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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Vichstar - Viehzählungen
Rücksicht auf ihre Enstenz zu beobachten sind, so
die Überwachung des Viehes bei größern Ansamm-
lungen durch die Polizei, welche bei allen Vieb- und
Pferdcmärkten stattfinden muß, bei andern Vieb-
ansammlungen angeordnet werden kann, und die
Verpflichtung der Eisenbabnen zu ständiger Des-
infektion der zum Viehtransport benutzten Vagen
nach jedesmaligem Gebrauch, fowie der Gerätschaf-
ten, Rampen, Viehhöfe, Ein- und Ausladeplätze.
Alle auf Grund dieser gesetzlichen Bestimmungen er-
lassenen Anordnungen sind Polizeiverordnungen und
ihre Nichtbeachtung ist mit verschiedenen Strafen be-
droht. - Mit Österreich-Ungarn wurden die gegen-
seitig zur Abwebr von V. zulässigen Maßnabmen
lVerlangen von Ursprungszeugnissen ^Pässeni, Ein-
fuhrverbote u. s. w.) vertragsmäßig festgelegt durch
das Vichseuchenübereintommcn vom i,. Dez. 1891.
- Vgl. Göring, Die Veterinärpolizeiverwaltung
nach den reichsgesetzlichen Bestimmungen sMünch.
und Lpz. 1882; ä. Aufl. u. d. T. DieViehseuchcn-
gesetze des Teutschen Reichs und des Königreichs
Bayern, Münch. 1895); Veyer, Viehfeuchengcsetze
l4. Aufl., Verl. 1897); Esser, Artikel V. in von
Holtzcndorffs "Rcchtslcrikon", III, 1141 fg.; Iolly,
Veterinärpolizei in Schönbergs "Handbuch der polit.
Ökonomie"; Dammann, Artikel V. in Stengels
"Wörterbuch des deutfchen Verwaltungsrechts";
Artikel Tierseuchen im "Dsterr. Staatswörterbuch",
Bd. 2 Wien 1897).
Viehstar l>lolot^u8), Kuhstar, Kubvogel,
ein aus acht Arten bestehendes, vom ^a Plata bi>>
an die Südgrenze Canadas verbreitetes Geschleckt
aus der Vogelfamilie der Stärlinge (s. d.). Die
meist bis stargroßen schwarzen Vögel leben von In-
sekten, aber auch von Sämereien, und werdeu daber
dem Maisbau oft schädlich. Sie legen, wie die
Kuckucke, ihre Eier iu die Nester anderer Vögel.
Viehversicherung, eiue auf Tiere angewandte
Lebensversicherung, die sich meist uur auf Pferde,
Esel, Maultiere, Rinder, Schafe, Ziegen und
Schweine erstreckt. Die V. wird jetzt übemll uur
auf Gegenseitigkeit und zwar teils vom Staate oder
vou einzelneu Provinzen auf Grund der Reichs-
gesetze zur Bekämpfuug gewisser Viehseuchen imit
Versicherungszwang für die betreffenden Tiergattun-
gen), außerdem in Bayern für andere Viehvcrluste
vou der staatlichen Viehversicherungsanstalt (mit
freiwilligem Beitritt) und im übrigen von privaten
Gegenseitigkeitsgesellsckaften betrieben. Tie Grün-
dung einer lebensfähigen Viehversicherungsbank auf
Aktien ist noch ein ungelöstes Problem. Die V. be-
zweckt den Ersatz des materiellen Verlustes an Vieh-
werten durch Unfall, Krankbeit und Seuchen lRotz,
Wurm, Rinderpest, Bläbsucht, Milzbrand, Klauen-
und Lungenseuche, Trichinen und Finnen u. s. w.).
Die V. ist noch nicht sehr ausgebildet, wenngleich in
neuerer Heit vielfach mit Glück Versuche zur Ge-
winnung zuverlässiger Statistik gemacht wurden.
Die Vorläufer der heutigen Gesellschaften waren die
im 18. Jahrh, gegründeten Kuhgilden in Holstein,
Ostfriesland u. s. w. und die noch ältern Ortsvieh-
tassen in Holland, sowie einige wieder untergegan-
gene moderne Schöpfungen.
