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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Ustica - Usus
ucriommission für die Konferenzen mit dem Ober-
haupt Frankreichs war. Bei der neuen Organi-
sation des Kantons 183 l wurde er Präsident des
Großen Rates, doch starb er schon 9. 3lpril 1831.
Mit Escher von der Lintb besorgte U. die .Heraus-
gabe des Tageblatts "Der schweiz. Republikaner"
(1798-180'""'. Ein bleibendes Verdienst erwarb er ^
sich durch sein ".Handbuch des sebweiz. Staatsrechts" z
idcutsch und französisch, Aarau 1815; 2. Aufl.1821).
Seine "Kleinen gesammelten Schriften" (Aarau
1832 > entbalten seine Vorträge und Berichte von!
17i)1 bis 1828.
Nstlca^ vulkanische, 4^. l<ni lange, )i I<m breite
Insel im südl. Tvrrhenischen Meer, zur ital. Provinz !
und zum Kreis Palermo gebörig, liegt l;7 I<ni nörd- !
lich von Palermo, mit denl sie durcb Danlpflwot ver- ^
bunden ist, steigt bis 239 ,u enlpor und bat (1881" ^
195l^ E., an der Nordseite einen.Hafen mit Leucbt- !
lurnl; Baumwoll-, Oliven- und Weinbau. ^
Nstilagineen < I.^ti1l^inö:u' >, B r a n d p i l z e, !
Pilzfamilie von unsicherer systematischer Stellung,
deren Arten als Parasiten auf hobern Pflanzen vor-
kommen und hier weitgebende Zerstörungen der be- ^
sallencn Teile hervorrufen. Das Ntyceliunl wucbeN
sehr reichlich im Innern der Wirtspflanze und bildet
schließlich große Massen von ein- oder mehrzelligen
Sporen, die ein staubförmiges schwarzes Pulver
'darstellen. An den Stellen, wo sicb die Sporen ent-
wickeln, werden die Gewebe der Wirtspflanze meist
vollständig zerstört, so daß die betreffenden Partien
^änzlick mit Sporenlagern ausgefüllt erscheinen
^Brandflecken). Die Sporen sind meist gleieb
nach der Reife keimfähig und entwickeln bei Vorban-
densein der nötigen Feuchtigkeit ein kurzes Pronw-
celium, an dem sog. Sporidien abgescbnürt werden !
(s. Tafel: Pflanzenkrantheiten, Fig. 1" u. !
3 c). Die Sporidien können ihrerseits wieder sofort ^
keimen und den Brandpilz fortpflanzen, wenn sie!
auf ein geeignetem Substrat gelangen. Sie dringen ^
mit ihrem Keiinschlauch durch die (5'pidermis der z
Wirtspflanze hindurch und erzeugen im Innern,
derselden sebr bald ein neues viel verzweigtes
Myeclium. Bei einigen U. ist auch eine Couidien-
bildung beobacbtet worden, docb bat man diese
bei den bekanntesten II., den Brandpilzen der Ge-
treidearten (f. Brand >des Getreides^), bisher we-
nigstens unter den gewöhnlichen Bedingungen noch
uicht aufgefunden. Die Verbreitung der II. ge-
schieht durch unreines Saatgut, das mit den Brand-
Iporen bebaftet ist; man benutzt desbalb eine Lösung
von Kupfervitriol, um die zur Allssaat bestimmten
Körner zu beizen, wodurcb die Sporen ihre Keinl-
fähigkeit verlierell, die Getreidetörner aber un-
beschädigt bleiben.
vLtiiäFo, Pilzgattung, s.Brand (des Getreides)
und Tafel: Pslanzenkrankheiten, Fig. 1.
Usti nad Qrlici, böhm. Stadt, s. Wilden-
schwert.
Ustjug-Welikij. 1) Kreis im westl. Teil des
russ. Gouvernements ^>ologda, im Gebiet der Dwina
und ibrer Quelleuflüsse Sllchona lind Iug, bat
1<;l>71 <i1<in, 1.'l";^t>7 (5.- Getreide-, Flachsbau, Vieh-
zucht, Waldindustrie, .nolzarbeiten. - 2) U., auch
Welikij Ustjug, Kreisstadt im Kreis U., links an
der Suchona, -1km oberhalb ihrer Vereinignng nlit
dem Iug, hat (1893) 8513 E., Post, Telegrapb,
24 Kirchen, 2 Klöster-, Zurichten von Borsten, An-
ierngung von Schatullen,' Stadtbank, Fluschafen
mit 7sXMs)0 Plld Ailsfuhr (Getreide, Flachs, .Hede,
Borsten, Leder u. a.j und 5MM00 Pud Einfubr
(Kolonialwaren, Manufakturen).
