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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Trompe - Trompetervögel

an seine Stelle berufen. Doch bald wurde ihm wieder der Oberbefehl übertragen, und 29. Nov. 1652 schlug er die engl. Flotte unter Blake wiederum nicht weit von Dover. 1653 schlugen T. und de Ruyter bei Portland 25. Febr. bis 2. März die große Schlacht gegen die überlegene engl. Flotte, die unentschieden blieb; doch brachte T. die meisten Handelsschiffe, die er zu decken hatte, nach Hause. Darauf griff T. im Juni die engl. Flotte bei Nieuport an, mußte aber mit Verlust weichen. Im August kämpfte er wiederum mit den Engländern bei den holländ. Küsten, ward aber in dem unentschiedenen Gefecht bei Ter Heyde, zwischen Scheveningen und der Maas, 7. Aug. 1653 von einer Flintenkugel tödlich in die Brust getroffen. T. soll im ganzen 33 Seetreffen gewonnen haben. Er wurde in der Kirche zu Delft beigesetzt und ein glänzendes Grabmal seinem Andenken errichtet.

Cornelis T., Sohn des vorigen, geb. 9. Sept. 1629, wohnte im Anfange des zweiten engl. Seekrieges der Niederlage der holländ. Flotte bei Lowestoft bei (13. Juni 1665). Er wurde zum Lieutenant-Admiral ernannt und zeitlich bis zur Rückkehr des damals abwesenden de Ruyters an die Spitze der Flotte gestellt. Als sich de Ruyter über ihn bei den Staaten beklagte, weil er in dem Kampfe bei Dünkirchen (Aug. 1666) von ihm nicht gehörig unterstützt war, entsetzten ihn die Staaten um so lieber seines Amtes, als er der oranischen Partei sehr ergeben war. Bei dem Kriege aber gegen Frankreich und England 1672 und der Wiederherstellung der Oranier in die Statthalterschaft gelang es Wilhelm III., ihn mit de Ruyter auszusöhnen. Heldenmütig kämpfte er besonders bei Kijkduin 1673. Im J. 1675 wurde er von Karl II. von England zum Baronet ernannt. Hierauf unterstützte er 1676 mit einer niederländ. Flotte die Dänen gegen Schweden und wurde vom dän. Könige zum Grafen ernannt. Er starb als Oberbefehlshaber der niederländ. Flotte 29. Mai 1691 in Amsterdam und wurde in der Gruft seines Vaters beigesetzt.

Trompe, eine vorgekragte, zur Unterstützung einer überstehenden Ecke oder Mauerfläche dienende Wölbung. Sie kommen vor bei dem Übergang einer Grundform in die andere, z. B. bei unterhalb verbrochenen oder runden, oberhalb rechtwinkligen Mauerecken, besonders aber bei Türmen, welche aus dem Viereck in das Achteck übergehen. Demgemäß unterscheidet man äußere oder Ecktrompen (s. Fig.1) und innere oder Winkel-(Pendentif-) Trompen oder Nischentrompen (Fig. 2).

^[Fig. 1.]

^[Fig. 2.]

Tromper Wiek, Meereseinbuchtung im Norden der Insel Rügen zwischen den Halbinseln Wittow und Jasmund (s. d.).

Trompete (ital. tromba oder clarino; frz. trompette; engl. trumpet), ein im Konzert- und Theaterorchester sowie in der Militärmusik sehr gebräuchliches Blasinstrument, besteht aus einer Röhre von Messingblech. Angeblasen wird sie mittels eines kesselförmig ausgetieften Mundstücks, ähnlich dem der Posaune, nur nicht so weit und tief. Die Röhre, über 2 m lang, ist der bequemern Handhabung wegen zweimal zusammengebogen. Die Hauptart ist die Naturtrompete, deren Röhre keine Tonlöcher hat, so daß die verschiedenen Tonhöhen allein durch die Verschiedenheit der Lippenstellung und des Anblasens (den Ansatz) hervorgebracht werden. Die Skala der Naturtrompete ist: ^[img], davon sind ^[img] und ^[img] zu tief, ^[img] aber zu hoch; die Unreinheit dieser Töne muß also der Bläser durch stärkern oder schwächern Lippendruck ausgleichen. Vom ^[img] an lassen sich auch die fehlenden Töne mittels Lippendrucks und Stopfens erzeugen; doch fallen diese Töne noch mehr als beim Horn gegen die offenen ab. Überhaupt ist der Umfang der Naturtrompete erst vom g an brauchbar; die tiefsten Töne sprechen schlecht oder gar nicht an. Um in den verschiedenen Tonarten dienen zu können, wird die T. in verschiedenen Größen gebaut, die den betreffenden Grundtönen entsprechen. Notiert werden jetzt alle Stimmungen in C-dur (im Violinschlüssel), aber nur die C-Trompete klingt mit der Notierung übereinkommend, die andern transponieren (s. Transponierende Instrumente). Schon im Altertum bekannt (besonders war die etruskische berühmt), ist die T. eins von den am frühesten zur Vollkommenheit gelangten Instrumenten. Später hat man, wie beim Horn, so auch bei der T. viel an der Ergänzung ihrer Skala durch die chromatischen Töne gearbeitet, ältere Versuche dieser Art sind durch die Ventiltrompeten nach Stölzels System (s. Horn) verdrängt. Der Charakter des Instrumente bedingt es, daß die Naturtrompete ihren Platz behaupten wird. (S. Musikinstrumente nebst Taf. I, Fig. 16, 17, 18, 21, Bd. 17.) - Vgl. Eichborn, Die T. in alter und neuer Zeit (Lpz. 1881; dazu die Ergänzung: Das alte Clarinblasen auf T., ebd. 1894).

Trompete, Gerät beim Erdbohren, s. Bergbohrer.

Trompetenbaum, s. Cecropia, Tecoma und Catalpa.

Trompetenblatt, s. Sarracenia und Tafel: Insektenfressende Pflanzen, Fig. 7.

Trompeterschwan (Cygnus buccinator Rich.), der nordamerik. Vertreter unsers Singschwans und von diesem durch ganz schwarzen, ebenfalls höckerlosen Schnabel unterschieden. Früher eine häufige Erscheinung in europ. Tiergärten, ist er jetzt seltener geworden und wird mit 300 M. das Paar bezahlt.

Trompetervögel (Psophiidae), eine aus einer Gattung und sechs Arten bestehende Familie der Stelzvögel, die einen kurzen, scharfen, übergebogenen Kegelschnabel, sehr dünne Beine, kurze, mit scharfen Krallen versehene Zehen und kurze Flügel, sowie kurzen, geraden Schwanz, aber langen Hals besitzt und nackte Stellen ums Auge zeigt. Die häufigste Art, der Agami oder Caracara (Psophia crepitans L., s. Tafel: Stelzvögel I, Fig. 2), lebt in Guayana in Wäldern und bringt nach heftigem Schrei ein eigentümliches Trommeln oder Kollern bei geschlossenem Schnabel hervor, das ihm seinen deutschen Namen verschafft hat. Er nährt sich von Früchten, Beeren und Insekten und lebt in Trupps von 10 bis 30 Stück. Das Weibchen legt 10-16 Eier in eine Vertiefung in der Erde. Gezähmt ist der Vogel sehr anhänglich und übt auf den Hühnerhöfen der Ansiedler eine ähnliche Oberherrschaft aus wie bei uns der Truthahn. In deutschen Tiergärten, wohin der Vogel