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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Walloth - Walpole (Horace)

Walloth, Wilh., Dichter, geb. 6. Okt. 1856 in Darmstadt, besuchte daselbst das Polytechnikum und studierte Philosophie in Heidelberg. Er lebt als Schriftsteller in Darmstadt. W. bekennt sich zu der modernen realistischen Richtung und hat versucht, auch den histor. Roman nach ihren Kunstanschauungen zu gestalten, so: «Das Schatzhaus des Königs» (3 Bde., Lpz. 1883), «Octavia» (ebd. 1885; 2. Aufl. 1889), «Paris der Mime» (ebd. 1886), «Der Gladiator» (ebd. 1888), «Tiberius» (2 Bde., ebd. 1889; 2. Aufl. 1890), «Ovid» (ebd. 1890). Dem modernen Leben gelten die Romane: «Aus der Praxis» (ebd. 1887), «Der Dämon des Neides» (ebd. 1889), «Ein Liebespaar» (ebd. 1892), die Novellen «Am Starnberger See» (ebd. 1888), «Es fiel ein Reif–» (ebd. 1893), «Narren der Liebe» (ebd. 1894), «Im Banne der Hypnose» (Jena 1897). W. schrieb auch Dramen: «Gräfin Pusterla», «Johann von Schwaben», «Marino Falieri», «Semiramis», «Das Opfer», «Alboin» (gesammelte «Dramen», ebd. 1888) und «Gedichte» (ebd. 1885: 2. Aufl. u. d. T. «Gesammelte Gedichte», 2 Bde., 1890). Von seinen «Gesammelten Schriften» erschienen bisher 5 Bände (Lpz. 1890‒91).

Wallr., hinter lat. Pflanzennamen Abkürzung für Karl Friedr. Wilh. Wallroth, geb. 1792 zu Breitenstein im Harz, gest. 1857 als Arzt in Nordhausen; schrieb besonders über die deutschen Flechten.

Wallraf, Ferd. Franz, der Begründer des nach ihm genannten Museums in Köln, geb. 20. Juli 1748 daselbst, studierte Theologie, erhielt 1773 die Priesterweihe und wurde Mitglied der philos. Fakultät an der Universität zu Köln, 1786 aber ord. Professor der Naturgeschichte, Botanik und Ästhetik, Aufseher über den Botanischen Garten. Er wurde 1794 Rektor der Universität; doch legte er dieses Amt nieder, weil er den von den Priestern geforderten Eid nicht schwören wollte. Nach Aufhebung der Universität erhielt er 1799 eine Professur der Geschichte und der schönen Wissenschaften an der neu errichteten Zentralschule und starb 18. März 1824. Als Numismatiker machte er sich bekannt namentlich durch «Beschreibung der Münzsammlung des Domherrn von Mörle» (Köln 1792). Die Resultate seiner histor. Forschungen findet man in der «Sammlung von Beiträgen zur Geschichte der Stadt Köln» (Köln 1818). Von 1799 bis 1804 gab er das an kunstgeschichtlichen Aufsätzen reichhaltige «Taschenbuch der Ubier» heraus. Seine an seltenen Gegenständen der Kunst und Wissenschaft reichen Sammlungen vermachte er der Stadt Köln; dieselben bilden den Grund des Wallraf-Richartz-Museums in Köln.

Wallrampe, s. Rampe.

Wallriffe, s. Korallenriffe.

Wallsend (spr. wahls-), Vorort von Newcastle in der engl. Grafschaft Northumberland, mit (1891) 11620 E., Kohlengruben und dem Ende des Piktenwalls, nach dem es benannt ist.

Wallstraße, der im Innern der Festung am Fuße der innern Böschung des Hauptwalls entlang führende breite Verkehrsweg, der mit dem auf dem Wall zwischen den Geschützbänken und der innern Wallböschung entlang führenden Wallgange (s. Wall) durch Rampen (s. d.) verbunden ist.

Wallung des Blutes, s. Blutandrang.

Wallwitzhafen, bedeutender Hafenplatz im Gemeindebezirk der Stadt Dessau, links an der Elbe und an der Einmündung der Mulde in dieselbe, an den Linien Magdeburg-Zerbst-Leipzig und Wittenberg-Cöthen-Aschersleben der Preuß. Staatsbahnen, hat zwei bedeutende Speditionsgeschäfte. Über den Verkehr s. Anhalt (Verkehrswesen).

