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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Ungarische Weine - Ungarn (Oberflächengestaltung und Bewässerung)
tut, in der Niederung der March, an den Linien
Wicn-Kratau der Kaiser-Ferdinands-Nordbahn und
Kunowitz-U. (6 Km) der Österr.-Ungar. Staatsbahn,
Sitz der Bezirkshauptmannschaft, eines Bezirks-
gerichts (298,09 ^m, 35014 E.), Kreisgerichts und
einer Finanzbezirtsdirektion, hat (1890) 3939 deutsche
und czecb. E., in Garnison das 25. Feldjagerbatail-
lon, eine schöne Pfarrkirche, Franziskanerkloster mit
Kirche, Mariensäule aus Marmor, deutsches Staats-
obergymnasium, czech. Privatgymnasium, Bürger-
schule, Nebenstelle der Österr.-ungar. Bank; Malz-,
Parkett-, Zuckerfabrik, Dampfsägewerk, Gersten-
und Rübenbau, bedeutenden Handel mit Getreide,
Flachs, Garn, Wolle und Vieh. - Vgl. Galuset,
Geschichte der Stadt Hradisch (1879).
Ungarisch-Ischl, Badeort, s. Säros.
Ungarisch-Kreuz, s. Szekely-Kresztür.
Ungarisch-Ostra, czech. Ostroli, Stadt in der
österr. Bezirkshauptmannschaft Ungarisch - Hradisch
in Mühren, auf einer Insel der March, an der Linie
Brunn-Vlarapaß der Österr.-Ungar. Staatsbahn,
Sitz eines Bezirksgerichts, hat (1890) 1043 meist
czech. E., darunter 216 Israeliten in eigener Ge-
meinde, eine Pfarrkirche und ein ansehnliches Schloß
des Fürsten Liechtenstein (18. Jahrh.); Bierbrauerei,
2 Malzfabriken, Zuckerfabrik.
Ungarisch-WeiMrchen, s. Weißkirchen.
Ungarn (ungar. ^Iu^Hi'01'g^ä.g', lat. llun^aiig,),
iin weitern Sinn die Länder der ungar. Krone
oer Österreichisch - Ungarischen Monarchie (s. d.)
oder Transleithanien (s. d.), im engern aber nur
das Königreich U. obne Siebenbürgen, grenzt
iin N. an Österreichisch-Schlesien und Galizien, im
O. an die Bukowina und das siebenbürg. Gebiet,
im S. an Serbien und das Königreich Kroatien
und Slawonien, im W. an Steiermark, Nieder-
österreich und Mähren und umfaßt 224018,52, mit
Siebenbürgen 279 749,68, mit Kroatien-Slavonien
und Fiume 322 310,i likln (s. Tabelle auf S. 74).
"Hierzu eine Karte: Ungarn und Galizien.)
Oborftächengestaltung und Bewässerung. Mit
Au^nabme eines kleinen Teils des Marchlandes
westlicb von den Kleinen Karpaten und der östlichsten
Alpenau^läufer ist U. ein orographisch und hydro-
grapbisch durchaus einheitliches Gebiet, das große
von dem Karpatenbogen nach drei reiten um-
schlossene Becken, das sämtliche vom.hochrande herab-
kommenden Gewässer vereinigt. Wenn man von
dem gebirgsumscklossenen siebenbürg. Hochland (s.
Siebenbürgen) absieht, zerfüllt das Land in einen
kleinen gebirgigen und einen dreimal so großen ebenen
Teil. Die Hauptmasse des erstern bilden die Kar-
paten, besonders im Nordwcsten, wo allein die innere
Zone des Systems noch erhalten ist, die Central-
karpaten oder das Karpatisch-ungarische Hochland
(s. Karpaten). Die große zwischen diesem Oberungarn
und dem siebenbürg. Hochlande gelegene Tiefebene
wird durch einen von SW. nach NO. streichenden
Gebirgszug (Bakonyerwald, Matraund Bükkgebirge)
in zwei ungleiche Teile getrennt. Die kleinere ober-
ungar. Tiefebene im NW., im Mittel 140 in hock
gelegen, etwa 12 000 ^m umfassend, ist größten-
teils fruchtbar, besonders die Donauinseln Schütt.
