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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Thal (Dorf) - Thaler

trichterförmigen Erdfällen bildete, welche sich nach und nach zu einer Thalrinne verbanden. Die Längsthäler sind meist tektonische T. Nach ihrer Lage zu den vorhandenen Schichtenstörungen spricht man von Sohlen- oder Muldenthälern (synklinalen T., auch Senkungsthäler), wenn die Schichten der beiden Thalgehänge gegeneinander einfallen (a in umstehender Abbildung), Sattelthälern (antiklinalen T.), wenn die Thalgehänge von Schichtköpfen gebildet sind (b); Einbruchsthäler (Bruchthäler) wurden durch einfache Verwerfung (c), Grabenthäler (die Rheinebene zwischen Basel und Mainz) durch Absinken eines Stückes der Erdrinde zwischen zwei parallelen Spalten gebildet (e). Einbruchsthäler und Erosionsthäler (d) in geneigten Schichten nennt man auch isokline oder Scheidethäler. Zu welchen von diesen Arten ein T. gehört, kann nur durch Feststellung des Fallens der Schichten an den beiden Thalseiten erkannt werden. Alle T., bei denen ein Zusammenhang mit geolog. Verhältnissen sich nicht nachweisen läßt, die einfach der Hauptabdachung eines Gebirges oder einer beliebigen seiner schiefen Ebenen folgen, faßt man bisweilen unter dem Namen Abdachungs- oder orographische T. zusammen. Um die Klassifikation der T. nach ihrer Entstehung haben sich besonders verdient gemacht: Sueß, Löwl, F. von Richthofen.

Vgl. L. Rütimeyer, über Thal- und Seebildung (2. Aufl., Bas. 1874); K. Sonklar Edler von Innstädten, Allgemeine Orographie (Wien 1873); Toula, über Thalbildung (ebd. 1877); A. Heim, Untersuchungen über den Mechanismus der Gebirgsbildung (2 Bde., Bas. 1878); Löwl, über Thalbildung (Prag 1884); Sueß, Das Antlitz der Erde (Lpz. und Prag 1885); F. von Richthofen, Führer für Forschungsreisende (Berl. 1886); Penck, Morphologie der Erdoberfläche, Tl. 2. (Stuttg. 1894).

Thal im Herzogtum Gotha, Dorf im Landratsamt Waltershausen des Herzogtums Sachsen-Coburg-Gotha, unweit des Erbstroms im Thüringer Walde, an der Ruhlaer Eisenbahn, Sitz eines Amtsgerichts (Landgericht Gotha), hat (1895) 593 evang. E., Post, Telegraph, Ruine der Burg Scharfenberg und wird als Luftkurort besucht. Nahebei eine 1890 entdeckte zugängliche Tropfsteinhöhle.

Thalabstürze, s. Thal.

Thalamophora, s. Kammerlinge.

Thalamus s. Blüte.

Thalassa oder Thalatta (grch.), das Meer; davon in Zusammensetzungen Thalasso..., Meer -..., See-....

Thalassarctos, s. Eisbär.

Thalassidion (grch.), s. Altar.

Thalassidroma, s. Sturmvögel.

Thalassogene Küste, s. Küste.

Thalassographie, s. Oceanographie.

Thalassotherapie (grch.), die Behandlung der Krankheiten durch Seeklima, Seebäder und Seereisen.

Thalatta, s. Thalassa.

Thalausgang, s. Thal.

