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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Velodrom; Velours; Velourstapete; Veloursteppich; Velpel; Velsina; Velsuna; Velte; Velten; Veltenstanz; Veltlin

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Velodrom - Veltlin

Tandem (Fig. 4) hintereinander sitzen. Länger noch als das Zweiradtandem (Doppelsitzniederrad) bestehen das Dreirad- und Vierradtandem, die beide gegenwärtig nur noch ganz vereinzelt zu bemerken sind. In den letzten Jahren sind auch drei-, vier- und mehrsitzige Zweiräder (Triplets, Quadruplets u. s. w.) gebaut worden, die meist zum Schrittmachen bei Wettfahrten benutzt werden.

Das Dreirad, das in seiner modernsten und zugleich praktischsten Form Fig. 10 zeigt, wurde zuerst l876 konstruiert, und zwar in Modellen, die man heute als abnorm bezeichnen würde. Mit den ältern Dreirädern war das Fahren sehr anstrengend und schwierig, und als das moderne Niederrad aufkam, wurde der Gebrauch des Dreirades immer seltener. Erst als in den letzten Jahren einige gute Fabriken Englands alle möglichen Verbesserungen und Neuerungen verwendeten, erlangte es wieder mehr Beachtung, besonders als Transportmittel (Gepäckdreirad) für Geschäftsleute und Landbriefträger. An dem Gepäckdreirad ist vor oder hinter dem Sitze des Fahrers ein größerer abnehmbarer Kasten oder Korb befestigt, mit dem mitunter nicht unbedeutende Lasten befördert werden (Fig. 15). In mehrern Großstädten (z. B. Berlin, Johannesburg) sind Dreiräder zur Personenbeförderung im öffentlichen Verkehr, wie sie von der Berliner Dreiradgesellschaft Hofmann & Co. gebaut werden. Einer besondern Form des Dreirades bedienen sich Kranke, die ihre Füße nicht gebrauchen können. Eine solche Maschine, Invalidendreirad oder Manuped genannt, wird dann mittels zweier senkrecht stehenden, ruderartig vor- und rückwärts zu schiebenden Hebel durch die Hände fortbewegt (Fig. 11). Seit längerer Zeit versucht man auch, das Fahrrad zur Erhöhung der Leistung und aus hygieinischen Gründen mit Hand- und Fußbetrieb zugleich auszustatten. Erfolg hierin verspricht das von M. Liman in Berlin konstruierte (Fig. 5), bei welchem durch langsames Niederdrücken der Lenkstange mittels eines Hebels ein bei dem Steuerrohr gelagertes Kettenrad in Umdrehung gesetzt wird, das mittels Kette auf ein am Tretkurbellager sitzendes Kettenrad wirkt. Die Lenkstange dreht sich in Lagern und ist in der Mitte mit dem Antriebshebel gelenkig verbunden, der durch eine Rohrführung geht und an deren Ende durch eine Mutter gehalten ist. Die Rohrführung hat links und rechts Ansätze, auf welchen der nach dem obern Kurbellager führende Hebel aufgepaßt ist. Durch einen leichten Druck kann der Handantriebsmechanismus ausgeschaltet werden. Ähnliche Konstruktionen rühren von Vonhausen u. a. her.