Wallwurz, Pflanzenart, s. Symphytum.

Walmdach, s. Dach.

Walmer (spr. wahmĕr), Dorf in der engl. Grafschaft Kent, südlich von Deal, an der Nordseeküste, hat Seebäder und (1891) 4565 E. In dem von Heinrich Ⅷ. erbauten Schloß, der Residenz des Lord Warden der Cinque Ports (s. d.), starb 1852 der Herzog von Wellington. Zwischen W. und Deal landete wahrscheinlich Julius Cäsar. Lower Deal hat Kasernen, Marinehospital und Arsenal.

Walnußbaum, s. Nußbaum.

Walnußblätterbäder, s. Bad.

Walnußöl, soviel wie Nußöl (s. d.).

Walp., hinter lat. Pflanzennamen Abkürzung für Wilhelm Gerhard Walpers, geb. 1816 zu Mühlhausen in Thüringen, gest. 1853 durch Selbstmord zu Cöpenick bei Berlin. Er gab heraus: «Repertorium botanices systematicae» (Lpz. 1842‒48) sowie «Annales botanices systematicae» (seit 1848), die nach seinem Tode fortgesetzt wurden.

Walpole (spr. wóllpohl), Horace, engl. Schriftsteller, geb. 5. Okt. 1717, Sohn Sir Rob. W.s (s. Orford), studierte zu Eton und Cambridge und wurde mit dem Dichter Gray, mit dem er 1739 Italien bereiste, befreundet. Er kam verschiedenemal nach Paris, wo er in den schöngeistigen Salons eifrig verkehrte, besonders bei Madame Du Deffand, die eine wahrhafte Leidenschaft zu ihm erfaßte. Seit 1741 viermal ins Unterhaus gewählt, hielt er streng zu den Whigs, ohne politisch hervorzutreten; 1767 zog er sich von den Staatsgeschäften zurück. 1791 wurde W. noch (durch den Tod seines Neffen) Graf von Orford; er starb 2. März 1797. Seine Wohnung auf dem Landgute zu Strawberry-Hill bei Twickenham baute er im mittelalterlichen Stil aus und legte darin die kostbaren Sammlungen von Kunstwerken, Büchern, Autographen und Seltenheiten aller Art nieder, die 1842 durch Versteigerung zerstreut worden sind. Seine spätern Werke sind: «Catalogue of royal and noble authors» (Strawberry-Hill 1758), «Anecdotes of Painting in England» (5 Bde., ebd. 1762‒71 u. ö.), «Aedes Walpolianae» (Lond. 1743 u. ö.), das Verzeichnis aller im Besitz seiner Familie zu Houghton in Norfolk befindlichen Kunstschätze, die später Kaiserin Katharina Ⅱ. ankaufte. Ferner verfaßte er den Geisterroman «The castle of Otranto» (Lond. 1765), das Urbild einer Menge ähnlicher Werke, das Trauerspiel «The mysterious mother» (1768) und «Historic doubts on the life and reign of Richard Ⅲ.» (1768). Seine Briefe, 1841 in 6 Bänden gesammelt, denen 1851 noch 2 Bände seiner Korrespondenz mit dem Dichter Mason folgten (neu hg. von Cunningham, 9 Bde., Lond. 1857‒59), sind Muster von Lebendigkeit, Witz und Schärfe, oft auch von Bosheit, und enthalten die lebendigsten Schilderungen der Persönlichkeiten und Zustände seiner Zeit. W.s Memoiren, die von 1751 beginnen und fast bis an sein Ende reichen (neuere Ausg. 1846; deutsch in der «Bibliothek ausgewählter Memoiren» von Pipitz und Fink, 4 Bde., Konstanz 1846‒48), stehen den Briefen nach. Seine bittern und sonderbaren, oft wechselnden Urteile über Personen treten hier zu grell hervor. Zur Geschichte der Zeit Georgs Ⅱ. und Ⅲ. sind sie eine wichtige Quelle. – Vgl. Warburton, Memoirs of H. W. and his contemporaries (2 Bde., Lond. 1851); Dobson, Horace W.: A memoir (ebd. 1893).