Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Volūte; Volvox; Volvŭlus; Volz; Vomer; Vomĭca; Vomicīn; Vomitīv; Vomĭtus; Vondel

407

Volute - Vondel

strittene Hauptquelle german. Mythologie. Die Völva (fälschlich auch Vala, Wala, d. h. die Stabträgerin), genannt nach dem Zauberstabe der Zauberinnen, tritt auf und erheischt Schweigen. Sie berichtet Odin, der sie als Totenvater gerufen, von dem Urgeschlecht der Riesen, von dem goldenen Zeitalter der Götter auf dem Idafelde, vom ersten Kriege, von dem Weltbaum Yggdrasil; darauf wendet sie sich zu dem Treiben der Götter und zu den Stätten, wo die Elemente wohnen, die ihnen feindlich sind. Nachdem sie sich so als die allkundige Völva erwiesen, giebt ihr Odin Geschenke und erhält dafür den bevorstehenden Götteruntergang prophezeit: der Höllenhund entledigt sich seiner Fesseln, der gebundene Loki wird frei, alle sittlichen Bande auf Erden lösen sich, der Weltbaum erbebt, die Götter gehen zur Versammlung. In dem großen Kampfe, der darauf stattfindet, fallen Odin, Frey und Thor; Surt verbrennt mit Feuer Himmel und Erde. Eine neue Erde taucht aus dem Meere auf, gute, friedliebende Götter kehren zurück und regieren sie, in der Böses, Tod und Zerstörung nicht mehr sein wird. – Mancherlei in dem Gedicht ist nicht leicht verständlich und daher ist es die Veranlassung wissenschaftlichen Streites geworden. Nachdem man schon mehrfach christl. Einfluß auf das Gedicht nachzuweisen versucht hatte, suchte es Bang («V. und die Sibyllinischen Orakel», aus dem Dänischen von Poestion, Wien 1880) als eine Nachbildung eines Sibyllenliedes zu erklären. E. H. Meyer («Völuspá», Berl. 1889) dagegen glaubt in dem Gedicht die Arbeit eines gelehrten Christen finden zu müssen, der es nach mittelalterlich theol. Quellen bearbeitet habe. Müllenhoff suchte die V. als ein heidn. Erzeugnis zu erweisen, das in seiner ursprünglichen Gestalt im 9. Jahrh. in Norwegen entstanden sei. – Vgl. Müllenhoff, Deutsche Altertumskunde, Bd. 5, Abteil. 1 (Berl. 1883).

Volūte (lat., von volvere, rollen), ein in Spirallinie aufgerolltes Architekturglied (Schnecke), besonders die eigentümlichen Rollen, welche am ion. Kapitäl auftreten. (S. Säulenordnung und Tafel: Griechische Kunst Ⅰ, Fig. 3.) Ferner jene konsolenartigen Glieder, die in der Renaissance an Kirchenfaçaden die Vermittelung zwischen den niedern Seitenschiffen und dem höhern Mittelschiff bilden (zuerst, Mitte des 15. Jahrh., angewendet an Sta. Maria Novella in Florenz). In der Renaissance fanden aufgerollte Architekturformen weitere Anwendung, ja ganze Gesimse bilden im Barockstil V.

Volvox L., Algengattung aus der Gruppe der Chlorophyceen mit wenigen Arten, Süßwasseralgen von sehr merkwürdigem Baue. Sie bilden hohlkugelige Kolonien (Cönobien), die bei größern Arten nicht selten einen Durchmesser von 0,5 mm und darüber erreichen und oft aus mehrern Tausenden von Zellen bestehen. Infolge ihrer Größe sind diese Kugeln schon mit bloßem Auge sichtbar, sie zeigen deutlich rotierende Eigenbewegung, die durch zahlreiche Cilien an der Peripherie der Kolonie bewirkt wird. Auf Tafel: Algen Ⅱ, Fig. 11, ist eine solche Kolonie von V. globator L. dargestellt. Die Fortpflanzung erfolgt auf geschlechtlichem und ungeschlechtlichem Wege. Im erstern Falle werden in einzelnen Zellen, sog. Oogonien, große weibliche Zellen entwickelt, während andere sich durch lebhafte Teilung in ein Bündel langgestreckter, mit Cilien versehener männlicher Zellen, sog. Spermatozoiden, umwandeln. Nach der Vereinigung der Spermatozoiden mit den weiblichen Zellen werden diese zu Oosporen, aus denen dann später bei der Keimung neue vegetative Cönobien entstehen. Bei der ungeschlechtlichen Vermehrung wandeln sich einzelne Zellen einer Kolonie zu kleinen vegetativen Cönobien um und entwickeln sich dann zu neuen Tochterkolonien. Die hierher gehörigen Algen sind früher unter dem Namen Kugeltierchen gewöhnlich zum Tierreiche gerechnet worden (s. Geißeltierchen).

