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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Turma - Turmalin
dralen. Halbfertig und erst in unserm Jahrhundert
ausgebaut sind die T. am Dom zu Köln, zu Regens-
burg, zu Ulm, zu Frankfurt u. a. m.
Die Renaissance übertrug den Van von Zier-
türmen auch auf den Profanbau, bildete die Kirch-
türme jedoch nicht mehr in altem Glanz weiter.
Doch entstanden namentlich in Belgien, England
(durch Chr. Wren) und Oberitalien noch eine Reihe
von T. in Stein, meist wurde das Hauptgewicht
auf die Durchbildung der Holzhelme gelegt, so na-
mentlich in Holland und dem von ihm künstlerisch
abhängigen Oberdeutschland. Die Kuppeln (s. d.)
bildeten das Ideal der Kirchenbaumeistcr jener Zeit,
die T. erscheinen oft nur als Begleiter dieser. So
an Sant' Agnese in Rom, St. Panlskathedrale in
London (s. Tafel: Londoner Bauten, Fig.3), La
Superga bei Turin, Theatinerkirche in München,
Nikolaikirche zu Prag. Einer der schönsten T. der
Barockzeit ist der der kath. Kirche zu Dresden (von
Chiaveri). In neuerer Zeit hat man den Bau von
Kirchtürmen wieder lebhafter betrieben. Die höchsten
neuen T. in Deutschland sind das Tnrmpaar des
KölnerDoms(160m hoch; s.Tafel: KölnerDom,
Bd. 10, S. 502), der T. der Nikolaikirche zu Ham-
burg (1845-74 von G. G. Scott, 117 m hoch) und
des Münsters zu Ulm (1890 vollendet, 161m hoch).
Auch die Mohammedaner bauten neben ihre Ge-
bethäuser T., welche zum Teil von großer Schönheit
sind, z. B. der T. der Kathedrale in Sevilla, s. Tafel:
Arabische Kunst I, Fig. 4. (S. Minaret.)
Das Turmdach (s. Dach) ist entweder eine Pyra-
mide (Helmdach, Kaiserdach) oder ein Kegel
(Kegeldach). Bei hölzernen Tnrmdachstühlen
bediente man sich früher des fog. Kaiserstiels, der
in der Mittelachse durch die ganze Höhe reichte nnd
in jedem Geschoß durch sog. Balkenschlösser
(kreuzweis übereinander gelegte Balken) befestigt
wurde (s. nachstehende Fig. 1). Die damit verbun-
dene feste Vereinigung der Turmpyramide mit dem
Fig. i.
Fig. 2.
Mauerwerk wirkt jedoch schädlich, da die erforder-
liche elastische Bewegung des T. bei Wind direkt auf
das Mauerwcrk übertragen wird; serner erfordert
diese Konstruktion viel Holz, und die Valkenfchlösser
verdauen den Innenraum. Man wendet daher jetzt
nur noch die Mollersche Konstruktion (Fig. 2) an,
bei der die Turmpyramide auf einem nnverschieb-
lichen Kranz von Schwellen steht, die auf dein ab-
geglichenen Maucrwerke ruhen, und bei der einer
Drehung des Daches durch Wind mittels liegender
Andreaskreuze (s. Kreuzstreben) entgegengewirkt
wird. Nur im obern Teil ist ein kurzer Kaiserstiel
eingefügt. Auf gleiche Weise werden die Dachreiter
(s. d.) gebildet. Massive Tnrmdächer werden au^
HausteinoderZiegelverschiedenkonstruiert. Eiserne
Konstruktionen werden den bölzernen nachgebildet.
Die Bekrönung eines T. geschieht durch einen Knauf
aus Werkstein oder Metall; durch denselben geht
eine Eisenstange hindurch, die oben ein Kreuz, einen
Turmknopf (s. d.) oder eine Wetterfahne trägt. Bei
Kirchtürmen tritt als oberer Abschluß auch die Kreuz-
blume (s. d.) auf. - In neuerer Zeit sind einige frei-
stehende eiserne T. von bedeutender Höhe entstanden,
wie der Eiffelturm (s. d.) und der Watkinturm (s. d.j.
- Vgl. Sutter, Turmbuch (Berl.1888; 2. Aufl. 1895).
Über T. im Schachspiel s. d.
'Inrina, die kleinste taktische Einheit der röm.
Reiterei mit einem eigenen Feldzeichen (v6xi1wm>.
Die 'I., nur 30 Mann stark, zerfiel in 3 6kcuriao
(Zehntschaften) zu 10 Mann und ftand unter 3 äe-
cui'ion68 (Unteroffiziere) und 3 optionss (Gefreite).
Der älteste äscurio führte den Befehl über die ganze
1. 10 turniÄ6 gingen auf die Normallegion der
Republik, 4 auf die der Kaiscrzeit. Die ?. fockt
meist in geöffneten Reihen, seltener geschlossen. Die
Normalaufstellung war dreigliedrig. (S. auch ^1a.)
Turmair, Johannes, auch Thurmayr, bayr.
Geschichtschreiber, geb. 4. Juli 1477 zu Abensberg^
weshalb er sich gewöhnlich Aventinus nannte,
studierte zu Ingolstadt, dann in Wien, Krakau und
Paris, kehrte dann nach Ingolstadt zurück und
wurde 1508 Lehrer der jüngern Brüder des Herzogo
Wilhelm IV. von Bayern. 1517 zum bayr. Historio-
graphen ernannt, sammelte T. mit Eifer Geschichts-
quellen, von denen sich sehr wichtige nur in seinen
Abschriften erhalten haben. Nach manchen harten
Schicksalen, indem man ihn namentlich auch in den
Verdacht der Ketzerei gebracht hatte, starb er 9. Jan.
1534 zu Negensbnrg. Obgleich humanistisch gebil-
det, hat er doch die Vorzeit phantastisch ausgemalt,
dagegen für das Mittelalter seine reichen Quellen-
sammlungcn kritisch verarbeitet und seinen Haß
gegen die Übergriffe der Hierarchie in lebendiger
Sprache zum Ausdruck gebracht. Seine Hauptwerke
sind die hockwichtigen "XniMe" VoM-um" (Ingolst.
1554 n. ö.) und "ein Auszug daraus die "Nayr.
Chronik" (Franks. 1566), das erste hervorragende
Gefchichtswcrk in deutscher Sprache. Durch die "Iw-
äimLiitii Ai-Hinin^ticao latinao" (1512) machte er
sich auch um die Philologie verdient. Die Münchener
Akademie der Wissenschaften veranstaltete eine neue
authentische Gesamtausgabe seiner Werke (5 Bde.,
Münch. 1880-86). - Vgl. die Biographien von
Wiedemann (Freising 1858), Dittmar (Nördl.1862)
undWegele (Vamb. 1890);fernerDöllinger,Aventin
und seine Zeit (Münch. 1877); W. Meyer, Philol.
Bemerkungen zu Aventins Annalen (ebd. 1886).
Turmalm, ein Mineral, das in rhomboedrischen
Formen meist von säulenförmigem Habitus und mit
ausgezeichnet bemimorphischer Entwicklung krystalli-
siert und chemisch ans Lithium, Fluor, Kieselsäure,
Thonerde, Vorsäure, Magnesia, Natron und Wasser
besteht. Er kommt in allen Farben, am seltensten
wasserhell, am hänsigsten ganz schwarz vor, hat
Glasglanz, muscheligen Bruch, ist durchscheinend in
allen Graden mit anffallcndem Dichroismus, und
besitzt die Härte 7, das spec. Gewicht 3. Das Pul-
ver wird vom Magneten angezogen. Durch Erwär-