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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Ungarn (Bevölkerung. Landwirtschaft)
sonders das Fünfkirchener Gebirge, aufgesetzt sind.
Die große niederungar. Tiefebene oder das Pester
Becken (ungar. Alföld, s. d.j erstreckt fickint Bogen
von der Donan bei Neilsatz bis zu den Waldkarpaten.
Bei einer mittlernHöhe von 1()()m beträgt der Höhen-
unterschied zwiscken N. und S., wie anch zwischen O.
nnd W. kailm 50 m. Die Hauptabdackung geht von
N. nach S. in: südl. Teile nach SO., lvelcher Richtnng
anch die beiden Hauptströme, Donan und Theiß, fol-
gen. Das ganze Tiefland besteht ans Löß, Flugsand,
Flnftanschwennnungen und Moorboden. Zwischen
den Alluvialebenen der Flüsse breiten sich große
Diluvialplateaus aus, so besonders zwischen Donan
und Theiß das Maria-Theresiopeler und das Titeler
Löftplateau sowie das Kmnanier und im NO. das
Debrecziner Sandplateau, letztere bcioen die größ-
ten und von zahlreichen, in der vorherrschenden Wind-
richtung, also meist meridional streichenden Dünen-
ketten durchzogen, die gewöhnlich salzhaltige Tümpel
einschließen. Hier kommen auch hauptsächlich die
Puszten (s. d.) vor. Das geringe Gefalle der Flüsse,
namentlich der Theiß, hat eine ansgedehnte Serpen-
tinenbildnng und Versnmpfung des Bodens zur
Folge. Dazu kommt, daß die rascher strömende
Donan bei jedem Hochwasser die Theiß staut und
übertritt. Deshalb wnrdc schon 1845 mit der Re-
gulierung der Theiß begonnen; da aber die Hanpt-
uriache der Überschwemmnng in der Donau liegt,
taun eine Besserung nur durch eiue (5'rweiteruug de5
untern Durchbruchthals der Douau erfolgen, was
dnrch die Regulierung beim Eisernen Thore (f. d. 5)
angestrebt wurde. An bedentenden N eb en f lü ffen
empfängt die Donan in U. links March, Waag,
Neutra, Grau, Eipel und die Theiß, die mit sämt-
lichen Zuflüsfeu zu N. (Siebenbürgen eingeschlossen)
gehört; rechts Leitha, Raab und Dräu. Wichtige
K an ä l e, die in erster Linie der Entwässerung dieneu,
sind der Franzens- oder Bacser, Franz-Josephs-,
Bega- und Verzavakanal. Von den Seen sind die
größten der Plattensee (s. d.) und der Neusiedler See
(s. d.); kleine Ennlpfseen finden sich in der großen
ungar. Tiefebene, (Gebirgsseen in den.^tarpaten, be-
sonders der Hohen Tatra (s. d.).
Über Geologie, Mineralquellen, Klima,
Flora und Fanna s. Österreichisch-Ungarische
Monarchie.
Bevölkerung, s. Österreichisch-Ungarische Hton-
archie, Transleitbanien, den Artikel Magyaren und
die Tabelle S. 71.
Landwirtschaft. 1l. gehört zu den frnchtbarsten
Ländern Europas nno ist mit seinen Nebenländern
eins der wichtigsten Getreideproduktionsgebiete,
namentlich wegen seiner frühen Weizenernten. Die
Bodenkultur nimmt immer ausgedehntere Gebiete in
Angriff. Die gesamte Bodenfläche beträgt im eigent-
lichen U. und Siebenbürgen (hinsichtlich der Länder
der ungar. Krone s. Bd. 12, S. 717) 28 211099 Ii^:
davon entfallen anf Acker 11,06, Gärten 0,3i, Weiden
2,96, Wiefen 3,73, Nohrgebiet 0,03, Weingärten 0,3i,
Waldungen 7,57, nicht steuerbare Flächen 1,49
Mill. Iia. Der Grundbesitz verteilt sich im eigent-
lichen U. auf 1922 327, in Siebenbürgen auf
563938 Besitztümer. Die Mehrzahl (94,4? Proz.) ist
bäuerlicher Kleinbesitz (5 - 30 Joch); der mittlere
Besitz (30-1000 Joch) macht 5,34 Proz., die Herr-
schaftsgüter O,io Proz. aus. Hiervon befinden sich
im eigentlichen U. und Siebenbürgen 65,n Proz.
in Privathänden; der übrige Grundbesitz (9,75 Mill.
Iia) gehört dem Staate (1,60), öffentlichen Fonds
(O,ii), Städten und Gemeinden (4,9v), den.Kirchen
(1,30), oder ist Fidelkommiftbesitz (1,35 Mill. Iia).
