Schnellsuche:

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Diese Seite ist noch nicht korrigiert worden und enthält Fehler.

468
Waldemar II. (König von Dänemark) - Waldenburg (in Schlesien und Sachsen)
Volks für große Aufgaben zu stählen. Unterstützt
von seinem Freund Absalon begann er die großen
Züge gegen die heidn. Wenden an der Ostsecküste,
die mit der Eroberung Rügens (1168) endeten. Um
eine Unterstützung gegen .Heinrich den Löwen zu er-
halten, leistete W. 1162 dem Kaiser Friedrich Barba-
rossa die Huldigung. Erstarb 12.Mai 1182. Mitibm
begann die zweite "Großmachtsperiodc Dänemarks.
Waldemarll., König vonDänemark(1202-
hatte schon unter lctzterm einen großen Anteil an
oer Eroberung .Holsteins, Ratzeburgs und Meck-
lenburgs gehabt, welche das Deutsche Reich wegen
der damaligen Thronstreitigkeiten nicht schützen
konnte. Er selbst ging darauf aus, alle Küstenlän-
der der Ostsee unter die dän. .Herrschaft zu bringen,
unterwarf Rügen, besetzte die Wcichselmündung,
Öscl und 1219 auf einem Krcuzzug auch Neval
und Esthland. Seine deutschen Eroberungen trat
ihm 1211 Kaiser Friedrich II. förmlich ab. Am
6. Mai 1223 wurde er auf Lyö bei Fünen von sei-
nem Vasallen, dem Grafen.Heinrich von Schwerin,
überfallen, mit seinem Sohn Waldemar gefangen
und auf das Schloß Danncnberg an der Elbe ge-
bracht. Erst im Nov. 1225 verständigte sich W. mit
dem Grafen von Schwerin dahin, daß dieser ihm
für eine beträchtliche Snmme, außerdem für den
Verzicht auf Nordalbingien und Mecklenburg die
Freiheit gab. .Holstein, .Hamburg und Lübeck hatten
sich inzwischen selbst schon befreit, wurden aber jetzt
von W., der jenen Vertrag nicht hielt, von neuem
angegriffen. Da verbanden sich alle bedrohten
Fürsten Norddeutschlands gegen ihn und retteten
durch ihren großen Sieg 22. Juli 1227 bei Vorn-
höved alles Land bis zur Eider für Deutschland.
W., der in der Schlacht ein Auge verlor, hielt seit-
dem nach dieser Seite hin Ruhe. Auch in den Ost-
seeprovinzen konnte er die frühere Stellung nicht
zurückgewinnen; nur die Vermittelung des Papstes
bestimmte die dortigen Deutschen, ihm 1238 einen
Teil des von ihm eroberten Esthland zurückzugeben,
der dann noch bis 1346 bei Dänemark blieb. Das
Wirken W.s innerhalb seines Staates zeigt ihn als
ebenso tüchtigen Gesetzgeber (jütisches Lovbok, gegen
1240), wie seine Kriege Unternehmungsgeist und
Tapferkeit beweisen. Er starb 28. März 1241. -
Vgl. Usinger, Deutsch-dän. Geschichte 1189-1227
(Berl. 1863); Paludan-Müller, Studier til Dan-
marks .Historie (Kopenh. 1869-71); A. D. Ioer-
gensen, Voldemar Scjr (ebd. 1879).
WaldemarIII., König von Dänemark (1326
-30), .herzog von Schleswig, geb. 1314, wurde
von seinem Oheim, dem Grafen Gerhard III. (s. d.)
von.holstein, 1326 als Gegenkönig gegen Christoph II.
aufgestellt, mußte diesem aber schon 1330 wieder
weichen. Er starb 1364.
Waldemar IV., König von Dänemark, ge-
nannt Attcrdag (1340-75), Sohn Christophs II.,
wurde nach der Ermordung des Grafen Gerhard
d. Gr. 1340 als König anerkannt. Er trat gegen
eine Geldentfchädignng Halland, Schonen und
Vlekinge an Schweden ab (1343), verkanfte Esth-
land an den Deutschen Orden (1346) und löste bis
1360 die verpfändeten dän. Gebiete wieder ein. Er
sicherte in der Kallundborger Handfeste 1360 die
Rechte der Stände und gewann in demselben Jahr
in einem glücklichen Kriege halland, Schonen und
Blekinge von Schweden zurück. Durch die Erobe-
rung Wisbys (1361) geriet er in einen Krieg mit
der .Hansa, der 1370 mit seiner Niederlage und dem
Frieden zu Stralsund endigte, worin die .Hansestädte
die Bestätigung ihrer Privilegien und das Zu-
städte und König W. (Jena 1879).
