Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

832

Tiefseelotungen - Tiegenhof

Meeresboden in einer Tiefe von 4000 m wie ein Wandkanker umherstelzt; letzterer (auch natürliche Größe in der Figur) scheint in gewissen Tiefen sehr häufig zu sein. Die bathybischen Mollusken sind weder durch Färbung, Größe, noch anatom. Verhältnisse auffallend, aber sie sind dadurch merkwürdig, daß sie eine sehr weite Verbreitung haben und Repräsentanten sonst ausgestorbener Geschlechter unter sich zählen. Tunikaten oder Manteltiere sind in großen Meerestiefen selten, nur die einfachen Ascidien (s. Seescheiden), wie Bolzenia pedunculata (Fig. 22) eine ist, gehen beträchtlich tief.

Von hervorragendem Interesse sind die Tiefseefische. Eustomias obscurus Günth. (Fig. 23) wurde von den Franzosen im Nordatlantischen Ocean bei 2700 m gefunden, er ist etwa 18 cm lang, mit glatter sammetschwarzer Haut; an seiner Kehle befindet sich ein etwa 6 cm langer, zarter, weißer Faden mit einer gefiederten Anschwellung, der wahrscheinlich ein sehr feines Tastorgan ist. Die Flossen sind sehr wenig ausgebildet, bestehen bloß aus zarten Strahlen, der Fisch ist auch kein Schwimmer, sondern ein Schlammbewohner. Eine der bizarrsten Tiergestalten ist das "pelikanähnliche Weitmaul", Eurypharnyx pelecanoides Perr. (Fig. 24), das sich mit nichts besser vergleichen läßt als mit einem schwimmenden Löffel; auch dies lebt bei einer Tiefe von 2300 m, wie scheint in den Schlamm eingebohrt, aus dem nichts als sein weites Maul hervorragt. Seine Länge beträgt 50 cm, seine gleichfalls sammetschwarze Haut ist glatt, an seinem ungeheuern Maul verläuft entlang dem vordern Ende des Körpers und entlang dem Kopfe zum Oberkiefer eine dehnbare Hautfalte, unten findet sich ein zwischen den Ästen des mit seinen Enden weit nach hinten geschobenen Unterkiefers aufgehängter elastischer Sack. Auch seine Bewegungsorgane sind in hohem Grade rückgebildet. Ein schöner eleganter Fisch mit großbeschuppter Haut und daher wohl kein Schlammbewohner ist Halosaurus macrochir. Günth. (Fig. 25), glatt aber ist wieder das prachtvoll schwarze Neostoma bathyphilum Günth. (Fig. 26), ungefähr 26 cm lang und bei den Azoren in einer Tiefe von 2220 m entdeckt. Ein wunderliches Tier mit seinem großäugigen gewaltigen Kopfe, seinem kurzen Leibe und langen flachen Schwänze, mit seinen gering entwickelten Gliedmaßen und seiner eigentümlichen Beschuppung, ist auch der kugelköpfige Langschwanz (Macrurus globiceps Günth. (Fig. 27), der im Atlantischen Ocean zwischen 1400 und 3000 m haust. Ein Schlammbewohner ist Melanocetus Johnstoni Wyv. Thoms. (Fig. 28), 14-16 cm lang, mit ungeheuerm Maul und ungeheuerm Bauch und einem vielleicht zum Anlocken anderer Fische dienenden beweglichen Apparat auf der Stirn. Schon seit längerer Zeit bekannt ist Stomias boa Risso (Fig. 29), der auch im Mittelmeer in bedeutenden Tiefen vorkommt. Abgesehen von einem Fadenanhang am Kinn hat er entlang der Kehle und des Bauches jederseits eine Doppelreihe eigentümlicher glänzender Plättchen, die oberhalb sehr nervenreicher Gruben liegen und zusammen mit diesen überaus wunderbare Gebilde darstellen, die vielfach an Augen erinnern und früher auch dafür gehalten worden sind, während man sie jetzt als Leuchtorgane kennen gelernt hat.

