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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Vagabundae - Vaihingen
bundenwesen wieder zunimmt. Es zeigt sich daher
in neuerer Zeit wieder eine beachtenswerte Bewe-
gung, freiwillige Arbeitsstätten, Arbeitsvermitte-
lnngsstellen, Ärbeitsnachweisungsbureaus (s. d.)
und Arbeitslosigkeitsversicherungen (s. d.) zu errich-
ten. - Vgl. Rud. Elvers, Zur Vagabundeufrage,
12 Thesen und ein Entwurf zu einem Reichsgesetz
(Berl. 1882); C. I. N. Turner, ^ liistorv ol va-
^rlliitl> and vl^ranc^ anä d6Fgai8 liuä dßFssiu^
lLond. 1887); E. Robin, Ilo8piwlitö 6t, ti avail <ni
1<?8 pi'6v6ntit'3 äo comdlltti'6 1a. inonäicit^ et 1"
vllMdonä9,F6 (Par. 1887); H. Stursberg, Die Va-
gabundenfrage (Düsseld. 1882); Vtünsterberg, Die
deutsche Armengesetzgebung und das Material zn
ihrer Reform (Lpz. 1887); Köhne, Die Arbeiten
des Internationalen Gefängniskongresses in Rom
(in voll Liszts "Zeitschrift für Strafrechtswissen-
schaft", Bd. 9,1889); Hippel, Die strafrechtliche Be-
kämpfung von Bettel, Landstreicherei und Arbeits-
scheu (Berl. 1895); Artikel Landstreicherei im "Österr.
Staatswörterbuch", Bd. 2 (Wien 1896).
Va.Fa.'bunaa.e, s. Iagdspinnen.
Vaganten, soviel wie Vagabunden (s.d.). V.,
fahrende Schüler oder Goliarden bießen im
Mittelaltcr die Kleriker, die kein ständiges Kircken-
alllt, das sie ernährt hätte, besaßen und ein nnstete5,
vagabundierendes Leben führten. Zu Ende des
1i! Jahrh, rekrutierten sich die V. namentlich aus
den Hörern der alten Kloster- und Stiftschulen, die
von Schule zu Schule oder auch ziellos teils einzeln,
teils in Schwärmen im Lande nmberzogen und ein
zügelloses Leben führten. Nur die lat. Sprache nnd
die höhere Bildung erboben sie über die zerlumpten
fahrenden Leute ibrer Zeit. Viele Svnoden erließen
Verdammungsurteile gegen sie und belegten selbst
die mit Strascn, die ihnen Nahrung oder Kleidung
reichten. Die V. waren die Hauptträger der über-
mütigen formgewandten Studentenpoesie des Mittel-
alters, ihr größter Dichter der Arckipoeta (s.d.).
Eine Sammlung von Vagantenliedern ist in den
Oai'inina lnirlniil ss. d.) erhalten. - Vgl. I. Grimm,
Gedichte dee> Mittelalters auf König Friedrich I.
den Staufer (Berl. 1844); Giefebreckt in der "All-
gemeinen Monatsschrift für Wissenschaft und Litte-
ratur", Bd. 3 (1853); Laistner, Golias. Studenten-
lieder des Mittelalters (Stuttg. 1879); N. Spiegel,
V. und Bacchanten (Angsb. 1888); ders., Die V. nnd
ihr "Orden". Programm (Speyer 1892). (S. auch
Bacchanten, Fahrende Leute, Goliarden.)
Vag-Befztercze (spr. wahg bchterze), ungar.
Name von Waag-Nistritz (s. d.) im Komitat Trentschin.
Vagieren (lat.), herumschweifen.
Vagma (lat.), die scheide, Mutterscheide; Va-
ginismus, der Scheidenkrampf; Vaginitis, der
Scheidenkatarrb (s. Leukorrhöe).
Vaginäten, eine Gruppe untcrsilurischer Or-
thoceratiten (s. d.), merkwürdig durch die Dicke der
die Luftkammern durchsetzenden, aus zahlreichen in-
emandergesteäten Scheiden (v^iil^; s. vorstehende
Abbildung, a im Quer-, d im Längsschnitt) be-
stehenden Röbre (des Sipho) und als wichtige Leit-
fossilien der nordischen, in Glacialgeschieben wäh-
rend der Eiszeit über Norddcutschlano verstreuten
Vaginatenkalke.
Vaginosköp (lat.-grch.), elektro-endoskopisches
Instrument zur Untersuchung der Scheide, s. Be-
leuchtungsapparate (medizinische).
