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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Turdus - Turgaj

Turdus (lat.), die Drossel (s. d.; s. auch Amsel und Krammetsvogel); T. migratorĭus, s. Wanderdrossel; T. musicus, s. Zippe und Tafel: Mitteleuropäische Singvögel II, Fig. 5, beim Artikel Singvögel.

Turdus solidarius (lat.), Einsiedlervogel, ein kleines Sternbild am südl. Himmel.

Turenne (spr. türénn), Henri de Latour d'Auvergne, Vicomte de, franz. Feldherr, geb. 11. Sept. 1611 zu Sedan als der zweite Sohn des Herzogs Heinrich von Bouillon, wurde im prot. Glauben erzogen und bildete sich seit 1623 unter seinem Oheim, dem Herzog Moritz von Nassau, in Holland für den Krieg aus. Er kam 1630 an den franz. Hof und erhielt ein Regiment, an dessen Spitze er unter Laforce 1631 mit nach Lothringen zog. Nachdem T. 1634 Maréchal de Camp geworden, focht er unter Lavalette, entsetzte 1635 Mainz und eroberte 1637 unter Herzog Bernhard von Weimar Landrecies, Maubeuge und 1638 Breisach. 1639 schlug er die Deutschen und Spanier bei Casale, nahm Sept. 1640 Turin und that sich auch im folgenden Feldzuge hervor. 1642 eroberte T. Roussillon. 1644 erhielt er den Marschallsstab und den Oberbefehl in Deutschland. Er ging bei Breisach über den Rhein und vereinigte sich mit dem Herzog von Enghien, dem nachmaligen großen Condé (s. d.). Beide suchten das von Mercy belagerte Freiburg zu entsetzen, wurden 3. bis 5. Aug. zurückgeschlagen, eroberten dann aber in kurzer Zeit die Pfalz, das Kurfürstentum Mainz und den ganzen Rhein von Straßburg bis Koblenz. T. wurde hierauf 5. Mai 1645 von Mercy bei Mergentheim geschlagen, doch siegte er unter dem Oberbefehl Condés 3. Aug. 1645 bei Nördlingen und vereinigte sich Aug. 1646 bei Gießen mit den Schweden unter Wrangel. Er rückte nach Bayern vor, bedrohte München und zwang den Kurfürsten 14. März 1617 zum Waffenstillstande, wendete sich dann nach Flandern und beschleunigte durch Einnahme vieler Plätze den Frieden zu Münster 1648.

In den Unruhen der Fronde stand T., von seinem Bruder, dem Herzog von Bouillon, beeinflußt, dem Hofe anfangs entgegen, vereinigte die Streitkräfte der Fronde mit den Spaniern und fiel mit dem Erzherzog Leopold in Frankreich ein, wurde aber 15. Dez. 1650 vom Marschall Duplessis-Praslin bei Réthel geschlagen. Der span. Hof bot ihm eine große Summe zur Fortsetzung des Kampfes an; aber T. söhnte sich 1651 mit dem franz. Hofe aus und trat an die Spitze des königl. Heers. Mit wechselndem Glück kämpfte er gegen den Prinzen Condé, der sich ganz der Sache der Spanier angeschlossen hatte. T. schlug ihn 2. Juli 1652 in der Pariser Vorstadt St. Antoine und führte den Hof nach Paris zurück. Darauf unterwarf er bis zum Pyrenäischen Frieden (1659) fast ganz Flandern und wurde 1660 zum Generalmarschall ernannt. Im Devolutionskrieg (s. d.) eroberte T. 1667 Flandern und die Franche-Comté. Auf Ludwigs XIV. Wunsch trat er 1668 zum Katholicismus über. Bei dem Ausbruch des Krieges gegen die Niederlande erhielt T. 1672 abermals den Oberbefehl. Er trat dem verbündeten, von Montecuccoli matt geführten Heere am Rhein gegenüber, verhinderte es an Überschreitung des Flusses und veranlaßte durch Besetzung seiner rhein. Gebiete den Großen Kurfürsten 6. Juni 1673 zum Frieden von Vossem; dann aber drängte Montccuccoli ihn 1673 zurück. Im Feldzug von 1674 verwüstete T. die Pfalz aufs grausamste, ging dann bei Philippsburg über den Rhein, siegte 16. Juni bei Sinzheim und warf das kaiserl. Heer bis an den Main zurück. Doch brachen die Deutschen im Herbst verstärkt in das Elsaß ein, der kaiserl. General Bournonville schlug 4. Okt. 1674 T. bei Enzheim ohne entscheidenden Erfolg; vor dem eintreffenden Kurfürsten von Brandenburg wich T. hinter die Vogesen zurück, brach aber, in seinem berühmtesten Feldzuge, aus diesen mitten im Winter bei Belfort wieder hervor und siegte über die uneinigen Deutschen 29. Dez. bei Mülhausen und entscheidend 5. Jan. 1675 bei Türkheim. Der Kurfürst und Bournonville mußten das Elsaß preisgeben. Darauf ging T. bei Wilstädt über den Rhein und bereitete sich gegen Montecuccoli zu einer entscheidenden Schlacht vor, wurde aber beim Dorfe Sasbach, unweit Offenburg, bei einem Rekognoscierungsritt 27. Juli 1675 von einer Kanonenkugel getötet. In Sedan wurde ihm 1823 ein Standbild errichtet.

