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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Theresienstadt - Thermochemie

Das von goldener Königskrone überragte Kreuz wird an einem mit zwei hellblauen Streifen eingefaßten weißen Bande an der linken Brust getragen.

Theresienstadt. 1) T., czech. Terezin, Königl. Freistadt in Böhmen, an der Eger, unweit der Mündung derselben in die Elbe, in einer obstreichen Gegend, das Böhmische Paradies genannt, an der Linie Wien-Bodenbach der Österr.-Ungar. Staatsbahn, Sitz des Kommandos der 29. Infanterietruppendivision und 57. Infanteriebrigade, hat (1890) 7215 deutsche und czech. E., in Garnison 3 Bataillone des 18. Infanterieregiments "Erzherzog Leopold Salvator", 1 Bataillon des 42. Infanterieregiments "Ernst August, Herzog von Cumberland, Herzog zu Braunschweig und Lüneburg", 2 Bataillone des 92. Infanterieregiments "Freiherr von König", 2 Eskadrons des 1. Dragonerregiments "Kaiser Franz", das 1. Feldjägerbataillon, das Divisionartillerieregiment Nr. 26 und das Pionierbataillon Nr. 8. Der Ort ist als Hauptwaffenplatz für Böhmen und als Kriegslager für 16 000 Mann von Bedeutung. T. wurde als Festung von der Kaiserin Maria Theresia 1780 gegründet und von Joseph II. zu einer königl. Freistadt erhoben. Im Deutschen Kriege von 1866 geschah aus T. noch 28. Juli ein Ausfall gegen die preuß. Rückzugslinie, da der österr. Kommandant über den Abschluß des Waffenstillstands vom 26. Juli in Unkenntnis war. Die Festung ist 1882 aufgehoben. - 2) Stadt in Ungarn, s. Theresiopel.

Theresienthal, Eisenwerk bei Neubistritz (s. d.).

Theresiopel (Theresienstadt), auch Maria-Theresiopel, ungar. (Szent-Maria)Szabadka, serb. Subotica, königl. Freistadt mit Municipium im ungar. Komitat Bács-Bodrog, in der großen Ebene zwischen Donau und Theiß, an den Linien Budapest-Semlin, T.-Baja (59 km), Großwardein-Villány der Ungar. Staatsbahnen und T.-Ó-Becse (77 km) der Bács-Bodroger Eisenbahn, hat (1890) 72 737 meist kath. magyar. und serb. E. (1898 Deutsche), darunter 2480 Griechisch-Orientalische, 923 Evangelische und 2540 Israeliten, in Garnison ein Bataillon des 86. Infanterieregiments und eine Eskadron des 4. Husarenregiments "Arthur, Herzog von Connaught und Strathearn", eine Hauptkirche St. Theresia, Franziskanerkirche, schöne griech. Kirche, Stadthaus, ungar. Theater, große Kaserne, Obergymnasium, Musikschule; Gerberei und Stiefelfabrikation, Leinenweberei, Färberei, Weizen-, Tabak-, Wein- und Obstbau und bedeutende Viehzucht auf der zur Stadt gehörigen 1980 qkm großen Puszta Telecska, auf welcher auch der Soda abscheidende Palitscher See liegt, ein besuchter Badeort; starken Handel mit Pferden, Hornvieh, Schafen, rohen Häuten und Wolle.

^[Abb.]

Therezina, Hauptstadt des brasil. Staates Piauhy (s. d.).

Theriak (grch.), ein berühmtes Gegengift in Form einer Latwerge. Es wurde von Andromachus aus Kreta, dem Leibarzt des Kaisers Nero, zusammengesetzt und in einem Gedicht beschrieben, das durch Galenus in seiner Schrift "De antidotis" aufbewahrt worden ist. Dieser T. ist eine Zusammensetzung von fast 70 Arzneimitteln, deren einige ganz unwirksam sind, andere in ihrer Wirkung sich aufheben. Doch hat er sich bis in die neuere Zeit in Ansehen erhalten, und noch im 18. Jahrh. mußten ihn die Apotheker in Venedig, Holland, Frankreich mit gewissen Feierlichkeiten im Beisein der Magistratspersonen zusammensetzen. Durch die Pharmakopöe von 1882 ist der T. aus der Liste der offizinellen Arzneimittel gestrichen worden, findet jedoch als Volksheilmittel noch Verwendung.

