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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Vereinigte Staaten von Amerika (Unterrichtswesen. Zeitungswesen)

die Zahl und Größe der Bünde und Logen mit einigem Geheimwesen, welche zum großen Teile gesellige und wohlthätige Zwecke verfolgen, wie die Oddfellows (3/4 Mill. weiße, 150000 farbige Mitglieder), Freimaurer (900000), Pythias, Ritter (440000), Rote Männer u. s. w. Hierher kann man auch die Grand Army of the Republic (s. d.) rechnen. Klassen- und Standesunterschiede treten in den Vereinigten Staaten nicht hervor; die demokratische Gleichheit wurzelt fest in den Sitten. Trotz der Vorbildung für einen bestimmten Beruf, wechselt der Amerikaner seine Beschäftigung nach Gutdünken, keine einzige gilt als höher oder als minderwertig, Frauen, auch Kinder nehmen eine selbständigere Stellung ein als in Europa.

Unterrichtswesen. Die eigentlichen öffentlichen Unterrichtsanstalten sind ohne jede konfessionelle Richtung; daneben herrscht aber eine bedeutende Unterrichtsthätigkeit, die privaten Einflüssen ihre Entstehung verdankt und oft mehr oder minder entschieden eine bestimmte Stellung kirchlichen Fragen gegenüber einnimmt. Zu letztern gehören eine große Zahl der Colleges oder Universitäten des Bandes. Der Bund unterhält keine Unterrichtsanstalten, abgesehen von den beiden Kadettenanstalten in Westpoint und Annapolis und einigen Indianerschulen. Die Einzelstaaten sorgen meist in sehr liberaler Weise für den Elementarunterricht, der in manchen obligatorisch ist. Er ist nicht nur unentgeltlich, sondern die Schüler erhalten auch noch vielfach Schulmaterialien geliefert. Die Kosten werden in verschiedener Weise aufgebracht, in manchen, namentlich neuern Staaten fließt der Ertrag von sog. Schulländereien in den Schulfonds; vielfach ist eine immerwährende Staatsschuld geschaffen worden, deren Zinsen der Schulfonds bezieht. Im Schuljahr 1894/95 wurden im ganzen 178 Mill. Doll. für Elementarschulen ausgegeben. Die Anzahl der Lehrer in allen öffentlichen Schulen betrug 396327, von denen 267951 oder 66,7 Proz. Frauen waren. In diesem Jahre wurden die Elementarschulen von 13714321 Kindern besucht, von denen 9 Proz. in private Schulen gingen. Trotzdem ist die Zahl der Analphabeten noch immer groß, teils infolge der frühern Sklaverei, teils infolge des steten Zuströmens aus minder kultivierten Ländern. 1880 konnten von der Bevölkerung über 10 Jahre 13,4 Proz. nicht lesen und 17 Proz. nicht schreiben. 1890 war die Zahl der Analphabeten auf 13,3 Proz. gesunken. Davon kamen 6,12 Proz. auf eingeborene Weiße, 13,1 Proz. auf fremdgeborene Weiße und 56,8 Proz. auf Farbige.

In den Schulen höhern (Grades waren 468446 Schüler; davon besuchten 350099 oder 74,6 Proz. die Public high schools mit 14122 Lehrern, und 118347 die höhern Privatschulen. Der Unterricht des höchsten Grades umfaßte 481 Anstalten mit 6951 männlichen und 1508 weiblichen Lehrern und 113773 Studenten. Außerdem gab es ausschließlich für Frauen 163 Colleges mit 618 männlichen und 1787 weiblichen Lehrern und 19224 Schülerinnen. Ferner 155 öffentliche Seminare mit 36491 Schülern (26138 Frauen), 201 private Seminare mit 22013 Schülern, 244 Schulen für Medizin, Pharmacie, Tier- und Zahnheilkunde mit 5326 Lehrern und 39913 Studenten, 149 theol. Schulen mit 906 Lehrern und 9648 Studenten, 72 Rechtsschulen mit 604 Lehrern und 11667 Studenten. Unter den bekanntesten Anstalten sind Harvard (s. Cambridge), Yale (s. New Haven), John Hopkins (s. Baltimore), Cornell (s. Ithaca), die Staatsuniversität von Pennsylvanien (Philadelphia), diejenige von Michigan (Ann Arbor), ferner Columbia-College (Neuyork), Princeton-College (Princeton) und mehrere andere. Unter den Colleges für Damen befinden sich Vassar (s. Poughkeepsie), Wellesley (Wellesley in Massachusetts), Smith (Northampton in Massachusetts) u. s. w.; ferner der Harvard Annex zur Harvard-Universität. Ferner giebt es (1893) 275 Indianerschulen mit einer durchschnittlichen Zahl von 16303 Schülern.

