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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Waffenrapport - Wage
man die W. durch Hindernisgitter ab und giebt den
Reouits oder Unterkunftsräumen eine gegen schwe-
res Geschützfeuer sichernde Konstruktion, also stärkere
Umfassungsmauern und Decken (Fig. 8).
W.nenntmanauchsolche größere Festungen, die
große Depots enthalten und im Verteidigungskriege
als Stützpunkte der Operationen dienen.
Waffenrapport, s. Rapport.
Waffenrecht (^U8arm0i'um), ältere Bezeichnung
des Rechts über Krieg und Frieden (s. Kriegsrecht),
welches heute regelmäßig nur den vollsouveränen
Staaten zusteht, bis in die neuere Zeit aber, auch
nach Unterdrückung der Privatfehde (s. Faustrecht),
auch halbsouveränen Staaten und selbst den der
Reichsgewalt unterworfenen deutschen Fürsten und
Städten zugestanden wurde.
Außerdem bezeicbnet man als W. das Recht,
Wasscn zu tragen, das von alters her jedem Freien
zukam und von dem höhern Bürgerstande bis auf
die neuere Zeit fort behauptet ward. (Vgl. Planck,
Wafsenverbor und Reicksacht im Sachsenspiegel in
den "Sitzungsberichten^ der Bayrischen Akademie
der Wissenschaften, 1884.) Der zum Waffentragen
Berechtigte konnte auch ein Wappen annehmen oder
aus sein Schild fetzen, und daher waren waffengcmäß
und siegelmäßig für die Eigenschaft des freien, nickt
von niedriger Arbeit lebenden Mannes im wesent-
lichen gleichbedeutend. Nach dem Aufkommen der
Feuergewehre wurde deren Erwerbung in manchen
Staaten nur Adligen, größern Grundeigentümern,
höhern Beamten und andern Vertrauensperfonen
gestattet. Insgemein ist die Führung von verbor-
genen Waffen, wie Stockdegen, untersagt. Polizei-
recht und ^itte haben zuletzt dem bewaffneten Eiu-
bergehen von Nichtmilitärs ein Ende gemacht; dock
bildet der Degen noch immer einen Bestandteil der
Ceremonienkleidung. Nach dem Socialistengesetz
tonnte beim kleinen Belagerungszustand is.d.) Besitz,
Tragen, Einführen undVerkaufvonWaffen verboten,
besckränkt oder an bestimmteVoraussetzungen (Aus-
stellung eines Waffenscheins, s. d.) geknüpft werden.
Waffenrock, das Leibbekleidun'gsstück der deut-
scken Truppen, mit Ausnahme der Kürassiere Kol-
ler), Husaren (Attila) und Ulanen (Ulanka). Auck
die Generale sowie die Offiziere, welche nicht die Uni-
form eines bestimmten Truppenteils tragen (Kriegs-
ministerium, Generalstab u. s. w.), haben den W.'
ferner die höhern Militärbeamten der Militärverwal-
tung sowie der Post, Steuer u. s. w. Das Grundtuck
des W. ist für Jäger grün ibayr. Jäger hellblau",
für Dragoner kornblumenblau lbeff. Dragoner grün",
im übrigen dunkelblau (bayr. Infanterie hellblau,
sächs. Schützenregiment Nr. 108, säck)s. Artillerie und
Pioniere grün). Kragen, Ausschläge und Passepoil
des W. sind von farbigem Tuch, bei den einzelneu
Waffengattungen oder l Dragoner -) Regimentern
verschieden. Die Garde, die ^eib- und einige andere
Regimenter tragen an Kragen und Aufschlägen
Litzen (s. d.), die Offiziere derselben sowie Generale
u. s. w. goldene oder silberne Stickerei, über die
Aufschläge s. d. Auf den Schultern sind die Schul-
terklappen (s. d.) und bei den Offizieren Achselstücke
is. d.) oder Epauletten is. d.j. Die Knöpfe sind von
gelbem oder weißen: Metall, bei den Eivilbeamteu
(Steuer, Post u. s. w.) mit aufgeprägtem Wappen.
Waffenruhe, s. Waffenstillstand.
Waffenschein. In älterer Zeit war die Führung
von Waffen häufig von Polizeierlaubnis, einem sog.
