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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Vesuviān; Vesuvīn; Veszprem-Palota; Veszprim; Vētālabhatta; Vetan; Veterānen

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Vesuvian - Veteranen

Mittel 30° Gehänge. Am Fuß dieses Eruptionskegels befindet sich die Station der 1880 eröffneten, 820 m langen Drahtseilbahn, auch eine Restauration; vermöge dieser Bahn gelangt man fast auf den Gipfel. Die Gestalt des Gipfels verändert sich stets, an der Auswurfstelle pflegt der V. durch emporgeschleuderte Steine sich eine Art von Schornstein zu bauen, den er oft wieder umstößt. Auf den untern sanften Gehängen wohnen über 80000 Menschen auf äußerst fruchtbarem Boden, den folgende Städte, vielfach zusammenhängend, bedecken: Portici, Resina, Torre del Greco, Torre Annunziata und Boscoreale, dann etwas höher San Giorgio, Massa, San Sebastiano, Boscotrecase, dann nördlich Sta. Anastasia und Somma, nordöstlich Ottajano. Der Abhang fast bis zur halben Höhe trägt reiche Vegetation, namentlich Wein (s. Lacrimae Christi). Der obere Teil des Berges ist wüst und kahl, nur das Observatorium mit seinem Garten bildet eine Oase.

Den Alten galt der V. bis zum Febr. 63 n. Chr. für erloschen, als Herculanum und Pompeji zuerst teilweise zerstört wurden, 64 wurde Neapel betroffen und im Aug. 79 erfolgte der gewaltige Ausbruch, der Pompeji, Herculanum, Stabiä verschüttete und Plinius dem Ältern das Leben kostete. Heftige Eruptionen geschahen 203, 472, 512, 685, 982, 1036, 1139. Hierauf folgte eine lange Pause. Ende 1631 geschah wieder einer der furchtbarsten Ausbrüche, der schreckliche Verheerung anrichtete und bei dem 3000 Menschen ums Leben kamen, und von da an ungefähr alle 10 Jahre eine Eruption; 1794 ward Torre del Greco beinahe vollständig zerstört. Im 19. Jahrh. war die Eruption von 1822 am verheerendsten. Der letzte große Ausbruch erfolgte im April 1872. Der Kegel barst an der Nordseite und entsandte einen Lavastrom, der Gipfelkrater schleuderte glühende Lavaschlacken, Steine und Asche etwa 1300 m in die Höhe. Die Lava füllte in ihrem Hauptstrom den Fosso della Vetrana, ergoß sich schnell in den Fosso di Faraone, teilte sich abermals, der linke Strom verwüstete die Ländereien von Le Novelle, der rechte floß zwischen Massa und San Sebastiano durch und riß von jeder Stadt ein gutes Stück fort. In 13 Stunden hatte dieser Strom 5 km zurückgelegt. Die Lavamasse betrug 20 Mill. cbm. Am 1. Mai war die Eruption beendigt. Im Juli und Dez. 1895 erregten neue starke Auswürfe Besorgnis, die aber durch plötzliches Nachlassen der Eruptionen gehoben wurde.

Vgl. Roth, Der V. und die Umgebungen von Neapel (Berl. 1857); vom Rath, Der V. (ebd. 1873); Palmieri, Incendio Vesuviano 1872 (deutsch von Rammelsberg, ebd. 1872); ders., Storia del Vesuvio (Neap. 1882); Furchheim, Bibliografia del Vesuvio in der «Bibliografia della Campania» (Bd. 1, ebd. 1895); Schneer und von Stein-Nordheim, Der V. und seine Geschichte (2. Aufl., Karlsr. 1896); Baratta, Il Vesuvio, sua descrizione e storia delle sue eruzioni (Rom 1897).

