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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Typik - Typus

Die Krankheit beginnt allmählich mit Abgeschlagenheit, Kopfschmerz, unruhigem Schlaf, Schwindel und Gliederschmerzen, Appetitlosigkeit, Durchfall und Fieber; erst später werden die Kranken bettlägerig. In der zweiten Woche erscheinen unter zunehmendem Fieber (bis 40° C. und darüber) spärliche rote Flecke (Roseolen) auf Brust und Bauch; der Durchfall, bei dem erbsensuppenartiger, graugelber Stuhl entleert wird, wechselt mit Verstopfung. Dabei ist der Unterleib meist etwas aufgetrieben und gespannt; ein tieferer Druck auf die rechte Unterbauchgegend verursacht dem Kranken Schmerzen und läßt häufig ein eigentümliches gurrendes Geräusch (Ileocökalgurren) entstehen. Sehr bald hören die Kranken auf, über Kopfweh und Gliederschmerzen zu klagen, sie werden völlig teilnahmlos und benommen, schlummern entweder fortwährend und delirieren leise vor sich hin oder sind in beständiger Aufregung und lautem Fieberdelirium. Gegen Ende der dritten oder vierten Woche nimmt das Fieber allmählich ab, indem zunächst die Morgentemperaturen abfallen, dann auch die Abendtemperaturen von Tag zu Tag geringer werden, und die Genesung tritt langsam ein unter Beruhigung des Pulses, Wiederkehr des normalen Schlafs, des Appetits und allmählicher Zunahme des Körpergewichts. Häufig fallen beim T. die Haare aus, wachsen aber allmählich wieder nach. Bisweilen erfolgt in der Rekonvalescenz eine neue Ablagerung von Typhuskeimen im Darm (Typhusrecidiv) und bringt dem Kranken neue Gefahren. Die Mortalität schwankt zwischen 25 und 5 Proz.; die Prognose ist unter allen Umständen ernst zu stellen, da auch bei den scheinbar leichtesten Typhen gefährliche Zwischenfälle eintreten können. Die Behandlung des T. erfordert vor allem die größte Schonung des Darmkanals (milde, reizlose Diät, Entziehung aller festen und schwer verdaulichen Speisen, welche die Durchlöcherung des wunden Darms verursachen können), die Beschaffung reiner guter Luft, sorgsame Unterstützung der Kräfte durch Wein, Cognac und andere analeptische Mittel und Bekämpfung des Fiebers durch Chinin, Antipyrin, kalte Abwaschungen oder laue Bäder. Man wendet die letztern in der Regel in der Form von Vollbädern an, die eine Temperatur von 24 bis 18° R. besitzen und in die der Kranke gebracht wird, sobald seine Körperwärme in der Achselhöhle 39° C. Übersteigt; die Dauer des Bades beträgt durchschnittlich 10 Minuten. Nach dem Bade wird der Kranke wieder in das Bett gehoben, in bereit liegenden Laken frottiert, abgetrocknet und durch Wein oder heiße Bouillon gestärkt. Namentlich durch die energische Durchführung der Kaltwasserbehandlung ist die Mortalitätsziffer des T. neuerdings bedeutend herabgesetzt worden. Während der Rekonvalescenz sind alle Diätfehler ängstlich zu meiden; erst wenn die Kranken 1-1½ Wochen ganz fieberfrei sind, kann man allmählich zu Fleischdiät übergeben. Zur Verhütung weiterer Ansteckungen sind die Stuhlentleerungen der Kranken sofort durch Zusatz von fünfprozentiger Carbolsäure oder einprozentiger Sublimatlösung zu desinfizieren; auch die beschmutzte Bett- und Leibwäsche der Kranken bedarf sorgfältiger Desinfektion. (S. Krankenwäsche.)

Eine kartogr. Darstellung der Frequenz der Todesfälle an T. zeigt die Karte: Verbreitung einiger wichtigen Infektionskrankheiten im Deutschen Reiche in den Jahren 1892 und 1893 beim Artikel Infektionskrankheiten (Bd. 17).

