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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Volute - Vondel
stritteneHauptquelle german. Mythologie. Die Völva
(fälfchlich auch Vala, Wala, d. h. die ^>tabtrügerin),
genannt nach demZauberstabe derZauberinnen, tritt
auf und erheischt Schweigen. Sie berichtet Odin, der
sie als Totenvater gerufen, von dem Urgescklecht der
Riesen, von dem goldenen Zeitalter der Götter auf
dem Idafelde, vom ersten Kriege, von dem Welt-
bäum Dggdrasil; darauf wendet sie sich zu dem
Treiben der Götter und zu den Stätten, wo die Ele-
mente wohnen, die ihnen feindlich sind. Nachdem
sie sich so als die allkundige Völva erwiesen, giebt ihr
Odin Geschenke und erhält dafür den bevorstehenden
Götteruntcrgang prophezeit: der Hollenbund ent-
ledigt sich seiner Fesseln, der gebundene Loki wird
frei, alle sittlichen Bande auf Erden lösen sich, der
Weltbaum erbebt, die Götter gehen zur Versamm-
lung. In dem großen Kampfe, der darauf statt-
findet, fallen Odin, Frey und Thor; Surt verbrennt
mit Feuer Himmel und Erde. Eine neue Erde taucbt
aus dem Meere auf, gute, friedliebende Götter keh-
ren zurück und regieren sie, in der Böses, Tod und
Zerstörung nicht mehr sein wird. - Mancherlei in dem
Gedicht ist nicht leicht verständlich und daber ist es
die Veranlassung wissenschaftlichen Streites gewor-
den. Nachdem man schon mehrfach christl. Einfluß
bildung eines Sibyllenliedes zu erklären. E. H.
Meyer ("Völuspä", Berl. 1889) dagegen glaubt in
dem Gedicht die Arbeit eines gelehrten Christen
finden zu müssen, der es nach mittelalterlich tbeol.
Quellen bearbeitet habe. Müllenboff suchte die V.
als ein heidn. Erzeugnis zu erweisen, das in seiner
ursprünglichen Gestalt im 9. Jahrh, in Norwegen
entstanden sei. - Vgl. Müllenhoff, Deutsche Alter-
tumskunde, Bd. 5, Abteil. 1 (Berl. 1883).
Volute (lat., von volvßro, rollen), ein in Spiral-
linie aufgerolltes Architekturglied (Schnecke), befon-
ders die eigentümlichen Rollen, welche am ion.
Kapital auftreten. (S. Säulenordnung und Tafel:
Griechische Kunst I, Fig. 3.) Ferner jene kon-
solenartigen Glieder, die in der Renaissance an Kir-
chenfacaden die Vermittelung zwischen den niedern
Seitenschiffen und dem höhern Mittelschiff bilden
(zuerst, Mitte des 15. Jahrh., angewendet an Sta.
Maria Novclla in Florenz). In der Renaissance
fanden aufgerollte Architekturformen weitere Anwen-
dung, ja ganze Gesimse bilden im Barockstil V.
Volvox ^,., Algengattung aus der Gruppe dcr
Cblorophvcecn mit wenigen Arten, Süßwasscralgcn
von sehr merkwürdigem Baue. Sie bilden bohl-
tugeligc Kolonien (Cönobien), die bei grösiern Arten
nicht selten einen Durchmesser von 0,5nini und dar-
über erreichen und oft aus mehrern Taufenden
von Zellen bestehen. Infolge ihrer Größe sind
diese Kugeln schon mit bloßem Auge sichtbar, sie
zcigen deutlich rotierende Eigenbewegung, die durch
zahlreiche Cilicn an der Peripherie der Kolonie be-
wirkt wird. Auf Tafel: Algen II, Fig. 11, ist eine
solche Kolonie von V. ^WI^wi' ^. dargestellt. Die
Fortpflanzung erfolgt auf geschlechtlichem und un-
geschlechtlichem Wege. Im erstern Falle werden
in einzelnen Zellen, sog. Oogonien, große weibliche
Zellen entwickelt, während andere sich durch lebhafte
Teilung in ein Bündel langgestreckter, mit Cilicn
versehener männlicher Zellen, sog. Spcrmatozoiden,
umwandeln. Nach der Vereinigung der ^perma-
tozoidcn mit den weiblicben Zellen werden diese zu
Tosporen, aus ocncn dann später bei dcr Keimung
neue vegetative Cönobien entstehen. Bei der unge-
schlechtlichen Vermehrung wandeln sich einzelne
Zellen einer Kolonie zu kleinen vegetativen Cönobicn
um und entwickeln sich dann zu neuen Tochterkolonicn.
