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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Tonnerre - Tonverwandtschaft

Tonne Wein und jedes Pfund anderer Ware erhoben wurde, die vom Ausland eingeführt wurden. Seit 1373 gehörten die unter dem zusammenfassenden Namen des T. u. P. begriffenen Zölle zu den regelmäßigen parlamentarischen Bewilligungen mit Schwankungen in der Höhe des Ansatzes. Zunächst wurde das T. u. P. nur auf zwei Jahre bewilligt. Heinrich V. erhielt es nach dem Sieg von Azincourt (1415) auf Lebenszeit zugesprochen, und unter den Tudors geschah diese Bewilligung stets beim Regierungsantritt eines Herrschers. Ihre Beschränkung auf nur ein Jahr veranlaßte unter Karl I. den Ausbruch des Zwistes mit seinem Parlament. (S. Großbritannien und Irland, Geschichte.)

Tonnerre (spr. -nähr). 1) Arrondissement im franz. Depart. Yonne in Burgund, hat auf 1210,34 qkm (1896) 36 706 E., 5 Kantone und 82 Gemeinden. - 2) T., lat. Ternodorum, Hauptstadt des Arrondissements T., links am Armançon und am Kanal von Burgund, auf dem Abhang eines Hügels, an der Eisenbahn Paris-Dijon, ist Sitz eines Gerichtshofs erster Instanz, einer Ackerbaukammer und Sparkasse und hat (1896) 4170, als Gemeinde 4749 E., College, Pensionate, Theater; Eisengießerei, Maschinenbau, Mühlen, Lohgerberei, Fabrikation von Romancement, Wollspinnerei, Weinbau und Handel. T. wird von seiner schönen Kirche St. Pierre beherrscht.

Tönning, Kreisstadt im Kreis Eiderstedt des preuß. Reg.-Bez. Schleswig, an der Mündung der Eider mitten in der Marsch auf Pfahlrost gebaut, an den Nebenlinien Husum-Garding und Neumünster-T. (80,1 km) der Preuß. Staatsbahnen, Sitz des Landratsamtes, eines Amtsgerichts (Landgericht Flensburg), Hauptzollamtes, engl. und niederländ. Konsuls, hat (1895) 3096 E., darunter 35 Katholiken, Postamt zweiter Klasse, Telegraph, eine Schleswig-Holsteinische Bank, Dampffähre nach Dithmarschen; Ausfuhr von Fettvieh nach England, Einfuhr engl. Kohlen.

Tönnisstein, Bad im Kreis Mayen des preuß. Reg.-Bez. Koblenz, in 125 m Höhe, zur Gemeinde Kell gehörig, zwischen Brohl und dem Laacher See, im Brohlthal, besitzt ein Kurhaus und drei kohlensäurehaltige, alkalisch-muriatische Säuerlinge, von denen die Natron-Lithion-Quelle zum Trinken und Baden gegen Herz- und rheumatische Leiden gebraucht wird, ferner Eisen-Mineralmoorbäder. Der Brunnentempel am Kurfürstenbrunnen ist 1700 vom Kurfürsten Joseph Clemens von Köln errichtet, die Angelikaquelle neu erbohrt.

Tonnlage, fälschlich Donlage, im Bergbau gleichbedeutend mit flachfallender Richtung, besonders gebraucht für Schächte im Gegensatz zu seiger. (S. Gang, im Bergwesen.) Das Wort kommt von der geneigten Lage der Fördertonne in solchen Schächten.

Ton of shipping (engl., spr. tönn ŏf schi-), Schiffslast, s. Last und Load.

Tonometer (grch.), soviel wie Ophthalmotonometer (s. d.).

Tonplatten, s. Tondruck.

Tönsberg (Tunsberg), die älteste Stadt Norwegens, im Amte Jarlsberg-Laurvik, am Fjord gleichen Namens, Station der Eisenbahn Kristiania-Drammen-Skien, zählt (1891) 7215 E., die mit 150 eigenen Schiffen sehr bedeutende Schiffahrt, auch Walfisch- und Robbenfang im Eismeer treiben. T. ist Sitz eines deutschen Vicekonsuls. Der Tönsbergkanal verbindet die Stadt mit dem Christianiafjord. Nach der Sage ist T. von Harald Harfagr angelegt und feierte 1871 sein 1000jähriges Jubiläum.