Über den exanthematischen T. s. Flecktyphus; über den Rückfalltyphus s. d.

Vgl. Murchison, Die typhoiden Krankheiten (deutsch Braunschw. 1867); Brand, Über den heutigen Stand der Wasserbehandlung des T. (Berl. 1887); Seitz, Der Abdominaltyphus (Stuttg. 1888).

Bei Haustieren kommt T. als eine dem menschlichen T. entsprechende Krankheit nicht vor, deshalb sind auch die Bezeichnungen Pferdetyphus (s. Blutfleckenkrankheit der Pferde und Pferdestaupe) und Schweinetyphus (s. Rotlauf) unzutreffend.

Typik (grch.), s. Typus.

Typikon (grch.), die Verfassung eines griech. Klosters oder einer Klostergemeinde, die vom Stifter des Klosters oder der zuständigen kirchlichen Behörde gegeben wird; dann Ritualbuch der griech. Kirche, das die genauen Bestimmungen enthält, wie der Gottesdienst an jedem Tage gehalten werden soll. Die berühmtesten T. sind das des heil. Sabas für die Kirchen von Jerusalem (offizielle Ausgabe, Venedig 1604 u. ö.), das der "Großen Kirche" von Konstantinopel (gedruckt zuerst 1851, offizielle Ausgabe), das der Athosklöster und des Sinaiklosters, die nicht gedruckt sind.

Typisch, s. Typus.

Typograph (grch.), Buchdrucker; auch Bezeichnung für eine Art Setzmaschine (s. d.).

Typographie (grch.), s. Buchdruckerkunst.

Typographischer Farbendruck, s. Farbendruck.

Typolithographie, der Druck typographischer Lettern, Holzschnitte u. dgl., die durch Umdruck auf Stein übertragen, von diesem in der Steindruckpresse gedruckt werden. Vorteilhaft ist es, Bilderbücher und solche Darstellungen in Lithographie, denen viel Text beigegeben ist, solchen von typographischen Lettern durch Umdruck hinzuzufügen und mitzudrucken. Es werden in der Buchdruckpresse von der Buchdruckplatte oder Schrift mit strenger Umdruckfarbe Abzüge auf einem mit Kleister gestrichenen Papier gemacht, die eher zu grau als zu schwarz sein sollen, und diese dann auf dcn Stein umgedruckt. Umdrucke von Schriftsatz erhält man in größter Schärfe und Reinheit, wenn man die Abzüge auf trocknes, gummiertes Papier macht, dann diese auf kurze Zeit in feuchtes Makulatur legt, bis das Gummi ein wenig klebt, und dann umdruckt und weiter behandelt. T. nannte man auch den Druck von für die Buchdruckpresse hochgeätzten Steinzeichnungen, der außer Gebrauch gekommen ist.

Typologie (grch.), s. Typus.

Typometer (grch.), Meßinstrument zur genauen Feststellung des systematischen Schriftkegels (s. Kegel) nach typographischen Punkten.

Typometrie (grch.), die Kunst, Landkarten aus gegossenen und gesetzten Typenstücken zum Druck auf der Buchdruckpresse herzustellen; sie wurde zuerst von Haas in Basel und Breitkopf in Leipzig, später in vervollkommneter Weise von A. Mahlau in Frankfurt a. M. ausgeübt. Dieses wegen technischer Schwierigkeiten wenig angewandte Verfahren ist durch die Zinkographie verdrängt.

Typoskop (grch.), s. Kaleidoskop.

Typus (grch.), Urbild, Vorbild; die allen einzelnen Exemplaren einer und derselben Art gemeinsame Grundform, Grund-, Urgestalt. Typisch oder den T. ihrer Gattung nennt man eine einzelne Erscheinung, wenn in ihr die allgemeinen Merkmale der Gattung in besonders vollkommener und durchsichtiger Weise hervortreten. In der Philosophie