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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Ususfructus - Utah

sofern nicht eine Beschränkung bestimmt ist, während der U. nur diejenigen Nutzungsbefugnisse giebt, welche das Begründungsgeschäft feststellt, so Code civil Art. 628. Auf einen Fruchtgenuß kann der U. seiner Natur nach nur in beschränkter Weise gehen. In den meisten neuern Gesetzgebungen ist der Begriff des U. dahin bestimmt worden, daß derselbe ein auf die Notdurft einer Person beschränkter Nießbrauch sei (vgl. Preuß. Allg. Landr. 1, 19, §§. 22 fg.; Sächs. Bürgerl. Gesetzb. §. 637; Bayrisches Landr. 11, 9, §. 11; Österr. Bürgerl. Gesetzb. §. 478). An beweglichen Sachen kommt der U. im neuern Rechtsleben kaum vor, dagegen vielfach an Grundstücken; insbesondere ist das Wohnungsrecht (s. d.) eine besonders häufige Erscheinungsform des U. Das Deutsche Bürgerl. Gesetzbuch §. 1090 gestattet die "beschränkte persönliche Dienstbarkeit" nur an Grundstücken.

Ususfructus (lat.), s. Nießbrauch.

Usus tyrannus (lat.), "der Gebrauch (namentlich der Sprachgebrauch) ist Tyrann" ("herrscht gebieterisch"), sprichwörtliche Redensart, die von Herodot (3, 38 und 7, 104) und Horaz ("Ars poetica", 71-72) abgeleitet wird.

Usy, türk. Name des Dnjepr (s. d.).

U. T., frühere Abkürzung für Utah Territory.

Ut, in der Musik, s. Solmisation.

