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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Taumelkäfer; Taumelkörbel; Taumellolch; Taumelsäge; Taumelsucht; Taumesser; Taumler; Taunton; Taunus

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Taumelkäfer - Taunus

schen Übungen hingab; doch wird sowohl diese sog. Bekehrung T.s als auch seine Thätigkeit während des Interdikts nicht ohne Grund angezweifelt. 1352 fing er wieder an zu predigen und setzte seine Thätigkeit in Straßburg und auch außerhalb, z. B. in Köln, bis zu seinem 16. Juni 1361 in Straßburg erfolgten Tode fort. Als Mystiker unterscheidet sich T. von Meister Eckardt dadurch, daß er spekulativen, zum Pantheismus hinführenden Gedanken weit weniger nachgeht, vielmehr mit allem Nachdruck die praktische Bethätigung des Christentums fordert. Er dringt auf einfachen Glauben, praktisches Leben, thatsächliche Äußerungen eines gotterfüllten Gemüts. T. war der größte Prediger seiner Zeit; voll sittlichen Ernstes tadelte er schonungslos die Gebrechen der Kirche, Habsucht, Prunk, Härte und andere Laster der Weltlichen wie der Geistlichen. Von seinen Schriften und Predigten ist vieles ungedruckt in Handschriften erhalten. Seine "Predigten" (Lpz. 1498) bearbeitete Hamberger neuhochdeutsch (2. Aufl., Prag 1872), in einer Auswahl Langdorff (Lpz. 1892). T.s Autorschaft der "Nachfolgung des armen Lebens Christi" (Franks. 1833) wird von Denifle in seiner Ausgabe des "Buches von der geistlichen Armut" (Münch. 1877) bestritten. Auch die Echtheit der T. zugeschriebenen geistlichen Lieder ist zweifelhaft. - Vgl. Karl Schmidt, Johann T. von Straßburg (Hamb. 1841); Nikolaus von Basel, Bericht von der Bekehrung T.s, hg. von Karl Schmidt (Straßb. 1875); Jundt, Les amis de Dieu au 14e siècle (Par. 1879); Denifle, T.s Bekehrung (in den "Quellen und Forschungen zur Sprach- und Kulturgeschichte der german. Völker", 36. Heft, Straßb. 1879); Preger, Geschichte der deutschen Mystik, Bd. 3 (Lpz. 1893).

Taumelkäfer, eine kleine kosmopolitisch verbreitete Käferfamilie, s. Gyrinidae.

Taumelkörbel, Pflanzenart, s. Chaerophyllum.

Taumellolch, Grasart, s. Lolium.

Taumelsäge, s. Sägemaschinen.

Taumelsucht, s. Drehkrankheit.

Taumesser, Drosometer, eine Vorrichtung zur Bestimmung der Menge des sich als Tau an der Erdoberfläche niederschlagenden Wassers. Starker Tau giebt in den gewöhnlichen Regenmessern (s. d.) oft meßbare Niederschlagsmengen.

Taumler, s. Drehkrankheit.

Taunton (spr. tahnt'n), Municipal- und Parlamentsborough in der engl. Grafschaft Somerset, frühere Hauptstadt der letztern, im fruchtbaren T. Deane, durch den Tauntonkanal mit Bridgwater und durch den Westernkanal mit Tiverton verbunden, Station der Linie London-Exeter der Great-Western-Bahn, von welcher hier Abzweigungen nach Minehead, Barnstaple und Ilminster abgehen, zählt (1891) 18 026 E. und hat eine got. Kirche, St. Mary Magdalen, aus der Zeit Heinrichs VII., mit herrlichem Turm (47 m), eine St. Jameskirche, ein Schloß, welches um 700 gegründet, im 11. Jahrh. neu aufgeführt und im 18. Jahrh. erneuert wurde, mit archäol. Sammlungen, Markthallen, vier Colleges, ein Seminar der Wesleyaner; Fabrikation von Tuch, Seidenzeugen und Strohhüten, Maschinenbau, Alebrauerei, Pferde- und Viehhandel. Im Bürgerkrieg zwischen Karl I. und dem Parlament überstand T. unter der heldenmütigen Verteidigung Blakes (s. d.) eine schwere Belagerung durch die Königlichen (1644-45).

