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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Tier

organe ein sehr verschieden langes, im einfachsten Falle gerade verlaufendes, meist aber, da es länger als der Körper ist, in mannigfachen Schlingen zusammengelegtes Rohr (Verdauungstraktus) dar. Sehr allgemein lassen sich an diesem unterscheiden: eine mit Apparaten zum Aufnehmen und Zerkleinern (Zähne, s. d.) der Nahrung ausgestattete Mundhöhle, ein bisweilen mit einer Art Aufbewahrungsort für die Nahrung (Kropf, ingluvies) versehene Speiseröhre, die sich zu einem öfters mehrteiligen Magen erweitert, in dem die genossene Nahrung chemisch (durch den Magensaft), bisweilen auch mechanisch (Kaumagen der Insekten, Muskelmagen der Vögel) verarbeitet wird. Die eigentliche Verdauung, d. h. die Aufnahme der Nahrung in die Säfte des T., geht in dem auf dem Magen folgenden Mitteldarm vor sich. Dieser geht in den End- oder Afterdarm über, der mit dem After nach außen mündet. Mit dem Verdauungsrohr sind vielfach Drüsen verbunden, d. h. besondere durch Ausstülpung gebildete Partien desselben, die zufolge von Arbeitsteilung besondere Funktionen haben, nämlich meist zur Verdauung nötige Säfte aus ihren Zellen abzuscheiden. Solche Drüsen sind: die Speichel-, Magen-, Bauchspeichel-, Darmdrüsen und die Leber. Auch die Spinndrüsen und Malpighischen Gefäße der Insekten (s. d.) gehören hierher. Zum Herbeischaffen und Ergreifen der Nahrung dienen häufig Hilfsorgane, um den Mund stehende oder zu ihm hinführende Strudel-(Wimper-) Apparate, Tentakeln (s. d.), Gliedmaßen (Glieder- und Wirbeltiere), Rüssel (Elefanten) u. s. w.

Der durch die Verdauung zubereitete Nahrungssaft (s. Chylus) tritt durch die Darmwandung in den Körper der T. über und bildet da, wo eine Leibeshöhle vorhanden ist, das Blut (s. d.), das sich entweder frei zwischen den Organen und zum Teil durch deren Zusammenziehungen oder durch die der Hautmuskulatur bewegt, oder aber in besondern Röhren (Gefäßen) und durch besonders entwickelte pumpenartige Muskelstellen derselben (Herz, s. d.) angetrieben verläuft. Meist sind Gefäße von zweierlei Art vorhanden, solche, die das Blut vom Herzen weg-, und solche, die es ihm wieder zuführen (Arterien und Venen, s. Kreislauf des Blutes). Beide Arten Gefäße geben entweder durch sehr feine Gefäßchen (Haargefäße, s. d.) ineinander über, dann ist das Gefäßsystem ein vollkommen geschlossenes, oder aus den Arterien ergießt sich das Blut in die Leibeshöhle oder in wandungslose zwischen den Organen gelegene Räume (Blutsinus) und sammelt sich aus diesen wieder in die Venen, dann ist das Gefäßsystem nicht geschlossen. Bei geschlossenen Gefäßsystemen wird der Chylus durch besondere sog. Lymphgefäße oder Saugadern (s. Lymphe) dem Blutkreislauf zugeführt. Alle T. brauchen zum Leben Sauerstoff, den sie in die ernährende Flüssigkeit mit der äußern Luft fortwährend aufnehmen, geben aber die gleichfalls mit aufgenommene unbrauchbare Kohlensäure ab. Diesen Gasaustausch nennt man Atmung (s. d.) oder Respiration. Die im Wasser atmenden T. entnehmen den Sauerstoff der in diesem enthaltenen Luft, nicht der Substanz des Wassers selbst. Bei kleinen, namentlich das Wasser bewohnenden T. (Protozoen, Rädertieren, Larven der verschiedensten Formen u. s. w.) kann die Atmung auf der ganzen Körperoberfläche vor sich gehen und hier finden sich meist in verschiedenem Umfange und verschiedener Anordnung Wimperapparate, die den über den Körper weggehenden Wasserstrom und damit die Zufuhr von atmosphärischer Luft fortwährend erneuern. Sonst vollzieht sich die Atmung durch besondere Atmungswerkzeuge, die bei Wassertieren als Kiemen (s. d.), bei Landtieren als Tracheen (s. d.) und Lungen (s. d.) bekannt sind. Außer Gas (Kohlensäure) sondert der tierische Körper auch mehr oder weniger flüssige, unbrauchbare oder schädliche Stoffe ab. Bei niedersten Formen wirkt gleichfalls die ganze Körperoberfläche in diesem Sinne, meist aber finden sich hierzu besondere Exkretionsorgane (Drüsen, s. d.), wie Schweißdrüsen, Malpighische Gefäße, Nieren u. s. w. Durch die Ernährung geschieht das Wachstum der T., das sich bei jüngern Individuen durch Zunahme an Umfang, Gewicht und Differenzierung des Körpers, bei erwachsenen durch Ersatz der verbrauchten Substanzen oder Ersatz verloren gegangener Teile (s. Reproduktion), durch Ablagerung von Reservestoffen und durch die Fortpflanzung zu erkennen giebt. Meist, aber durchaus nicht immer, schließt das individuelle Wachstum mit dem Eintritt der Fortpflanzungsfähigkeit ab.