Utah (spr. juhtĕ), einer der Vereinigten Staaten von Amerika, zwischen 37 und 42° nördl. Br. und 109 und 114° westl. L. (s. Karte: Vereinigte Staaten von Amerika. I. Westlicher Teil) grenzt im N. an Idaho und Wyoming, im O. an Colorado, im S. an Arizona, im W. an Nevada, umfaßt 220 060 qkm und zählte 1850: 11 380, 1870: 86 786, 1880: 143 963 und 1890: 207 905 (110 463 männl., 97 442 weibl.) E., darunter 2006 Farbige und 52 133 im Ausland (2121 in Deutschland, 20 005 in England, 16 863 in Skandinavien) Geborene. Anfang 1897 schätzte man die Einwohnerzahl auf 264 000. U. wird durch das Wahsatchgebirge in zwei Abschnitte geteilt. Der östliche umfaßt das Gebiet des Green-River und Rio Grande, die sich hier zum Colorado vereinigen. Er ist ein Plateau, welches sich von 1800 m mittlerer Höhe südwärts absenkt und im Norden an die Uintah-Mountains stößt. Der westl. Abschnitt bildet ein weites, auf allen Seiten von Bergen abgeschlossenes Becken, von Fremont das Große Bassin des Salzsees genannt, eine der ausgedehntesten Hochebenen der Erde. Es liegt durchschnittlich 12-1500 m ü. d. M. und besitzt sein eigenes System von Seen und Flüssen, die in keiner Verbindung mit dem Ocean stehen. Zum größten Teil dürr, unfruchtbar und fast menschenleer, hat es im allgemeinen den Charakter der Wüste. Die Pflanzenwelt ist durch salzliebende Stauden und Halbsträucher mit grauwolligen Blättern ausgezeichnet, die die traurigen Einöden gesellig bedecken. In seinem östlichsten Teile liegt der Salt-Lake (s. d.), der durch den Fluß Jordan mit dem Utahsee in Verbindung steht. Beide Seen haben an der Ostseite, am Fuße des Wahsatchgebirges, einen schmalen Gürtel angeschwemmten Landes mit Wald, Wasser und Graswuchs auf einer Strecke von 220 km von Norden gegen Süden, wo sich 1848 die Mormonen ansiedelten. Die Gebirge, die sich aus den nackten Ebenen bis in die Nähe der Schneeregionen auftürmen, sind mit Fichten, Cedern, Espen und anderen Baumarten nur dünn bestanden, haben viel grasreiche Plätze, aber wenig Wild; dagegen sind sie reich an edlen Metallen, besonders Silber. Es giebt viele heiße und kalte Schwefel-, Salz- und andere Quellen. Bergbau begann etwa 1865, wurde von Bedeutung erst seit Eröffnung der Pacificbahn. 1871-91 betrug der Wert der Minenprodukte 150 Mill. Doll., davon zwei Drittel für Silber. 1895 wurden produziert 7,4 Mill. feine Unzen Silber, 66 000 Unzen Gold, 2,2 Mill. Pfd. Kupfer, 471 000 t Kohle, 700 t des asphaltähnlichen Gilsonit und 294 000 Fässer Salz, meist durch Verdunstung von Salt-Lake Wasser, zum Teil jedoch als Steinsalz. Die Inselchen im Salzsee liefern Guano. Metallminen sind namentlich in den Counties Beaver, Juab, Summit, Salt-Lake, Tooele und Washington. Das Klima weist die Extreme der östl. Union auf und schwankt sehr mit der Höhe. Es ist aber gesund, die Luft ist rein, trocken und der Himmel meist klar. Der Ackerbau beruht fast durchgängig auf künstlicher Bewässerung, durch Flüsse und artesische Brunnen. Die Ernte ergiebt etwa 3 Mill. Bushel Weizen, 1½ Mill. Hafer, ¾ Mill. Bushel Mais, ebensoviel Gerste, 60 Mill. Pfd. Kartoffeln, ½ Mill. t Klee, 60 0000 Bushel Obst (Äpfel, Pfirsiche, Birnen, Pflaumen), außerdem viel Gemüse und Hopfen. Zuckerrübenanbau hat stetig zugenommen (1896: 9 Mill. Pfd. Zucker). Seidenraupenzucht ist in den Anfängen begriffen. Der Viehbestand wurde 1894 auf 1,9 Mill. Schafe, 400 000 Rinder, 70 000 Pferde u. s. w. geschätzt. Die Industrie ist verhältnismäßig stark entwickelt, darunter Getreide- und Wollmühlen, Ziegelei, Brauerei, Eisengießerei, Thüren- und Fensterrahmenfabriken und vieles andere. Der Census von 1890 zählte 531 industrielle Etablissements, die 8,9 Mill. Doll. Fabrikate lieferten, wovon 1,5 Mill. Doll. auf Mehle entfielen. Handelsmittelpunkt sind Salt-Lake-City und Ogden. 1894 wurde die merkantile Utah Company mit 10 Mill. Doll. Kapital von Mormonen gechartert. Den Verkehr vermittelt namentlich die Union-Pacific- und die Denver-Rio Grande-Bahn. Die Gesamtlänge der Bahnen betrug (1894) 2167 km. Es giebt ungefähr 400 Distriktschulen, die 1893 durchschnittlich täglich von 37 239 Kindern besucht wurden; die Privat- und höhern Schulen sind meist bestimmt religiöser Färbung. Die Staatsuniversität in Salt-Lake-City wird von über 500 Studenten besucht.

U. ist in 27 Counties geteilt; Hauptstadt ist Salt-Lake-City (s. d.). Der Gouverneur wird auf 5, die Senatoren werden auf 4 und die Repräsentanten auf 2 Jahre gewählt. In den Kongreß sendet U. einen Repräsentanten und zwei Senatoren. Die Anzahl der Nichtmormonen ist besonders in Salt-Lake-City und Ogden sehr gewachsen.

U. war ein Teil des Gebietes, das 1848 von Mexiko an die Vereinigten Staaten von Amerika abgetreten wurde. Am 9. Sept. 1850 wurde es als Territorium organisiert; seitdem ist jedoch das ursprüngliche Gebiet durch Abtretungen an Colorado, Nebraska, Nevada und Wyoming bedeutend verkleinert worden. Schon 1848 hatten sich die Mormonen (s. d.) unter Brigham Young in U. niedergelassen und dort eine blühende Kolonie geschaffen. Durch ihre theokratische Verfassung und die bei ihnen übliche Vielweiberei erregten sie Anstoß, so daß die Vereinigte-Staaten-Regierung sich 1832 und 1887 veranlaßt sah, durch besondere Gesetze dagegen einzuschreiten, wodurch sie viele Mormonen zur