Theriakwurzel, s. Angelikawurzel.

Theriodonten, große Reptilienreste aus der Verwandtschaft der Anomodonten (s. d.), die mit diesen und den Parciosauriern die Theromorphen bilden, in den sog. Dicynodonsanden (s. Dicynodon) der Karroobildung Südafrikas (wohl Grenzschichten zwischen Trias und Jura) in Gesellschaft von Resten der letzten Labyrinthodonten (s. d.) aufgefunden und merkwürdig durch ihr in den Größenverhältnissen und Anordnung der Zähne (Lykosaurus = Wolfseidechse u. s. w.) zuerst an Raubtiere oder Karnivoren erinnerndes Gebiß. Der Körper war plump, ziemlich hochbeinig und fast ohne Schwanz.

Therma, alter Name von Saloniki.

Thermae oder T. Himerenses, Stadt in Sicilien, s. Termini Imerese; T. Lixonienses, Stadt in Frankreich, s. Bagnères-de-Luchon.

Thermäischer Meerbusen, im Altertum Name des Golfs von Saloniki.

Thermästhesiometer (grch.), ein Instrument zur Prüfung des Temperatursinns.

Therme, s. Thessalonich.

Thermen (lat. thermae), s. Bad nebst Tafel: Bäder I, Fig. 1 u. 2, und Mineralwässer.

Thermengruppe, s. Ostalpen.

Thermia, cykladische Insel, s. Kythnos.

Thermidor (frz., "Hitzemonat"), im Kalender (s. d.) der franz. Republik der elfte Monat, dauerte in den J. I-VII vom 19. Juli bis 17. Aug., in den J. VIII-XIII vom 20. Juli bis 18. Aug. des Gregorianischen Kalenders. Berühmt ist der 9. T. des J. II (27. Juli 1794), an dem Robespierre gestürzt wurde, weshalb sich die Sieger, an deren Spitze Tallien, Barras und Fréron standen, Thermidoristen oder Thermidorianer nannten. -Vgl. Duval, Souvenirs thermidoriens (2 Bde., Par. 1844); Héricault, La révolution de T. (ebd. 1876; 2. Ausg. 1877).

Thermische Strahlen, s. Strahl.

Thermoalkoholometer, s. Alkoholometer.

Thermobarometer, soviel wie Hypsothermometer (s. d.).

Thermocautère (frz., spr. -kotähr), s. Thermokauter.

Thermochemie, die Gesamtheit der Lehren von den Beziehungen chem. Vorgänge und Verhältnisse zu den Wärmevorgängen und -Zuständen. Speciell bezeichnet man wohl auch als T. die Lehre von den durch chem. Prozesse hervorgerufenen Wärmeänderungen oder von der Wärmetönung. Dieselbe ist früher von Favre und Silbermann, neuerdings vorzüglich von Berthelot, Thomsen, Luginin, Stohmann bearbeitet worden. - Vgl. Jahn, Die T. und ihre Bedeutung für die theoretische Chemie (Wien 1882); Thomsen, Thermochem. Untersuchungen (4 Bde., Lpz. 1882-86); Naumann, Thermochemie (Braunschw. 1882); Horstmann, Theoretische Chemie einschließlich der T. (ebd. 1885); Planck, Grundriß der allgemeinen T. (Bresl. 1893); Berthelot, Praktische Anleitung zur Ausführung thermochem. Messungen (deutsch von Siebert, Lpz. 1893); Berthelot, Thermochimie Bd. 1 u. 2, Par. 1897). (S. auch Dulong-Petitsches Gesetz, Molekularwärme, Neutralisationswärme, Verbrennungswärme, Wärmetönung; ferner Chemie, Bd. 17.)