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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Trommelanker - Tromp

gehende Schnur gestreift sind und diese zusammenziehen, können die Felle mehr oder weniger angestrafft oder schlaffer gemacht werden, wodurch die Tonhöhe des Felles bis zum Umfang einer Quinte bestimmt werden kann. Über das untere Fell ist eine starke Darmsaite (die Schnarrsaite) gezogen, die vibrierend gegen das untere Fell rasselt, wenn das obere mit den Klöppeln (Trommelstöcken) geschlagen wird. Es giebt verschiedene Arten: 1) Die große oder türkische T. (frz. grosse caisse; ital. gran cassa), die größte Art, wird mit einem dicken Klöppel geschlagen, wozu man gewöhnlich die Becken ertönen läßt. Da sie keine bestimmte Tonhöhe hat, kann sie als rhythmische Accentuation zu jeder Harmonie dienen. 2) Die Wirbel- oder Rolltrommel (ital. tamburo rulante), gewöhnlich zum dumpfen Wirbeln dienend, die mit dem Trillerzeichen (tr) bezeichnet werden. 3) Die Militärtrommel, lauter und heller an Schall und kleiner als die Rolltrommel, sonst ebenso wie diese behandelt. In neuerer Zeit ist ihr Cylinder häufig nur ganz flach. Gedämpft wird sie durch eine über das Schlagfell gebreitete Decke, auch durch Nachlassen der Felle. In den Orchesterpartituren wird die T. bezeichnet mit der C-Note im Baßschlüssel oder mit Noten auf einer einzigen Linie (statt auf einem Fünfliniensystem).

Im Bauwesen ist T. ein kurzer cylindrischer Körper, so z. B. die einzelnen Werksteine, aus welchen sich der Schaft einer Säule aufbaut; auch der Tambour einer Kuppel.

Im Maschinenbau ist T. bei verschiedenen Arten von Maschinen (wie Krempeln, Rauhmaschinen, Centrifugen, Röstmaschinen u. s. w.) ein den hauptsächlich wirksamen Teil derselben bildender, rotierender Hohlcylinder; auch ein auf einer Achse oder Welle befestigter Cylinder zum Aufwinden von Seilen und Ketten. Auch heißt T. ein Teil des Revolvers (s. d.).

T. ist auch soviel wie Trommelanker.

Trommelanker, Trommelinduktor, Trommel (von Hefner-Alteneck 1872), rotierender Teil elektrischer Gleichstrommaschinen vornehmlich Siemens Halskescher Konstruktion, im Gegensatz zu Ring- und Scheibenanker ein hohler, um seine Achse drehbarer Eisencylinder, welcher mit Drahtspulen so bewickelt ist, daß die einzelnen Windungen parallel zu seiner Achse verlaufen und sich auf den Stirnflächen kreuzen, also in Form von Rechtecken die Oberfläche des Cylinders umfassen. Diese Spulen bilden durch geeignete Verbindung mit den Kontaktstücken eines seitlich auf der Achse des T. sitzenden Kollektors eine in sich geschlossene Wickelung, welche durch zwei schleifende Federn in Bezug auf Induktion in gleichwertige, parallelgeschaltete Hälften geteilt wird. Die in den Windungen des T. bei dessen Rotation im magnetischen Felde der elektrischen Maschine induzierten Ströme werden durch den Kollektor gesammelt und gehen gleichgerichtet durch die Schleiffedern in die äußere Leitung.

Trommeldarre, s. Samendarre.

Trommelfehler, beim Mikroskop, s. Run.

Trommelfell, s. Gehör nebst Taf. I, Fig. 1,5; über die Krankheiten des T. s. Ohrenkrankheiten.

