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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Venetianer Alpen - Venezuela

Venetianer Alpen, s. Ostalpen.

Venetianer Kettchen, s. Kette.

Venetianer Weiß, s. Bleiweiß.

Venetianische Gläser, s. Glaskunstindustrie und Salviati.

Venetianische Kreide, s. Speckstein.

Venetianische Perlen, s. Glasperlen.

Venetianischer Lack, s. Kugellack.

Venetianischer Sammet, die ursprünglich in Venedig hergestellte feinste Art des gemusterten (façonnierten) Sammets, bei welchem das Muster, meist Arabesken, nicht durch Pressen, sondern durch das eigentümliche Webverfahren entsteht.

Venetianischer Terpentin, s. Lärche.

Venetien, ital. Venezia, Landschaft (compartimento) im Königreich Italien, das Gebiet der ehemaligen Republik Venedig, umfaßt den nordöstlichsten Teil des Landes mit folgenden Provinzen:

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Provinzen Flächenraum in qkm Einwohner 1881 Einw. auf 1 qkm offiziell nach Strelbitskij

Velluno 3 292 3 347 174 140 53

Padua 1 95 2 063 297 762 203

Rovigo 1 686 1 665 217 700 129

Treviso 2 438 2 467 375 704 113

Udine 6 515 6 619 501 745 77

Venedig 2 198 1 898 356 708 162

Verona 2 748 3 184 394 065 107

Vicenza 2 635 2 785 396 349 159

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Venetien 23 465 24 025 2 844 173 119

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Die neue Ausmessung der Generaldirektion der Statistik ergab einen Flächenraum von 24 548 qkm, eine Berechnung vom 31. Dez. 1895: 3 080 153 E., d. i. 125 E. auf 1 qkm.

Venetiko, Insel, s. Önusen.

Venetus, Paulus, ital. Schriftsteller, s. Sarpi.

Venezia, ital. Name für Venedig (s. d.).

Veneziano, Agostino, ital. Kupferstecher, s. Musi, Agostino di.

Venezolano, Geldgröße in Venezuela = 5 Bolivares oder Franken, s. Frank.

Venezuela, Vereinigte Staaten von. V., Föderativrepublik im N. Südamerikas, wird im N. vom Karibischen Meer, im O. vom Atlantischen Ocean und Britisch-Guayana, im S. von Brasilien, im W. von Columbia begrenzt und umfaßt mit Einschluß der streitigen Grenzgebiete 1 043 900 qkm, nach neuerer Berechnung ohne diese 972 000 qkm. (S. die Karte beim Artikel Columbia.)

