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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Tausig; Tausperren; Tauste; Tautenburg; Tautenhayn; Tautochrone; Tautochronische Erscheinungen

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Tausig - Tautochronische Erscheinungen

cher sie jetzt abgeschlossen erscheint; jedoch erfuhr sie auch noch nachher im Munde der Erzähler viele Veränderungen und Erweiterungen. Die erste (unvollständig gebliebene) Ausgabe des arab. Textes erschien zu Kalkutta 1814 und 1818 in 2 Bänden. Vollständige Ausgaben des arab. Originals lieferten M. Habicht und H. L. Fleischer (12 Bde., Bresl. 1825-43), Macnaghten (4 Bde., Kalk. 1839-42), und wiederholt wurde es in Ägypten (2 Bde., Bulak 1251 der Hidschra, und 4 Bde., 1279 der Hidschra u. ö.) gedruckt; die allerneueste Textausgabe ist in 5 Bänden von Salhâni besorgt (Beirut 1888-91). Europa wurde zuerst durch A. Galland (s. d.), welcher das Werk auf Grund seines aus dem Orient mitgebrachten Manuskripts u. d. T. "Les mille et une nuits" (12 Bde., Par. 1704-17) in Übersetzung veröffentlichte, mit der Sammlung bekannt gemacht, und bald folgten viele andere teils franz. Bearbeitungen, teils deutsche, englische u. s. w. Übersetzungen. Die vollständigste deutsche Übersetzung ist die von M. Habicht, von der Hagen und Karl Schall veranstaltete; unmittelbar aus dem arab. Original sind nur die beiden letzten Bändchen von Habicht übersetzt (zuerst in 15 Bdn., Bresl. 1824-25 und dann öfter). Neue, durchgängig selbständig nach dem Original gearbeitete Übersetzungen gaben in der deutschen Litteratur G. Weil (4 Bde., Stuttg. 1837-42, und vollständig umgearbeitet 1866; 4. Aufl. 1871-72), in der englischen Edw. Lane (3 Bde., Lond. 1839 und später 1859, 1883). Während in diesen Übersetzungen aus Rücksichten auf den Geschmack europ. Leser viele Stücke des Originals übergangen wurden, haben in neuerer Zeit engl. Übersetzungen aller prosaischen und poet. Teile geliefert John Payne (herausgegeben durch die Villon Society in 9 Bdn., Lond. 1882-84) und Richard Burton (16 Bde., Benares 1885-88). Die Arbeit des letztern verfolgt dabei den Zweck, durch Hinzufügung aller unter dem Namen der T. N. in Handschriften vorhandenen, jedoch in den gewöhnlichen Recensionen fehlenden Erzählungen das gesamte litterarhistor. Material der Erzählungen zu vereinigen. Über Entstehungsgeschichte und Komposition der T. N. hat zu allererst ausführlich S. de Sacy geschrieben ("Recherches sur l'origine du recueil de contes intitulé: Les mille et une nuits", Par. 1829). Auf die Zeugnisse für das Vorhandensein der ersten Keime der T. N. im 10. Jahrh. hat zuerst Hammer-Purgstall hingewiesen. Der dritte Band von Lanes Übersetzung enthält eine Untersuchung über die Entstehungszeit der Sammlung. Der neueste Stand der litteraturgeschichtlichen Wissenschaft in diesen Fragen wird dargestellt in den Abhandlungen von de Goeje ("De arabische Nachtvertellingen" in "De Gids", 1886); August Müller ("Die Märchen der T. N." in der "Deutschen Rundschau", Bd. 52, 1887) und in dem Essay "The Arabian Nights" (in der "Edinburgh Review", Bd. 164,1886), der auch die Beurteilung der neuesten engl. Übersetzungen enthält. Über die verschiedenen Recensionen und Handschriften hat Zotenberg ("Histoire d'Alâ al-din ou la lampe merveilleuse", Par. 1888) wichtige Beiträge geboten. Vgl. auch Arbuthnot, Arabic Authors (Lond. 1890). Das Interesse, welches Gallands Übersetzung erregte, reizte zu Nachahmungen, und so erschien von Pétis de la Croix u. d. T. "Les mille et un jours. Contes persans" (5 Bde., Par. 1710-12; deutsch von F. H. von der Hagen mit mannigfachen Zusätzen, 11 Bde., Prenzl. 1827-32; 2. Ausg. 1836) die Bearbeitung eines im Orient sehr beliebten Märchenwerkes "El Faradsch ba'd el-schidda", d. i. "Auf Leid folgt Freud".