Thalberg, Sigismund, Pianist, geb. 7. Jan. 1812 zu Genf als natürlicher Sohn des Fürsten Franz Joseph von Dietrichstein, erhielt in Wien den ersten Klavierunterricht und erregte bereits als Knabe Aufsehen durch sein Klavierspiel. Musiktheoretische Studien machte er bei Simon Sechter. Seine erste Kunstreise in Deutschland unternahm er 1830 und ging Ende 1835 nach Paris, wo er neben Liszt seinen Ruf begründete, kehrte 1837 nach Wien zurück, begab sich auf Reisen in Deutschland, England, den Niederlanden, Rußland und Italien, allenthalben mit großem Erfolge in Konzerten auftretend. Er war 1855-56 in Brasilien, 1856-58 in den Vereinigten Staaten von Amerika und lebte sodann zurückgezogen auf einer in der Nähe Neapels erworbenen Besitzung, bis er 1862 in Paris und London wieder mit Erfolg in die Öffentlichkeit trat und 1863 zum zweitenmal nach Brasilien ging. Seit seiner Rückkehr lebte er wieder auf seiner Besitzung, wo er 28. April 1871 starb. Als Virtuos zeichnete sich T. aus durch die größte technische Vollendung, durch einen schönen, immer edeln Ton und geschmackvollen, feinen Vortrag. Unter seinen Kompositionen, die die Technik des Klavierspiels namentlich nach Seite der Klangfülle und Vollstimmigkeit gefördert haben, waren die Phantasien über Opernmotive früher sehr beliebt.

Thalbett, Thalboden, s. Thal.

Thalbrücke, Viadukt, eine Brücke, welche den Zweck hat, eine Straße (Chaussee, Eisenbahn u. s. w.) in längerer Erstreckung über ein Thal hinwegzuführen und hierdurch gegenüber der Anlage eines massiven Dammes an Kosten zu sparen. T. werden in Holz, Stein oder Eisen ausgeführt. In der neuern Zeit haben die Eisenbahnen zahllose T. geschaffen, die bisweilen mehrere Bogenstellungen übereinander aufweisen (ein- und mehrstöckige T.). Nach ihrem Zweck teilt man sie in Weg- oder Eisenbahnüberführungen (Viadukte im engern Sinn) oder Wasserleitungen (s. Aquädukt). Eiserne Brücken, die den Zweck einer T. erfüllen, werden oft als Gerüstbrücke (s. d.) ausgeführt. Die höchsten steinernen T. Deutschlands sind die Göltzschthalbrücke (s. Tafel: Steinbrücken I, Fig. 3) der Linie Leipzig-Hof der Sächs. Staatsbahn (1845-51 erbaut; 570 m lang; größte Höhe 80 m; Kosten 6,6 Mill. M.), die Elsterthalbrücke derselben Linie (1845-51 erbaut; 279 m lang; 70 m hoch), die Muldenbrücke der Linie Chemnitz-Leipzig der Sächs. Staatsbahn (1869-71 erbaut; 412 m lang; 68 m hoch).

Thalbucht, Thaldämme, Thaldurchbrüche, s. Thal.

Thale, Dorf im Kreis Aschersleben des preuß. Reg.-Bez. Magdeburg, in 193 m Höhe, am Fuß des Harzes und an der Bode, in waldreicher Gebirgsgegend, an der Linie Magdeburg-Halberstadt-T. (86,7 km) der Preuß. Staatsbahnen, hat (1895) 7390 E., darunter etwa 250 Katholiken, Postamt zweiter Klasse, Telegraph, Postagentur, Fernsprechverbindung, eine Knabenerziehungsanstalt, höhere Mädchenschule, Idiotenanstalt, Gasanstalt, Wasserleitung, Badeanstalt Hubertusbad mit Solquelle, Kaltwasserheilanstalt und zahlreiche Villen und Gasthäuser für Kurgäste (1897: 727); ein Eisenhüttenwerk (2000 Arbeiter und 60 Beamte) mit Emaillier- und Walzwerk, Gießerei, Klempnerei und Herstellung von Aluminiumwaren, Spinnereien, Fabriken für emailliertes Geschirr und Cement, Brauerei, Dampfsägewerke, Mühlen und Ziegelei. Über T. die Roßtrappe (s. d.) und der Hexentanzplatz, 12 km westlich im Bodethal Treseburg (s. d.).

Thale, Adalbert vom, Pseudonym von Karl von Decker (s. d.).

Thäle, schweiz. Name der Kiefer.

Thalehrenbreitstein, s. Ehrenbreitstein.

Thaleia, s. Thalia.

Thalengen, s. Thal.

Thaler, in der Münzkunde jede größere Silbermünze von mehr als einem Lot Schwere; speciell