Volvŭlus, s. Darmverschlingung.

Volz, Hermann, Bildhauer, geb. 31. März 1847 zu Karlsruhe, studierte daselbst am Polytechnikum und machte die Bauschule durch. Nachdem er den Deutsch-Französischen Krieg mitgemacht hatte, wendete er sich von der Architektur der Bildnerei zu, worin zuerst kurze Zeit Steinhäuser sein Lehrer war. 1871 begann er in Rom nach der Antike und Natur selbständig weiter zu schaffen und kehrte dann nach Stuttgart zurück, wo Canon auf ihn großen Einfluß gewann. Sein erstes größeres Werk (1874‒77) war die Marmorgruppe für das Kriegerdenkmal in Karlsruhe. Nach abermaligem Aufenthalt in Italien errang V. den ersten Preis für das Kriegerdenkmal in Hannover (1884 aufgestellt). 1880 erhielt er die Stelle eines Professors an der Karlsruher Kunstschule. Wieder längere Zeit in Rom lebend, vollendete er 1884‒86 ein bedeutendes Werk: Kampf zwischen Mann und Tiger, für welche Gruppe er auf der Berliner Ausstellung 1886 die kleine goldene Medaille erhielt; 1889 wurde sein Geibel-Denkmal (sitzende Figur aus Bronze) in Lübeck, 1893 das Scheffel-Denkmal (Kolossalbüste) in Karlsruhe enthüllt. 1895 hat V. ein Grabdenkmal (liegende Marmorfigur) für den Prinzen Ludwig von Baden, 1896 ein Kriegerdenkmal für Mannheim vollendet. Ein Kaiser-Wilhelm-Denkmal (Reiterfigur) für Essen a. d. Ruhr ist in Arbeit. V. lebt in Karlsruhe.

Vomer (lat.) Pflugschar; Pflugscharbein (s. Nase).

Vomĭca (lat.), ein Geschwür, besonders Lungengeschwür, eine tuberkulöse Kaverne oder Höhle, s. Tuberkulose.

Vomicīn, soviel wie Brucin (s. d.).

Vomitīv (frz.), s. Brechmittel.

Vomĭtus (lat.), das Erbrechen (s. d.).

Vondel, Joost van den, niederländ. Dichter, geb. 17. Nov. 1587 zu Köln, kam als Kind mit seinen Eltern, die Wiedertäufer waren, nach Amsterdam, wo er einen Strumpfhandel errichtete, 1658 aber eine Stelle am Leihhause annehmen mußte. 1639 trat er zur kath. Kirche über. Er starb 5. Febr. 1679 zu Amsterdam, wo ihm 1867 ein Standbild errichtet wurde. Seine Werke zeugen von Genie und einer hohen edeln Phantasie und haben auf Opitz und A. Gryphius großen Einfluß ausgeübt. Es sind teils metrische Übersetzungen der Psalmen, Virgils und Ovids, teils Satiren und Tragödien; sie erschienen gesammelt zu Franeker 1683 (9 Bde.). Unter den letztern gilt «Gijsbrecht van Aemstel» (deutsch von de Wilde, Lpz. 1867), zuerst 3. Jan. 1638 und seitdem alljährlich um dieselbe Zeit aufgeführt, für die vorzüglichste, wiewohl sie als Gedicht weit von dem «Lucifer» (1654; hg. von Cramer, Zwolle 1891; deutsch von Grimmelt, Münster 1868; von Wilde, Lpz. 1869) überragt wird. Daneben werden «Palamedes», «Joseph in Dothan» und «De Leeuwendaalers» am meisten geschätzt. Ausgaben der Werke haben van Lennep und Binger (12 Bde., Amsterd. 1850‒69; neue Ausg. 1888 fg.) und Unger (20 Bde., Leid. 1890 fg.) veranstaltet. Die «Gedichte» wurden von Grimmelt und Jansen verdeutscht (Münst. 1873).