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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Tongaland; Tongatabu; Tongern; Tongeschlecht; Tongking

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Tongaland – Tongking

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Tonga-Inseln'

Seite. Mit Deutschland, England und Amerika bestehen Freundschaftsverträge. Für den Unterricht sorgen die Missionare durch treffliche Schulen, welche von etwa 5500 Kindern besucht werden, an höhern Bildungsanstalten bestehen eine Industrieschule und ein Seminar (Tubow College). – Die T. wurden zum Teil 1643 durch Abel Tasman entdeckt und 1775 und 1777 von Cook genauer erforscht und Friendly Island genannt. Sie wurden erst 1815 von Georg I. (George Tubou) unter einer Regierung vereinigt. – Vgl. A. Monfat, Les Tonga, ou Archipel des Amis (Lyon 1893).

Tongaland, Amatongaland, nördlichster Teil von Englisch-Zululand im Osten Südafrikas, hat einen Flächeninhalt von 3320 qkm und grenzt im S. an Zululand, im W. an Swasiland, von diesem durch die Lebomboberge geschieden, im N. an die portug. Besitzungen an der Delagoabai und im O. an den Indischen Ocean. Die Bewohner sind Zulukaffern; das Klima ist sehr ungesund. Dennoch strebten die Buren seit den letzten Jahrzehnten nach dessen Besitz, weil sie hier einen Zugang zum Meer und einen ihnen allein gehörigen Hafenplatz zu gewinnen hofften. England aber wollte diesen Vorteil ihnen um keinen Preis zugestehen und erklärte nach Abschluß des Vertrages über Swasiland (s. d.) im April 1895 T. als engl. Schutzgebiet und stellte dieses unter den Gouverneur von Zululand. Es annektierte außerdem den schmalen Strich zwischen dem Pongolafluß und den Lebombobergen, nämlich die Landschaften der Häuptlinge Sambana und Umbegesa, mit denen aber die Regierung von Transvaal schon 1887 Verträge abgeschlossen hatte.

Tongatabu, die bedeutendste der Tonga-Inseln.

Tongern (Tongeren), frz. Tongres, Stadt in der belg. Provinz Limburg, zwischen Landen und Hasselt, das Aduatica Tungrorum der Römer, an den Bahnlinien Lüttich-Eindhoven, mit Zweigbahn nach St. Truyen, hat (1897) 9152 E., got. Liebfrauenkirche (1210 vollendet) mit reichem Kirchenschatz, Bronzedenkmal des Ambiorix; Strohhutfabriken.

Tongeschlecht, s. Klanggeschlecht; enharmonisches T., s. Enharmonisch.

Tongking, franz. Kolonie im nördl. Teil Hinterindiens, bis 1885 annamit. Provinz, grenzt im N. an die chines. Provinzen Kwang-si und Jün-nan, im W. an Oberbirma und Siam, im S. an Annam und das Südchinesische Meer, ist etwa 314760 qkm groß und wird vom Song-ka (chines. Hong-kiang, Roter Fluß) durchströmt, der eine treffliche Wasserstraße nach der chines. Provinz Jün-nan bildet. (S. die Karte: Ostindien II. Hinterindien.) Das Land wird seiner natürlichen Beschaffenheit nach in das Delta-, nördl. Plateau- und südwestl. Waldgebiet eingeteilt. Die Fläche des Deltas wird auf 12800 km geschätzt. Wichtig ist hier die Bai von Along und von den vorgelagerten Inseln die Kebaoinseln mit Kohlen und Kak-ba mit Fischerei. Das Land im N. hängt mit den chines. Gebirgen zusammen und fällt steil zum Delta ab; es trägt dichte Wälder besonders im N., während die östl. Hälfte bebaut wird. Schiefer, Sand- und Kalksteine und wenig Porphyr sind die geognostischen Bestandteile des östlichen T. Alle sind durchzogen von Quarz und eisenhaltigen Adern. Die bedeutendsten Mineralschätze des Landes sind Kohle, Eisen, Kupfer, Silber und Gold. Die Kohlenbecken zwischen Dong-trieu und Kebao haben eine Länge von 110 und eine Breite von 15 km. Wichtig wegen ihrer Kohlen ist die Bai von Hongai, im N. der Alongbai. ↔ Kupfer findet sich besonders bei Ke-luim und Than-hoa. Das Klima ist heiß und feucht, besonders vom Mai bis September, wo auch Stürme häufig sind. April und Oktober zeigen Übergänge mit kühlen Nächten. 16,5 und 28,9°C. sind die Temperaturextreme. Die mit der ind. Flora große Ähnlichkeit aufweisende Pflanzenwelt des südwestlichen T. erscheint wesentlich verschieden von der des nordöstlichen. An tropischen Fruchtbäumen ist das Land außerordentlich reich, ebenso die Wälder an Nutzholz. Der Reis übertrifft an Güte den von China und Cochinchina und kommt den bessern Qualitäten Siams vollkommen gleich. 1892 wurden 1,06 Mill. Pikul geerntet und meist nach Hong-kong ausgeführt. Die Kultur des Zuckerrohrs, der Baumwolle, des Thees, des Maises und besonders des Opiums haben eine große Zukunft. Die Kaffee- und Kakaopflanzungen im Hügelland, die Versuche mit europ. Getreide haben sich wohl bewährt. Die Viehzucht ist ziemlich bedeutend. Seide, Papier, Indigo, Öl, Zucker, Reisbranntwein und Baumwolle werden fabrikmäßig verarbeitet.

