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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Therapeuten - Theresienorden

wirken, gehabt und dessen Aussührung sich als unmöglich erwiesen hatte. Auch bei dem Abschluß des Friedens (404) wurde seine Mitwirkung Athen verhängnisvoll. Schließlich trat T. als Führer der Gemäßigten in die Verfassungskommission der später sog. Dreißig Tyrannen ein, drang aber mit seinen Ansichten nicht durch und wurde durch Kritias gestürzt. Ende 404 mußte er den Giftbecher leeren. Ein sehr günstiges Urteil über ihn spricht Aristoteles in seiner neuerdings aufgefundenen "Athenischen Verfassung" aus. - Vgl. Pöhlig, Der Athener T. (Lpz. 1877).

Therapeuten (grch., d. i. Diener Gottes), Name einer angeblich den Essenern (s. d.) verwandten jüd. Sekte, die bei Alexandria gelebt haben soll. Neuere Forschungen haben jedoch ergeben, daß die angebliche Schrift Philos: "De vita contemplativa", das einzige Zeugnis über die T., erst später untergeschoben ist. - Vgl. Lucius, Die T. und ihre Stellung in der Geschichte der Ascese (Straßb. 1880). Für die Echtheit schrieb Conybeare: Philo about the contemplative life (Oxford 1895), gegen Lucius: Wendland, Die T. (Lpz. 1896).

Therapeutik (grch.), s. Therapie.

Therapeutisch (grch.), die Krankenbehandlung (Therapie, s. d.) betreffend.

Therapia, Ort am Bosporus, s. Böjükdere.

Therapie oder Therapeutik (grch.), die Lehre von der Behandlung der Krankheiten. Die allgemeine T. lehrt hauptsächlich, auf welche Art man durch Untersuchung des Kranken, Diagnose und Kenntnis des natürlichen Verlaufs der Übel die Heilanzeigen findet, und welche Mittel im allgemeinen zur Erfüllung der Heilanzeigen dienen können. Die specielle T. zeigt das Verfahren bei den einzelnen Krankheiten in ihren verschiedenen Arten und Formen und geht sodann in der Klinik (s. d.) zu der Behandlung der einzelnen Krankheitsfälle über. Man pflegt ein Heilverfahren, das auf dem Grund des gerade herrschenden Systems aufgebaut ist, eine rationelle Behandlung zu nennen. Da aber bisher noch kein einziges mediz. System eine durchgängig untrügliche T. entwickelt hat, so zieht der rationelle Arzt außer diesem auch die Erfahrung zu Hilfe (Erfahrungstherapie oder empirische Behandlung) und berücksichtigt daneben auch noch die Individualität des Kranken (Eklekticismus, praktischer Takt). Eine "Encyklopädie der T.", hg. von Liebreich, erscheint seit 1895 in Berlin. Die Zahl der Lehrbücher der allgemeinen wie der speciellen T. ist ungemein groß. Über allgemeine T. schrieben Richter, Ruete, Schüßler, Hoffmann, von Ziemssen u. a. Die specielle T. wird der Natur der Sache gemäß stets mit der speciellen Pathologie verbunden; hierher gehören die Werke von Wunderlich, Virchow, Lebert, Niemeyer, von Ziemssen, Gerhardt, Liebermeister, Eichhorst, Leube, Strümpell, Jürgensen, Nothnagel, Penzoldt und Stintzing u. a. Über die Geschichte der T. vgl. Petersen, Hauptmomente in der geschichtlichen Entwicklung der medizinischen T. (Kopenh. 1877). (S. Elektrotherapie.)

Über Photochromatische Therapie s. d.

Therasia, cykladische Insel, s. Santorin.

