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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Trapani - Trapezunt

wird die bloß mit zwei Dornen versehene Nuß der in den dortigen Gewässern sehr häufigen T. bicornis L. unter dem Namen Ling oder Leng in großen Massen zu Markte gebracht. Bei allen Trapaarten sinken die reif gewordenen Nüsse, nachdem sie sich losgelöst haben, auf den Grund des Wassers hinab, wo sie sich mit ihren Dornen im Schlamme einhaken und im nächsten Frühling keimen.

Trapani. 1) Provinz im Königreich Italien, auf der Insel Sicilien, bildet den äußersten westl. Teil der Insel, hat 3146 (nach Strelbitskij 2408) qkm mit 283 977, nach einer Berechnung (31. Dez. 1893) 356 794 E., d. i. 113 E. auf 1 qkm, und zerfällt in die drei Kreise Alcamo, Mazzara del Vallo und T. mit zusammen 20 Gemeinden. Das Land ist hügelig und fällt nach W. zum Meere ab; der Monte-Sparagio an der Nordküste erhebt sich bis zu 1109, der Monte-Giuliano westlich davon zu 751 m Höhe. Die zahlreichen Küstenflüsse haben nur geringe Länge. Die Provinz liefert Weizen, Wein, Oliven, Korallen und Thunfische, sowie Seesalze an der Westküste. Eine von der Hauptstadt T. ausgehende Eisenbahnlinie durchzieht die Provinz in einem nach oben offenen Bogen. - 2) T., im Altertum Drepanum, Hauptstadt der Provinz T. auf der Insel Sicilien, an der äußersten Westküste und am Fuß des Monte-San Giuliano (Eryx der Alten), an der Linie T.-Marsala-Mazzara-Palermo (195 km) der Sicil. Eisenbahnen, mit Palermo und den Hauptorten der Südküste durch Dampfer verbunden, Sitz des Präfekten, eines Bischofs, eines Tribunals erster Instanz und einer Handelskammer, hat (1881) 32 020, als Gemeinde 38 231, nach einer Berechnung (31. Dez. 1893) 47 000 E., in Garnison das 38. Infanterieregiment, einen Hafen, der durch das Fort Colombaja geschützt wird, ein Standbild Victor Emanuels II. von Dupré (1882), mehrere Kirchen mit Gemälden und Skulpturen, Paläste mit bemerkenswerter Architektur, Lyceum mit naturgeschichtlicher und Bildersammlung, Gymnasium und technische Schule; Schiffbau, Salzwerke und Fabriken. Außerdem treiben die Bewohner Schwamm-, Korallen- und Thunfischerei, Schiffahrt und Handel mit Seesalz, Wein und Mehl. Etwa 3 km vor der Stadt liegt die 1332 gegründete Kirche dell'Annunziata, ein sehr besuchter Wallfahrtsort mit der 1476 von Schiffern gestifteten Capella del Cristo risorto. In der Kirche befindet sich die berühmte Statue der Madonna di T., mit einem prächtigen Bronzegitter und Marmorumrahmung von Antonio Gagini (1537).

Trapassi, Pietro, s. Metastasio, Pietro.

Trapez (grch., soviel wie Tisch, Tafel), ein Viereck, das zwei parallele, aber ungleiche Seiten hat. Manche nennen alle Vierecke, die keine Parallelogramme sind, T. und teilen sie ein in T. im engern Sinne oder Paralleltrapeze (mit zwei parallelen Seiten) und Trapezoide, in denen keine Seite der andern parallel ist. - T. ist auch ein Teil am Fesselballon (s. d.); T. als Turngerät, s. Schaukeln.

Trapezoeder (grch.), Krystallform des hexagonalen Systems, der Hälftflächner des hexagonalen Skalenoeders (s. d.) oder Viertelflächner der dihexagonalen Pyramide (s. Didodekaeder), umschlossen von sechs gleichschenkligen Trapezoiden. Die im Zickzack auf- und absteigenden Mittelkanten zerfallen in drei längere und drei kürzere; die sechs Polkanten sind gleich. Aus demselben Skalenoeder kann ein rechtes und ein linkes T. abgeleitet werden.

Trapezoid, s. Trapez.