Von Sumpfbildungen ist die größte der Hansag
(s. d.) mit dem Neusiedler See. Die Verbindung
zwischen dieser und der großen ungar. oder nieder-
ungar. Tiefebene bildet die mächtige zwischen Ba-
konyerwald, Dran und Donau sich ausbreitende
Lößtafel, auf der inselförmig kleinere Bergzüge, be-
Ungarische Weine. Ungarn ist eins der wein-
reichsten Länder Europas, dessen Gesamterträgnis
1896 aus 2-3 Mill. Kl (auf 186643 lia) veranschlagt
wurde. Mit Ausnahme der nördlichsten Karpaten-
striche, dann der Marmaros und dem Szekler- und
Burzenlande in Siebenbürgen sowie der ehemaligen
Karlstädter Militärgrenze gedeiht in Ungarn die
Weinrebe allenthalben. Ungefähr ein Sechstel der
Weinberge liegt in der Ebene; sebr vorteilhaft sind
als Unterlage vulkanische Vcrwitterungsprodukte
(Tokaj, Vadacsony, Somlyö) und die Beimengung
von Thonarten (Erlau, Menes, Ofen). Die ver-
breitetsten Traubensorten sind Formint (Mosla-
vina), Härslevelü, Särfehtir, Goher (Gutedel), Forkö,
BH.i<^or(Bkcca d'oro), Szeremi, Erdelyi für Weiß-
weine; Kadarka, Magyorka, Parcsin, Sylvaner für
rote. In der Neuzeit bemühen sich verschiedene Wein-
bauvereine mit Erfolg um bessere Kultur und nament-
lich Kellerbehandlung. Von weihen Weinen erster
Klasse sind zu nennen: Tokajer Wein (s. Tokaj), ge-
wöhnliche Ausbruchweine (von südländischen, be-
sonders griech. Trockenbeeren), Menenter Ausbruch
laus Menes - Magyarmat und Arad) und Rüster
"Ruszter, von Ödenburg, Preßburg, Nuszt, Viesel-
durg u. a. O.)'. zweiter Klasse, weiße: Somlauer,
Badacsonycr, 'Neszm^lyer (Meßmieler), Dioszeger
Bakator, Ermelleker,Szercdnyer, Krassoerund Weih-
tirchner; rote: Erlau-Visontaer, Szegszärdcr, Villä-
nyer, Ofen-Adlersbcrger u. s. w. Unter diesen Weinen
stehelr am höchsten im Werte die Ausbrüche oder
Dessertweine, welche leider vielfach verfälscht in den
Handel gelangen. Exportiert werden nur bessere
Sorten von 25 Fl. aufwärts bis 100 Fl. per Hekto-
liter. Für edle herbe Weißweine der Totajcr Hegvalja
und Dessert-Ausbruchwcine zahlt man bis 200 Fl.
per Hektoliter. Die geringen Sorten Weiß- und Rot-
weine eignen sich nicht für den deutschen Geschmack.
Besondere Specialitäten sind die Vanater und syr-
mischen Wermute, auf eingelegte frische blaue Trau-
ben übergossene alte Weißweine, die überdies mit
Wermutkraut und andern Gewürzen versetzt werden,
das ist der sog. raizische Wermut, der namentlich in
Syrmien viel erzengt wird. Auch die Schaumwein-
fabrikation wird in Ungarn, namentlick in Prcßburg
und Budapest, im großen Maßstabe laber auch in
Promontor, Velencze und Fünfkirchen in jährlich
größerm Umfange) betrieben; sie liefert gut bereitete
Weine. Hauptwcinhandelsplätze sind für Dessert-
weine: Budapest (mit der Landescentralkellerei),
Tokaj und Ödenburg; für Rotweine: Ofen, Erlau,
Villäny, Szegszürd; für Weißweine: Pest-Stein-
bruch, Preßburg, somlyö, Badacson, Weißcnburg,
Versecz, Neusatz. - Vgl. W. Hamm, Das Wein-
buch (3. Aufl., Lpz. 1886).
Ungarisch-Galizifche Eisenbahn, Erste,
ehemalige Privatbahn mit dem Sitze in Wien, deren
Strecken teils in Galizien (Przemysl-Galiz.-ungar.
Grenze bei Lupkow ^ 147 km), teils in Ungarn
"Grenze-Leg. Mihalyi -^ 120 km) liegen und welche
sich seit 1889 im Betriebe des österr. und ungar.
Staates befinden. (S. Tabellen zur Übersichtskarte
der Eisenbahnen in Österreich-Ungarn beim Artikel
Österreichisch-Ungarische Eisenbahnen.)
Ungarisch-Hradisch. 1) Bezirkshauptmann
schaft in Mähren, hat 863,4? cikm und (1890) 94 394
<44444 mannl., 49 950 weibl.) E. in 91 (Gemeinden
mit 95 Ortschaften und umfaßt die Gerichtsbezirke
Napajedl, U. und Ungarisch-Ostra. - ^) U., czech.
14i-aäi8t^ Hköi'Lk^, königl. Stadt mit eigenenl Sta-