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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Thüringische Mark - Thurn und Taxis

kehrswege von Berlin nach Frankfurt a. M. und dem südwestl. Deutschland. Die T. E. untersteht der königl. Eisenbahndirektion zu Erfurt. (S. Preußische Eisenbahnen.)

Thüringische Mark, s. Thüringen.

Thüringische Pforte, s. Finne.

Thüringischer Handelsverein, s. Handelsverein.

Thüringischer Zoll- und Steuerverein, s. Bd. 17.

Thüringische Staaten, Bezeichnung für die Sachsen-Ernestinischen Länder (Sachsen-Weimar-Eisenach, Sachsen-Coburg-Gotha, Sachsen-Altenburg, Sachsen-Meiningen) und die Fürstentümer Reuß und Schwarzburg mit einer Gesamtfläche von 12 281,02 qkm und 1 271 238 E., darunter 22 580 Katholiken und 3914 Israeliten. (S. Karte: Königreich Sachsen, Provinz Sachsen u. s. w.)

Thüringisches Volksrecht (Lex Angliorum et Werinorum hoc est Thuringorum), ein Volksrecht, das nicht für ganz Thüringen, sondern nur für die von den Stämmen der Angeln (in dem südlich der Unstrut gelegenen Gau Engleheim) und Warnen (Landschaft Werenofeld zwischen Saale und Elster) früher bewohnten Gebieten Geltung hatte. Es wurde unter Benutzung der Lex Ribuariorum und auch der Lex Saxonum 802 oder 803 redigiert. Herausgegeben wurde es von von Richthofen in den "Monumenta Germaniae. Leges V".

Thüringische Terrasse, zwischen dem Thüringer Wald und Harz, zwischen Saale und Werra gelegene Berg- und Hügellandschaft, die aus zahlreichen einzelnen Bergzügen und Platten unter besondern Namen besteht. Dahin gehören: das Eichsfeld (s. d.) mit den Ohmbergen (523 m) und dem Duen (s. d.), die Hainleite (s. d.), das Kyffhäusergebirge (s. d.), die Finne (s. d.), der Göttinger Wald (440 m) östlich von der Leine und Göttingen, der Hainich (473 m) zwischen dem Eichsfeld und den Bergen von Eisenach, der Ettersberg (s. d.) und der Steigerwald bei Erfurt. Hierher gehören auch noch die in unmittelbarer Nähe des Thüringer Waldes sich befindenden Höhen, wie der Singer Berg bei Stadtilm (582 m), der Reinsberg bei Plaue (614 m), die drei Gleichen bei Wandersleben, die Hörselberge (s. d.), der Kulm bei Saalfeld (482 w), die Leuchtenburg (436 m), die Kunitzburg (353 m) und die Rudelsburg an der Ostseite des Saalethales. (S. Karte: Königreich Sachsen, Provinz Sachsen u. s. w.)

Thüringisch-Obersächsisch, s. Deutsche Mundarten nebst Karte.

Thuringit, Mineral, s. Chlorit.

Thuringoheim, s. Dürkheim.

Thürklopfer, ein an der Thür befestigter Ring, der auf einen darunter angebrachten Metallknopf aufschlägt, um die Bewohner des Hauses zum Öffnen aufzufordern. Das Mittelalter und die Renaissance machten aus dem T. kleine Kunstwerke.

Thurmayr, Geschichtschreiber, s. Turmair.

Thurmberg, Turmberg, höchster Gipfel des uralisch-baltischen Höhenrückens (331 m) bei Schönberg im preuß. Reg.-Bez. Danzig.

Thurmelin, s. Insektenpulver.

