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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Tyr - Tyroglyphidae
wird der Ausdruck T. häufig in den Systemen ge-
braucht, welche die Einzelwesen in ibrersinnlicken
Erscheinung cÜ5 die Abbilder von Urbildern betrau-
ten, die in einen: urbildlichen Verstände vorgebildet
existieren. So sind die Ideen Plato5 (s. d.) die Tvpen
der sinnlichen Dinge. Durch dieNeuplatoniker wurde
diese Ansicht ins Vtittelalter fortgepflanzt. DieScko-
lastiker sprechen hänfig von einer M0N8 ai-clwtvpa,
d.h. einem nrbildlichen göttlicken Verstande, in deui
die ewigen Muster liegen, die in den Dingen in der
Sinnenwelt nur unvollkommen ausgeprägt sind.
In der Geschichte bestebt die tnpiscke Auffassung
darin, das; man in den frühern, vielleicht unsckein-
barenVegebenheiten die spätern wichtigern nickt bloß
vorbereitet, sondern vorgezeichnet findet. In dieser
Beziehung hatte das Typiscke in der ältern Tbeo-
logie lange Zeit sogar eine dogmatische Bedeutuug.
Indem :nan nämlich annahm, daß gewisse Personen,
Ereignisse, Einrichtungen und Aussprücke de5 Alten
Testaments zu Personen, Ereignissen u. s. w. des
Christentums in vorbildlicher oder typischer Be-
ziehung steben sollten, bildete man eine eigene
Theorie dieser Typen sTypik, Typologie) au5.
Tyr, der altnordische Name eines Gottes, der
althochdeutsch Ziu oder Zio, angclsacks. Tiu biesi.
Als die Genuauen sich dev beutigen Deutschlands
bemächtigten, war seine Verebruug eine allgenieiue,
und zwar galt er als der oberste.vimmelc-gott. Nock
im 2. Jahrh, unserer Zeitrechnung baben idni priesen
als dem Gotte des Rechts und der Volk^versamm-
lung Altäre gesetzt. Später erbielt er sich nur nock
als Stamme^gott der Oberdeutschen, aber auch hier
wie bei den übrigen gcrmau. Völkern mebr al<>
Kriegsgott. Daher bezeichnen ibu lat. Schriftsteller
des Mittelalters mit Vtars oder Arec-. In nordi-
schen Quellen ist er als Kriegsgott Sobn des Odin.
Er war hier einhändig, denn bei der Fesselnng dc^
Fenriswolfs (s. Fenrir), des Ungetünis, dessen Ge-
schlecht die Gestirne fressen wird, batte er eine Hand
verloren. Beim Göttergeschick (s. d.) findet er den
Tod im dampfe mit dem Höllenbunde. Geweiht war
dem T. der dritte Tag der Woche, der nacb dem äie8
Nai-tis im Norden "Tyrsdagr, angelsäcks. Tives-
däg, althochdentsch Ziestac hieß. In Vlitteldeutsck-
land ist aus Dicstag durch volksetnmolog. Auleb-
nung an Dingstag unser Dienstag geworden. Der
bayr. Kriegsgott Er, der sächs. Sarnot ist dieselbe
Gottheit, wie anch ihr dieselben Eigenschaften wie
dem T. zugeschrieben werden und dieselbe Rune (^)
sowohl T. als auch Er bezeichnet. - Vgl. Hoffory,
Der german. .Himmel5gott (in "Eddastudien", Berl.
Tyrann, s. Tyrannis. ^1889).
Tyrannen si^vi-amiiä^), Königstyr a nn e n
oder Königs würg er, eine ans 71 Gattnngen und
über 450 Arten bestehende, auf Amerika befckränkte
Famil-ic der Singvögel von kräftigem Körper mit
starkem, geradem Schnabel von Kopflänge, mit batig
übergebogener Spitze und mit Federborsten au der
Basis; die Beine sind kräftig mit ziemlick kurzeu Zeben,
die Flügel ziemlich lang und spitz zulaufend. Die
Färbung der T. ist matt, oben berrscht Grau, unten
Weiß und Gelb vor. Ibre Nester und Eier sind denen
unserer Würger ähnlich, auch nabren die Vögel sick
wie diese von Insekten und kleinen Wirbeltieren.
L^ra.liniaa.s, s. Tyrannen.
