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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Telamone - Telegraph

Alkathoos, die ihm den Aias (s. d.) gebar. Er war Teilnehmer an der kalydonischen Jagd und an der Argonautenfahrt. Besonders aber zeichnete er sich aus als Begleiter des Herakles auf dem Zuge nach Troja gegen Laomedon. Bei der Eroberung dieser Stadt erstieg T. zuerst die Mauer, Herakles nach ihm. Dieser wurde darüber so zornig, daß er das Schwert gegen T. zückte. T. besänftigte ihn und erhielt als Siegespreis die Hesione, die Tochter des Laomedon, die ihm in Salamis den Teukros (s. d.) gebar.

Telamōne (grch.), in der Baukunst eine Gebälk tragende männliche Figur (s. Atlant); in der Heraldik jetzt ungebräuchlicher Ausdruck für Schildhalter (s. d.).

Telautograph, s. Elektrische Telegraphen (Bd. 17).

Telaw. 1) Kreis im östl. Teil des russ. Gouvernements Tiflis in Transkaukasien, im Gebiet des Alasan und der Jora, hat 3385,1 qkm, 65119 E., Armenier und Georgier; in den Thälern Weinbau (der kachetische Wein), im Gebirge Viehzucht. -

2) Kreisstadt im Kreis T., am Alasan und an der kachetischen Straße, hat (1893) 11214 E., meist Armenier, Ruinen alter Befestigungen und Paläste, 8 Kirchen, 4 Klöster, 3 Moscheen, Stadtgarten; Weinbau und Seidenzucht.

Telchīnen, in der griech. Mythologie vulkanische Dämonen, welche zugleich in der Meerestiefe heimisch gedacht wurden. Ihre Schwester Halia gebar hernach dem Poseidon die Rhodos. In diese verliebte sich Helios, der nach ihr die Insel Rhodus benannte, auf der er als Hauptgott verehrt wurde, nachdem die T. vor einer Überschwemmung die Insel verlassen hatten oder von Zeus oder Helios oder dessen Söhnen erlegt oder vertrieben worden waren. Sie galten für die ersten Metallarbeiter und kunstreichen Schmiede, für die Verfertiger der ältesten Götterbilder, Waffen und Geräte, so der Sichel des Kronos und des Dreizacks des Poseidon. Man hielt sie auch für Zauberer und Wettermacher, die allerlei Gestalten annehmen konnten. Auf Rhodus sollten sie die Felder mit dem Wasser der Styx besprengt und so Unfruchtbarkeit erzeugt haben, offenbar eine Hindeutung auf frühere vulkanische Ereignisse.

Telde, span. Stadt unweit der Ostküste der canar. Insel Gran-Canaria, südlich von Las Palmas, hat (1887) 9403 E.

Teleangiëktăsie (grch.), s. Angiom.

Teledamos, s. Telegonos.

Telēga (telěga), russ. Fuhrwerk, s. Kibitka.

Telegŏnos, des Odysseus und der Kirke Sohn, auch Teledamos genannt, wurde von seiner Mutter ausgeschickt, seinen Vater aufzusuchen, und nach Ithaka verschlagen. Da er die Insel verwüstete, wollten Odysseus und Telemachos ihn daran hindern; er aber erstach erstern mit einem Rochenstachel, den die Mutter ihm statt der Lanzenspitze gegeben hatte. Hierauf ging er auf Geheiß der Athene mit Telemachos und Penelope zu seiner Mutter auf die Insel Aia zurück, bestattete dort den Odysseus und heiratete, gleich dieser und Telemachos von Kirke unsterblich gemacht, die Penelope, Telemachos die Kirke. Von jener wurde ihm Italos geboren, nach dem Italien benannt sein sollte. T. soll auch Tusculum und Präneste gegründet haben. Von ihm erzählt die Telegonie, das jüngste der hyklischen Epen.