Ust-Medwödiza oder Ust-Medwjedizkaja.
1) Bezirk (russ. Il8t>N6<IveäicIvjj oi^iu^) inl nördl.
Teil des russ. Gebietes der Donischen Kosaken, im
Gebiet des Don mit der Medwjediza, hat 28339,.',
ssivm, 268 l)3l> E.', Ackerbau, Vieh-, befonders Pferde-
zlicbt und Weinbau am Don. - 2) Bezirksort im
Bezirk U. und Staniza, rechts am Don, hat (1893)
15 210 (5.; Gvmnasium.
Ustroü, Markt inl Gericktsbezirk Skotschau der
österr. Bezirkshauptmannschaft Bielitz in Oster-
reichisch-Schlesien, links an der Weichsel, ander Linie
Gollescbau-11. (6 I<in) der Kaiser-Ferdillands-Nord-
babn, bat (1890) 4^)5 meist poln. E., kath. und
evang. Kirche, sehr befuchte Tchlackenbäder, eille
Äiolkenkuranstalt; Sodawasser- und Metallwaren-
fabrik und ein bedeutendes Eisenwert Elisabethhütte
(1780 gegründet) des Erzherzogs Friedrich.
Nstruga, Stadt in Albanien, s. Struga.
Nstrumdza, türk. Stadt, s. Strimlica!
Nst-Urt, ein etwa 213 in hohes Steppcnplateml
in den russ.-eentralasiat. Gebieten Uralsk und Trans-
kaspien, zwischen denl Kaspischen und dem Aralfee.
Es ist wüst und wellig bevölkert, hat iedoch zahl-
rcicke natürliche Wasserreservoire. Zur Orenburger
Steppe zu fällt der U. steil ab, zwischen Mangischlak
und Busatscki am Kaspischen Meere findet sich ein
unbedeutender Gebirgszug.
Nsü oder Usy, der türk. Name des Dnjepr.
Usuälillterpretation, die herkömmliche Aus-
legung (s. d.) eines Gefetzes, wenn sie Gewohn-
heitsrecht (s. d.) geworden und als folches ver-
bindlich ist.
V8noa.pi0 (lat.), im rönl. Recht die Ersitzung (s.d.).
Nsün-ada, Ausgangspunkt der Transkaspischen
Eisenbabn (s. d.).
Ilsür (lat.), in der patbol. Anatomie Bezeich-
nung für ein oberflächliches Geschwür.
Ilsürao (lat.), Zinsen.
Nsurpation (lat.), iin älternröm. Recht die Unter-
brechung der Verjährung (s. d.) durch Aufhebung des
Besitzstandes. Im neuern ^prachgebrauche ist U.
Anmaßung eines Besitzes, einer Befugnis, beson-
ders der öffentlichen Gewalt, ohne Recht, die gewalt-
fame Verdrängung eines rechtmäßigen Herrfchers,
die einseitige Steigerung der höchsten Befugnisse
durcb den limsturz eiuer auf Gefetze oder Verträge
gegründeten Verfassung und die Unterdrückung der
Selbständigkeit eines Volks. Der U. steht entgegen
Legitimität^ legitime.Herrschaft und legitime Ver-
fassung. (^.Legitim mld Legitimität.) DieII. kann
auch durch Anerkennung und freiwilligen Gehorfam
des Volks legitimen Charakter erhalten. Die Staats-
akte der usurpierten Gewalt sind jedoch auch ohne-
dies giltig, denn die Befugnis zur Ausübung der
Staatsgewalt ist nicht durch den rechtmäßigen Er-
werb , sondern nur durch den thatsächlichen Besitz
derselben bedingt. - Vgl. Vrockhaus, Das Legiti-
mitätsprincip (Lpz. 1868); Georg Meyer, Deutfches
Staatsreckt (4. Aufl., Lpz. 1895).
Nsurpator (lat.), widerrechtlicher Vesitznehmcr;
usurpieren, widerrechtlich in Besitz nebmcn.
vsus (lat.), Gebrauch, häufig im Sinne von
Gepflogenheit. Inristisch ist II. (Gebräuch sr e ch t)
eine persönliche Dienstbarkeit (s. d.) und unterscheid
det sich von dem I^8N8t'rnetn8, Nießbrallch, dadurch,
daß letzterer dem Berechtigten das Recht auf alle
Nutzungen (Früchte und Gebrauch) der Sache giebt,