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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Uhren; Uhrendifferenz; Uhrlampe; Uhrmacherschulen; Uhrstand; Uhrwerkzähler; Uhu

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Uhren (elektrische) - Uhu

zu bezeichnen, deren Produkte den Weltmarkt beherrschen. Genf (seit 1587), Locle (seit 1680) und Chaux-de-Fonds bilden Mittelpunkte der Taschenuhrenindustrie, die sich schon über 10 Kantone ausgebreitet hat. Deutschland fabriziert Taschenuhren vorzüglichster Art in Glashütte (Sachsen), wo die Uhrenindustrie 1845 von A. Lange (gest. 1875) begründet wurde; die Glashütter Taschenuhrwerke besitzen fast ausschließlich Ankerhemmung in verbesserter Form. Gute astron. Pendeluhren werden von Strasser & Rohde in Glashütte gebaut. In Silberberg (Schlesien) befindet sich ein zweiter, 1854 von Gebrüder Eppner begründeter Sitz der Taschenuhrenfabrikation, verbunden mit Kontroll- und Turmuhrenbau. Billige Pendeluhren bei verhältnismäßig rühmenswerter Güte werden im bad. Schwarzwald verfertigt. Die ersten Anfänge dieses Gewerbes traten hier in der zweiten Hälfte des 17. Jahrh. auf. Einen bedeutendern Aufschwung nahm die Fabrikation aber erst nach 1780. Die Pendeluhr- und besonders Regulatorfabrikation wird außer im Schwarzwald (Lenzkirch) auch in Freiburg (Schlesien) und Schwenningen (Württemberg) betrieben. Die Uhrenfabrikation Englands ist geringer geworden; Hauptsitze sind London, Birmingham, Liverpool, Manchester und Coventry. In Frankreich blüht bei Besançon eine bedeutende Taschenuhrenfabrikation und in Paris die Fabrikation von Stutz- und Reiseuhren. In Nordamerika giebt es schon längere Zeit Pendeluhrfabriken, zu denen noch mehrere Taschenuhrenfabriken gekommen sind, welche letztere neuerdings immer größern Aufschwung nehmen, besonders in Waltham (Massachusetts) und Elgin (Illinois). 1894 führte die Schweiz für 85,9 Mill. Frs. aus und nur für 1,6 Mill. Frs. ein; Deutschland hatte eine Ausfuhr von 11,8 Mill. M. (meist Stutz-, Wand- und Regulatoruhren), eine Einfuhr von 20 Mill. M. (fast nur Taschenuhren). Die Uhrenfabrikation wird durch Uhrmacherschulen (s. d.) gefördert.

Litteratur. Jürgensen, Die höhere Uhrmacherkunst (Kopenh. 1842); Großmann, Der freie Ankergang für U. (Glashütte 1866; 2. Aufl., bearb. von Strasser, Bautzen 1893); Saunier, Lehrbuch der Uhrmacherei (deutsch von Großmann, 3 Bde., Glashütte 1879; 2. Aufl., mit Atlas und Ergänzungsband, Bautzen 1891-92); Grosch, Handbuch für Uhrmacher (Weim. 1879); Immisch, Der Isochronismus der Spiralfeder (ebd. 1873; 2. Ausg. 1879); Felsz, Der Uhrmacher als Kaufmann (Berl. 1884); Rüffert, Katechismus der Uhrmacherkunst (3. Aufl., Lpz. 1885); Sievert, Leitfaden für Uhrmacherlehrlinge (5. Aufl., Berl. 1892); Horrmann, Preisschrift über die Repassage einer Cylinderuhr (2. Aufl., Halle 1888); Caspari, Untersuchungen über Chronometer und nautische Instrumente (deutsch von Gohlke, Bautzen 1893); Saunier, Praktisches Handbuch für Uhrmacher (deutsch von Loeske, ebd. 1892); ders., Sammlung praktischer Arbeitsmethoden der Uhrmacherei (ebd. 1892); Lossier, Das Regulieren der U. in den Lagen, in Theorie und Praxis (deutsch von Loeske, ebd. 1892); Gelcich, Geschichte der Uhrmacherkunst (5. Aufl., Weim. 1892); Bauer, Hemmungen und Pendel für Präzisionsuhren und die U. des Rieflerschen Systems (Münch. 1894). Fachzeitschriften in deutscher Sprache: Allgemeines Journal für Uhrmacherkunst (seit 1876, Halle), Deutsche Uhrmacherzeitung (halbmonatlich, seit 1877, Berlin), Handelszeitung für die gesamte Uhrenindustrie (Leipzig), Schweiz. Uhrmacherzeitung (halbmonatlich, seit 1879, Romanshorn), Schweiz. Uhrmacherjournal (Zürich, seit 1888), Österr.-ungar. Uhrmacherzeitung (monatlich, seit 1882, Wien), Uhrmacher-Kalender (Berl. 1883 fg.; früher u. d. T.: Großmanns Notizkalender für Uhrmacher); in engl. Sprache erscheint: Horological Journal (London); in franz. Sprache: Journal suisse d'horlogerie (Genf), Revue chronométrique (Paris).

