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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Viscount - Visier
Viscount (engl., spr. wcikaunt), s. Vieomte. !
Vi8onni /^., stiftet, Pflanzengattung aus der
7vamilie der ^orantbaeeen ls. d.) uiit gegen.'><) Arten, '
meist in den wärmern Gegenden der Alten Welt,
strauchartige immergrüne Vaumschmarotzer. In
Deutschland ist nur die weiße Mistel, V. allnmi
/.. <s. Tafel: H y st er o p b v t e n II, Fig. 1), einbei-
nüi'ch, die sowobl auf ^aubhölzern als auch auf Na-
delbäumen vorkommt llnd die Gestalt eines start
verzweigten, mit gabelartig geteilten Olsten besetzten
Busches besitzt. Die zweibäusigen Blüten sind uu-
ansebnlich, sitzen in kleinen Knäueln an den Zweig-
enden und besteben aus eiueur drei- bis vierteiligen
Veriantb, vier Staubgefäßen oder einem nnterstän- ^
digen Fruchtknoten mit auffitzender Narbe. Die ^
frucht ist eine drei- bis viersamige Beere. ^)bwobl z
die Mistel reichlich Eblorophyll enthält, lebt sie dock i
als echter Parasit und schädigt ihre Wirtspflanzen !
durck Entziebung von Näbrftoffeu ganz bedeutend. !
Die Organe, mittels deren sich die Mistel in der ^
Wirtspflanze befestigt und aus derselben Näbrstofse !
entnimnit, sind Denker, die in radialer Richtung
in das Holz eiildringen, und Rindenwnrzeln,
die zwischen Rinde und Holz in der Längsrichtung
des Astes verlaufen. Die Tbätigkeit diefer Wurzeln
ruft starke Anschwellungen und bäusig auch Krebs- ^
wunden an den befallenen stellen bervor.
Die reifen Beeren der ^tistel werden von mebrern
Mogeln, besonders der sog. M i st eldr o s sel <s. Dros-
sel", gefressen, die Samen werden mit den Fäces auf
andere Bäume übertragen und so weitbin durch dieseu !
,!ugvogel verbreitet. Außerdem werden die Beeren
zur .Verstellung des Vogelleims (s. d." benutzt.
Der Mistel st rauch spielt sowobl in der antiken ,
wie in der nordischen Mvtbologie eine Rolle; nach ,
dem (klauben der l^riecben sollte ein Zweig des
Strauchs die Pforten der Unterwelt öfjncn, bei den
nordifcben Völkern galt die Mistel als Schutzmittel
gegen Zauberei u. dgl., besondere solcbe 'Nisteln, die ^
auf Eichen <wo sie nur selten vorkommen) gewachsen !
waren. In England bat noch jetzt der >1i<ti0't<^ l
bei der Weibuacktsfeier eine fnmbolische Bedeutung. !
Vise^rad lspr. wische-, d. i. Höbe Feste", deutsch
P liuteu b u rg, l^rosi-l^euieinde im ungar. .""iomitat
Pest Pili'>-^olt->Ueiukumanien, am rechten Donail
ufer, gegenüber von Nagv-'))larov, an der ^inie ,
'^iarchegg Budapest l^tation Nagv-Mavov-V.) der !
Ungar, ^taat^babnen, bat ^W> li.^.<> meist deut-
sche (5. In der Nabe die Nninen der einstigen .^tönigo- ^
bürg B., die sich auf einem i?17 n" boben ^rachvt^ !
legel über der Donau erbob. Die Türken eroberten z
l5)^l> B. und zerstörten e^' bierauf tau: der ^rt bald ^
in die Hände der Cbristen, bald in die der Mobam- ,
niedaner', ^i.^-l: winden letztere dauernd vertriebeu. -
Dvc Festungswerke wurden 1702 gesprengt. In !
neuester ^eit ist dac> leblos; restauriert und in den ^
benachbarten Waldungen finden Hofjagden statt. !
Vi^egrad (fpr. wische-), Hailptstadt de^> Bezirke j
B. (l<^742 (5.) im boon. .^lreis ^erajewo, l<> Iv^n von i
der serb. (Grenze, in ."".')-2 in Höbe, an der Mündung !
des Nzav in die Drina, über welcke bier eine schöne, !
im 16. Iabrb. erbante ^teinbrücke fübrt, und an der ^
Heerstraße aus Pribos über))iogatiea uacb ^erajewo, !
bat <1885) 1^>l):> meist mobammed. (5., in l^arnison !
ein Bataillon des <>!. ^nfanteriereginients "Panl ^
Alerandrowitsch, Großfürst von Rußland", ^üdlick !