Litteratur. Außer den am Schluß des Artikels Tiefseeforschungen angeführten Werken vgl. H. Filhol, La vie au fond des mers (Par. 1885); E. Perrier, Les explorations sous-marines (ebd. 1886); A. Agassiz, Three cruises of the U. S. Coast and Geodetic Survey Steamer Blake (2 Bde., Lond. 1888); W. Marshall, Die Tiefsee und ihr Leben (Lpz. 1888).

Tiefseelotungen, Tiefseemessungen, s. Tiefseeforschung.

Tiefseethermometer, s. Tiefseeforschung nebst Tafel, Fig. 6.

Tiefseezange, s. Tiefseeforschung.

Tiefsinn, ein Volksausdruck für Melancholie (s. d.). In korrektem Sinne bedeutet das Wort das gründliche, tiefer eindringende Auffassen der Erscheinungen, Vorkommnisse u. s. w., wie es die Wissenschaft voraussetzt, das Aufgehen, Eichvertiefen in einen bestimmten Gegenstand des Denkens.

Tiefurt, Dorf im Verwaltungsbezirk Weimar des Großherzogtums Sachsen-Weimar-Eisenach, 3 km im NO. von Weimar, links an der Ilm, hat (1895) 404 evang. E., ein großherzogl. Kammergut, Lustschloß und Park, einst Lieblingsaufenthalt der Herzogin Anna Amalie, wo vom Hof und dem Dichterkreis oft im Freien Theater gespielt wurde. Auf dem rechten Ufer der Ilm die Fasanerie Webigt.

Tiegel, in der Haushaltung ein zum Zerlassen von Fett u. s. w. gebrauchtes, flachrundes, irdenes Gefäß. Die zum Schmelzen von Metallen, zu Reduktionen und andern technischen Zwecken dienenden T., Schmelztiegel genannt, sind gewöhnlich nach unten kegelförmig verengte thönerne Gefäße. Ein guter Schmelztiegel muß hohe Hitzegrade und raschen Temperaturwechsel aushalten und dabei möglichste Dichtigkeit besitzen, um die Masse nicht durchsickern zu lassen. Sie werden aus bestem feuerfestem Thon verfertigt, den man mit sog. Magerungsmitteln versetzt, um das Schwinden und Reißen zu verhüten. Als solche Zusätze dienen, je nach der Verwendung der T., Quarzkörner, Scherben von alten T. und sehr häufig Graphit (s. Graphittiegel). Die Herstellung wird entweder mit der Hand oder mit Hilfe einer Presse bewirkt. Ausgedehnte Verwendung finden die T. zum Schmelzen von Stahl (Tiegelstahl oder Gußstahl genannt), Nickel, Neusilber, Messing, sämtlicher Münzmetalle und außerdem in allen solchen Fällen, wo nur kleine Mengen eines Metalls (z. B. Bronze, auch Gußeisen) geschmolzen werden sollen. Für chem. Arbeiten im Laboratorium benutzt man kleine T. aus Platin oder Porzellan, welche unmittelbar über der Weingeist- oder Leuchtgasflamme erhitzt werden. Eiserne T. werden mitunter zum Schmelzen alkalischer Körper benutzt, welche die Thontiegel stark angreifen würden. (S. Hessische Schmelztiegel, Kalktiegel.) Beim Gebrauch werden die T. in eine Feuerungsanlage (Tiegelofen) eingesetzt, entweder in das glühende Brennmaterial eingebettet oder, wie z. B. bei dem Tiegelofen für Gußstahl (s. Eisenerzeugung und Tafel: Eisenerzeugung III, Fig. 4 u. 5), von den Heizgasen umspült.

Tiegeldruckabziehpresse, s. Buchdruckerkunst.

Tiegeldruckpresse, Tiegeldruckschnellpresse, s. Schnellpresse.

Tiegeldrucktretpresse, s. Buchdruckerkunst.

Tiegelgußstahl, der im Tiegelofen hergestellte Gußstahl (s. Eisenerzeugung).

Tiegelofen, s. Tiegel und Schmelzofen.

Tiegelzange, soviel wie Bauchzange (s. d.).

Tiegenhof oder Weyershof, Stadt im Kreis Marienburg des preuß. Reg.-Bez. Danzig, an der schiffbaren Tiege, oberhalb des Weichsel-Haffkanals, in der Tiegenhofer Niederung (s. Marienburger Niederung), an der Nebenlinie Marienburg-T.