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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Verbranchszucker - Verbrennung
mittel sind, aber doch in beträchtlicher Menge ver-
braucht werden, wie alkoholhaltige Getränke, Zucker,
Tabak u. s. w. Die V. werden teils als sog. innere
Stenern (s. Accise) nach verschiedenen und zwar in-
direkten Methoden (Besteuerung des Rohstoffs oder
der Fabrikationsgeräte, Überwachung der Fabrika-
tion, Monopolisierung des Verkaufs u. s. w.), teils
durch Erhebung eines Einfuhrzolls erhoben, der als
reiner Finanzzoll (s. d.) zu betrachten ist, wenn er
nur das Äquivalent einer gleichartigen innern Be-
steuerung bildet. Die Gemeinden erheben vielfach
V. <s. Octroi), meistens in der Form einer Eingangs-
abgabe. Auch die direkte Besteuerung kommt vor bei
Gegenständen des Verbrauchs, wie Wagen, Woh-
nungen, Pserden u. s. w. In Deutschland sind V.
oder Verbrauchsabgaben namentlich die Fabrikat-
steuern auf Salz, auf Zucker und auf Branntwein
(daneben noch in beschränktem Umfange Material-
und Maischbottichstcuer), die Gewichtssteuer auf
Rohtabak und die Materialsteuer auf Bier, die
sämtlich durch entfprechende Eingangszölle ersetzt
werden. (S. Getränkestcuer, Salzsteuer, Tabaksbe-
steuerung, Zuckersteuer, Weinsteuer u. s. w.)
Verbrauchszucker, Konsumzucker, im wei-
tern Sinne Bezeichnung für alle diejenigen Handels-
zuckerarten, die zum Verbrauche als Versüßungs-
mittel geeignet sind, zum Unterschied von Rohzucker,
der es nicht ist. Im engern, eigentlichen Sinn ver-
steht man jedoch darunter nur diejenigen Verbrauchs-
zuckerartcn, die weder Kandis noch wirklich raffinierte
Zuckerarten (Brotrafsinade, Raffinadewürfel, ge-
mahlene Raffinadebrote) sind. (solcher V. wird ohne
eigentliche Raffineriearbeit in sehr verschiedener
Weise aus Rohzucker oder aus Rohzuckersüllmasse
dargestellt, und es sind eine ganze Reihe von Ver-
fahren in Anwendung, um diesen gereinigten, zum
Verbrauche geeigneten Rohzucker auf wohlfeilerm
Wege als durch "Raffinieren zu erhalten. Am ein-
fachsten kann man den V. in Gestalt von feinenn
oder gröberm Pulver oder Mehl (Farm, Granu-
lated, Melis), oder in unregelmäßigen, kleinern oder
großcrn Stücken (Pilee, Stückezucker, Knoppern)
herstellen; es ist möglich, auf diefe Weise eine weniger
reine, namentlich weniger faubcre Ware bei reinem
Ausfehen und größerer Handlichkeit zu billigerm
Preise in den Handel zu bringen. Durch lctztern
Umstand ist die teilweise große Verbreitung dieser
Gebrauchszuckerarten zu erklären. Die Darstellung
geschieht in sehr mannigfacher Weise.
Unter Benutzung von Veränderungen an den
schleudern kann man ans reiner Rohzuckerfüllmasse
weißes Produkt in verschiedener Gestalt erhalten,
indem man den am Rohzucker haftenden unreinen
Sirup durch Wasser oder Dampf auflöst und ent-
sernt. Das Produkt der Melassencntzuckerung wird
ausschließlich in diesen Formen in den Handel ge-
bracht, das zu billigem Preise unter einem der oben
angeführten Namen verkauft wird. Durch Auflösen
von Zucker in Dünnsaft oder einer andern unreinen
Zuckcrlösung kann man besonders geeignete Klürsel
hierzu erhalten. Namentlich sind auch Nachprodukte
der Raffinerie geeignet.
Eine besondere Art V. stellt der Würfelzucker
dar. Es giebt davon sehr verschiedene Arten. Die
Würfel werden teils durch Zerschneiden aus Platten
und Stäben, teils durch Pressen aus feuchtem Zucker-
mehl dargestellt und so Erzeugnisse von niedrigerm
Preise, aber sehr verschiedener Reinheit und Rein-
lichkeit, also auch von verschiedenem wirklichem Wert
erhalten. Der aus völlig reinem Klärsel dargestellte
(Raffinadewürfel) gehört zum raffinierten, also
nicht zu dem hier besprochenen Zucker.
