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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Visconti (Ennio Quirino) - Viocosität

gest. 13. Aug. 1447) und Gabriele Maria (enthauptet zu Genua im Sept. 1408) teilten wieder das Land unter sich, welches unter den von den Condottieri geführten unaufhörlichen Kriegen unsäglich litt. Aus der äußersten Bedrängnis vermochte sich Filippo Maria, der keine Söhne hatte, schließlich nur zu retten (1441) durch Vermählung seiner Tochter Bianca Maria V. (gest. 23. Okt. 1468) mit Francesco Sforza (s. d.), seinem frühern Feldhauptmann. Mit Filippo Maria erlosch 13. Aug. 1447 die Hauptlinie der V. im Mannsstamm; Nebenlinien, aus denen mehrere namhafte Feldherren und Gelehrte hervorgingen, bestehen noch jetzt in der Lombardei. - Vgl. Litta, Storia genealogica e cronologia delle più celebri famiglie italiane, Bd. 1-3 (Mail. 1849 fg.); Magenta, I Visconti e gli Sforza nel castello di Pavia (2 Bde., ebd. 1883); Jovius, Vitae duodecim vicecomitum, Mediolani principum (Par. 1549); E. Kagelmacher, F. M. V. und König Sigismund (Berl. 1885); P. E. Decembrii, Vita Philippi Mariae Vicecomitis (bei Muratori, "Rerum Italicarum scriptores", Bd. 20). Über Bianca Maria vgl. M. Caffi, B. M. Visconti-Sforza, duchessa di Milano (Mail. 1886); Seguso, B. M. V. e Francesco Sforza (Vened. 1878); Calvi, B. M. Sforza-Visconti (Mail.1888).

Visconti, Ennio Quirino, ital. Archäolog, geb. 1. Nov. 1751 zu Rom als Sohn des Giambattista Antonio V. (geb. 1722), der Präfekt der Altertümer unter Clemens XIII., XIV. und Pius VI. war und 2. Sept. 1784 starb. Vom Vater selbst unterrichtet, übersetzte V. im vierzehnten Jahre die "Hecuba" des Euripides in ital. Verse (gedruckt 1765). Er wurde zum Nachfolger seines Vaters bestimmt, und der Papst ernannte ihn zum Ehrenkämmerer und Kustos der Vaticana, auch war er bei der von seinem Vater begonnenen Herausgabe des "Museo Pio-Clementino", Bd. 1 (Rom 1782), vorzugsweise thätig. Als 1787 der von ihm besorgte 2. Band herauskam, ernannte ihn Pius VI. zum Konservator des Museum Capitolinium. 1785 gab V. über die Funde in dem Grabe der Scipionen die Schrift "Monumenti degli Scipioni" heraus, 1787 erschienen "Monumenti scritti del museo del signor Tommaso Jenkins", denen 1788-1807 Bd. 3-7 des "Museo Pio-Clementino" folgten. Inzwischen kamen auch die "Osservazioni sopra un antico cammeo rappresentante Giove Egioco" (Padua 1793) und "Monumenti Gabini della villa Pinciana" (Rom 1797) heraus. Die röm. Revolution von 1797 veranlaßte V., der sich lebhaft an derselben beteiligt hatte, zur Auswanderung nach Frankreich, wo er 1799 Aufseher der Sammlungen des Louvre und Professor der Archäologie, 1803 Konservator der Altertümer und Mitglied des Instituts wurde. V. organisierte nun seine Abteilung des Museums und gab den Katalog heraus, dessen letzte von ihm besorgte Ausgabe 1817 u. d. T. "Description des antiques de Musée royal" erschien; ebenso 1802 die "Description des vases peints du Musée" und 1803 die Explication de la tapisserie de la reine Mathilde". Dann folgte sein Hauptwerk, wozu Napoleon die Anregung und die Mittel gab: "Iconographie grecque" (3 Bde., Par. 1808) und der 1. Band der von Mongez vollendeten "Iconographie romaine" (4 Bde., ebd. 1817-33). V. wurde 1817 nach England eingeladen, um die von Lord Elgin heimgebrachten Skulpturen vom Parthenon abzuschätzen. Nach seiner Rückkehr gab er ""Mémoires sur les ouvrages de sculpture du Parthénon, etc." (Par. 1818) heraus. Er starb 7. Febr. 1818. Seine "Illustrazioni de monumenti scelti Borghesiani" veröffentlichten de Rossi und Piale (Rom 1821), eine vollständige Ausgabe seiner Werke Labus (Mail. 1818 fg.).