T. hinterließ Memoiren, die von 1643 bis 1659 reichen und von Grimoard (2 Bde., Par. 1782) herausgegeben wurden. Barthélémy veröffentlichte "Correspondance inédite de T. avec Michel Le Tellier et Louvois" (Par. 1874). Das Leben T.s beschrieben Buisson (Amsterd. 1712), Ramsay (2 Bde., Par. 1735; neue Aufl., 4 Bde., ebd. 1774), Raguenet (ebd. 1738 u. ö.), Hozier (Lond. 1885), Duruy (5. Aufl., Par. 1889). - Vgl. außerdem Deschamps, Mémoires des deux dernières campagnes de T. (2 Bde., Par. 1678; 2. Aufl. 1756); Neuber, T. als Kriegstheoretiker und Feldherr (Wien 1869); Peter, Der Krieg des Großen Kurfürsten gegen Frankreich 1672-75 (Halle 1870); Choppin, Campagne de T. en Alsace (Par. 1875); J. Roy, T., sa vie, institutions militaires de son temps (neue Ausg., ebd. 1895).

Turenum, s. Trani.

Turf (engl., spr. törf, "Rasen"), die Bahn oder der Platz für Wettrennen (s. d.) und alles darauf Bezügliche. Das Turfwesen umfaßt alle Angelegenheiten und Einrichtungen des Rennbetriebes.

Turföl, flüchtiger Kohlenwasserstoff, der in dem bei der trocknen Destillation des Torfs gewonnenen Teer enthalten und wahrscheinlich mit dem Benzin des Braunkohlenteers identisch ist.

Turgaj. 1) Gebiet im nordöstl. Teil von Russisch-Centralasien, grenzt im N. an das Gouvernement Orenburg, im O. an das Gebiet Akmolinsk, im S. an das Syr-darja-Gebiet und an den Aralsee und im W. an Uralsk und hat 456 396,6 qkm mit (1897) 454 078 E., d. i. 0,99 auf 1 qkm (s. Karte: Russisch-Centralasien und Turkestan). Die Oberfläche ist vorwiegend Steppe, nur im Westen reichen Ausläufer des Uralgebirges hinein und bilden als Mugodschargebirge zum Teil die Grenze gegen das Gebiet Uralsk. Der Uralfluß bildet auf 260 km die Grenze gegen Orenburg; zu ihm gehen der Or und Ilek. Im Norden geht der Tobol zum Irtysch-Ob. Alle übrigen Gewässer (Dschilantschik, T., Irgis u. a.) gehen in die innern Seen. Letztere haben teils süßes, teils bitteres,.teils salziges Wasser und umfassen zusammen 16 540 qkm; der Tschalkar (2002 qkm), Sary-kopa (699 qkm), Tschubar (344 qkm) u. a. Das Klima ist kontinental mit scharfen Übergängen von Hitze zu Kälte. Die mittlere Jahrestemperatur betrügt 3-9°, im Sommer 18,7° bis 22,7°, im Winter -3,6° bis -15,7°. Die Bevölkerung besteht aus 24 000 Ansässigen, meist Kleinrussen, und 385 400 nomadisierenden Kir-^[folgende Seite]