Verbrechen. Das Reichsstrafgcsetzbuch hat,
ebenso wie andere neuere Gesetzgebungen, nach dem
Vorgange des ('oäo peiigi, die Dreiteilung der straf
baren Handlungen mit Rücksicht auf die betreffenden
Strafdrohungen eingeführt. Danach sind V. im
engern Sinne die mit dem Tode, mit Zuchthaus
oder mit Festungshaft von mehr als 5 Jahren be-
drohten schwersten Delikte. (S. Vergehen, Über-
tretung.) Der Versuch ist immer strafbar, auf
Verweis kann nie erkannt werden. Die erfolglofe
Aufforderung (s. d.), §. 49", die Drohung (s. d.),
§. 241, und der Landzwang (s. d.), §. 126, sind nur
strafbar, wenn es sich um ein V. handelt. Die
Frage, ob ein Delikt als V. anzusehen sei, ist zu
entscheiden nach der höchsten zulässigen, nicht nach
der im Einzelfalle verwirkten Strafe. Die Dreitei-
lung der strafbaren Handlungen ist für die Frage,
von welchem Gerichte zu entscheiden ist, von wesent-
licher Bedeutung; über V. urteilen Schwurgerichte
und in gewissen Fallen (ß. 73 des Gcrichtsverfas-
sungsgesetzcs) die Strafkammern dcr Landgerichte
(s. Gericht und Gerichtsstand). Das geltende Osterr.
Strafgesetz kennt diese Dreiteilung nicht; es versteht
unter V. die schwersten mit Tod oder Kerker zu bestra
senden Delikte, den Gegensatz dazu bilden die Ver
gehen und Übertretungen, welche hauptsächlich mit
Arrest und Geldstrafe bedroht sind. Der Vorentwurf
eines Schweiz. Strafgefetzbuchcs von 1896 kennt nur
eine Zweiteilung (V. und Übertretungen). - V. im
weiternSinne ist jede strafbare Handlung (V. und
Vergehen) im Gegensatze zu den einfachen Polizei-
übertretungen, unter welchen Zuwiderhandlungen
gegen diejenigen Strafvorschriften verstanden wer-
den, welche wesentlich präventive (polizeilich vorbeu-
gende) Zwecke verfolgen (s. Übertretung). Dem ein
fachen V. stellt man das ausgezeichnete oder
qualifizierteV., das unter erschwerenden Umstän-
den verübt und mit höherer Strafe bedroht ist, und das
privilegiertcV., dem eine mildere Beurteilung zu
teil wird, gegenüber. (S. auch die Artikel Delikt, I)o-
lus, Fahrlässigkeit, Irrtum, Idealkonkurrenz, Real
konkurrcnz, Strafrecht, Strafgesctzgebung, Thatbe-
stand, Vcrfuch, Zurechnung.) -Über V. und Verbre
ch er in anthropol. Hinsicht f. Kriminalanthropologie.
Verbrechen, in der Iägerfprache, f. Bruch.
Verbrechen der beleidigten Majestät,
Majestätsverbrechen, s. Majestätsbeleidigung.
Verbrecherasyle, s. Irrenanstalten.
Verbrecherkolonien, s. Strafkolonien.
Verbrecherwahnsinn, s. Noial in^nit^.
Verbreiterung der Hölzer, ein Holzverband
(s. d.), dient zur Herstellung größerer Holzflächen.
Die Verbindung dcr einzelnen Bohlen und Bret-
ter erfolgt durch Spundung oder Federung,
wie beim Fußboden (s. d.). Ein Sichwerfen der
Holzflächen verhindert man durch aufgenagelte,
eingefchobene Leisten oder an die Hirnseiten
des Holzes befestigte fog. Hirn leisten, während
bei der Konstruktion hölzerner Thüren und Thore
schwächere Füllungen in den Falz stärkerer Nahmen-
hölzer eingreifen, was man als gestemmte
Arbeit bezeichnet.
Verbreitung der Pflanzen, s. Pflanzengeo-
graphie. - V. der Tiere, s. Tiergeographie.
Verbrennung, die unter Entwicklung von
Wärme und Licht, jedoch nickt immer mit eigent-