Tausig, Karl, Klaviervirtuos, geb. 4. Nov. 1841 zu Warschau, erhielt von seinem Vater, Aloys T., einem Klavierlehrer in Warschau, und dann von Liszt in Weimar Unterricht und ließ sich zuerst in Wien nieder, wo er hauptsächlich der Liszt-Wagnerschen Richtung Boden zu verschaffen suchte. 1865 wandte er sich nach Berlin und errichtete eine Schule des höhern Klavierspiels, die aber nur bis 1870 bestand. Er starb 17. Juli 1871 in Leipzig. T. war in technischer Beziehung ein Meister ersten Ranges. Seine "Täglichen Studien" veröffentlichte H. Ehrlich.

Tausperren, s. Sperren.

Tauste, Kanal von, s. Ebro.

Tautenburg, Sommerfrische mit Burgruine bei Dornburg a. d. Saale.

Tautenhayn, Joseph, Bildhauer und Medailleur, geb. 5. Mai 1837 in Wien, kam zu dem Medailleur Radnitzky und 1854 auf die Akademie, wo der Bildhauer Professor Bauer sein Lehrer wurde. 1860 trat er als Eleve in die Graveurakademie des kaiserl. Münzamtes ein und wurde nach zwei Jahren schon zum ersten Münzgraveur, 1869 zum k. k. Kammermedailleur ernannt. Er machte dann bis 1872 eine Studienreise nach Italien, Frankreich und England. 1873 zum k. k. Münz- und Medaillengraveur und 1881 zum Professor an der Akademie der bildenden Künste zu Wien ernannt, fertigte T. eine große Anzahl der vorzüglichsten Medaillen. So die Sues- und Jerusalem-Medaille, diejenigen auf die ungar. Krönung Kaiser Franz Josephs, auf die Vermählung der Erzherzogin Gisela, auf Fürst Schwarzenberg, Erzherzog Albrecht, Tegetthoff, Heinrich Laube, Professor A. Conze, Dombaumeister F. Schmidt, Minister Dr. Gautsch, H. von Helmholtz, Kardinal Fürstenberg, ferner auf die Vermählung des Kronprinzen Rudolf, auf die silberne Hochzeit des Kaiserpaars, auf die Feier der Befreiung Wiens 1683, auf das Denkmal Kaiser Maximilians in Triest. Im Auftrage des Kaisers entstanden: ein Rundschild mit einer Darstellung des Kentauren- und Lapithenkampfes, eine Fruchtschale mit der Geschichte der Proserpina (beide in Silber gegossen), ferner ein Bronzerelief mit der Darstellung des Kampfes des Herkules mit den Amazonen. Als Plastiker im großen hat sich T. bethätigt in der Giebelgruppe Geburt der Athene für die Universität, und in den Statuen des Augustus, Alexanders d. Gr., des Polykrates und Minyas für das kunsthistor. Hofmuseum und in den Statuen des Solon, Lykurgus, Servius Tullius und Appius Claudius für das Parlamentsgebüude in Wien.

Tautochrone (arch.), s. Cykloide.

Tautochronische Erscheinungen, Erscheinungen, die, wie die Schwingungen eines mathem. Pendels, in genau gleichen Zeiträumen erfolgen. Eine tautochronische Erscheinung ist z. B. auch der Fall eines Körpers, der gezwungen ist, eine Cykloide (s. d.) zu beschreiben, weil derselbe, um den tiefsten Punkt derselben zu erreichen, stets dieselbe Zeit gebraucht, gleichviel, welches die Länge des beschriebenen Bogens ist. - In anderm Sinne bezeichnet man mit T. E. diejenigen Erscheinungen, die, wie die Verfinsterungen des Mondes und der Jupitertrabanten oder das Aufleuchten von Sternschnuppen, für alle Beobachter in einem und demselben absoluten Zeitmoment eintreten.