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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Tracht - Tradition

T. Name zweier durch zahlreiche Krater sich auszeichnender oder von gewaltigen Lavaströmen bedeckter Landschaften in der Nähe von Damaskus. Die östliche T. ist die heutige Diret et-Tulul, nordöstlich vom Gebirge Hauran (s. d.), die westliche T. ist die heutige Ledschah, ein 45 km langes und 30 km breites Lavafeld.

Tracht, s. Kostüm nebst Tafeln: Kostüme I-IV. - T. ist auch volkstümlicher Ausdruck für Gebärmutter; ferner Bezeichnung für einen Teil des Hufes (s. d.) und Sattels (s. d. und Trachten).

Tracht, Brienz-, Dorf, s. Brienz-Tracht.

Trachten, Stege, die beiden Längenteile des Sattelgerüstes (s. Sattel) beim Bocksattel wie beim engl. Sattel, welche, zu beiden Seiten des Pferderückgrates liegend und dieses freilassend, die beiden Querteile (Zwiesel oder Bäume) verbinden. Die T. bestehen aus Holz und sind entsprechend der Form des Pferderückens geschweift geschnitten. Beim Bocksattel dienen die an den hintern Trachtenenden befindlichen Vorsprünge (Fröscheln) mit dem Löffel (s. Bocksattel) zur Befestigung von Gepäck.

Trächtigkeit. Die T. dauert bei den Haustieren im Durchschnitt: beim Pferde 340 Tage, beim Esel 365 Tage, beim Rind 280 Tage, bei Schaf und Ziege 150 Tage, beim Schwein 120 Tage, beim Hund 63 Tage und bei der Katze 56 Tage.

Trachylobium, Pflanzengattung aus der Familie der Leguminosen (s. d.), Abteilung der Cäsalpiniaceen, mit nur wenigen tropischen Arten, Bäume mit zweizähligen lederartigen Blättern und weißen in Rispen stehenden Blüten. Mehrere Arten liefern Kopal (s. d.).

Trachymedusen, s. Hydroidpolypen.

Trachypteridae, s. Bandfische.

Trachyt (vom grch. trachýs, rauh), ein lichtgraues oder lichtrötliches Eruptivgestein, das immer monoklinen Sanidinfeldspat, nie aber Quarz enthält; fernere Gemengteile sind gestreifter trikliner Feldspat, eins, zwei oder, freilich seltener, alle drei der Mineralien Augit, Hornblende, Magnesiaglimmer, auch Magneteisen; dagegen fehlt stets Olivin. In der Regel liegen einzelne größere Gemengteile, namentlich Sanidin, als tafelförmige Krystalle in einer dem bloßen Auge fast homogen erscheinenden Grundmasse; auf den Poren der letztern sitzen bisweilen kleine Kryställchen von Tridymit, Hypersthen, Sodalith u. s. w. Die chem. Mischung ist kieselsäureärmer als die der Rhyolithe, kieselsäurereicher als die der Basalte. Die Durchbrüche des eigentlichen T. erfolgten während der Tertiärformation, und das Gestein bildet meist glockenförmig gewölbte oder domförmige Berge, auch spitzere Kegel, wie im Siebenqebirge (Drachenfels am Rhein), im Westerwalde, in Steiermark, häufig im nördl. Ungarn und Siebenbürgen, in den Euganeen, Mittel- und Unteritalien und der Auvergne, Persien, Kleinasien, Nordwestamerika u. s. w. Auch in Form von geflossenen Strömen bei thätigen und erloschenen Vulkanen tritt der T. auf, in welchem Falle man ihn Trachytlava nennt. Die trachytische Eruptivmasse ist im stande, unter besondern Bedingungen auch als Obsidian oder Bimsstein zu erstarren.

Trachytpechstein, s. Pechstein und Tafel: Dünnschliffe, Fig. 4.

Tracieren, Tracierung, s. Trassierung.

Tracy, franz. Schriftsteller, s. Destutt de Tracy.