Die hierher gehörigen Algen sind früher unter dem
Namen Kugeltierchen gewöhnlich zum Tierrcicbe
gerechnet worden lf. Geißeltierchen).
Volvülus, s. Darmverschlingung.
Volz, Hermann, Bildhauer, geb. 31. März 1817
zuKarlsruhe, studierte daselbst amPolytechnikum uno
machte die Bauschule durch. Nachdem er den Deutsch-
Französischen Krieg mitgemacht hatte, wendete er
sich von der Architektur der Bildnern zu, worin zu-
erst kurze Zeit Steinhäuser scin Lehrer war. 1871
begann er in Rom nach der Antike und Natur selb-
ständig weiter zu schaffen und kehrte dann nach
Stuttgart zurück, wo Canon auf ihn großen Einfluß
gewann. Sein erstes größeres Werk (1874-77)
war die Marmorgruppe für das Kriegerdenkmal in
Karlsruhe. Nach abermaligem Aufenthalt in Ita-
lien errang V. den ersten Preis für das Kriegerdenk-
mal in Hannover (1884 aufgestellt). 1880 erhielt er
die Stelle eines Professors an der Karlsruher Kunst-
schule. Wieder längere Zeit in Rom lebend, voll-
endete er 1884-86 ein bedeutendes Werk: Kampf
zwischen Mann und Tiger, für welche Gruppe er
auf der Berliner Ausstellung 1886 die kleine goldene
Medaille erhielt; 1889 wurde sein Geibel-Denkmal
lsitzende Figur aus Bronze) in Lübeck, 1893 das
Scheffel-Denkmal (Kolossalbüste) in Karlsruhe ent-
hüllt. 1895 hat V. cin Grabdenkmal (liegende Mar-
morfigur) für den Prinzen Ludwig von Baden, 1896
eil: Kriegerdenkmal für Mannheim vollendet. Ein
Kaiser-Wilhelm-Denkmal (Neiterfigur) für Essen
a. d. Ruhr ist in Arbeit. V. lebt in Karlsruhe.
Voniioa. (lat.), cin Geschwür, besonders Lungeu-
geschwür, eine tuberkulöse Kaverne oder Hoble,
s. Tuberkulose.
Vomicut, soviel wie Brucin ls. d.).
Vomitiv (frz.), f. Brechmittel.
Voinitns llat.), das Erbrechen (s. d.).
Vondel, Iooft van dcn,niederländ. Dichter, geb.
17. Nov. 1587 zu Köln, kam als Kind mit seinen
Eltern, die Wiedertäufer waren, nach Amsterdam,
wo er einen Strumpfhandel errichtetc, 1658 aber
cine Stelle am Leihhaufe annehmen mußte. 1639
trat er zur kath. Kirche über. Er starb 5. Febr. 1679
zu Amsterdam, wo ihn: 1867 cin Standbild errichtet
wurde. Seine Werke zeugen von Genie und eincr
bohen edeln Phantasie und haben auf Opitz und
A. Gryphius großen Einfluß ausgeübt. Es sind
tcils metrische Übersetzungen der Psalmen, Virgils
und Ovids, teils Satiren und Tragödien; sie er-
schienen gesammelt zu Franeker 1683 (9 Bde.). Unter
den letztern gilt "l^i^droc^t vun ^nnstei" (deutsch
von de Wilde, Lpz. 1867), zuerst 3. Jan. 1638 und seit-
dem alljährlich um dieselbeZeit aufgeführt, für die vor-
züglichste, wiewohl sie als Gedicht weit von dem "I^u-
cit'ci-" (1654; hg. von Cramer, Zwolle 1891; deutsck
von Grimmelt, Münster 1868; vonWilde, Lpz. 1869)
überragt wird. Daneben werden "i^lÄineäkZ", ".Il>-
86^k in Dot^lM" und "I>0 1^66N>V6ri(1<Ti61'8" am
meisten geschätzt. Ausgaben der Werke haben van
Lennep und Bingcr (12 Bde., Amsterd. 1850-69;
neue Ausg. 1888 sg.) und Unger (20 Bde., Leid.
1890 fg.) veranstaltet. Die "Gedichte" wurden von
Grimmelt und Iansen verdeutscht (Mimst. 1873).