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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Ventilation

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Ventilation

lagerfläche auf die entsprechende konische Ringfläche des Ventilsitzes S setzt. Der Hub des V. wird durch einen Anschlag a begrenzt. Beispiele von Kegelventilen s. Dampfkessel, Fig. 4, 5, 6. Die Doppelsitzventile, welche hauptsächlich als Steuerungsventile dienen, können als kombinierte Kegelventile angesehen werden. Sie werden als Glockenventile und Rohrventile unterschieden, je nachdem der Ventilkörper sich außerhalb oder innerhalb der ringförmigen Ventilsitze befindet. Eine Darstellung des Rohrventils findet sich unter Dampfmaschine, Fig. 10; die Einrichtung des Glockenventils ist aus Fig. 4 ersichtlich. Geradlinig gehobene V. sind auch die Kugelventile (Fig. 5). Bei diesen bildet eine Vollkugel den wasserdichten Verschluß, und der Ventilsitz ist dem entsprechend geformt. Da die Kugel beim Zurückfallen den Ventilraum sicher abschließt, bedarf sie keiner besondern Führung; als Anschlag dient meist ein kreuzweise übergreifender Doppelbügel, der von oben her gegen den Ventilsitz gepreßt wird, wodurch letzterer gleichzeitig festgehalten wird. Stufen- oder Pyramidenventile sind kombinierte Klappen-, Kegel- oder Kugelventile, die in konzentrischen Kreisen übereinander angeordnet sind. Werden bei derartigen V. ringförmige Klappen angewendet, so nennt man sie Ringventile. Ein derartiges V. stellt Fig. 6 dar. Es sind hierbei drei Ventilsitze a übereinander angeordnet, welche durch die Druckschraube b aufeinander gepreßt und im Ventilgehäuse festgehalten werden. Die drei ringförmigen Ventilkörper c sind mit Lederdichtung versehen und finden ihre senkrechte Führung und ihre Hubbegrenzung durch Nasen d, welche an den über den Ringen befindlichen Ventilsitzen angegossen sind. Diese Ventilanordnung, wie auch die Abänderung derselben, daß man die Ringflächen in einer Ebene konzentrisch nebeneinandersetzt, findet ausgedehnte Anwendung an Wasserwerkspumpen. Zu den V., welche durch einen besondern, meist außerhalb des Ventilgehäuses gelegenen Mechanismus bewegt, werden, gehören einesteils die Steuerventile von Dampfmaschinen und Pumpenanlagen, dann aber auch die Absperr- oder Durchgangsventile. Es sind dies Kegelventile, welche, ähnlich den Hähnen, den Durchfluß eines Gases oder einer Flüssigkeit regulieren. Die Einstellung solcher V. geschieht meist von außen mittels eines Handrades, welches an der mit Gewinde versehenen Ventilspindel sitzt. Hierüber und über Rückschlagventile s. Dampfkessel. Entlüftungsventile dienen zum Auslassen der Luft an Wasserpumpen, wo dieselbe, eingeschlossen, nachteilig für den Gang der Pumpe sein würde.

^[Fig. 3.]

^[Fig. 4.]

^[Fig. 5.]

^[Fig. 6.]

Bei Musikinstrumenten ist das V. (Piston) eine mechan. Vorrichtung zur Regulierung von Zufuhr und Absperrung eines Luftstroms, z. B. die Klappen an Orgelpfeifen, die sich beim Einströmen des Windes öffnen. Bei Trompeten, Hörnern und andern Blechblasinstrumenten neuerer Konstruktion bezwecken sie Veränderung der Länge der Röhre behufs Erzeugung verschiedener Töne, welche außerhalb der Naturtonreihe liegen, indem ein und dasselbe V. vermöge Federkraft innerhalb des Rohres eine Umdrehung macht, sobald der Finger auf seinen Hebel drückt und somit dem Luftstrom eine neue Bahn eröffnet, indem es ihm die alte verschließt. (S. Blasinstrumente.)

Ventilation (lat.), Lüftung, die regelmäßige Erneuerung der Luft in geschlossenen Räumen. Die Ursachen der Luftverunreinigung in den von Menschen benutzten Räumlichkeiten sind zunächst die Ausscheidungsprodukte der Menschen durch Ausatmung und Ausdünstung. Durch die Atmung wird besonders der Kohlensäuregehalt und der Feuchtigkeitsgrad erheblich vermehrt; infolge der Ausdünstungen macht sich allmählich ein übler Geruch bemerkbar, der besonders beim Betreten des Raums auffällt und durch Zersetzungsvorgänge auf der Haut und in den Kleidern verursacht wird. Künstliche Beleuchtung (Gas-, Petroleum- und Kerzenlicht) erzeugt außer beträchtlichen Mengen von Kohlensäure und Wasserdampf noch belästigende und giftige Gase (als Produkte der unvollkommenen Verbrennung), wie Kohlenoxyd, Acetylen, Äthylen, schweflige Säure, Akroleïn u. s. w. Auch die Temperaturerhöhung sowie der Staubgehalt der Luft machen eine V. erforderlich. Nach dem Vorschlage von Pettenkofer wird bei der Luftuntersuchung der Kohlensäuregehalt der Luft als Maßstab der Luftverunreinigung angenommen; wenn auch die Kohlensäure in den Mengen, wie sie in bewohnten Räumen vorzukommen pflegt, nicht selbst wesentliche Störungen hervorruft, so ist ihre Menge erfahrungsgemäß in Räumen, deren Luft lediglich durch den Lebensprozeß und die künstliche Beleuchtung verbraucht wird, proportional der gesamten Verschlechterung und kann daher als Maß für letztere gelten. Pettenkofer verlangt, daß 1 cbm reine Luft höchstens 1 l, möglichst aber nur 0,7 l Kohlensäure enthalte. Da der Kohlensäuregehalt der freien Luft etwa 0,3 l auf 1 cbm