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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Ungarische Litteratur
1586), Kärolyi (Visoly 1590), Alb. Molnär (Hanau
1608), Käldi (Wien 1625), von einem Verein reform.
Theologen (Großward. 1661), von CsiMs Komä-
romilDebreczin 1685) und Tötfalusi(Amsterd. 1685),
welche zum Teil auch im Auslande, so zu Cassel,
Utrecht, Nürnberg, Brieg u. s. w., gedruckt wurden.
Geistvolle Redner und geistliche Liederdichter traten
in größerer Menge hervor. Aber auch epische Lieder,
in denen vorzüglich die Heldenthaten vaterländischer
Krieger gepriesen oder alte Geschichten und Märchen
erzählt wurden, erklangen ungemein häufig, z. V.
von den: wandernden Spielmann Seb. Tinödi um
1540, Kakonyi 1549, Tsanädi 1577, Valkai 1572,
Tsaktornyai 1592 u. s. w. Einen höhern Schwung
nahmen die epischen Gedichte vom Grafen Niklas
Zrinyi ("0d8iäio 82iß6tiaim", 1652), Ladislaus
Liszti (1653), Christoph Pasko (1663), vom Grafen
Stephan Kohäry (1699) und besonders ldie zahl-
reichen Geistesprodukte des talentvollen Stephan
von Gyöngyösi (1664-1734) sowie die lyrischen
Gedichte von Rimai, Balassa, Benitzky u. a. Das
bisher nur in lat. Sprache vorhandene Gesetzbuch
des Stephan Verböczy wurde durch Blasius Vcres
1561, Kasp. Heltai 1571, Joh. von Okolitsänyi
1648 u. a. ins Ungarische übersetzt. Joh. Csere
iApätzai) trat 1653 sogar mit eiuer Encyklopädie
aller Wissenschaften und 1656 mit einer Logik in
ungar. Sprache auf. Auch die grammatikalische
Vervollkommnung der Schriftsprache blieb keines-
wegs unbeachtet, wie die zahlreichen Sprachlehren,
Wörterbücher und andere Werke aus dieser Zeit be-
weisen, z. B. von Gabr. Pesti, Erdösi oder Sylvester,
Fabncius oderKoväts, Verantius, Alb. Molnär,
Katona, Csipkös Komäromi, Pereszlenyi, Kövesdi,
Otrokotsi Föns, Totfalusi, Pärizpnpai ("OictioiiÄ-
i-inm", Leutschau 1708) u. s. w. Von 1484 bis 1711
erschienen mehr als 2000 magyar., neben etwa 2500
nichtmagyar. (darunter etwa 1900 lat. und 300
deutsche) Druckwerken. Dieses frische, nationale
Leben wurde indessen bald verkümmert, weil man
in Ungarn die Volkssprache ebenso für den Quell
der Ketzerei und der Empörung ansah wie in Böh-
men. Dafür erreichte aber 1702-80 die lat. Echrift-
stellerei in Ungarn die höchste Blüte. Seit 1721 er-
schien die erste ordentliche Zeitung mW seit 1726 der
Staatsschematismus, beide in lat. Sprache; zugleich
blühte die lat. Geschichtschreibung: Matthias Bei,
Timon, Kollär, Pray, Nibini, Katona, Kovachich
u. a. sind berühmte.Historiker des 18. Jahrh. In
ungar. Sprache zeichneten sich als Schriftsteller aus:
Franz Faludi, Abrah. Vartsai, Freiherr Lorenz
Ortzy, Georg Bessenyei, Alex. Bärötzi, Freiherr
Stephan Daniel, Paul Anyos u. a.