Tyrannis, Tyranuenberrsckaft. Als Tyrann
(t)'i-lui!i()8) bezeichneten die Griechen im Gegensatz
zu ihren alten Königen jeden Dcrrsckcr, der auf re-
volutionärem Wege in den Besitz der Alleinherr-
' schaft gelangt war. Mit dem Namen T. war daher
zunackst nnr der Gedanke an die Nstnpaüon, nicht
an eine willkürliche oder grausame Art der Verwal-
tung verbunden. Im 7. und 6. Jahrh. v. Chr. tre-
ten/zuerst in Griechenland Tyrannenherrschaften
auf < ältere T.). Damals gelangten die meisten
zur Herrschaft als Führer der Bürger- und Vauer-
gemeiuden (Demos), die mit dem Regiment de^
herrschenden Adels unzufrieden wa^??. >KnM,
wie die Tvrannen in den kleinasiat. Städten, be-
bailpteten sich dnrch Anlehnung an eine auswär-
tige Macht lPersien). Bei der großen Verbreitung
der Tvrannenberrschaften in der gesamten helleni-
schen Welt kann man von einem Zeitalter der T.
sprecken, für die meisten Städte bedeutet es eine
Zeit boher Blüte und mächtigen Anfschwungce>.
Männer wie Pisistratus von Atben, Theagenes vou
Megara, Tberon von Akragas, Gelon von Syrakue,
Polykratee' von Samos, wie die Geschlechter der
Ortbagoriden in Sikyon, der Kypseliden in Korintb
baben das Größte geleistet. Die Fürstenböfe wur-
den ^iittelpuukte der Wissenschaft und Kunst; man
hat sie passend mit den ital. Fürstenhöfen der Re-
naissance verglichen. Doch bildeten sich nur selten
Dvnastien von längerer Dauer. Das starke belle-
z nische Freiheitsbewußtsein vertrug die Herrschaft
nicht lange, Adel und Demos fühlten sich bald
gleichmäßig gedrückt und vertrieben gemeinsam die
^ Oberberren; man verstand nun unter Tyrann, wie
noch jetzt, einen Gewaltherrscher, unterT. oderTv-
rannei eine harte Willkürschaft. Diese Auffassung
- festigte sich durch die seit dem Ende des 5. Jahrb.
i v. Ehr. vorübergehend in vielen Städten aufkom-
mende sog. jüngere T., eine gewöhnlich durch blu-
tige Revolution begründete Militärdiktatur. Der
sür uus typische Vertreter dieser T., zugleick einer
z ibrer größten und begabtesten, ist der ältere Dionv-
i sius von Syrakus. Die Dreißig Tyraunem^utt
man den Ausschuß, der in Athen nach den: Ende de">
Peloponnesischen Krieges (40^ n. Chr.) unter Lysan-
ders Einflnß znm Entwurf einer neuen Versassung
eingesetzt wnrde, aber ein grausames Willkürregi-
meut begann und nach achtmonatiger Gewaltherr-
schaft durch Thrasybulus (s. d.) gestürzt wurde. iS.
^ Griechenland, Geschichte.) In der späterir röm. Kaiser-
gcschichtc werden die Statthalter, die sich bei der Ver-
wirrnng des Reichs unter Gallienns in den verschie-
denen Provinzen 258-268 n. Chr. zu Gegenkaisern
aufwarfen, aber bald wieder beseitigt wurden, nack
der Überlieferung bisweilen ebenfalls die Dreißig
Tyrannen genannt. - Vgl. Plaß, Die T. bei den
Griechen (2. Aufl., 2 Tle./Lpz. 1859).
Tyrannius, Kirchenfchriftsteller, s. Rufinuc-.
Tyras, antiker Name des Dnjestr.
Tyras, miles. Kolonie des heutigen Südruftland,
! auf der Stelle des jetzigen Akjerman (s. d.).
Tyraß, falsche Schreibung für Tiraß (s. d.).
Tyree, Hebrideninsel, s. Tiree.
i Tyrnau, ungar. Stadt, s. Tirnau.
> Tyrnavos/Stadt ill Thessalien, .Hauptort der
i Eparchie T. im griech. Nomos Larissa, am nördl.
! Ufer de5 ^'erias (Europos), einem Nebenfluß des
Peneio^, reizend gelegen, hat <1889) 5305, als Ge-
, meinde 11 8^5 E., eine stattliche 5lirche, Knaben-
! und 9)lädchenschulen und eine Kaserne. In der
Nabe die Ruinen der Hauptstadt der Phlegver,
Gvrtone. Eine Babu nach Larissa ist geplant.
Tyro, Mtutter de5 Neleu^ und Pelias (s. d.).
L^ro3i^pkiaa.e, s. Uäsemilben.