Trapezunt (Trabezon, Trabizun, Tirabzon, Trebisond, türk. Tarábosan oder Tarábusun), Hauptstadt eines türk. Wilajets in Kleinasien (31 300 qkm, 1 047 000 E.), nach Smyrna der wichtigste Handelsplatz der asiat. Türkei, liegt malerisch an der 1300-1600 m ansteigenden, fieberisch feuchten Küste des Schwarzen Meers, an der Mündung der Mutschka, am Fuße des waldbedeckten 3410 m hohen Kolat-Dagh, teils unten auf niedern Hügeln, teils als eigentliche Türkenstadt, an der Höhe hinauf zu einer oben schmal zulaufenden Felsplatte, die von zwei Schluchten eingerahmt wird und das Schloß oder die Citadelle trägt. Die Häuser sind meist aus Holz. Die Steinbrücke der westl. Schlucht führt zu einer meist von Türken bewohnten Vorstadt, welche die ehemalige griech. Sophienkirche, jetzt Moschee Hagia-Sofia, enthält. Die Moschee Ortakis wurde als griech. Kirche von Justinian angelegt. Die östl. Vorstadt, zu der die andere Brücke führt, gestaltet sich durch Anbau zur eigentlichen Stadt, während die Altstadt, bis an die Citadelle Itschkale hinauf, dicht bewohnt ist und "Burg" heißt. Die Straßen sind eng, krumm und schlecht gepflastert. T. hatte vor den Unruhen (1896) 35 000 E., darunter 19 500 Muselmanen, 8200 Griechen, 6000 Armenier (darunter nur wenige Katholiken) und einige hundert Fremde; seit 1896 ist aber eine starke Auswanderung nach Rußland und Stambul erfolgt. Ein wichtiger Bestandteil der Bevölkerung sind die Lasen (s. d.).

T. ist Sitz eines Generalgouverneurs, eines griech. Metropoliten, eines armenischen Erzbischofs, eines armenisch-unierten Bischofs, einer Handelskammer, einer Filiale der Ottomanischen Bank und einer amerik. Mission und hat 20 christl. Kirchen. Von den Moscheen, welche sämtlich einst christl. Kirchen waren, liegen nur drei bedeutendere in der Neustadt. An diese schließen sich die äußersten östl. Vorstädte, eine türkische und eine griechische. In den letztern befinden sich die europ. Handelsniederlassungen. Ein eigentlicher Hafen ist nicht vorhanden. Größere Fahrzeuge liegen auf der offenen Reede, bei Sturm vor Platana, 2½ Stunden entfernt. T. ist für den Verkehr nach Persien günstig gelegen, doch leidet der Handel infolge der Konkurrenz der russ. Eisenbahnen und der Karawanenwege vom Persischen Meer aus. Auch der Verkehr in das Innere Kleinasiens geht zurück; wichtig bleibt nur die Linie Erzerum-Täbris. Dagegen hebt sich Samsun (s. d.). Eingeführt werden für Anatolien (1896 für 13,47 Mill. M.) besonders Baumwollwaren (für 2.77 Mill. M.), Tuch (1,43 Mill.), Zucker (0,92 Mill.), Brotmehl (0,75 Mill.), Thee (0,56 Mill.), Kleider w,45 Mill.), Kaffee (0,45 Mill.) u. s. w., ferner nach Persien in Durchfuhr (für 11,67 Mill. M.) hauptsächlich Baumwollwaren, Wollwaren, Thee, Seiden- und Sammetstoffe. Ausgeführt aus Anatolien (für 8,76 Mill. M.) besonders Vieh (2,59 Mill.), Tabak (1,70 Mill.), Haselnüsse (1,42 Mill.), ferner aus Persien (für 3,82 Mill. M.), besonders Seidenstoffe und Shawls (1,34 Mill.), Teppiche (1,86 Mill.). Am meisten beim Handel beteiligt sind Großbritannien, Österreich-Ungarn, Deutschland und die Türkei. Der Hafenverkehr betrug (1896) 6739 Segelschiffe mit 34 549 und 481 Dampfer mit 569 727 Registertons. Regelmäßigen Dampferverkehr unterhalten Österreichisch-^[folgende Seite]