über der ^Ztadt auf steilem ^els die Rnine des i
Schlosses V., welckes der Stadt den Namen gab. I
Viöehrad, in Böbillen, f. Wysehrad. ^
Visella, Vizela, portug. Badeort, s. Caldas.
Viseu, portug. Stadt, s. Vizen.
Visha, s. Pfeilgifte.
Vifhnu (Wiscknn), im Vrahmanismus einer
der drei Hauptgötter (s. Trimurti). An V. sind sebon
im Rigveda einige bieder gerichtet; doch spielt er in
der ältesten Religion der Inder keine hervorragende
Rolle. (5r erscheint dort als Verbündeter des Indra
und es wird von ibm gerübmt, daß er die ganze Welt
mit drei Schritten durchmessen babe,eine Tbat, die ihm
die spätere Mvtbologie in seiner Verkörperung als
->werg Bali zuschreibt. Später ist V. unzweifelhaft
der populärste Gott und die Zahl seiner Verehrer,
der V a i s h n avas, in beständigen: Wachstum. Be-
sonders baben dazu zwei seiner zehn Verkörperungen
oder Avataras (s. d.) beigetragen, die als Rama
ls. d.) und als .Nrischna (s. d.). Um Götter oder
Menschen von irgend einem Nbel oder Unheil zu be-
sreien, uabm V. zebn verschiedene Gestalten an, als
^isch, Sckildkröte, Eber, Mannlöwe, Zwerg Bali,
Paracuräma, Ranla, ^trischna, Buddha und des
.stalti,' als welcher er erst in der Zukunft als Befreier
seines Volks erscheinen wird. Seine Frau ist
^aksebmi (s. d.), sein Lieblings- und Reittier der
Vogel Garuda, der Schlaugentöter. Dargestellt
wird er mit schwarzem oder duukelblauem .Nörper und
vier Armen, in den Händen trägt er Kenle, Muschel,
Diskos und ^olos. Bald sitzt er auf einem ^otos,
bald rnbt er im Rlilänueer auf der Schlange Ananta,
zn seineu Füßen ^akschnli, während aus seinem Nabel
eine Lotosblume entsprießt, auf der Brahman sitzt.
Viftbel <lat.), sichtbar.
Visier "frz. vi8i<>i-"), der bintere, dem Ailge des
Zielenden sRicbtenden) zunächst besindliche Teil der
Visiereinrichtung < s. d.". Das V. ist eine Metallplatte,
die mit ibrem untern Teile am !^auf oder Geschütz-
rohr befestigt ist und im obern Teil einen scharfen
Einschnitt, die sog..Nimme (in Österreich Grinset),
von dreieckiger, an einzelnen '))todellen von viereäi-
ger oder von segmentartiger Form bat. Bei Geschütz-
robren liegt das V. gewöbnlich ill einem Au ff atz
lf. d. und Gefchi'ltz), der entweder in das Rohr einge-
lassen ist und auf und nieder geschoben werden kann,
oder anf dasfeloe anfgesetzt wird und dann mit einem
Visierschiederversebenist.BeiHandfeuerwaffeiiunter-
sckeidet man Standvisier, welches fest auf dein
^auf l^aufmantel) angebracht ist, .Ulappenvisier
lVisierklappe, kleine .Nlappe", aus einem System von
.Ulappen bestebend, die mit Kimmen verseben sind und
aufgerichtet werden können, und V., bei denen der Teil
mit dem Visiereinschnitt ans einem klappenförmigen
Rabmen ua ck oben und unten verschiebbar eingerichtet
ist lbei dem Gewebr der deutschen Armee große klappe
genannt): letztere sind meistenteils Sckie b erv isiere,
auck wobl ^.uadranteil- und Treppenvisiere,
bei denen eine mit Visiereinschnitt versebene klappe
allmäblich aufgerichtet oder verschoben werden kann.
Die Seitenteile des Rahmens tragen Ziffern, die
die Entfernungen angeben, und auf die der beweg-
liche Teil <Visierschieber) eingestellt wird.
Bei manchen zum Feldmessen bestimmten ^>n-
strnmenten beißt V. der feine lotrechte Einfchuitt an
der bmtern aufreckt stehenden Platte, durch den man
siebt, um den vordem Teil des Instruments in
eine bestimmte Richtung zu dringen.
V. oder Hel m stürz hieß auch der Teil des Ritter-
belms, der das Gesicht schützte; er war durchbrochen,
um ^uft einzulassen und seben zu können, konnto
auch ganz aufgeschlagen werden. ^S. Helm.)