W. abhängig. iS.Waffenreckt.) Heute giebt es nur
noch Schutzgewehrscheine, durch die das Recht, zur
Ausübung des Forst- und Jagdschutzes das Gewehr
zu tragen, erteilt wird, nicht aber das Recht derIagd-
ausübung, das von der Lösung eines Jagdscheins
is. d.) abhängig ist. W. dürfen nur dem Jagd- und
Forstschutzpersonal erteilt werden und zwar unent-
Waffenschmied, s. Schmied. Weltlich.
Waffenstillstand, die vertragsmäßige Ein-
stellung der Feindseligkeiten zwischen kriegführenden
Teilen während eines bestimmten, längern Zeit-
raums. Eine Waffenru h e charakterisiert sich durch
eine kurze Dauer, wird nur für ganz bestimmte
Zwecke, wie Begraben der Toten, Einfammelu der
Verwundeten nach verlustreichen Kämpfen, Aus-
wechfeln von Gefangenen u. s. w., und von den sich
direkt gegenüber stehenden höhern oder niedern Be-
fehlshabern für ein eng begrenztes Gebiet und für
eine genau präcisierte Frist (24,12, ja 6 Stunden) ab-
gescklossen, nach deren Verlauf die Feindfeligkciten
ohne vorgängige Ankündigung wieder beginnen.
Doch kann eine kurze Waffenruhe auch die Vorberei-
tung eines W. fein, wenn der eine Teil diesen nicht
ohne gleichzeitige Festsetzung von Friedensprälimi-
narien (f. Friedensschluß) eingehen will. EinW. wird
gewöhnlich durch das Friedensbedürfnis eines oder
beider der sich bekämpfenden Teile hervorgerufen und
bildet fomit häusig die Einleituug zum Friedens-
schluß; er kann daher nurvon den Oberbefehlshabern
oder den Kriegsherren der feindlichen Armeen für
die Gcfamtheit der Operationen, zuweilen mit Aus-
schluß einer fest normierten Zone, und für eine verein-
barte Zeitpcriode oder bis zur Kündigung durch einen
der Teile abgefchlofsen werden. Während feiner
Dauer treten die feindlichen Heercsteile aus unmittel-
barem Kontakt, indem sie durch eine neutrale, zwischen
zwei Demarkationslinien gelagerte Zone voneinan-
der geschieden werden, und beginnen die Verhandlun-
gen zum Abschluß eines definitiven Friedens durch
Bevollmächtigte der sich gegenüber stehenden Regie-
rungen. Ist Ausfickt auf Einigung über die Frie-
densbedingungcn vorhanden, so findet nicht selten
uud wiederholt eine Verlängerung des W. statt.
Waffentanz, eine im Altertum besonders bei
den Griechen beliebte, von bewaffneten Männern
bei Siegesfeiern u. s. w. aufgeführte Art von
Tanz; bei den Römern waren namentlich die W.
der Salier üblick. Auch die Germanen hatten W.
<s. Schwertertanz). Noch jetzt sind bei vielen Natur-
völkern sog. Kriegstänze in Gebrauch.
Wafthrudnir, soviel wie Vafthrudnir (f. o.).
Wag, Teil einer Uhr, s. Uhren.
Wag, Fluß, s. Wach.
Waga, linker Nebenfluß der Dwina in den russ.
Gouvernements Wologda und Archangelsk, 500 km
lang und in: Unterlauf fchiffbar.
Waganda, die Bewohner von Uganda is. o.).
Wagarmbrust, eine zum Horizontalschusi be-
stimmte mittelalterlicke Sckiesimaschine, bestehend
aus einer auf einem Rädergestell beweglichen groften
und schweren. Armbrust.
Wagarfchapat, s. Etschmiadzin.
Wagbarometer, s. Barometer.
Wage, ein Instrument, mit dem man das Ge-
wickr körperlicher Gegenstände bestimmt. Der Be-
! nutzung der W. liegt die Vergleichung der Masse
! des zu wiegenden Körpers mit der Masse eines als
! Gewichtseinheit erklärten Körpers (z. B. eines Kilo-
> gramms) zu Grunve. Gleichwohl giebt es W., bei
, denen eine unmittelbare Verwendung von Gewichts-