Taunton (spr. tahnt'n), einer der beiden Hauptorte des County Bristol im nordamerik. Staate Massachusetts, südlich von Boston, am Tauntonflusse, Knotenpunkt zweier Linien der Old-Colony-Bahn, mit (1890) 25 448 E., hat ein Staatsirrenasyl, eine Anzahl Fabriken für Baumwollwaren, namentlich Garne, und Nägel; ferner Maschinenbau, Gießerei, Lokomotiv-, Silberplattierwarenwerke u. a.

Taunton (spr. tahnt'n), Lord, brit. Staatsmann, s. Labouchère.

Taunus, der südl. Abschnitt des ostniederrhein. Berglandes, zwischen Main und Lahn. Im engern Sinne aber begreift man darunter nur das südl. Randgebirge, die Höhe. Es erhebt sich das Waldgebirge des eigentlichen T. im Osten aus dem Thale der Nidda und Wetter, der Wetterau, bei Nauheim allmählich und zieht über Homburg, Königsrein, Eppstein und Schlangenbad gegen Südwesten dem Rhein zu, so daß sein südl. Abfall 7-15 km vom Main entfernt bleibt, am Rhein aber, von Biebrich bis gegenüber Bingen, nur eine schmale Ebene läßt. Der westl. Abfall, von Bingen bis Lahnstein, stürzt mit schroffen Felswänden in das Strombett des Rheins ab. Der nördl. Abhang ist sanft, durch Vorhöhen vermittelt, tritt jedoch mit scharfen und felsigen Berghängen an die Lahn. Der wenig geschlossene Hauptkamm hat eine mittlere Höhe von 450 m, über welche sich mehrere Kuppen und Kegel noch um 3-400 m erheben. Seine höchsten Gipfel liegen im nordöstl. Teile. Hier erreicht er seinen Kulminationspunkt in dem 880 m hohen Großen Feldberg (s. Feldberg) bei Königstein. Südwestlich von diesem der Kleine Feldberg (827 m), von diesem südlich der Altkönig (798 m) mit einem dreifachen Steinwall. Der westliche niedere T. von dem Thal der Walluf ab, zwischen Rhein und dem romantischen Wisperthal, wird auch das Rheingaugebirge genannt. Hier erhebt sich über Eltville die Rauenthaler Höhe 500 m, und im Nordwesten von Rüdesheim der Niederwald (s. d.). Der Abschnitt zwischen Wisper, Rhein und Lahn bildet die Landschaft des Einrichs mit der Kemeler Heide.

Sein innerer Bau zeigt sich dem Hunsrück (s. d.) ähnlich. Seine Hauptmasse besteht aus versteinerungsleerem Urthonschiefer, auf den Höhen überlagert von Quarzit, während mächtige Quarzgänge hier und da noch besondere Felsriffe veranlaßt haben. Nördlich grenzen auch hier wie im Hunsrück Grauwackenbildungen an. Dazu gesellen sich basaltische Durchsetzungen, besonders zwischen Wiesbaden und Naurod, mit mineralischen Quellen. Erzreich sind die Lahngegenden. Die starken Waldungen bestehen meistens aus Buchen, auf den Hochflächen aus Fichten, überall, wo es angeht, ist das Gebirge wohl angebaut und an den südl. Abhängen mit herrlichen Weinpflanzungen, Obsthainen, Kastanienwäldchen und selbst mit Mandelbäumen besetzt. Berühmt ist der T. durch seine zahlreichen Mineralquellen (Taunusbäder). Die nördlichen sind mehr stahl- und eisenartig, die südlichen reicher an Salz und Schwefel und vielfach warm. Mehrere derselben haben als Heilquellen und Bäder europ. Ruf, wie Wiesbaden, Schlangenbad, Schwalbach, Selters, Homburg und Soden. Die Eisenbahnlinie Frankfurt a. M. - Oberlahnstein umzieht den Süd- und Westfuß, die Linie Frankfurt a. M.- Cassel den Ostfuß, während die Linie Höchst- und Wiesbaden-Limburg mitten durch das Gebirge geht. - Vgl. Führer durch den T. (Wörls "Reisehandbücher", Würzb. und Wien 1889); Die Heilquellen des T. (hg. von Großmann, Wiesb. 1887); Sievers, Zur