Theremin, Franz, prot. Theolog und Kanzelredner, geb. 19. März 1780 zu Gramzow (Ukermark), aus einer hugenottischen Familie stammend, studierte in Halle und Genf, wurde 1810 Prediger der franz. Gemeinde an der Werderschen Kirche zu Berlin, 1814 Hof- und Domprediger daselbst, 1824 Oberkonsistorialrat und vortragender Rat im Kulturministerium, 1834 wirklicher Oberkonsistorialrat, 1839 zugleich Professor an der Universität. Er starb 26. Sept. 1846. T., der selbst ein hervorragender Prediger war, schrieb: "Die Beredsamkeit eine Tugend, oder Grundlinien einer systematischen Rhetorik" (Berl. 1814; 2. Aufl. 1837), "Demosthenes und Massillon, ein Beitrag zur Geschichte der Beredsamkeit" (ebd. 1845), "Kreuz Christi, Predigten" (9 Bde., ebd. 1817-41), "Abendstunden" (religiöse Abhandlungen, 3 Bde., ebd. 1833 - 39; 5. Aufl. 1858), und eine Art "Werther": "Adalberts Bekenntnisse " (ebd. 1828; 2. Aufl. 1835).

Therese, Pseudonym Therese von Lützows (s. d.).

Theresia, der 295. Planetoid.

Theresianische Militärakademie, früher Militärakademie zu Wiener-Neustadt genannt, österreichische militär. Bildungsanstalt, die in drei Jahrgängen Zöglinge zu Offizieren für Infanterie, Jäger und Kavallerie ausbildet. Diejenigen Zöglinge, welche den Lehrkursus mit gutem Erfolge beendet haben, werden sofort zu Lieutenants nach Zulässigkeit des Dienststandes in selbstgewahlten Regimentern ernannt. Die Anstalt entspricht, wie die Technische Militärakademie zu Wien, ungefähr der preuß. Haupt-Kadettenanstalt zu Lichterfelde.

Theresia von Jesu (richtiger Teresia, span. Teresa de Jesus), Heilige, geb. 28. März 1515 zu Avila in Altcastilien, trat 1533 in den Orden der Karmeliterinnen und bemühte sich von 1563 an für eine Reformation des Ordens. Sie entwarf eine neue Regel, die 1565 von Pius IV. bestätigt und in vielen Männer- und Frauenklöstern durchgeführt wurde, so bei den Karmelitern und Barfüßern. T. v. J. starb 4. Okt. 1582 und wurde 1622 heilig gesprochen. Ihre Schriften, eine "Selbstbiographie", "Das Buch der Klosterstiftungen", "Weg zur Vollkommenheit", "Die Seelenburg" u. s. w., gehören zu den merkwürdigsten Erzeugnissen der kath. Mystik, ihre Gedichte zu den schönsten Blüten der span. religiösen Lyrik; ihre 342 Briefe sind von großem zeit- und kulturgeschichtlichen Interesse. Die Handschriften wurden auf Befehl Philipps II. im Escorial aufbewahrt. Die Werke sind oft herausgegeben, so von Vicente de la Fuente im 53. und 55. Bande der "Biblioteca de autores españoles" (Madr. 1861) und in mehrere Sprachen übersetzt, ins Deutsche von Gallus Schwab (3. Aufl., 5 Bde., Regensb. 1870), Clarus (1. bis 5. Bd. der "Sammlung der vorzüglichsten mystischen Schriften", ebd. 1852-69) und von der Gräfin Ida Hahn-Hahn ("Teresa von Jesus", Mainz 1867). - Vgl. Pösl, Leben der heiligen T. (2. Aufl., Regensb. 1856); Hennes, Das Leben der heiligen Teresa (2. Aufl., Frankf. 1866); Miß Trench, The life of Saint Theresa (Lond. 1875); Hofele, Die heilige T. (Regensb. 1882); Hahn, Les phénomènes hystériques et les révélations de Sainte Thérèse (1882); Pingsmann, Santa Teresa de Jesus (Köln 1886).

Theresienorden, bayr. Damenorden, von der Königin Therese 12. Dez. 1827 gestiftet zur Unterstützung von 12 dem eingeborenen und stiftsfähigen Adel Bayerns angehörenden unverheirateten Damen, die Präbenden erhalten, dann für sog. Ehrendamen (auch Ausländerinnen) in unbeschränkter Anzahl bestimmt. Ordenszeichen ist ein hellblau emailliertes goldenes Kreuz, dessen rundes weißes Mittelschild innerhalb eines Rautenkranzes den goldenen Buchstaben T zeigt. Zwischen den vier Kreuzarmen liegt je eine blau-weiße bayr. Wecke.