In den Colleges und Universitäten wird der Sport im Freien sehr gepflegt. Die Wettkämpfe hervorragender Anstalten Yale, Harvard, Princeton, Cornell u. s. w.) bilden Gegenstände nationalen Interesses. Vgl. Report of the commissioner of education (jährlich, Washington).

Über die Litteratur s. Nordamerikanische Litteratur; über die Kunst s. Amerikanische Kunst; über die Musik s. Nordamerikanische Musik.

Zeitungswesen. Schon 1690 erschien in Boston, aber nur in einer Nummer, die Zeitung "Publick Occurrences". Die erste regelmäßige Zeitung war "The Boston News Letter" seit 24. April 1704, zwei Seiten mit europ. Neuigkeiten, Lokalnachrichten und einer Benachrichtigung des Herausgebers. Im Dez. 1719 erschien auch in Boston "The Gazette". Die dritte Zeitung war der "American Weekly Mercury" in Philadelphia seit Dez. 1719. Ihr folgte in Boston der "New England Courant" (1721), begründet von James und fortgeführt von Benjamin Franklin. Neuyork erhielt 1725 die "New York Gazette". 1740 gab es elf Zeitungen in den Kolonien, davon fünf in Boston, drei in Pennsylvanien. Durch die Freisprechung eines Deutschen John P. Zenger in Neuyork, der gegen den Gouverneur geschrieben hatte, wurde die Grundlage zur Preßfreiheit gelegt. Das erste Tageblatt war: "The American Daily Advertiser" in Philadelphia, 1784 von Benjamin F. Bache begründet, das, allerdings unter manchen Veränderungen, bis heute als "North American" fortbesteht. Andere Blätter folgten; wie in England die Pennypresse, so entstand hier seit 1833 die Zwei- und Ein-Centpresse; so in Neuyork die "Morning Post", die aber bald einging, und "The Sun". Die führenden Tageblätter kosten jetzt 2-3 Cents; die Ein-Centblätter sind kleiner und meist weniger bedeutend. 1895 gab es 17 Zeitungen, die über 100 Jahre bestehen, die älteste, seit 1764, ist der "Courant" in Hartford (Connecticut).

Anfang 1895 erschienen in der Union 20217 Zeitungen und Zeitschriften und zwar in Neuyork 1968, in Illinois 1642, in Pennsylvanien 1447, in Ohio 1137, in Iowa 1065. Am schwächsten ist die Presse vertreten in Montana (89), Neumexiko (63), Utah (64), Idaho (59), Wyoming (41), Arizona (40) und Alaska (3 Zeitungen). Von der Gesamtsumme erscheinen 1988 täglich, 40 dreimal, 329 zweimal, 15196 einmal wöchentlich, 63 alle 14 Tage, 249 zweimal, 2150 einmal monatlich, 33 alle zwei, 158 alle drei Monate und 11 unbestimmt. Charakteristisch für die Zusammensetzung der Bevölkerung und die Kulturstufe der Nationalitäten sind die Ziffern der in nichtengl. Sprache erscheinenden Presse. Von den 1173 Blättern sind 783 deutsch, 71 dänisch, 66 schwedisch, 60 spanisch, 32 czechisch, 49 französisch, 24 polnisch, 19 holländisch, 17 italienisch, 16 hebräisch geschrieben u. s. w. Auch je eine arabische, armenische, griechische und irische kommen vor. Nach dem Census von 1890 war im Zeitungswesen ein