Vag-Ujhely, ungar. Name von Waag-Neu-
stadtl (s. d.) im Komitat Neutra.
Va.3U8 (lat.), h eruinschweifenderNerv,
s. Gehirn; Vagusneurosen, Erkrankungen, die
durch den Einfluß des zebnten Hirnuervenpaars
entstehen.
?^5/ti, binter lat. Pflanzennamen Bezeichnung
sür MartinVahl, geb. 1749 zu Bergen, gest. 1804
als Professor der Botanik in Kopenhagen. Er war
Schüler Linnes und besaß ein wertvolles Herbarium.
Vahlen, Joh., Philolog, geb. 27. Sept. 1830 zu
Bonn, studierte daselbst Philologie, habilitierte sich
1854 an der dortigen Universität, wurde 1856 außer-
ord. Professor der klassischen Altertumskunde in
Breslau, 1858 ord. Professor in Freiburg i. Br. und
im Juli desselben Jahres in Wien, wo er zugleich
Direktor des philol. Seminars und Mitglied der
wissenschaftlichen Prüfnngskommission wurde. Seit
1862 wirtliches Mitglied der kaiserl. Akademie der
Wissenschaften in Wien, folgte er 1874 einem Rufe
nach Berlin. Auch hier wurde er zum Mitglied der
Akademie der Wissenschaften ernannt. Von V.s
philol. Arbeiten sind zu nennen: "^nniHna^ P06818
i-^liciniae" (Lpz. 1854), "^a"vii äe d(;11" I'unico r6-
Ii<iui"6" (ebd. 1854), "IIIpmin lidov re^nlainin"
(Bonn 1856), "1u Vilii'onis 8llturlliuin Nenippea-
i nm i'0iilium8 c0ni6ctan6H" (Lpz. 1858), "^naiectl".
^onwnH" (ebd. 1860), "Lorenzo Valla" (Wien 1864;
2. Aufl., Berl. 1870), "Laui-LnUi Valwe 0pn8cu1g"
l3 Hefte, Wien 1869), "Beiträge zu Aristoteles
Poetik" (4 Hefte, ebd. 1865 -67), "Aristotelische
Aufsätze" (3 Hefte, ebd. 1872 -74), die Ausgabe
von Aristoteles' "Do ai-tc i)06tica" (3. Aufl., Lpz.
1885), Ciceros "De I68idn8" (2. Aufl., Verl. 1883),
Plautus' "Nenaoelimi" (ebd. 1882), die Neubear-
beitungen von Haupts Ausgaben des Horatius (Lpz.
1881) und Catullus, Tibullus und Propertius (ebd.
1879 u. 1885), sowie von O. Iahns Ausgabe von
Longinus' "D" 8uI)Iimit^t")) (Bonn 1887), ferner
die Herausgabe von Karl Lachmanns "Kleinern
Schriften" zur klassischen Philologie (Berl. 1876),
von dessen Lucilius (ebd. 1876) und von dessen
"Briefen an M. Haupt" (ebd. 1892). Ferner fchrieb
er "Zur Erinnerung an K. Lachmann" (Berl. 1892).
V. war längere Zeit Mitherausgeber der "Zeitschrift
für österr. Gymnasien" und der pbilol. Zeitschrift
"Hermes".
Vahman, pers. Gottheit, s. Bahman.
Vahrn, Dorf in der österr. Bezirkshauptmann-
schaft und dem Gerichtsbezirk Briren in Tirol, 3 kni
nördlick von Briren, am Ausgange des Echalderer
Thals in das Eisackthal, in 666 in Höhe, an der
Brennerbahn, hat (1890) 920, als Gemeinde 988 E.
und ist wegen seiner geschützten Lage und seines mil-
den Klimas ein viel besuchter Erholungsort. Ober-
dalb V. die Ruine Salern.
Vaisyas, Ackerbauer, eine der ind. Kasten (s. d.).
Vaihingen. 1) Oberamt im württemb. 3ieckar-
kreis, hat 191,81 liwn und (1895) 21412 (10470
männl., 10942 weibl.) E. in 3 Stadt- und 19 Land
gemeinden. - 2) V. an der Enz, Oberamtsstadt
im Oberamt V., lints an der Enz, in 218 ni Höhe,
an der Linie Bretten-Stuttgart-Ulm (Station V.-
Sersheim) der Württemb. Staatsbabnen, Sitz eines