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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Taufhaus; Taufkapelle; Taufname; Taufrosch; Taufstein; Taufsymbol; Taufzeugen; Taugarn; Taugut; Tauler

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Taufhaus - Tauler

durch Besprengung, eine Partei, die Dompelers, durch Untertauchen. Ferner verwerfen sie den Eidschwur und die Ehescheidung, außer im Falle des Ehebruchs, den Krieg und jede Art von Rache; die Bekleidung obrigkeitlicher Ämter wird nicht verboten, aber doch widerraten. Anfangs wurde auch neben dem Abendmahl noch das Sakrament der Fußwaschung beobachtet als Symbol der Reinigung der Seelen durch das Blut Christi. Das Dringen auf sittliche Reinheit führte teils zu einer strengen Kirchenzucht, teils zu kleinlichen Bestimmungen über Kleider-, Bart-, Haartracht und ähnliches. In diesen beiden Punkten wurzeln auch die meisten Spaltungen der T.

Schon 1554 erfolgte die Trennung in Grobe, d. h. Strenge, und in Feine, d. h. Milde. Die Groben, bestehend aus Friesen, Flamlandern und Deutschen, von ihren Gegnern Dreckwagen genannt, forderten, daß jedes Vergehen mit dem Bann bestraft werde ohne vorhergegangene Ermahnung, und daß dieser Bann jede Gemeinschaft aufhebe, selbst diejenige zwischen Ehegatten und Verwandten. Die Feinen oder Waterländer (weil sie im Waterland in Nordholland und bei Franeker ihren Sitz hatten) wollten den Bann nur bei beharrlichem Ungehorsam gegen die Gebote der Bibel anwenden, ihm mehrfache Mahnung vorangehen lassen und das häusliche Leben dadurch nicht stören. 1640 veranlaßte Uke Walles die Trennung der Ukewallisten durch Einführung des dreimaligen Untertauchens bei der Taufe (daher auch Dompelers genannt), einer besonders strengen Kirchenzucht und genauer Vorschriften über das Tragen von Schmucksachen, Kleidern und Bärten. Die Einwirkung des Arminianismus führte 1664 zu neuer Parteibildung. Die Anhänger des Arminius hießen nach ihrem Haupte, dem Arzt Galenus Abrahams de Haen, Galenisten, oder nach ihrem Versammlungshaus, einer frühern Brauerei zu Amsterdam, welche als Schild ein Lamm führte, Lamisten, die Anhänger der Prädestination dagegen nach ihrem Haupte, dem Arzt Samuel Apostool, Apostoolen, oder nach der Sonne auf dem Schilde ihres Versammlungshauses zu Amsterdam Sonisten. Ende des 18. Jahrh. gab es nur noch zweierlei T. in den Niederlanden, die sich 1800, mit Ausnahme der Gemeinden auf der Insel Ameland und in den Dörfern Aalsmeer und Balk, zu einem Ganzen verbanden. Seit 1811 sind alle Gemeinden durch die Errichtung der allgemeinen Taufgesinntensocietät in Amsterdam, mit Beibehaltung ihrer Eigentümlichkeiten, enger verbunden. Die Partei zählte 1892 ungefähr 127 Gemeinden mit 53 572 Seelen, genießt gleiche Rechte mit den übrigen Konfessionen und hat sich durch einen Missionsverein, die Teylersche theol. Gesellschaft zu Haarlem, und namentlich auf praktisch-philanthropischem Gebiete hervorgethan. In Deutschland sollen sich gegenwärtig etwa 15 000 Mennoniten finden, von denen der größte Teil auf das Königreich Preußen kommt, die übrigen auf die Pfalz, Baden und Bayern. Ihre Militärbefreiung ist in Deutschland aufgehoben. Nicht zu verwechseln mit den T. sind die in neuester Zeit in verschiedenen Gegenden Deutschlands aufgetauchten Baptisten (s. d.), die mit ihnen fast nur die Verwerfung der Kindertaufe gemein haben. Überall, wo die T. heimisch sind, gelten sie als stille und fleißige Unterthanen.