Die Körpergestalt der T. ist entweder eine nicht bestimmte, individuellen Schwankungen unterliegende (bei den sog. Amorphozoen, Amöben, Schwämmen u. s. w.), oder sie ist eine bestimmte, feste. In letzterm Falle kann sie asymmetrisch sein, d. h. keine durch den Körpermittelpunkt gelegte Ebene teilt den Körper in zwei spiegelbildlich gleiche Hälften (Infusorien, parasitische Krebse, die Schollen u. s. w.), oder aber sie ist symmetrisch und zwar bilateral- oder radiärsymmetrisch. Bilateralsymmetrische T. können nur durch eine Ebene in zwei spiegelbildlich gleiche Teile zerlegt werden, radiärsymmetrische verhalten sich verschieden. Bei ihnen gruppieren sich gleich entwickelte Körperteilstücke (Antimeren) in größerer Zahl um eine Achse und es kommt darauf an, ob diese Zahl eine gerade oder ungerade ist. Übrigens geht die radiäre Symmetrie in die bilaterale über (Seewalzen, Herzigel, Rippenquallen) und auch bei bilateral symmetrischen T. finden sich Anklänge an die radiäre Symmetrie (Tentakelkränze von Räder- und Moostieren, Kopffüßern u. s. w.). Im übrigen richtet sich die Gestalt der T. nach der Lebensweise, namentlich nach der Art und Schnelligkeit, mit der, und nach dem Medium, in dem sie sich bewegen; hurtige T. sind schlank spindelförmig von Rumpf; sind sie dabei Landbewohner, so sind sie hochbeinig, häufig mit Reduktion der Zehenzahl; langsame, auf dem Boden lebende Land- und Wassertiere sind flach und breit, in der Erde hausende walzenförmig u. s. w.

Die maximale Größe der T. ist sehr schwankend und kann von einigen Tausendstel Millimetern (Infusorien) bis 30 m (der nordische Finnwal) betragen. Sie hängt von außerordentlich vielen Umständen (z. B. Masse und Art der Nahrung, Beschaffenheit des Aufenthaltsortes, Art der Bewegung u. s. w.) ab. Die kleinsten wie die größten lebenden T. finden sich im Wasser. Der innige Zusammenhang der Fortpflanzung und das Wachstum der T. ergiebt sich aus einer Reihe von Erscheinungen, namentlich der ungeschlechtlichen Fortpflanzung. Bei Protozoen kommt es vor, daß das betreffende Individuum bis über die Maximalgröße wächst und dann ohne weiteres in zwei gleiche Teile zerfällt oder sich mit einer Kapsel umgiebt (sich encystiert), innerhalb derer es in eine größere Anzahl von Stücken zerfällt, die nach Sprengung der Kapsel ausschwärmen. Auch Süßwasserschwämme und Moos-^[folgende Seite]