Thurn, Heinrich Matthias, Graf von, Haupt des böhm. Aufruhrs, der den Dreißigjährigen Krieg einleitete, geb. 1580, von prot. Eltern, erhielt infolge seiner Tapferkeit gegen die Türken von Kaiser Rudolf II. das Burggarafentum der Feste Karlstein in Böhmen. Seine Mitwirkung an dem Erlaß des Majestätsbriefs veranlaßte, daß ihn die prot. Stände zu einem der 30 Defensores fidei wählten. Gereizt durch die Bedrängnis, die unter Kaiser Matthias über den Protestantismus hereinzubrechen drohte, und durch die ihm plötzlich widerfahrene Entziehung des Burggrafentums, gab er 23. Mai 1618 in Prag das Zeichen zum Aufstande der böhm. Protestanten. Als Feldherr des ständischen Heers drang er im Juni und Nov. 1619 bis Wien vor. Nach der Niederlage am Weißen Berge (8. Nov. 1620) floh er zu Bethlen Gabor nach Siebenbürgen. Später schloß er sich an Gustav Adolf an und nahm an den Schlachten bei Leipzig 1631 und bei Lützen 1632 teil; er spielte mehrfach den Unterhändler zwischen Wallenstein und den Schweden. 1633 stand er an der Spitze eines kleinen schwed. Korps in Schlesien, zeigte sich aber als sehr unfähigen ^[richtig: unfähiger] Heerführer und wurde im Okt. 1633 bei Steinau a. O. von Wallenstein zur Kapitulation genötigt, aber bald darauf freigelassen. Seine zuletzt recht klägliche polit. Rolle war damit ausgespielt. Er starb 28. Jan. 1640. - Vgl. Hallwich, Heinrich Matthias T. als Zeuge im Prozeß Wallenstein (Lpz. 1883).

Thurnau, bayr. Flecken, s. Bd. 17.

Thürnberg, Bergstock südlich von Hallein, s. Dürnberg.

Thürnlhof, s. Ebersdorf.

Thurn und Taxis (frz. de la Tour et Taxis; ital. della Torre e Tassis), ehemals reichsunmittelbares Haus in Deutschland, aus dem Hause der Taxis (s. d.). Das Stammwappen zeigt einen silbernen Dachs im blauen Felde. Von den im Adelsdiplom der Familie von 1512 genannten Brüdern und Vettern errichtete Franz von Taxis 1516 die erste wirkliche Post zwischen Wien und Brüssel (s. Postwesen). Der Beleihung mit dem Generalpostmeisteramt im Deutschen Reich und in den Spanischen Niederlanden, welche den Reichtum des Hauses begründete, folgte die Erhebung zum Reichsfreiherrn 1608, zum Reichsgrafen 1624. Endlich erhielt Graf Eugen Alexander Franz den span.-niederländ. Fürstenstand 1681 sowie den Reichsfürstentitel 1695. Sein Enkel Fürst Alexander Ferdinand (geb. 1704, gest. 1773) bewirkte die Erhebung seines reichslehnbaren Reichs-General-Erbpostmeisteramtes 1744 zu einem Reichsthronlehn, wurde 1754 als Reichsstand mit einer Virilstimme in den Reichsfürstenrat eingeführt und 1748 zum Prinzipalkommissar Kaiser Franz' I. beim Reichstage ernannt, was seine Übersiedelung von Frankfurt a. M. nach Regensburg zur Folge hatte, wo das Haupt des Hauses noch heute seine Residenz hat. Alexander Ferdinands Sohn Fürst Karl Anselm (geb. 1733, gest. 1805) kaufte 1785 die reichsunmittelbaren Herrschaften Friedberg, Scheer, Dürmentingen und Bussen in Schwaben, die 1787 zu einer gefürsteten Reichsgrafschaft erhoben wurden und ihm Sitz und Stimme auf der Fürstenbank des Schwäbischen Kreises verschafften. Als Entschädigung für den Verlust der Posten in den österr. Niederlanden und auf dem linken Rheinufer (1801) erhielt das T. u. T.sche Haus im Reichsdeputationshauptschluß von 1803 das gefürstete Damenstift Buchau nebst Stadt, die Abteien Marchthal und Neresheim, das Amt Ostrach, die Herrschaft Schemmerberg und die Weiler Tiefenthal, Frankenhofen und Stetten und für Buchau eine neue Virilstimme im Reichsfürstenrat. Von Preußen erhielt es als Entschädigung 1819 drei in der Provinz Posen gelegene Domänenämter, die zu einem Fürstentum Krotoschin erhoben wurden, und 28. Jan. 1867 für die über-^[folgende Seite]