Vesuviān oder Idokras, ein tetragonales, glasglänzendes Mineral, das meist durch Vorwalten der Prismen säulenförmige (s. nachstehende Abbildung), seltener tafelförmige oder pyramidale Krystalle bildet: die Hauptfarben sind Grün und Braun in allen Abstufungen, auch Gelb; manche Varietäten sind durchsichtig, andere kaum durchscheinend. Die Härte beträgt 6–7, das spec. Gewicht etwa 3,5. Chemisch ist der V. ein Silikat namentlich von Thonerde und Kalk mit etwas Eisenoxydul und Magnesia in recht schwankenden Verhältnissen, wozu ein Gehalt an Wasser tritt, das erst in der Glühhitze entweicht. Gewisse V. enthalten geringe Mengen von Fluor, andere solche von Manganoxydul oder Titansäure. Er findet sich unter andern in schönen Krystallen, namentlich in Kalksteinen, die durch Granit kontaktlich verändert wurden, am Monte-Somma beim Vesuv (daher der Name), zu Ala in Piemont, am Monzoni in Tirol, zu Egg in Norwegen, am Wiljuifluß in Sibirien, zu Achmatowsk am Ural, als radial-stengeliges Aggregat zu Haslau bei Eger in Böhmen, welche Varietät Egeran genannt wird. ^[Abb. Vesuvian] ^[Spaltenwechsel]

Vesuvīn, s. Bismarckbraun.

Veszprem-Palota, ungar. Groß-Gemeinde, s. Palota.

Veszprim, Weßprim, ungar. Veszprém. 1) Komitat in Ungarn, grenzt im N. an die Komitate Raab und Komorn, im O. an Stuhlweißenburg, im S. an Tolna, Somogy und Zala, im W. an Eisenburg und Ödenburg und hat 4166,36 qkm und (1890) 215280 meist kath. magyar. E. (35969 Deutsche, 1971 Slowaken), darunter 68941 Evangelische und 10220 Israeliten. Das Land enthält den größten Teil des Bakonyer Waldes und das Nordostende des Plattensees, ist im ganzen wellenförmig, hügelig, reich an Getreide, Wein, Obst, Tabak, Gemüse, Holz, guten Viehweiden, Fischen, und liefert außerdem Steinkohlen und Alaun. Das Komitat umfaßt die Stadt mit geordnetem Magistrat und Hauptstadt V. und 5 Stuhlbezirke. – 2) Stadt mit geordnetem Magistrat und Hauptstadt des Komitats V., an dem zur Sarviz fließenden Sed und der Linie Stuhlweißenburg-Kis-Czell der Ungar. Staatsbahnen, Sitz eines Bischofs, der Komitatsbehörde, einer Finanzdirektion und eines Gerichtshofs, hat (1890) 12655 meist kath. magyar E. (830 Deutsche), darunter 1451 Evangelische und 1538 Israeliten, ein bischöfl. Schloß mit Säulenhalle auf einem hohen Felsen, eine prächtige Domkirche (14. Jahrh.), die schöne Giselakapelle (11. Jahrh.), ein Wasserwerk, eine theol. Diöcesanlehranstalt, ein Piaristen-Obergymnasium, eine Versorgungsanstalt für Priester, mehrere Klöster, eine Synagoge; Garten-, Wein- und Getreidebau. Außer Pápa (s. d.) und Palota (s. d.) sind erwähnenswert die Groß-Gemeinde Devecser (4339 E.) und die Klein-Gemeinde Somlyó-Vásárhely (1920 E.) am Fuße des Basaltberges Somlyó (436 m), wo der ausgezeichnete Somlyóer oder Schomlauer Wein gebaut wird.

Vētālabhatta, s. Indische Litteratur.

Vetan, Dorf in Graubünden, s. Fettan.

Veterānen (lat.), alte gediente Soldaten oder Halbinvaliden. Bei den alten Römern waren V. (Veterani), seit es ein stehendes Heer gab, Soldaten, die ihre Dienstzeit vollendet und einen ehrenvollen Abschied erhalten hatten. Diese Dienstzeit betrug im 1. Jahrh. v. Chr. 20 volle Jahre hintereinander, in der Kaiserzeit 16 Jahre für die prätorianischen Kohorten, 20 für die Legionen. In der Regel erhielten sie damit zugleich Belohnungen in Geld, später gewöhnlich in einer Ackeranweisung, das Bürgerrecht, wenn sie es noch nicht besaßen, das Connubium für ihre Ehe mit einer Nichtbürgerin, Befreiungen von öffentlichen Lasten. Sulla war der erste, der seinen V.