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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Tierdienst; Tierepos; Tierfabel; Tiergarten; Tiergartenbetrieb; Tiergeographie

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Tierdienst - Tiergeographie

Kügelchen (Blutkörperchen) schwimmen, welche die Eigenschaft besitzen, den Sauerstoff chemisch zu binden. Bei seinem Durchgange durch die Lungen nimmt das Blut den Sauerstoff auf und führt ihn, zugleich mit den vom Darmkanal bezogenen Nahrungsmitteln, zu den Organen des Körpers, welche beiderlei Substanzen als Ersatz für verbrauchte Substanz aufnehmen, überschüssige aufspeichern oder sogleich weiter verarbeiten. Der Sauerstoff wird hier zu Oxydationen verwendet, und die dabei frei werdende Energie wird teils in Form mechan. Arbeit, z. B. Muskelbewegung, teils als Wärme für den Körper nutzbar gemacht. Die Umsatzprodukte werden von dem Blute aufgenommen, aus dem die gasförmigen (Kohlensäure und Wasserdampf) durch Lungen und Haut abgeschieden werden, die löslichen durch die Nieren abfiltrieren (Harn) oder nach weiterer Verarbeitung in den Darmkanal ergossen werden (wie die Galle aus der Leber), oder in das Blut zurückfließen (aus der Milz) und so dem Körper noch fernerhin nutzbar werden.

Die T. schließt also sehr wichtige praktische Fragen in sich, die sich nicht bloß auf die Ernährung und den Stoffwechsel des gesunden Körpers beziehen (z. B. die Nahrungsmittellehre), sondern auch auf diese Vorgänge bei Krankheiten (pathologische Chemie). Ein besonderer Zweig der physiol. Chemie, die Histochemie, beschäftigt sich mit der chem. Konstitution der Formelemente und Gewebe des tierischen Körpers. (S. auch Mikrochemie.)

Litteratur. Unter den Forschern, die sich um die T. besondere Verdienste erworben haben, sind besonders Berzelius, Liebig, Mulder, Scherer, Strecker, C. Schmidt, Schloßberger, Hoppe-Seyler, Kühne, Voit, Henneberg, Stohmann, Gorup-Besanez (in der "Physiol. Chemie", 4. Aufl., Braunschw. 1878) zu nennen. Neuere Lehrbücher der physiol. Chemie sind herausgegeben worden von Bunge (2. Aufl., Lpz. 1894), Hammarsten (3. Aufl., Wiesb. 1895) und Neumeister (2. Aufl., Jena 1897). Vgl. ferner Zeitschrift für Biologie (hg. von Buhl, Pettenkofer und Voit, Münch. 1865 fg.); Zeitschrift für physiol. Chemie (hg. von Hoppe-Seyler, Straßb. 1877 fg.); Jahresbericht über die Fortschritte der Tierchemie (begründet von Maly, hg. von Nencki und Andreasch, Wiesb. 1871 fg.).

Tierdienst, die Verehrung der Tiere, die sich bei den Naturvölkern häufig findet, weil sie an Kraft, Mut und Schlauheit den Menschen überlegen waren. Das zu Grunde liegende Motiv war also die Furcht. Später gilt das Tier entweder als Verkörperung einer in ihm wohnenden Gottheit, oder es ist einer solchen geheiligt und steht unter deren besonderm Schutz. Beide Vorstellungen gehen natürlich vielfach ineinander über. Eine Verschmelzung von T. und Ahnenverehrung (s. d.) findet statt, wo das Tier als Inkarnation der zur Gottheit gewordenen Seele eines Vorfahren verehrt wird, wie bei dem Totemismus (s. Totem) der Indianer Nordamerikas. Auch bei Kulturvölkern hat die Tierverehrung mehrfach Spuren des ursprünglichen T. bewahrt, so im alten Ägypten (heilige Katzen und Schakale), bei den Hindu (heilige Kuh, Affe u. s. w.) und im Inkareich (Schlangenkultus; dieser auch in Südasien).

Tierepos, s. Epos und Tiersage.

Tierfabel, s. Tiersage.

