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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Türkisch-Russischer Krieg von 1877 und 1878 - Turm

Türkisch-Russischer Krieg von 1877 und 1878, s. Russisch-Türkischer Krieg von 1877 und 1878.

Turkistan, s. Turkestan.

Turkmanen, Turkomanen, Turkmenen oder Truchmenen, eine bedeutende Abteilung der aus dem Altai im 5. Jahrh. nach Süden sich verbreitenden Türkstämme, die die chines. Annalen unter den: Namen Tu-kiu (Türken) zusammenfassen. Sie gehören zu den heutigen Südtürken, sind also die nächsten Stammverwandten der Osmanen und Aserbeidschaner. Diese Turkmenen, die als die westlichen T. bezeichnet werden müssen, ließen sich in Syrien, Kleinasien und selbst in Macedonien (von Murad IV. angesiedelt) nieder, die östlichen T. bilden bis heute eine Stammgruppe aus mehr oder weniger zahlreichen und starken Stämmen rings um die Ost-, West- und Südgestade des Kaspischen Meers, in Westturkestan, in Masenderan, Chorassan und selbst in Afghanistan. Den ausgedehntesten Besitz haben sie in der turan. Ebene, dem westl. Teile von Turkestan, wo nach ihnen das weite, aus der Ostseite des Kaspischen Meers, zwischen diesem, dem Aralsee und Amu und dem pers. Berglande Chorassan gelegene Steppen- und Wüstengebiet den Namen Turkmanenland oder Truchmenenland oder Turkomania, die Landenge zwischen den beiden großen Seen insbesondere den Namen Truchmenen-Isthmus führt. Seitdem 9. April 1881 die Teke-Turkmenen (s. d.) und im Febr. 1884 die Turkmenen von Merw sich Rußland unterworfen haben, ist das ganze ehemalige Turkmenenland russisch (s. Transkaspien); außerdem sind noch einige Stämme von Persien und Chiwa abhängig; die Gesamtzahl kann man auf 1 Mill. schätzen. Die Turkmanenstämme leben meist nomadisch und sind, wie die ihnen verwandten Karakalpaken, sunnitische Mohammedaner, roh und unwissend, raubsüchtig und stehen unter Stammältesten. Ihre Raubzüge sind durch die Russen beschränkt worden. - Vgl. Vámbéry, Das Türkenvolk in seinen ethnolog. und ethnogr. Beziehungen (Lpz. 1885).

Turkos (Turcos), die von der franz. Regierung nach der Eroberung von Algerien aus Eingeborenen errichteten Regimenter alger. Schützen (Tirailleurs algériens). Bei jeder Compagnie sind 2 Offiziere, 4 Unteroffiziere und 8 Korporale Eingeborene, die übrigen Offiziere und Unteroffiziere Franzosen. (S. Französisches Heerwesen, Bd. 7, S. 199 a.) Die Tracht ist arabisch: hellblaue Jacke und Weste, Turban, Burnus, Gamaschen. Die T. waren ursprünglich, gleich der Fremdenlegion, nur zur Verwendung in Algerien bestimmt, doch haben sie 1859 in Italien, 1870/71 in Frankreich und 1884 in Tongking mitgefochten und sich durch Mannszucht und Ausdauer im Ertragen von Beschwerden ausgezeichnet.

Türkos (spr. -kösch), Dorf in Siebenbürgen, s. Siebendörfer.

Turko-tatarische Völkerschaften, s. Tataren.

Turksinseln, die südöstlichste Gruppe der Bahama-Inseln (s. d.), stehen mit den Caïcosinseln unter dem Gouverneur von Jamaika. Die T. und Caïcos zusammen haben auf 30 Eilanden mit etwa 270 qkm (1891) 4745 E., die auf den 6 größten wohnen. Auf die T. kommen nur 25 qkm. Es sind Koralleninseln, auf welchen Salz (jährlich 2 Mill. Bushel) gewonnen wird, das zumeist nach den Vereinigten Staaten ausgeführt wird. Auch treibt man Schwammfischerei.