Trommelfische (Pogonias), Gattung der Umberfische (s. d.) mit seitlich zusammengedrücktem, ziemlich langem Körper, über das Maul vorspringender konvexer Schnauze, zahlreichen Bartfäden am Unterkiefer. Die Schlundknochen haben auffallend dicke und harte Zähne und bilden hinten im Gaumen oben und unten Reibeplatten. Auffallend ist die große, dickwandige Schwimmblase, die zwischen die Organe der Leibeshöhle und zwischen die Rumpfmuskulatur Fortsätze entsendet. Die T. entwickeln Töne, die man bei Windstille nachts aus einer Tiefe von 20 m heraufschallen hört und die entferntem Trommeln gleichen. Sie haben gut entwickelte Gehörorgane, und es mögen die Töne der T. mit ihrem Geschlechtsleben zusammenhängen. Man meint das Trommeln entstände durch Aufeinanderreiben der Schlundknochen und würde durch die Schwimmblase wie durch einen Resonanzboden verstärkt.

Trommelhöhle (Paukenhöhle), s. Gehör nebst Taf. I, Fig. 1, 6; II, Fig. 3, 4.

Trommelinduktor, soviel wie Trommelanker (s. d.).

Trommelmaschine, Dynamomaschine mit Trommelanker.

Trommelrad, ein Schöpfrad (s. d.).

Trommelsäge, soviel wie Cylindersäge (s. Sägemaschinen).

Trommelsieb, s. Sieb.

Trommelsucht, s. Aufblähen und Tympanitis.

Trommeltauben, von allen andern Taubenarten namentlich durch ihre Stimme, die mit dem Ton einer entfernten Trommel große Ähnlichkeit hat, sich unterscheidende Tauben. Man unterscheidet Altenburger T., der Feldtaube sehr ähnlich; deutsche oder russische T., in Deutschland am meisten verbreitet; größer als die vorige sind bucharische T., die größten von allen. Letztere haben auf dem Scheitel eine Federrose, eine tief im Nacken sitzende langfederige Muschelhaube, lange Schwingen, sehr große Latschen, perlgraue Augen.

Trommelwaschmaschine, s. Appretur und die dazu gehörige Taf. I, Fig. 1.

Trommelwehr, s. Wehr.

Trommersche Probe, s. Diabetes.

Trommsdorff, Joh. Barthol., Chemiker und Pharmaceut, geb. 8. Mai 1770 zu Erfurt, erlernte in Weimar die Pharmacie und übernahm 1794 die Apotheke seines Vaters. Bereits bekannt als Verfasser des "Systematischen Handbuchs der Pharmacie" (Erfurt 1792; 4. Aufl. 1831), wurde er 1795 bei der Universität zu Erfurt als Professor der Chemie und Physik angestellt und errichtete noch in demselben Jahre eine pharmaceut.-chem. Lehranstalt. Seit 1823 stand er an der Spitze der Akademie zu Erfurt. T. starb 8. März 1837. Zur Vervollkommnung der Pharmacie hat er besonders durch sein "Journal der Pharmacie" (1794-1834) beigetragen, das zugleich seine vorzüglichsten, eigenen Entdeckungen enthält. Sein Hauptwerk ist das "Systematische Handbuch der gesamten Chemie" (2. Aufl., 8 Bde., Erfurt 1805-20). Von seinen übrigen Schriften ist noch besonders zu erwähnen "Die chem. Rezeptierkunst" (5. Aufl., Hamb. 1845). - Vgl. Johann Bartholomäus T. (Kopenh. 1834).

Tromp, Mart. Harpertzoon, holländ. Seeheld, geb. 1597 zu Briel, kam in Begleitung seines Vaters, eines Seekapitäns, bereits in seinem achten Jahre auf die See und wohnte 1607 der Schlacht bei Gibraltar bei. Später begleitete er den Admiral Peter Heijn. Als er 1639 Admiral von Holland wurde, schlug er bei den Dünen 21. Okt. die große span. Flotte vollständig; von den 67 span. Schiffen entkamen nur 18; T. verlor nur ein Schiff. Zu dem ersten engl. Seekriege (1652-54) gab T. mit die nächste Veranlassung, indem er, bevor der Krieg erklärt war, bei Dover mit Blake in Kampf geriet. Er wurde der Übereilung beschuldigt und de Ruyter