Uhren, elektrische, s. Elektrische Uhren.

Uhrendifferenz, s. Zeitdifferenz.

Uhrlampe, s. Öllampen.

Uhrmacherschulen, Fachschulen zur praktischen und theoretischen Ausbildung in der Uhrmacherei. Die älteste derartige Schule ist die École d'horlogerie zu Genf (1824 gegründet); sie hat 2½jährigen Kurs, außerdem höhere Kurse für Specialisten; andere schweizerische U. sind die zu Biel, St. Imier, Locle, Chaux-de-Fonds, Neuenburg und Fleurier. Die deutsche Uhrmacherschule zu Glashütte in Sachsen wurde vom Centralverband deutscher Uhrmacher 1878 gegründet, wird von demselben unterhalten und geleitet und vom Staate unterstützt; sie hat einen 3jährigen Kurs für Lehrlinge und einen 1jährigen für Gehilfen und erhebt ein Schulgeld von 120 bis 360 M. jährlich. Die seit 1877 in Furtwangen (Baden) bestehende Uhrmacherschule hat die Bestimmung, die Schwarzwälder Uhrenfabrikation zu unterstützen, und wird aus Staats-, Gemeinde- und Kreismitteln unterhalten; sie hat 1jährigen Kurs und erhebt jährlich 25 M. Schulgeld. Die Fachschule für Uhrenindustrie zu Karlstein (Niederösterreich) wird hauptsächlich vom Staate unterhalten.

Uhrstand, der Zeitbetrag, der zur Angabe einer Uhr hinzuzulegen ist, um die richtige Ortszeit zu erhalten. Der U. ist positiv, wenn die Uhr hinter der Ortszeit zurück, negativ, wenn sie ihr voraus ist. Die Änderung des U. innerhalb 24 Stunden nennt man den täglichen Gang der Uhr.

Uhrwerkzähler, eine Art der Elektricitätszähler (s. d.).

Uhu, Bubu, Schubu, auch Auf, Auff oder Haun (Bubo maximus L., s. Tafel: Eulen, Fig. 4), die größte aller Eulenarten, mit einer Körperlänge bis 77 cm. Schnabel und Fänge sind hornfarbig, der Augenstern lebhaft orangegelb; die charakteristischen Federohren sind schwarz, die Kehle weiß, der Körper auf ockergelber Grundfarbe am Rücken schwarz geflammt, am Unterleib schwarz gestreift. Die Füße sind bis zu den Fängen rostgelb befiedert. Der U. ist einer der gefährlichsten und mutigsten Raubvögel und verursacht an Hasen, jungen Wild- und Rehkälbern, Kaninchen, Wald- und Feldhühnern sehr beträchtlichen Schaden, vertilgt aber auch Mäuse, Ratten, Schlangen, Frösche, Insekten und fängt selbst geschickt Forellen. Er streicht fast die ganze Nacht auf Raub, fliegt niedrig, geräuschlos, aber nicht lange aushaltend; dabei ist er sehr scheu, so daß es schwer fällt, ihm Abbruch zu thun. Der U. macht sein Geheck in einsamen Waldgegenden in Felsspalten, altem Gemäuer oder in verlassenen Raubvogelhorsten. Das Weibchen legt im März oder April zwei oder drei rundliche weiße Eier und bebrütet sie drei Wochen. Sein Ruf, den er besonders zur Paarungszeit ertönen läßt, ist ein dumpfes buh, buhu. Alle Vögel, besonders Krähen und Raubvögel, stoßen auf den U., wenn sie ihn am Tage bemerken, deshalb eignet er sich vorzüglich zum Jagdbetriebe auf diese Vögel in der Krähen- oder Auffhütte. Es ist dies ein gewöhnlich halb unterirdisch angebrachter, aus starken Bohlen gezimmerter Raum, der mit