Tradde, eine Abgabe, die nach der Cleve-Märkischen Bergordnung von dem Besitzer des Kohlenbergwerks an den Grundherrn zu entrichten ist und entweder im 65. Teil der ganzen Förderung besteht oder in einem Faß täglich von Schächten, die auf dem Felde oder im Wiesengrunde stehen, und einem halben Faß von Schächten in Büschen und Gehölzen. Die Abgabe hat sich gewohnheitsrechtlich aus den beiden Grundkuxen entwickelt.

Trade Dollar (engl., spr. trehd), s. Dollar und Handelspiaster.

Trade-marks (engl., spr. trehd), Handelszeichen (s. d.).

Trader (engl., spr. trehdĕr), Händler.

Tradescantia L., Pflanzengattung aus der Familie der Commelinaceen (s. d.) mit gegen 30 Arten, sämtlich im tropischen und nördl. Amerika, ausdauernde Kräuter mit meist lebhaft gefärbten Blüten, deren Staubgefäße sich durch dichte Behaarung der Filamente auszeichnen. Mehrere Arten werden ihrer schönen Blüten halber oder auch als Ampelpflanzen kultiviert. Für Gruppen geeignet ist T. virginica L. Topf- oder Ampelpflanzen sind hauptsächlich T. discolor L'Hérit., mit dickfleischigen, rot und grün gestreiften Blättern, und T. zebrina Hort., mit hängendem Stengel und weiß und grün gestreiften Blättern.

Trade-Unions, Trades-Unions (engl., spr. trebds juhnĭens), s. Gewerkvereine.

Trade Yen (spr. trehd), s. Yen.

Tradition (lat. traditĭo), Überlieferung, Übergabe (s. d.); in der kath. Kirche die neben der in der Heiligen Schrift enthaltenen Offenbarung Gottes mündlich in der Kirche fortgepflanzte göttliche Belehrung. Nach dem strengern Begriffe ist darunter eine wörtlich von Jesu und den Aposteln her teils zur Ergänzung, teils zur Erklärung des Schriftwortes fortgepflanzte Geheimlehre zu verstehen, die von den Bischöfen in ununterbrochener Succession von Geschlecht zu Geschlecht überliefert, den Gemeinden aber nur so weit, als das praktische Bedürfnis es erfordert habe, mitgeteilt worden sei. Daneben her geht aber die Vorstellung, daß der Heilige Geist nur das rechte Verständnis der göttlichen Wahrheit in der Kirche ununterbrochen erhalte, so daß alle weitern kirchlichen Festsetzungen in Lehre und Sitte nur immer genauere Erläuterungen der Lehre Christi seien. Im erstern Falle gäbe es gar keine, im letztern Falle nur eine formelle Entwicklung; in beiden Fällen aber setzt die Unfehlbarkeit dieser Überlieferung die Unfehlbarkeit der Kirche voraus, die wieder auf der ununterbrochenen Succession des Heiligen Geistes im bischöfl. Amte beruht. Seine Ausbildung erhielt der röm. Traditionsbegriff erst durch den Gegensatz zu dem prot. Schriftprincip. Schon das christl. Altertum kennt die T. im Sinne einer mündlichen Weiterpflanzung apostolischer Lehren und Ordnungen durch das bischöfl. Amt, die in der sog. Glaubensregel (s. d.) zusammengefaßt, nachmals auch schriftlich verzeichnet und unter Leitung des Heiligen Geistes je nach Bedürfnis näher erläutert worden sei. Daher führte man schon im 2. Jahrh. auf unmittelbar apostolische Einsetzung zurück, was sicher erst das Resultat kirchlicher Entwicklung war und nur in seinen ersten Keimen auf die Apostelzeit zurückging. Aber die immer allgemeiner herrschend gewordene Vorstellung in der Kirche legte das Hauptgewicht nicht auf die apostolische, sondern auf die kirchliche T. oder auf die Übereinstimmung mit der vom Heiligen Geiste geleiteten kirchlichen Vergangenheit, deren Zeugnisse man aus Konzilienbeschlüssen und Schriften der Väter sorgfältig zusammenstellte. Später traten noch