Turku, Stadt in Finland, s. Åbo.

Türkvölker, s. Türken.

Turla, der türk. Name des Dnjestr.

Türlin, Heinrich von dem, s. Heinrich von dem Türlin.

Türlin, Ulrich von dem, s. Ulrich von dem Türlin.

Turlupin (frz., spr. türlüpäng), im 14. und 15. Jahrh. in Frankreich Name einer übelberüchtigten, den Brüdern und Schwestern des freien Geistes verwandten Sekte; dann Bühnenname des Komikers Belleville in Paris zur Zeit Ludwigs XIII.; daher Possenreißer; Turlupinade, Possenreißerei, Hanswurstiade.

Turluru, s. Krabben.

Turm, jedes Bauwerk aus Stein, Holz oder Eisen, das im Verhältnis zu seiner Grundfläche eine bedeutende Höhe hat, mag dasselbe eine spitze oder stumpfe Endigung haben. T. dienten zunächst Zwecken der Verteidigung, und zwar meist gleichzeitig um den Angegriffenen vor dem Feinde zu schützen und ihm die Möglichkeit leichterer Abwehr zu gewähren, dann aber auch zur Aufstellung von Schleudermaschinen und Geschützen sowie zur Aussicht (Lug ins Land, Wartturm), um den Feind zu erspähen. Sie haben aber oft auch den Zweck, Glocken, Fahnen, Leuchtfeuer, optische Telegraphen, ein Nebelhorn u. a. aufzunehmen, welche man weithin hören oder sehen soll, oder werden in manchen Fällen zur Aufnahme eines Wasserreservoirs (Hochreservoir) oder auch nur wegen einer schönen Aussicht erbaut. Am häufigsten sind die runden oder eckigen Festungstürme der antiken und mittelalterlichen Stadtmauern und Burgen. Dahin gehören auch die Thortürme, weil die Thore (s. d.) bei der Befestigung einer Stadt besondere Sorgfalt verlangten. Zum Angriff einer belagerten Stadt dienten im Mittelalter die aus Holz konstruierten, auf Rollen oder Rädern stehenden sog. "Wandeltürme". Künstlerisch bedeutungsvoller sind die Kirchtürme, welche schon in der Frühzeit des Christentums als Glockentürme (Campanile, s. d.) auftreten. Ihre vollendete Ausbildung erfuhren die Kirchtürme jedoch erst im Norden. Der roman. Stil liebte es, sogar den Kirchen deren mehrere zu geben und zwar je zwei an den Façaden des Längs- und Querschiffs und einen über dem Schneidepunkt beider (Vierungsturm). In der Gotik erhielten die T. weitere Schmuckmotive, die reich verzierten Strebepfeiler und namentlich die durchbrochenen Helme. Als schönstes Beispiel got. Turmanlagen kann der T. des Münsters in Freiburg i. Br. gelten (s. Tafel: Deutsche Kunst II, Fig. 4). Die Frauenkirche zu Eßlingen, die Elisabethkirche zu Marburg, die Liebfrauenkirche zu Würzburg sind weitere Beispiele schöner alter T. Die riesigen Doppeltürme der großen Dome wurden meist erst in der Spätgotik oder gar nicht fertig. Die bedeutendsten fertig gewordenen Anlagen sind: der Nordturm des Münsters zu Straßburg (von Erwin mit der ganzen Westfaçade angefangen, von Ulrich von Ensingen 1419 fortgeführt, von Johannes Hültz 1439 vollendet, 142 m hoch; Fig. 10); der Nordturm von St. Stephan in Wien (um 1350 begonnen, wahrscheinlich von Meister Wenzla nach neuem Plan weiter geführt, 1433 von Hans von Prachatitz vollendet, 1859-64 von Ernst und Schmidt erneuert, 137,8 m hoch; Fig. 6); der Nordturm der Kathedrale zu Antwerpen (nach 1500 von Herman van Waghemakere vollendet, 123 m hoch; s. Tafel: Niederländische Kunst 1, Fig. 1); ferner mehrere T. franz. und engl. Kathe-^[folgende Seite]