Das Land zählt 12 Mill. E., von denen 7 Mill. auf das Delta des Song-ka kommen; Christen giebt es etwa 400000. Die Rasse der Einwohner ist dieselbe wie im eigentlichen Annam. Europäer giebt es etwa 1500, Chinesen gegen 10000; die Gebirge bewohnen die Stämme der Moï, Mân, Muong u.s.w., deren Tribus eigene Dialekte sprechen. Hanoi ist Sitz des Generalresidenten; die 11 Provinzen werden von den Gouverneuren verwaltet unter Beistand von Mandarinen. Der Handelsverkehr hat sich rasch entwickelt. 1891 betrug der Wert der Einfuhr 29,81 Mill. Frs., vor allem Metalle und Maschinen, Garne und Gewebe, der der Ausfuhr 15 Mill. Frs. Wichtig ist auch der Küstenhandel (11,4 Mill. Frs.) und die Durchfuhr nach Jün-nan (6,87 Mill. Frs.). Der Verkehr blüht vor allem in den Städten Haï-phong, Nam-dinh, Kwang-jen, während andere, wie Bac-ninh und Son-tai, in ihrer Entwicklung zurückgehen und Hai-dzuong fast schon ganz verschwunden ist. 1891 liefen 197 Schiffe (ohne die chinesischen) in die Häfen ein. Als Kriegshafen ist die Alongbai ausgezeichnet, als Handelshafen steht Haï-phong an erster Stelle. Die Mündungsstellen des Song-ka sind für die Schifffahrt noch wenig geeignet. Er macht durch seine allmähliche Erhöhung des Bettes eine Erhöhung der Dammbauten nötig; bei Hochwasser eintretende Veränderungen des Flußlaufs, mächtige Ablagerungen, wechselnde Tiefenverhältnisse erschweren die Schifffahrt. Die Eisenbahn vom Delta über Lang-son nach Lung-tschou in Kwang-si, die bis zum Si-kiang fortgesetzt wird, ist für die Entwicklung des Verkehrs von großer Bedeutung. Die Post (1892: 19 Bureaus) wird mit der von Annam verwaltet. Ein submarines Kabel führt nach Hue und nach Hong-kong. Das Budget betrug 1887: 62 Mill. Frs., davon 50 für militär. Ausgaben; von da an sank es langsam auf 39 Mill. für 1891, wovon nur noch 22 Mill. für militär. Zwecke verwandt werden. 1887 konnte die Kolonie nur 11 Mill. zu ihrem Budget beisteuern, während sie 1890: 20 Mill. dazu abgab. Das Fehlende mußte Cochinchina und das Mutterland hergeben. 1891 mußte letzteres ein Deficit von 18 Mill. decken, und 1891 mußten abermals 9 und 1897 sogar 21 rückständige Millionen übernommen werden.

Geschichte. T. bildete bis 1802 einen unabhängigen Staat und kam dann unter annamit. Oberhoheit. 1873 wurde eine franz. Expedition unter dem

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 897.