Schnellsuche:

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Diese Seite ist noch nicht korrigiert worden und enthält Fehler.

211
Ventilation
lagerfläche auf die entsprechende tonische Ringflüche
des Ventilsitzes 8 fetzt. Der Hub des V. wird durch
einen Anschlag a begrenzt. Beispiele von Kegel-
ventilen s. Dampfkessel, Fig. 4,5, 0. Die Doppel-
sitzventile, welche hauptsächlich als Steuerungs-
ventile dienen, können als kombinierte Kegelventile
angesehen werden. Sie werden als Glockenven-
tile und Rohrven-
tile unterschieden, se
nachdem der Ventilkör-
per sich außerhalb oder
innerhalb der ringför-
migen Ventilsitze be-
findet. Eine Darstel-
lung des Rohrventils
findet sich unter
Dampfmaschine, Fig.
10; dieEinrichtung des
Glockenvcntils ist aus
Fig. 4 ersichtlich. Ge-
radlinig gehobene V.
sind auch die Kugel-
ventile (Fig. 5).
Bei diesen bildet eine
Vollkugel den wasser-
dichten Verschluß, und
der Ventilsitz ist dem entsprechend geformt. Da die
Kugel beim Zurückfallen den Venülraum sicher ab-
schließt, bedarf sie keiner besondern Führung; als An-
schlag dient meist ein kreuzweise übergreifender Dop-
pelbügcl, dervon obenhergegenden Ventilsitz gepreßt
wird, wodurch letzterer gleichzeitig festgehalten wird.
Stufen- oder Pyramidenventile sind kombi-
nierte Klappen-, Kegel- oder
Kugelventile, die in konzen-
trischen Kreisen übereinander
angeordnet sind. Werden bei
derartigenV. ringförmigeKlap-
dann aber auch die A bsperr - oder Durchgangs-
ventile. Es sind dies Kegelventile, welche, ähn-
lich den Hähnen, den Durchfluß eines Gafes oder
einer Flüfsigkeit regulieren. Die Einstellung fol-
cher V. geschieht meist von außen mittels eines
Handrades, welches an der mit Gewinde versehe-
nen Ventilspin- ^
del sitzt. Hier- ^ -"^
über und über
Rückschlagven-
tile s. Dampf-
kessel. Entluf-
tungsventile
dienen zum Aus-
lassen der Luft an
Wasserpumpen,
wo dieselbe, ein-
geschlossen, nach-
teilig für den
Gang der Pumpe
fein würde.
Bei Mufik-
instrumeuten
Fig. 6.
Fig. 3.
Fig. 4.
Fig. 5.
pen angewendet, fo nennt man sie Ringventile.
Ein derartiges V. stellt Fig. 6 dar. Es sind hierbei
drei Ventilsitze a übereinander angeordnet, welche
durch die Druckschraube l> aufeinander gepreßt und
im Vcntilgchäusc festgehalten werden. Die drei
ringförmigen Ventittörper <^ sind mit Lederdichtung
versehen und finden ihre senkrechte Führung und
ihre Hubbegrenzung durch Nasen ä, welche an den
über den Ringen befindlichen Ventilsitzen angegossen
find. Diese Ventilanordnung, wie auch die Abände-
rung derselben, daß man die Ringflächen in einer
Ebene konzentrisch nebcneinandersetzt, findet aus-
gedehnte Anwendung an Wasserwerkspumpen. Zu
den V., welche durch einen besondern, meist außer-
halb des Ventilgehäuses gelegenen Mechanismus be-
wegt, werden, gehören einesteils die Steuerven-
tile von Dampfmaschinen und Pumpenanlagen,
ist das V. (Piston) eine mechan. Vorrichtung zur
Regulierung von Zufuhr und Absperrung eines
Luftstroms, z. V. die Klappen an Orgelpfeifen, die
sich beim Einströmen des Windes öffnen. Bei Trom-
peten, Hörnern und andern Blechblasinstrumenten
neuerer Konstruktion bezwecken sie Veränderung der
Länge der Röhre behufs Erzeugung verschiedener
Töne, welche austerhalb der Naturtonreihe liegen,
indem ein und dasselbe V. vermöge Federkraft inner-
halb des Rohres eine Umdrehung macht, sobald der
Finger auf feinen Hebel drückt und fomit dem Luft-
strom eine neue Bahn eröffnet, indem es ihm die
alte verschließt. (S. Blasinstrumente.)
Ventilation (lat.), Lüftung, die regelmäßige
Erneuerung der Luft in geschlossenen Räumen. Die
Ursachen der Luftverunreinigung in den von
Menschen benutzten Räumlichkeiten sind zunächst die
Ansscheidungsprodukte der Menschen durch Aus-
atmung und Ausdünstung. Durch die Atmung wird
besonders der Kohlensäuregehalt und der Feuchtig-
keitsgrad erheblich vermehrt; infolge der Aus-
dünstungen macht sich allmählich ein übler Geruch
bemerkbar, der besonders beim Betreten des Raums
auffällt und durch Zersetzungsvorgänge auf der Haut
und in den Kleidern verursacht wird. Künstliche Be-
lencktung (Gas-, Petroleum- und Kerzenlicht) er-
zeugt außer beträchtlichen Mengen von Kohlensäure
und Wasserdampf noch belästigende und giftige Gafe
(als Produkte der unvollkommenen Verbrennung),
wie Kohlenoxyd, Acetylen, Äthylen, schweflige Säure,
Akrolem u. s. w. Auch die Temperaturerhöhung so-
wie der Staubgehalt der Luft machen eine V. erfor-
derlich. Nach dem Vorfchlage von Pettenkofer wird
bei der Luftuntcrsuckuna der Kohlen säure-
geh alt der Luft als Maßstab der Luftverunrei-
nigung angenommen; wenn auch die Kohlensäure
in den Mengen, wie sie in bewohnten Räumen vor-
zukommen pflegt, nicht selbst wesentliche Störungen
hervorruft, fo ist ihre Menge erfahrungsgemäß in
Räumen, deren Luft lediglich durch den Lebensprozeh
und die künstliche Beleuchtung verbraucht wird, pro-
portional der gesamten Verschlechterung und kann
daher als Maß für letztere gelten. Pettenkofer ver-
langt, daß 1 cdm reine Luft höchstens 11, möglichst
aber nur 0,71 Kohlensäure enthalte. Da der Koh-
lcnsäuregehalt der freien Luft etwa 0,31 auf 1 odm
14^