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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Verwaltungsrat - Verwaltungszwang
meinen nichts geändert, denn dasselbe überläßt
<§. 13) die Abgrenzung der Rechtssachen von der
V. der Gesetzgebung der Einzelstaaten, soweit nicht
durch Reichsgesetzc gemeinschaftliche Anordnungen
getroffen worden find.
Auch Österreich bat seit 1867 das große Princip
der Verantwortlichkeit der Regierung auf allen
Gebieten ihrer Thätigkeit gesetzlich festgestellt. Die
besondern Verhältnisse führten dazu, durch Gesetz
vom 22. Okt. 1875 einen Verwaltungsgerichtshof
einzusetzen, der zu erkennen bat in allen Fällen, in
denen jemand durch eine gesetzwidrige Entscheidung
oder Verfügung einer Verwaltungsbehörde in seinen
Rechten verletzt zu sein behauptet. Über den wich-
tigsten Grundsatz in diesem Gesetze, daß nämlich
der Gerichtshof nur Kassationsinstanz sein soll, bat
sich eine grosie Meinungsverschiedenheit ergeben, die
ling (1875), zuletzt von Lorenz von Stein (in Grün-
buts "Zeitschrift für das Privat- und öffentliche Recht
der Gegenwart", Bd. 6, Heft 1 u.^, Wien 1879)
näher durcbgefübrt wird. Eine Sammlung der
^Erkenntnisse des t. t. Verwaltullgsgericktshofs"
wird von Adam Freiberrn von Budwinski (Wien
1878 fg.), eine "Zeitschrift für Gesetzgebung und
Rechtsprechung auf dem Gebiete der Verwaltungs-
rechtspflege" vonSamitsch (Wien 1877-79) heraus-
gegeben. - Vgl. Artikel Rechtsschutz im öffentlichen
Recht im "Österr. Staatswörterbuch", Bd. 2 (Wien
1896); Tezuer, Handbuch des österr. Administrativ-
verfahrens (ebd. 1896).
Für Frankreich ist zu verweisen auf Dareste, 1^
justics Hliminißtrlltivt' eu I^iiiuc^ ou ti'int6 <ki eou-
tentioux cl" I'aäiniinstratioii (1862); Dufour,
'l^its ä6 äioit aäminiZtratit' ^)^1i(iu" (3. Aufl.,
."> Bde., 1869); Ducrocq, (^oni^ ä6 äroit :ulinini-
^ti-Htil (6. Aufl., 2 Bde., 1881); Vuatrin und Batbie,
^oi^ uämiuistrlltivß8 t'iÄn^^i""" (1875); Ionas,
Studien ans dem Gebiete des franz. Civilrechts und
Civilprozeftrechts (Berl. 1870); O. Mayer, Franz.
Verwaltungsrecht (Straßb. 1886); Block, Diction-
uHire dc^ i'Hämwi8trÄtion (3. Aufl. 1890-92);
.yauriou, 1'rüci8 äe äroit mliniuistiiUit' (3. Aufl.,
Par. 1896); für England auf die Werke voll Gneift.
In Italien ist zufolge Gesetzes vom 20. März 1865
die Entscheidung streitiger Verwaltungssachen den
Gerichten übertragen.
Die allgemeine Litteratur über V. ist sehr aus-
gedehnt. Besonders hervorzuheben sind: Bahr, Der
Rechtsstaat (Cassel und Gott. 1864); Stein, Die
Verwaltungslehre (8 Tle., zum Teil in 2. Aufl.,
Stuttg. 1866 -84); ders., Handbuch der Verwal-
tungslebre (3. Aufl., 3 Bde., ebd. 1888); Röster,
Lebrbuch des deutschen Verwaltungsrechts (Bd. 1
in 2 Abteil., Erlangen 1872-73); Schmitt, Die
Grundlagen der Verwaltungsrechtspflege im kon-
stitutionell-nionarchischen Staat (Stuttg. 1878);
Laband, Das Staatsrecht des Deutschen Reichs
<Vd. 2, 3. Aufl., Freib. i. Br. 1895); Earwey, Das
öffentliche Recht und die Verwaltungsrechtspflege
<Tüb. 1880); G. Mever, Lehrbuch des deutschen
Verwaltungsrechts (2. Aufl., 2 Bde., Lpz. 1893-
94); Löning, Lehrbucb des deutschen Verwaltungs-
rechts (ebd. 1884); O. Mayer, Dentsches Verwal-
tungsrecht, Tl. 1 (ebd. 1895); Wörterbuch des
deutschen Verwaltungsrechts, hg. von Freiherrn
von Stengel (2 Bde. und 2 Ergänzungsbände,
Freib. i. Br. 1890-93).