Neuerdings hat man für Zwei- und Dreiräder auch den motorischen Antrieb eingeführt, wobei man sich meistens des Petroleummotors, Benzinmotors oder des Elektromotors bedient. Auch sind Versuche mit Druckluft und Kohlensäure gemacht worden, deren Resultat noch abzuwarten ist. Fig. 12 zeigt ein nach dem modernen Typus gebautes Motorzweirad von Hildebrand & Wolfmüller in München, bei dem das Vorderrad zum Steuern, das Hinterrad zum Antrieb dient. Der Zwillingscylinder ist im horizontalen Teil des Rahmens gelagert, und die Brems- und Regulierungsvorrichtung befindet sich an der Lenkstange. Die Speisung des Motors geschieht durch das Benzinreservoir, das im aufsteigenden Teil des Rahmens gelagert ist, von wo aus das Benzin zum Motor läuft, dort vergast und mittels der Lampe entzündet wird. Zur Kühlung der Cylinder ist das Schutzblech des Hinterrades als Wasserbehälter ausgebildet. Das Maximaltempo dieses Motorrades ist 30-40 km pro Stunde, und der Motor entwickelt bei gesteigerter Geschwindigkeit 2½ Pferdestärken. Der Verbrauch an Betriebsmaterial beläuft sich auf etwa 75 Pf. pro 100 Kilometer. Bei dem Motordreirad (Fig. 16) von Dion & Bouton in Priteaux (Frankreich), welches als Dreirad gebaut ist, wirken Benzin und Elektricität zusammen. Die Hinterachse wird mittels eines kleinen, hinten angebrachten Benzinmotors in Betrieb gesetzt. Um das Fahrzeug in Bewegung zu setzen, genügt es, einigemal auf die Pedale zu treten; ist das Rad in Bewegung, so werden die Pedale wieder außer Eingriff gebracht und erst dann wieder benutzt, wenn eine erhöhte Schnelligkeit erzielt werden soll. Die Speisung des 1⅓ pferdigen Motors, welcher bei einer Geschwindigkeit von 30 km in der Stunde, 11 000 Umdrehungen in der Minute macht, geschieht durch eine langsam arbeitende Pumpe, welche das Benzin, das sich in einem Behälter unterhalb des Sattels befindet, tropfenweise dem Vergaser zuführt. Da der Cylinder durch die Luft gekühlt wird, so kommt der Kühlwasserbehälter in Wegfall. Die Entzündung wird durch einen elektrischen Funken bewirkt, den eine mit einer Induktionsrolle in Verbindung stehende Trockenbatterie liefert, welche in einem schmalen Kästchen am obern Rahmenrohr angebracht ist. Die Regulierung der Geschwindigkeit sowie das Außerthätigkeitsetzen des Motors geschieht von der Lenkstange aus. Die Füllung des Reservoirs mit 3 l Benzin reicht für eine Fahrt von 70 bis 100 km.

Litteratur. Jones, Treatise on the theoretical and practical Construction of the Tricycle (Lond. 1884; Wolf, Fahrrad und Radfahrer (Lpz. 1890); Allen, Dingest ^[richtig: Digest] of cycles or velocipedes patented in the United States (Washingt. 1892); Sharp, Bicycles and Tricycles (Neuyork 1896). Zeitschriften: Der Rad-Markt, Fachblatt für Fahrradindustrie und -Handel (Bielefeld); Der deutsche Fahrradhändler und -Fabrikant (Dresden). Vgl. auch die Litteratur zu Radfahrsport.

Velodrom, Rennbahn (s. d.) für Radfahrsport.

Velours (frz., spr. wĕluhr), soviel wie Sammet; auch ein dem Flaus (s. d.) ähnlicher, dicht gewebter, stark gerauhter, aber wenig gescherter Stoff, bei welchem die Haare aufrecht stehen.

Velourstapete, s. Tapeten.

Veloursteppich, s. Teppiche.

Velpel, s. Felbel.

Velsina, etrusk. Stadt, s. Bolsena.

Velsuna, Volsinii, etrusk. Stadt, s. Orvieto.

Velte, älteres franz. Weinmaß, in Bordeaux noch jetzt gebräuchlich = 7,6 l.

Velten, Dorf im Kreis Osthavelland des preuß. Reg.-Bez. Potsdam, 3,5 km rechts von der Havel, an der Nebenlinie Schönholz-Cremmen der Preuß. Staatsbahnen, hat (1895) 6830 meist evang. E., Post, Telegraph; große Thonlager, 32 Ofenfabriken mit über 1500 Arbeitern, 2 Thonschlämmereien und 2 Dampfglasurmühlen. - Vgl. Gericke, Der Industrieort V. und seine Umgegend (Velten 1894).

Velten, Erfinder eines Stenographiesystems s. Stenographie.

Veltenstanz, s. Valentinus, Heilige.

Veltlin (ital. Val Tellina oder Teglino), im weitern Sinne das obere Thal der Adda in der ital. Provinz Sondrio vom Stilffer Joch bis zum Comer