Oberflächengestaltung. Das Gebiet zerfällt in vier Teile: 1) Das altkrystallinische, von Sandsteinkuppen überdeckte Bergland von Guayana (s. d.), mit Höhen bis zu 2600 m (Roraima). 2) Die Llanos, nördlich vom Orinoco, eine tertiäre und quartäre Ebene mit Flußalluvionen. 3) Die Gebirgssysteme des Nordens, und 4) das Küstenland der Lagune von Maracaibo. Von der Cordillera oriental in Columbia ziehen zwei Zweige nach N. und NO., der erste die bis 3000 m hohe Sierra de Perijá (s. d.), zweitens die Cordillere von Merida, ein Faltungsgebirge mit krystallinischer Schiefer- und Granitachse sowie seitlichen Kreidesandstein- und Kalksteinanlagerungen. Diese erreicht in der Sierra Nevada de Merida 4580 m (Picacho Concha), fällt gegen NW. zum Maracaibosee und Zuliatiefland, gegen SO. zu den Llanos schroff ab und erniedrigt sich gegen NO. in das Hügelland von Barquisimeto. Daran schließt sich nördlich das Gebirgssystem von Coro mit zwei 1500 m hohen Hauptketten. Durch die Senke des Yaracui und Cojede wird von ihm das Karibische Gebirge getrennt, das westöstlich streicht, eine höhere Nordkette aus altkrystallinischen Gesteinen, und eine niedrigere Südkette mit Kreideablagerungen hat und in zwei durch den Bruch von Barcelona getrennte Teile zerfällt. Der westl. Teil hat die größten Höhen im Pico de Naiguatá (2801 m) und Silla (2665 m) im NO. von Caracas. Der Osten erhebt sich nur bis zu 2050 m im Turumiquire. Auch Trinidad und Margarita gehörten dazu. Der Hauptstrom ist der Orinoco (s. d.). Im äußersten Süden gehört auch ein Teil des Amazonas-Stromgebieten zu V. Der Valenciasee (s. d.) bildet das wichtigste größere Binnengewässer. Die Küsten sind im Nordosten meist steil mit kurzem Vorland, in Coro und bei Maracaibo flach. Reichlich war bis 1893 die Ausbeute an Gold im Territorio Yuruari, seit 1850 und namentlich 1878. Außerdem ist besonders Kupfer von Aroa in ansehnlicher Menge ausgeführt worden. Steinkohlen und Lignit kommen besonders von Barcelona, Asphalt vom Golfo Triste, Petroleum aus der Gegend des Maracaibosees und dem Tachira (s. d.), Salz wird an der Küste gewonnen. Heiße Quellen sind ebendort häufig, so die von Mundo Nuevo südlich von Carupano 96° C.) und die 92° C. heiße Quelle von Las Trincheras bei Puerto-Cabello.

Klima, Flora, Fauna. Das Klima ist sehr warm, sowohl an der Küste wie namentlich in den Llanos, in welchen die Mitteltemperatur 30° überschreitet. Dennoch ist es nicht ungesund, obwohl hier und da gefährliche Fieber, auch Gelbes Fieber vorkommen. In den Gebirgslandschaften herrscht bis zu 600 m Höhe die Terra caliente, bis zu 2000 m Höhe die Tierra templada, das gemäßigte Land, und endlich folgt die Tierra fria, das kalte Land. Die Tierra templada hat überaus mildes Klima. Plagen sind Mosquitos, ferner für den Ackerbau Heuschrecken (1882-86) und überall, namentlich im Karibischen Gebirge an der Küste, Erdbeben, wie das von Cumana 1797, 1853, von Caracas 1812, San Cristobal 1875, Merida 1894. - Die Vegetation ist tropisch und entspricht der des äquatorialen Brasilien. Das Land gehört im allgemeinen zu der Region der immergrünen Dikotylen und Monokotylen, welche in Urwälder vereinigt sind. Diese bedecken die Küsten bis zu den Gebirgskämmen, ferner die Abhänge der Cordillere von Merida, das Tiefland des Maracaibosees und in den Gebirgen selbst Teile der innern Gehänge. In den höhern Gebirgen gehen die tropischen Urwälder von 1000 m Höhe an in die Bergwälder über, welche Formen gemäßigterer Klimate zeigen. Darauf folgt von 3000 m Höhe an das niedere andine Gebüsch und die kahlen Grasflächen der Paramos bis zur Schneegrenze. In den Llanos sieht man weite Grasebenen mit spärlichem Baumwuchs an den Flußufern. In trocknen Distrikten, z. B. Coro, herrscht die Kaktusvegetation, harte Sträucher, Agaven u. s. w. vor. Auch in Venezuelisch-Guayana kommen Savannen mit reichem Bestande an schönblühenden Kräutern und Stauden vor. - Die Fauna zeigt neben der Masse tropisch-amerik. Elemente auch nördlich- und besonders südlich-gemäßigte, da viele Tierformen, namentlich in den kühlern Teilen des Gebirges, die Grenze ihrer Verbreitung nach Süden oder Norden hin finden. Ausgezeichnet reich ist besonders die Vogelwelt entwickelt, mit zahlreichen lokalisierten Arten. Im Llano leben halbwilde Herden von Pferden und Rindern.