Sein Bruder Filippo Aurelio V., der als Fortsetzung das "Museo Pio-Clementino" mit Guattani das "Museo Chiaramonti" herausgab, starb 30. März 1831 zu Rom. - Ein zweiter Bruder, Alessandro V., geb. 12. März 1757 zu Rom, war Arzt, machte sich aber auch durch eine Beschreibung der Villa Aldobrandini, durch eine numismat. Zeitschrift und mehrere Abhandlungen als Archäolog bekannt und starb 7. Jan. 1835 zu Rom. - Ennio Qirinos Sohn, Luigi V., geb. 11. Febr. 1791 zu Rom, schon als Kind nach Frankreich gekommen, hat sich unter den franz. Architekten als Schüler Perciers einen Namen gemacht. Er schuf Napoleons I. Grabmal im Invalidendom. Sein größtes Werk, die den Louvre mit den Tuilerien verbindenden Bauten, war in der Ausführung begriffen, als er im Dez. 1853 zu Paris starb. - Ein Neffe Ennio Quirinos, Sohn von Alessandro V., war Baron Pietro Ercole V., bis 1870 Kommissar der röm. Altertümer, Direktor der vatikanischen Kunstsammlungen, bekannt durch zahlreiche archäol. Schriften und ein großes Wörterbuch über die berühmten Familien des Kirchenstaates (9 Bde., Rom 1847 fg.). Er starb 1880. - Sein Brudersohn Carlo Lodovico V., geb. 1818, gest. 20. Juni 1894, war Direktor der päpstl. Museen in Rom und hat sich als Mitarbeiter an dem "Bulletino" der Commissione archeologica municipale (Rom 1872 fg.) hervorgethan.

Visconti-Venosta, Emilio, Marchese, ital. Staatsmann, geb. 22. Jan. 1829 in Mailand, trat nach Mazzinis Putsch von 1853 zur sardin.-monarchischen Partei über und machte 1859 sein Haus zu einer Sammelstelle für die lombard. Freiwilligen. Deshalb verfolgt, floh er nach Piemont, um alsbald mit Garibaldi als sardin. Kommissar zurückzukehren. An Farinis Seite betrieb er dann die Angliederung von Parma und Modena und später 1860 Neapels; dazwischen war er mit Graf Pepoli in Paris thätig. In die Kammer 1860 gewählt, übernahm er unter Minghetti im März 1863 an Pasolinis Stelle das Ministerium des Auswärtigen, in das er im Dez. 1862 als Generalsekretär eingetreten war; nachdem er die Septemberkonvention 1864 abgeschlossen hatte, legte er diese Stellung nieder, nahm sie aber unter Ricasoli Juli 1866 bis April 1867 wieder auf, bekleidete sie auch unter Lanza und Minghetti 1869-76 und übernahm sie Juli 1896 unter Rudini von neuem. Zum Marchese wurde V. 1876, zum Senator 1886 erhoben. Er hat die Einverleibung von Venedig und Mantua und von Rom vollzogen, das Garantiegesetz abgefaßt und war an der Anbahnung des Dreibundes beteiligt. Mit Unrecht wurde ihm eine 1889 anonym erschienene Schrift zugeschrieben, die sich gegen letztern richtet: "L'Italia nel 1859-89".

Viscosimeter (lat.-grch.), Apparat zur Prüfung der Zähflüssigkeit (Viscosität) einer Flüssigkeit, besteht aus einem Gefäß mit einer engen Ausflußmündung. Die Zeit des Ausfließens einer bestimmten Menge der Flüssigkeit gestattet einen Schluß auf deren Dickflüssigkeit. Das Englersche V. ist besonders bei der Prüfung von Petroleum gebräuchlich.

Viscosität, s. Reibung.