Die neuere Periode der U. L., welche mit dem
Zeitalter Josephs II. und der Französischen Revo-
lution beginnt, ist in allen ihren Elementen und
Tendenzen Vorzugsweife politisch. Die ersten Spuren
des neuen Geistes zeigten sich bei den polit. Behör-
den, auf dem Reichstage und in den Komitats-
kongregationen. Die Verhandlungen der letztcrn
tonnten oder durften nicht gedruckt werden; deshalb
entwickelte sich vorerst eine handschriftliche Littera-
tur , die in den Akten der Komitate liegt. Schon
1781 gelang es dem Gelehrten Matthias Räth, die
erste ungar. Zeitung in Presiburg ins Leben zu
rufen. Diese war anfangs schwach, aber ihre Kraft
erstarkte, je mehr das Interesse wuchs und sie Nach'
solgerirmen erhielt. Mit und neben ihr erschienen
bereits einzelne spärliche Schriften, und dies litterar
!eben dauerte auch fort während der Kriege gegen
Frankreich. Nach dem Frieden, im dritten Jahrzehnt
des 19. Jahrh., begannen sodann die polit. Agita-
tionen auf den Kongregationen und Reichstagen
mit verdoppelter Kraft. Allmühlich wurden Gesetze
geschaffen und auch andere Anordnungen getroffen,
die auf eine kräftigere Förderung der nationalen
Litteratur und die Entwicklung und Verbreitung der
Volkssprache abzielten. Es wurde nach und nack
durchgesetzt, daß die ungar. Sprache in allen niedern
und höhern Schulen als ordentlicher Lehrgegenstand
gelehrt, daß sie die Amtssprache aller öisentlichen
polit. und richterlichen Behörden sein soÜte und daß
alle öffentlichen Akten und Protokolle darin verfaßt
werden sollten. In vielen Schulen wurden einzelne
Lehrvorträge ungarisch gehalten. Es kam auch ein
ungar. Theater in Ofen und ein zweites in Pest zu
stände. Mehrere Zeitschriften sorgten für die rege ge-
wordeue Lefelust, wie z. B. "Nind6N68 t^üMmönv",
"Oi'pli6ii8", "Xa88ai Nu26um", "Hi-ania" u. a., und
namhafte Preife wurden ausgesetzt für die Ausar-
beitung litterar. Werke. Alsbald traten auch geist-
volle Mäuner auf, die mit vereinten Kräften die
U. L. mächtig hoben. Es folgten Zeitschriften, die
mehr litterar. Tendenzen verfolgten, wie die M)'6iv-
inivLiö 1'ä>i-838iiF inunkHi", das "I^räei^i Mixtmm"
und das nützliche "I'ncloinü^08 (^'üjtem^n^". Für
die Grammatik der Sprache wurde viel geleistet von
Dav. Szabö, Najnis, Vcrcgszäszi, Gyarmathi, Kas-
sai, Verseghi, Viräg, Stephan von Zorvät, Joh.
Märton, besonders aber von Nik. Nevai. In der
Poesie zeichneten sich aus: Dav. Szabö, Ios. Raj-
nis, Gabr. Dajka, Georg Aranka, Karl Dome, Ios.
Batsänyi, Ios. Takäts, Anor. horväth; ferner Graf
Ios. Teleki, Graf Ladisl. Teleti, Ios. Mätyäsi, Franz
Nagy, Franz Verseghi, Ios. Koväts, Bened. Viräg,
Joh. Kis, Alex. und Karl Kisfaludy, mit dem die Ära
des jetzigen ungar. Theaters begann; Gabr. Döbren-
tei, Paul Szemere, Mich. Csokonai, Ladisl. Tot,
Dan. Berzsenyi und Mich. Vitkovits. Als prosaische
Schriftsteller machten sich besonders verdient: Andr.
Dugouits, Franz Kazinczy, Bened. Viräg, Joh.
Vatsänyi, Franz Verseghi, Esaias und Franz Budai,
Sam. Päpai, Georg Fejer, Dan. Ertsei, Paul Sär-
väri, Ios. Takäts, Joh. Eudrödi, Joh. Georg Somosi,
Magda, Kövi, Imre, Georch (Görtscb) und Mokri.
Andere interessante Originalwerke erschienen nicht
nur von Gelehrten, wie z. B. Nyiry, Szlemenits,
Szäsz, Källay, Györy, Bajza, Guzmits, Szemere,
Schedel (Toldy), Kerekes u. a., sondern auch von
andern gebildeten Männern, wie den Grafen Ste-
phan Szechcnyi, Aurel Dessewffy, Wesselenyi, Baron
Iösika, von Fay u. a.
Die Litteratur war bisher immer noch auf die
gebildete Klasse beschränkt geblieben, um so mehr,
als auch die erste Wirksamkeit der 1827 geschaffenen
Akademie nicht sehr umfassend und eingreifend war.
Die eigentliche Verbreitung und Nationalisierung
der Litteratur beginnt erst mit dem Entstehen des
polit. und litterar. Journalismus in Ungarn, als
dessen Gründer Ludwig Kossuth zu betrachten ist, der
1841-44 in dem "I^68ti Ilii-lap" die Lebensfragen
der Nation und die Zeitinteressen zum erstenmal in ele-
ganter, klarer und anziehender Weise behandelte und
dadurch nicht nur das Interesse an dem nationalen
Leben verbreitete, sondern auch die Nationalsprache
belebte und bereicherte. Die nachher entstandenen
Journale, wie "Duäkp^ti Hiraäu" u. a., in polit.
Beziehung Gegner des "?ö3ti Hii-lap", wirkten doch