Waldemar, Prinz von Dänemark, der dritte
Sohn des Königs Christian IX. (s. d.) von Däne-
mark, geb. 27. Okt. 1858, ist Kapitän in der dän.
Marine und seit 22. Okt. 1885 vermählt mit der
Prinzessin Marie von Orleans, Tochter des Herzogs
von Chartres (geb. 13. Jan. 1865). W. wurde
10. Nov. 1886 von der bulgar. Großen Sobranje
einstimmig zum Fürsten von Bulgarien erwählt,
lehnte jedoch die Wahl ab.
Waldemar, Friedr. Wilh., Prinz vonPreu ß e n,
geb. 2. Aug. 1817, Sohn des Prinzen Wilhelm, Bru-
ders Friedrich Wilhelms III., und der Prinzessin Ma-
ria Anna von.Hessen-Homburg, genoß eine trefflicke
Erziehung und begab sich, zum Oberst im Garde-
dragonerregiment vorgerückt, 1845 auf Reisen nach
dem Orient. 1846 schloß er sich der angloind. Erpe-
dition gegen die Siths an und nahm an deren blu-
tigen Kämpfen rühmlichen Anteil. Nach feiner Rück-
kehr trat Prinz W. in den aktiven preuß. Militär-
dienst zurück, wurde zum Commandeur der 13. Ka-
valleriebrigade ernannt und starb 17. Febr. 1849 in
! Münster. Nach seinem Tode erschien ein Pracht-
werk "Zur Erinnerung an die Reise des Prinzen W."
(2 Bde., Berl. 1855), wovon Kutzner einen Auszug
veranstaltete (ebd. 1857).
Waldenbuch, Stadt im Oberamt Stuttgart des
württemb. Neckarkrcises, 19 km südlich von Stutt-
gart , an der links zum Neckar gehenden Aich, hat
(1895) 1758 evang. E., Post/Telegraph, evang.
Kirche, Schloß; Korsettweberei, Korbflechterei und
MüWeinfabrikation.
Waldenburg. 1) Kreis im preuß. Reg.-Bez.
Breslau, hat 377,62 qkin und (1895) 130997
(63945 männl., 67052 weibl.) E., 3 Städte,
71 Landgemeinden und 31 Gutsbezirke.- 2) W. in
Schlesien, Kreisstadt im Kreis W., an der Pols-
nitz und der Linie Go'rlitz-Sorgan
der Preuft. Staatsbahnen, in-
mitten des Waldenburg er
!,!^M^WW^M1 Gebirges (400 - 1000 ni),
^^W^"l ^ nordwestl. Ausläufers des
Eulengebirges, Sitz des Land-
ratsamtes, eines Ämtsgerichts
(Landgericht Schweidnitz), Ka-
taster- und Untersteueramtes
und einer Reichsbanknebenstelle, hat (1895) 13989
(6781 männl., 7208 weibl.) E., darunter 5164 Ka-
tholiken und 223 Israeliten, Postamt erster Masse,
Telegraph, Fernsprecheinrichtung, evang. und kath.
Kirche, Synagoge, Kaiser-Wilhelm-Denkmal, Gym-
nasium, höhere Mädchenschule, Bergschule, Kom-
munalständische Bank, städtische und Kreissparkasse,
Vorschußvercin, Stadtbad, Schlachthof; berühmte
Porzellan- und Steingutfabrik (Karl Krifter) mit
1500 Arbeitern und einer Porzellanmalerei, große
Ziegeleien für Chamottesteine, Glasfabrik, Gasan-
stalt und bedentendcn Steinkohlenbergbau. W. ist
Sitz der5. Sektion dcrKnappschafts-Bcrufsgenossen-
schaft. W. erhielt im 16. Jahrh. Stadtrecht. Südlich
das Dorf Oberwaldenburg mit^1545 E., großer
Flachsspinnerei und bedeutendem Steinkohlenberg-
bau. - 3) W. inSachsen, Stadt in der Amtshaupt-