Verwaltungsrat, s. Aufsichtsrat.
Prockhans' Konversationslexikon. 1 >. Nusi,. XVI.
Verwaltungsrecht, s. Verwaltungc'gerichts-
bartcit.
! Verwaltungssachen, diejenigen Angclegen-
beiten, deren Erledigung den Staatsverwaltungs-
behörden und nicht den Gerichten zusteht. Das sind
die auswärtigen Angelegenheiten, die innern An-
! gelegenheiten (welche die Sicherheit^- und Wohl-
! fahrtspolizci, das Medizinal- und Unterrichtswesen,
die Kunst und die Presse, die Fürsorge für die Armen
und Irren und andere hilfsbedürftige Personen,
das Verhältnis des Staates zur Kirche und zu den
Gemeinden, die Socialpolitik, die öffentlichen Wah-
len, das Gewerbe, den Handel und die Landwirt-
schaft, das Geldwesen, die Straften, die Wege, die
Scbiffabrt, die Dämme und die Gewässer betresfen
u. s. w.), die Finanzsachen und die Militärsachen,
^n Deutschland gehören die V. entweder nach Maß-
gabe der Reichsverfafsung und der Reichsgesetz-
gebung zu den Angelegenheiten des Reichs oder der
! Einzelstaaten. Die Entscheidung der Kompetenz-
streitigkeiten zwischen Justiz und Verwaltung ist in
den meisten deutschen Staaten (Preußen, Bayern,
! Sachsen, Württemberg, Braunschweig, ^ldenbnrg,
! Eoburg-Gotha, Reuß j. L., Naldeck) einem besondern
! Gerichtshof, nach Maßgabe der Bestimmungen des
! Gerichtsverfassungsgesetzes, in Bremen dem Reichs-
^ gericbt, in Hessen dem obersten Verwaltungsgerichts-
bof überwiesen. Über Verwaltungsgerichtsbarkeit
s.d. Dort auch die Litteratur über Verwaltungslehre.
Verwaltungstruppen, besondere Trnppen-
abteilungen in einzelnen Heeren, die nickt Gefechts-,
- sondern nur Verwaltungswegen dienen. In
Deutschland taun man als V. ansehen die Militär-
bäcker und Okonomiehandwerker. In Frankreich
I werden zu den trou^es "I'tnlminikti-ntimi die Set-
tionen der Schreiber, Arbeiter und Krankenwärter
und die Sektionen der Schreiber des Generalstabes
^ und der Rekrutierung gerechnet.
Verwaltungsvermögen, s. Staatsvermögen
und Kämmerei.
! Verwaltungszwang. Die im Begriffe des
! Staates liegende Zwangsgewalt behnfs Erfüllung
der staatlichen Ge- und Verbote und damit Erhal-
tung der staatlichen Ordnung stand und steht den
betreffenden Organen der Staatsgewalt zu. Über
die Trennung von Justiz und Verwaltung s. Ver-
waltungssachen und Verwaltungsgerichtsbarkeit.
Der '^wangsgewalt des Staates gegenüber steht die
Geborsam5pflicht der Unterthanen; diese ist Gesetzen
und gerichtlichen, rechtskräftig gewordenen Urteilen
gegenüber eine völlig unbedingte; den Anordnungen
der übrigen Bebörden wird nur der sog. verfassungs-
gemäße Gehorsam geschuldet und nur im Rahmen
von Verfassung und Gesetz befindet sich der Beamte
in "rechtmäßiger Ausübung seines Amtes" und
dem entsprechenden strafrechtlichen Schutze (Reichs-
strafgesetzbuch ß. 113). Der V. im engern Sinne
ist recht eigentlich die Aufgabe der Polizeibeamten
(Schutzleute, Gendarmerie); einzelne Verwaltungs-
zweige, fo besonders die Forst- und die Zollverwal-
tung, haben ihr besonderes Personal an Vollzugs-
organen. Im äußersten Falle ist den staatlichen
Vollzugsbeamten die Anwendung der Waffe ge-
stattet <s.Wafsengeln'auch), und es kann selbst, wenn
alle übrigen Mittel versagen, Militär zu polizei-
lichen Zwecken requiriert werden. Letzterer Grundsatz
ist auch durch die Reichsverfafsung Art. 66^ aner-
kannt und dieses Reckt den Landesherren der Einzel-
staaten bezüglicb aller innerbalb ihres Gebietes dis-
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