Der Grundbesitz war in Ungarn-Siebenbürgen 1875
mit 149,9 Mill. Fl., 1882 mit 29O,i, 1883 mit
185,5 Mill. Fl. in den Grundbüchern belastet. 1895
(1881) betrngen die Belastungen 303,29 (197,5), die
Entlastungen des Grundbesitzes 192,53 (122,03)
Mill. Fl. Die Ernte betrug 1894: Winterweizen
48,ii, Spelz 0,07, Halbfrncht 2,18, Winterkorn 18,72,
Wintergerste 1,58,Winterraps 0,074, Sommerweizen
1,87, Sommerkorn 0,i8, Sonimerraps 18,21, Som-
mergerste 0,03, Hafer 24,87, Hirse 0,33, Mais 24,i2,
Heidekorn 0,15, Sanienwicken 1,20, Hülsenfrüchtc 0,43,
Hanf 0,09, Flachs 0,85, Kartoffel 39,87 Mill. Kl;
dann 6110 t Hanfgarn, 46 874 t Flachsgarn,
56818 t Tabat, 1461109 t Zuckerrüben, 2565449 r
Fntterrüben, 1068634 t Luzerne und Klee, 822056 l
Wickellgemenge u. s. w. Außerdem werden in großen
Mengen Kohl (ein Lieblingsgericht der Ungarn),
Kürbisse, Melonen und Gnrken gebaut. Die Heu-
produktion betrug 1894: 5850446 t.. Der Gesamt-
wert der Ernte betrug 1891: 901,96, 1892: 771,23
Mill. Fl., d. i. 92,05 und 76,80 Fl. pro Hektar. Der
Weinbau hat durch die Reblaus sehr gelitten. 1894
wurden in U. 1387000 ni Wein im Werte von 24,69
Mill. Fl. produziert, gegen 4231000 Kl <38,3i Mill.
Fl.) im 1.1881. (S. Ungarische Weine.) Obst wird
in manchen Gegenden, wie im Odenbnrger Komitat,
mit großem Ertrag gebaut. Es giebt im Westen
Kastanicnwälder, im Süden Wälder von Pflaumen-
bäumen, ans deren Früchten Zwetschenbranntwein,
Sliwowitz (s. d.) oder Nakie hergestellt wird. Ge
wöbnlich sind Walnnßbäume, und im Süden gc-
deihen sogar Aeigcnund Mandeln. Die Pflege de5
Manlbeerbanms hat zugenommen. 1895 wurden in
1840 Gemeinden von 74674 Familien 1197 918 k^
Seidencocons (Wert 1167 978 Fl.) erzengt, gegen
2507 kF im 1.1879. Sonst baut man gnten Saflor,
auch Waid, Wau, Krapp und andere Farbcpflanzen,
ferner Gewürzpflanzen, wie Kümmel, Fenchel, Senf,
Anis, roten türk. Pfeffer oder Paprika, Süßholz,
selbst Rhabarber.
Sedr wichtig ist die Viehzucht auf den Puszten
wie im übrigen Lande. Das echte nngar. Pferd ist
klein, aber flink und febr ausdauerud. Große Militär-
gestüte finden sich zu Babolna und Mezöhegyes im
Komitat Cscmäd; außerdem bestehen mehrere Pri-
vatgestüte. 1895 wurden 32130 Pferde um den
Wert von 13 790 000 Fl. ausgeführt. Im I. 1895
wnrden gezählt: 1972 720 Pferde, 22138 Esel,
714 Maultiere, 6465137 Schweine, 279686Ziegen,
7453671 Schafe, 635749Bienenkörbennd 28009876
Stück Geflügel. Das Rindvieh ist im ganzen von
kleiner, in den Theißgegenden von ausgezeichneter
Rasse. Bedeutend sind serner die zum Teil ver-
edelten Schaf- und Schweineherden, und auch die
Geflügel- namentlich die Gänse- sowie die Bienen
zucht ist ziemlich belangreich.
Das Waldland beträgt im ganzen Königreich
9,07 Mill. lia oder 29,6i Proz. des Flächeninhalts,
nnd zwar im eigentlichen U. (mit Siebenbürgen"
7,54 Mill. Im, d. i. 28,35 Proz., in Kroatien-Sla-
wonien 1,53 Mill. Ka, d. i. 38,oi Proz. des Terri-
toriums. Von den Waldungen sind im eigentlichen
U. zu 28,37 Proz. Eichen-, zu 49,57 Proz. Buchen-
nnd sonstige Laubholz- und zu 22,o" Proz. Nadel-
holzwälder; 15,57 Proz. gehörten dem Staate, 20,07
den Gemeinden, 6,57 der Kirche, 6,8i den Fide'i-
! kommissen. Das durchschnittliche Jahresertragnis