Vgl. Schyn, Historia christianorum qui in Belgio foederato Mennonitae appellantur (Amsterd. 1723); ders., Historiae Mennonitarum plenior deductio (ebd. 1729); Blaupet ten Cate, Geschiedenis der Doopsgezinden (5 Bde., ebd. 1839-47); Brons, Ursprung u. s. w. der T. (2. Aufl., Norden 1891); ten Doornkaat Koolman, Die Verpflichtung der Mennoniten an Eidesstatt (Berl. 1893); Doopgezinde Bijdragen (Leiden; jährlich).

Taufhaus, s. Baptisterium.

Taufkapelle, s. Kapelle und Taufe.

Taufname, der bei der christl. Taufe verliehene Name (s. Personenname).

Taufrosch, Grasfrosch, Landfrosch, brauner Frosch (Rana temporaria Auct., fusca Rösel), ein in ganz Europa gemeiner, bis 10 cm langer Frosch, der, trotzdem er in seiner Färbung außerordentlich wechselt, in der Hauptsache braun gefärbt ist und an den Seiten des Kopfes immer einen dreieckigen, vom Ohre bis zur Schulter reichenden, dunkelbraunen Fleck trägt (daher der Name temporaria). Neuerdings hat Steenstrup darauf aufmerksam gemacht, daß unter diesem Namen zwei verschiedene Arten zusammengeworfen werden, die Rana platyrrhinus Steenstr. = Rana fusca Rösel, mit stumpfer, breiter Schnauze und geflecktem Bauche, mehr im Süden heimisch, und die dem Norden angehörige Rana oxyrrhinus Steenstr. = Rana arvalis Nilss., mit sehr langer, spitzer Schnauze und ungeflecktem Bauche. Der T. laicht im ersten Frühjahr und macht dabei nur selten von seiner Stimme Gebrauch; das Männchen entbehrt der Schallblase. Nach der Paarung gehen die T. ans Land, um erst im nächsten Frühjahr wieder in das Wasser zurückzukehren.

Taufstein, Berg im Vogelsgebirge (s. d.).

Taufsymbol, die in der ältesten Kirche vom Täufling bei der Taufe als sein Glaubensbekenntnis nachzusprechende Übereinkunftsformel über den gemeinsamen Glauben der Christenheit, die, nach dem Einsetzungswort für die Taufe (Matth. 28,19) gestaltet, auf Vater, Sohn und Geist sich bezog. Seitdem man den Vollzug der Sakramente der engern Versammlung der schon Getauften vorzubehalten begann, wurde auch die Kenntnis des T. den Katechumenen (s. d.) noch vorenthalten und blieb geheim, deckte sich aber thatsächlich dem Inhalt nach mit den zahlreichen Formulierungen der Glaubensregel. Das älteste, die Vollständigkeit des Apostolischen Symbolums noch nicht erreichende T. war das der röm. Gemeinde, aus der Mitte des 2. Jahrh. stammend. - Litteratur s. Glaubensregel.

Taufzeugen, s. Pate.

Taugarn, das zu den schwersten Seilerarbeiten benutzte grobe Hanfgespinst.

Taugut, s. Takelage.

Tauler, Joh., Mystiker und Prediger, geb. um 1300 in Straßburg, entsagte seinem bedeutenden Vermögen und trat um 1318 in den Dominikanerorden. Er beschäftigte sich besonders mit dem Studium der Schriften der ältern und neuern Mystik, namentlich Meister Eckardts, zog um 1327 nach Köln, vielleicht auch noch nach Paris und wirkte dann in Straßburg als angesehener Prediger. Trotz des Interdikts, das Johann XXII. über Straßburg verhängt hatte, fuhr T. mit andern Dominikanern fort, zu predigen und Seelsorge zu treiben und mußte infolgedessen 1339 nach Basel übersiedeln, wo er mit den Gottesfreunden (s. d.) in engen Verkehr trat. Ende der vierziger Jahre war T. wieder in Straßburg, und hier besuchte ihn nach dem "Meisterbuche" der Gottesfreund aus dem Oberlande, unter dessen Einflüssen er sich zwei Jahre lang schweren asceti-^[folgende Seite]