Tiergarten, s. Wildgarten und Zoologischer Garten.

Tiergartenbetrieb, s. Forstwirtschaft.

Tiergeographie oder Tierverbreitung, die Wissenschaft von der räumlichen Verbreitung der Tiere, sowohl der horizontalen als der vertikalen Richtung nach, also einerseits vom Äquator zu den Polen, andererseits von den größten Tiefen der Meere bis zu den höchsten Spitzen der Gebirge. (Hierzu zwei Karten: Tiergeographie I u. II nebst Erläuterungen.)

Die T. ist gleich wichtig für die Geographie wie für die Zoologie. Ersterer ist sie ein hervorragendes Hilfsmittel für die Erkenntnis der Veränderungen, welche Gestalt und Zusammenhang der Erdteile im Laufe der Zeit erlitten haben. Die Bedeutung für die Zoologie beruht hauptsächlich darauf, daß durch dies Studium viel Licht in die Verhältnisse der geschichtlichen Entwicklung der Tierstämme kommt. Man mag über die Entstehung der Arten denken, wie man will, jedenfalls wird man zugeben müssen, daß das, was wir eine Art nennen, an irgend einer Stelle einmal zuerst in wenigen Exemplaren aufgetreten sein muß, und diese Stelle kann man, nur der Bequemlichkeit halber und ohne dem Worte eine dualistische Bedeutung beilegen zu wollen, das Schöpfungscentrum der Art nennen. Jedes für tierische Wesen bewohnbare Gebiet der Erde hat seine charakteristische Tierwelt, seine lokale Fauna.

Je mehr Arten eine Gattung, und je mehr Gattungen eine Familie hat, desto weiter sind in der Regel beide verbreitet, es ist aber die Möglichkeit der Verbreitung für jede Art eine beschränkte, es giebt Hindernisse, die keine zu bewältigen vermag. Diese können in den Arten selbst liegen; manche sind spröde und gehen zu Grunde, ehe sie ihrer Umgebung durch Anpassung eine Konzession machen, solche Arten nennt man monotrop und sie haben ein sehr lokalisiertes Vorkommen, andere sind schmiegsam, sie sind polytrop und haben um so mehr die Fähigkeit, sich auszubreiten, je mehr sie das sind. Von wirklich kosmopolitischen Formen kann man nicht reden, denn es giebt kein Tier, das auf dem Lande, im salzigen und süßen Wasser gleich gut leben und sich vermehren könnte, es giebt aber sehr weit verbreitete Land- und Wasserbewohner. Je gleichmäßiger die Verhältnisse sind, um so weiter werden sich die unter ihnen lebenden Geschöpfe, ohne daß sie es nötig haben, gerade polytrop zu sein, ausbreiten können, solche Verhältnisse bietet gegenwärtig nur die Tiefsee (s. Tiefseeleben).

Der erste große Schritt zur Differenzierung und Lokalisierung der Tierwelt geschah durch das Entstehen des Festlandes und die Anpassung an das Landleben. Festland wird an mehrern Punkten zugleich und selbständig entstanden sein, und wenn auch sonst die klimatischen Verhältnisse der Erde allenthalben noch dieselben gewesen sein mögen, so werden die Tiere, welche die getrennten Inseln und Inselchen zu bevölkern anfingen, obgleich ihre Ahnen Individuen derselben Arten waren, sich doch in ihrer Organisation nach und nach voneinander entfernt haben. Eine gewisse Ähnlichkeit der Faunen der verschiedensten Länder nach den Breitegraden, oder besser nach den Isothermen, läßt sich allerdings nicht verkennen, und während diese Ähnlichkeit im Norden infolge der stärker entwickelten und einander näher gerückten Landmassen sehr in die Augen fallend ist, verblaßt sie nach Süden zu in dem Maße, wie durch überwiegende Wasserflächen die Erdteile voneinander getrennt werden, immer mehr. Die unmittelbar um den Nordpol gelagerten Teile von drei (oder, wenn man Grönland als selbständig auffaßt, von vier) Weltteilen haben eine gemein-^[folgende Seite]