Der Betrieb der V. wird sehr erschwert durch die
Notwendigkeit genauester Kontrolle zum Schutz
gegen Betrugsversuche. Die größern deutschen pri-
vaten Gesellschaften dieser Branche bestehen in Ber-
lin (Centralviebvcrsichernngsverein, Viebversicke-
rungsbank für Deutschland und Veritas), Köln,
(5ötben, Braunschwcig, Dresden <die Sächsische
und die Vaterländische), Nlzen, Perleberg, Lübeck,
Schwerin, Wittenberge, Karlsruhe, Stuttgart. Die
allgemeinen Versicherungsbedingungen schließen be-
reits erkrankte oder mit die Nutzung beeinträchtigen-
den Gebrechen bebaftete Tiere aiw; Verluste durch
Krieg, Aufruhr, Erdbeben werden nicht entschädigt.
Der Gesundheitszustand und die Wertschätzung de5
zur Versicherung beantragten Viehes muß durch den
Tierarzt oder durch Sachverständige geprüft und be-
scheinigt werden. Der Antrag muh auch das Signale-
ment jedes Stücks Vieh enthalten. Die Gültigkeit
der V. ist von der pünktlichen Anzeige über Wechsel
und Vermehrung des Viehstandes sowie von der
Befolgung der veterinärpolizeilichen Vorschriften ab-
hängig. Beim Absterben versicherter Tiere ist ein
ordnungsmäßiger Krankenbericht des Arztes einzu-
liefern. Der Erlös aus dem Verkauf der Überreste
von gefallenen Tieren wird bei einer Entschädigung
zu Gunsten des Versickerers in Anschlag gebracht.
Man unterscheidet noch Weideversickerung in Marsch-
gegenden, Rennversicherung, Kastrationsversiche-
rung. Den: Versicherer ist die Kenntnis der Gesetze
betreffend die Abwehr und Unterdrückung der Vieh-
seuchen unentbehrlich. In Prenhen bestehen gegen
5)500 kleine lotale Vereine (Kuhladen, Viehkafsen)
mit etwa 700000 Teilnehmern, bei denen 1^ Mill.
Tiere mit etwa 200 Mill. M. versichert sind. Bei den
1<" größern deutschen privaten Viehversicherungs-
gesellschaften betrug Ende 1895 die Versickerungc-
summe 99 Mill. M., wovon die Sächsische Viehvev
sicherungsgesellschaft in Dresden weitaus mit dem
größten Betrage (24,7 Mill.) beteiligt war. Hierzu
tritt noch die Bayrische staatliche Viehversicherungs-
anstalt mit einer Versicherungssumme von .^4 Mill.
M. Die Statistik der V^ außerhalb Deutschlands ist
besonders mangelhaft; es ist nickt möglich, einiger-
maßen zuverlässige Ziffern zu ermitteln. - Vgl.
A. ^aeger, Zustand und Wirksamkeit der Viehver-
sicherungs - Genossenschaften in der Rheinprovmz
iKöln 1883); derf., Die Bedeutung der V. für die
Hygieine (ebd. 1882); Emminghaus, Die V. "im
"Handwörterbuch der Staatswissenschaften", Bd. (>,
Jena 1,^91); Brämer, Tie V. (in "Das Ver-
sickerungvwesen", 17. Bd. des Frankensteinschen
"Hand- und Lehrbuchs der Staatswissenschasten",
^pz. 1894); A. Iaeger, Geschichte der deutschen V.
(Köln 1890).
Viehverstellung, Viehleihe, Viebpacln,
Einstcllviebvertrag, im allgemeinen ein Ver-
trag, durch welchen jemand iVersteller) einem
andern (Einsteller) Vieh (Einstellvieh) zur
Nutzung überläßt gegen die Verpflichtung, es zu
füttern und zu warten. Wegen des dem Versteller
oft zufallenden wucherlichcn Gewinns ist nach Ge
werbeordn. H. '">."> seit Novelle vom 19. Juni 189.'"
polizeiliche Ilntersagung der gewerbsmäßigen V.
dei Unzuverlässigleit statthaft.
Viehwage, eine mit Einrichtung zum Auftreilxn
des Viebes und meist mit Einzäunung vcrfehene
Decimal- oder Eentesimalwage, die für die Kontrolle
der jnltterwirkung beim Mästen und beim Verkauf
des Nutzviehes in den Wirtschaften unentbehrlich ist
(f. Tafel: L a n dwirtfchaft l i ck e G c rate u n d
Maschinen IIl, ^ig. 2). Meist ist Ehamerovs
selbstthätiger Registrierapparat is. Brückenwage nebst
Fig. 1) damit verbunden.
Viehwagen, s.Betriebsmittel (der Eisenbahnen).
Viehzählungen, s. Bd. 17.