Telegramm, eine durch Telegraphie (s. d.) beförderte Mitteilung. Handelt es sich bloß um die Beförderung einer einzigen oder nur weniger im voraus festgesetzter Nachrichten, so genügt dazu ein

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einziges, oder doch wenige und einfache telegr. Zeichen; letztere nennt man Signale, das T. selbst aber und ebenso die Signalvorrichtung auch kurz ein Signal. Der Ausdruck T. ist von dem Amerikaner E. P. Smith aus Rochester 1852 aufgebracht worden, hat sich aber erst viel später als Ersatz für "telegraphische Depesche" eingebürgert; richtig gebildet (nach dem Griechischen) sollte das Wort Telegraphem heißen. Über die Gebühren für die verschiedenen T. s. Telegraphenverkehr VI.

Die Frage, ob der Aufgeber eines T. dem Empfänger für die Richtigkeit des Ankunftstelegramms haftet, ist vom Deutschen Reichsgericht in einem Falle, in welchem die von dem Auftraggeber aufgegebene Depesche auf den Verkauf von 2000 Pfd. St., die bei dem Adressaten eingegangene Depesche auf den Verkauf von 20000 Pfd. St. eines Papiers lautete, dahin beantwortet: der Auftraggeber haftet dem Adressaten auf Ersatz, soweit dieser den Auftrag so ausgeführt hat, wie er bei ihm eingegangen ist. Nach Deutschem Bürgerl. Gesetzb. §. 120 kann eine Willenserklärung, welche durch die zur Übermittelung verwendete Person oder Anstalt unrichtig übermittelt ist, von dem Erklärenden wie eine im Irrtum abgegebene Willenserklärung angefochten werden. Die Anfechtungserklärung muß unverzüglich erfolgen, nachdem der Anfechtungsberechtigte von dem Anfechtungsgrunde Kenntnis erlangt hat (§. 121). Der Anfechtende hat aber auch, ohne daß ihn eine Schuld trifft, wenn die Erklärung einem andern gegenüber abzugeben war (also insbesondere bei Verträgen), diesem, andernfalls jedem Dritten den Schaden zu ersetzen, welchen derselbe dadurch erleidet, daß er auf die Gültigkeit der Erklärung vertraut hat, jedoch nicht über den Betrag des Interesses hinaus, welches derselbe an der Gültigkeit der Erklärung hat (§. 122). Anders nur, wenn der Beschädigte den Grund der Anfechtbarkeit kannte oder kennen mußte, aber nicht, wenn die Unrichtigkeit der Übermittelung ihren Grund in höherer Gewalt hat.

Das Reichsgericht hat auch ausgesprochen, daß die Ankunftsdepesche eine Urkunde sei, welche der Aufgeber durch das Mittel des Telegraphenamtes selbst anfertigt. Wenn er also solche Urkunden in rechtswidriger Absicht dadurch fälschlich anfertigt, daß er ein T. unter falschem Namen aufgiebt, und so von jener Urkunde (welche infolge seiner Aufgabe dem Adressaten überbracht wird) zum Zwecke der Täuschung Gebrauch macht, so begeht er eine Urkundenfälschung. (S. auch Telegraphenverkehr III.)

Telegrāph (vom grch. tēle = fern und gráphein = schreiben), im allgemeinen eine Vorrichtung, durch welche zwischen zwei entfernten Orten eine Telegraphie (s. d.) unterhalten werden kann. Die Bewältigung des telegr. Nachrichtenverkehrs im allgemeinen, die Beförderung von Mitteilungen beliebigen Inhalts und Umfangs fällt den T. im engern Sinne zu. Daneben finden in gewissen Fällen T. für besondere Zwecke Verwendung; dazu sind namentlich zu rechnen: die Feuertelegraphen (s. d.), die Feldtelegraphen (s. d.), die Eisenbahntelegraphen und Signaleinrichtungen (s. Eisenbahnsignale und Zugstelegraphen), die Haustelegraphen (s. d.). Bei den T. im engern Sinne handelt es sich meist um Telegramme (s. d.), welche durch Worte ausgedrückt werden können; mitunter auch um die telegr. Beförderung von Tonfolgen (Fernsprecher), Zeichnungen (Casellis Pantelegraph) u. a. Am Empfangsort soll das angekommene