide zwischen dem Adriatischen und Schwarzen Meere, an den Linien T.-Laibach (103 km) und Villach-Pontafel der Österr. Staatsbahnen, Sitz eines Bezirksgerichts (331,65 qkm, 6844 E.), besteht aus Unter-Tarvis in der Thalsohle (733 m) und Ober-Tarvis am Bergabhang (751 m), hat (1890) 1613, als Gemeinde 3147 E. und wird als Sommerfrische besucht. Nahebei eine große Eisenbahnbrücke über die tiefe Schlucht des Schlitzabaches. Die Umgebung gehört zu den großartigsten in den Alpen.

Tarzharum, arab. Stadt, s. Dhafâr.

Tasajo (span.), getrocknetes Fleisch, s. Boucanieren.

Tas-Busen, russ. Tazovskaja guba, eine Abzweigung des Obischen Busens des Nördlichen Eismeers, die sich von letzterm zwischen 69 und 70° nördl. Br. erst nach Nordosten richtet, dann bald nach Süden wendet und endlich in zwei ziemlich parallele Arme ausläuft, in deren westlichen der Fluß Pur (mit der Bucht 497 km lang), und in deren, östlichen der Tas mündet; letzterer mit der Tas-Bucht ist 1334 km lang. Der Busen hat Ebbe und Flut, ist ziemlich seicht und nur in der Mitte schiffbar. An seinen Ufern, auf seinen Inselchen sowie in der Tas-Tundra, der sumpfigen Ebene, die sich zwischen dem Fluß Tas und dem Jenissei ausbreitet, nomadisieren Samojeden und Ostjaken.

Tasch (türk.), Stein; in Mittelasien Bezeichnung für die türk. Meile.

Täschelkraut, Pflanzenart, s. Capsella.

Taschen, Mißbildungen der Pflaumen, s. Exoascus.

Taschenbänder, s. Kehlkopf.

Taschenberg, Ernst Ludw., Entomolog, geb. 10. Jan. 1818 zu Naumburg a. S., studierte in Leipzig und Berlin Mathematik und Naturwissenschaften. Nach Vollendung seiner Studien widmete er sich zunächst dem Lehrerberuf, wurde aber 1856 zum Inspektor am Zoologischen Museum der Universität Halle und 1871 ebenda zum außerord. Professor ernannt. Seine zahlreichen Publikationen sind meist, abgesehen von einer Anzahl Abhandlungen über Hymenopteren, so namentlich "Die Hymenopteren Deutschlands nach ihren Gattungen und Arten" (Lpz. 1866), populär und gemeinnützig und beschäftigen sich namentlich mit schädlichen Insekten, hervorzuheben sind: "Entomologie für Gärtner und Gartenfreunde" (Lpz. 1871), "Forstwirtschaftliche Insektenkunde" (ebd. 1874) und namentlich seine "Praktische Insektenkunde" (5 Tle., Brem. 1879-80), "Die Insekten, Tausendfüßer und Spinnen" (als 9. Bd. von "Brehms Tierleben", 3. Aufl., Lpz. 1892).

Taschenberg, Ernst Otto, Zoolog, Sohn des vorigen, geb. 23. März 1854 in Zahna bei Wittenberg, studierte in Halle und Leipzig, habilitierte sich 1879 für Zoologie in Halle, übernahm 1885 die Stelle als Assistent am dortigen Zoologischen Institut, wurde 1888 außerord. Professor und Kustos für die Sammlungen des Zoologischen Instituts. Er schrieb außer verschiedenen kleinen Abhandlungen über Insekten, Eingeweidewürmer u. s. w.: "Die Lehre von der Urzeugung" (Halle 1882), "Die Verwandlungen der Tiere" (Lpz. und Prag 1882), "Bilder aus dem Tierleben" (ebd. 1885), "Repetitorium der Zoologie" (Bresl. 1891). Seit 1887 giebt T. die "Bibliotheca zoologica" (bis jetzt 4 Bde.), seit 1896 die Wochenschrift "Die Natur" heraus und redigiert seit 1893 mit A. Wangerin die "Verhandlungen der Gesellschaft deutscher Naturforscher und Ärzte".

Taschenbuch, Name solcher Bücher, die in kleiner und handlicher Gestalt einen leicht unterhaltenden Inhalt einschließen oder für irgend einen bestimmten praktischen Zweck die nötigsten Anweisungen kurz zusammenfassen. Gewöhnlich führen jährlich erscheinende Werkchen diesen Titel und schließen sich dadurch gewissermaßen der Kalenderlitteratur an (s. Almanach). Zu erwähnen sind von zahlreichen ähnlichen Unternehmungen im letzten Viertel des 18. Jahrh. besonders die von Goethe und Schiller unter verschiedenen Titeln herausgegebenen T., in denen viele ihrer bedeutendsten Werke zuerst erschienen. Seit 1815 etwa bemächtigte sich die Novellistik der T., und bis in die dreißiger Jahre erschienen die T. von Clauren, Tromlitz u. a., unter denen nur die "Urania" (Lpz. 1810-48) eine bedeutendere litterar. Stellung einnahm. Frühzeitig aber begannen auch die ernstern Wissenschaften ihre Resultate in allgemein ansprechender Form durch T. zu verbreiten. Dahin gehören: das T. für vaterländische Geschichte, gegründet von Hormayr (1812-57); das von F. von Raumer herausgegebene Historische T. (seit 1830; 1871-80 hg. von W. H. Riehl, 1880-92 von Maurenbrecher); Prutz' Litterarhistorisches T. (1843-48) u. a. m. Auch giebt es T. für Ärzte, Botaniker, Jäger, Ingenieure u. a.

Über die Genealogischen Taschenbücher s. d.

Taschenfrosch, s. Laubfrösche.

Taschenkrebse, s. Krabben.

Taschenmesserfliege, s. Fliegen.

Taschenmunition, s. Munition und Munitionsersatz.

Taschenperspektiv, s. Fernrohr.

Taschenratte (Geomys, Geomyine), Goffer, Familie der Nager mit plumpem, dickem Körper, kurzen Gliedmaßen, kurzem Schwanz, sehr langen Krallen an den fünf Vorderzehen. Die T. haben große, an der Mundspalte beginnende, bis zu den Schultern nach hinten reichende Taschen, die mit kurzen, weichen Haaren ausgekleidet sind, leben ähnlich wie die Maulwürfe und haben Vorratskammern, in die sie wie die Hamster Getreide, Sämereien u. dgl. in ihren Backentaschen zusammenschleppen. Es giebt etwa ein halbes Dutzend Arten, die aus das nördl. Amerika beschränkt sind. - Auch die Sackmäuse (s. d., Saccomyidae) heißen T.

Taschenspieler, auch wohl Prestigiateurs und Prestidigitateurs ("Schnellfingerer"),