Tonschluß, soviel wie Kadenz (s. d.).

Tonsilbe, s. Accent.

Tonsillen (lat.), in der Anatomie die Mandeln; Tonsillitis, die Mandelentzündung; Tonsillotomie, die operative Entfernung der Mandeln. (S. Mandeln.) Tonsilla pharyngēa, s. Rachentonsille.

Tonstich, s. Holzschneidekunst.

Tonsur (lat., das "Scheren", "Abscheren"), insbesondere die geschorene Stelle auf dem Scheitel der kath. Geistlichen. Schon früh ließen Büßende sich den Kopf ganz kahl scheren, und nach ihrem Beispiel thaten dies auch die Mönche, von denen im 6. Jahrh. diese Sitte auf die christl. Geistlichkeit überging. Man unterschied ein kahl geschorenes Vorderhaupt, unter dem Namen der T. des Apostels Paulus (tonsura Pauli), von der kreisförmigen Platte auf dem Scheitel, die man T. des Apostels Petrus (tonsura Petri) nannte. Jene war in der griech. Kirche, in etwas veränderter Form als T. des Jakobus oder Johannes bei den Briten und Irländern üblich, diese in der röm. und in den von ihr abhängigen Kirchen. Auf der Synode zu Toledo 633 wurde letztere den Geistlichen gesetzlich vorgeschrieben und die priesterliche Krone genannt. Die römische T. blieb seitdem in der abendländ. Kirche Priestern und Mönchen gemein und unterschied die höhern geistlichen Würden von den niedern. Die Anfänger tragen sie im Umfang einer kleinen Münze, die Priester in dem einer Hostie, die Bischöfe noch größer, so daß bei dem Papste nur ein schmaler Kreis von Haaren stehen bleibt. Das Abscheren geht der Weihe voran und wird wöchentlich oder doch vor jedem hohen Feste wiederholt.

Tontine, eine nach Lorenz Tonti (unter Ludwig XIV.) benannte Form der Leibrente (s. d. und Lebensversicherung). Tonti war nicht ihr Erfinder; er beutete die Einrichtung aus.

Tonus (grch.), die Spannung der tierischen Gewebe, insbesondere eine während des Lebens beständig vorhandene schwache, unwillkürliche, direkt vom Rückenmark angeregte Kontraktion sämtlicher Skelettmuskeln, die für die Mechanik der Ortsveränderung von großer Bedeutung ist. Durch den Muskeltonus ist es nämlich ermöglicht, daß bei einer beabsichtigten Muskelkontraktion sofort die Bewegung zu stande kommt, ohne daß erst Kraft und Zeit für die Anspannung des vordem schlaffen Muskels verloren geht. (S. Atonie.)

Tonuslabyrinth, s. Gleichgewichtssinn (Bd. 17).

Tonverwandtschaft, in der Musik das Verhältnis von Accorden, die einen oder mehrere Töne gemeinsam haben. Unter den Dreiklängen unterscheidet man quintverwandte und terzverwandte. Quintverwandte sind solche, die einen Ton gemeinsam haben; ihre Grundtöne liegen eine Quint auseinander, z. B. c e g und g h d. Terzverwandt sind die Dreiklänge, die zwei Töne gemeinsam haben; ihre Grundtöne sind um eine Terz voneinander entfernt, z. B. c e g und e g h. Für die Septimenaccorde, die einen vollen Dreiklang gemeinsam haben, wie g h d f und h d f a, ist noch kein besonderer Verwandtschaftsname erfunden worden.

Im weitern Sinne spricht man von einer Verwandtschaft der Tonarten und meint damit, daß Tonarten, deren tonische Hauptaccorde quint- oder terzverwandt sind, sich näher stehen als solche, deren tonische Dreiklänge keinen Ton gemeinsam haben.