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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Walzeisen - Walzwerk

und mit Dampf geheizt zum Trocknen (Trockenwalze), außerdem zum Komprimieren und Glätten der Chausseen (Straßenwalze) und zum Ebnen des Ackers (s. Ackerwalze). Zu mehrern verbunden bilden sie ein Walzwerk (s. d.).

Walzeisen, gewalztes Stabeisen im Gegensatz zu dem durch Schmieden in Gesenken hergestellten. Der Querschnittsform nach unterscheidet man hauptsächlich folgende Arten: Rundeisen (von kreisrundem Querschnitt), Quadrat- oder Vierkanteisen (von quadratischem Querschnitt), Flacheisen von rechteckigem Querschnitt und in besonders dünnen Sorten auch als Bandeisen bezeichnet), Sechs- und Achtkanteisen (von sechs- oder achteckigem Querschnitt). Die genannten Sorten heißen auch Stabeisen; alle Sorten, deren Querschnitte hiervon abweichen, heißen zusammen Façon- oder Profileisen. Unter diesen sind die wichtigsten Winkeleisen oder L-Eisen (von L-förmigem Querschnitt), T-Eisen (von T-förmigem Querschnitt), Doppel-T-Eisen oder H-Eisen (von H-förmigem Querschnitt), U-Eisen (von U-förmigem Querschnitt), C- oder E-Eisen (von ^[img]-förmigem Querschnitt), S-Eisen (von S-förmigem Querschnitt), Kreuzeisen oder X-Eisen (von X-förmigem Querschnitt), Z-Eisen (von Z-förmigem Querschnitt), Zores-Eisen (von ^[img]-förmigem Querschnitt), endlich die Gruben- und Eisenbahnschienen sowie die eisernen Schwellen (von ^[img]-förmigem Querschnitt) und die Bandagen für Eisenbahnräder. Für die üblichen Querschnitte sind in Deutschland bestimmte Größen (Normalien) festgestellt worden, wodurch die Normalprofile entstanden, die von Heinzerling (s. d.) und Intze zusammengestellt wurden. Diese Normalprofile beschränken die Anzahl der Querschnittsformen. In dem Heinzerlingschen Werke sind Tabellen über Tragfähigkeit und Gewicht der einzelnen Profile beigefügt, wodurch die Berechnung von Eisenkonstruktionen bedeutend erleichtert wird.

Walzenboden, in einer Mühle der Raum, welcher die Walzenstühle enthält.

Walzende Grundstücke, Erb- oder Walzäcker, Wandeläcker, im Gegensatze zu den geschlossenen Höfen solche Liegenschaften, die regelmäßig der Teilung im Erbgange unterliegen. Sie kommen namentlich in Mitteldeutschland in der Weise vor, daß nur ein Teil des Besitztums auf den Anerben übertragen, der «walzende» Rest unter seinen Miterben zu gleichen Teilen aufgeteilt wird.

Walzendruckmaschine oder kurz Walzenmaschine, Maschine zum Bedrucken von Kattun, Tapeten u. s. w. mittels gravierter Walzen. (S. Tapeten und Zeugdruck.)

Walzenfettkessel, s. Weißblechfabrikation.

Walzenglas, s. Glas.

Walzenhobelmaschinen, s. Hobelmaschinen.

Walzenkessel, s. Dampfkessel.

Walzenkrempeln, s. Spinnerei.

Walzenmange, s. Appretur.

Walzenmaschine, soviel wie Walzendruckmaschine (s. d.); s. auch Filzfabrikation.

Walzenschiff, Rollschiff, eine 1894 von dem franz. Ingenieur Bazin erfundene Schiffskonstruktion, der folgender Gedanke zu Grunde liegt: auf sehr großen hohlen Walzen ruht eine Plattform; die Walzen tauchen nur wenig ins Wasser ein, die Plattform liegt etwa 6‒7 m über dem Wasserspiegel. Durch eine Dampfmaschine werden die Walzen gedreht und laufen auf dem Wasser wie die Räder eines Wagens, der in weichem Boden teilweise einsinkt. Die Geschwindigkeit hängt vom Umfang der Walzen ab, die bis 22 m Durchmesser bekommen können; 60‒70 Proz. dieses Umfangs kommt das Schiff in Wirklichkeit vorwärts. Der franz. Konteradmiral Coulombeaud hat über die Probefahrt des Modells eines W. (im Bois de Vincennes, Herbst 1894) berichtet, daß es 32 Seemeilen oder 59 km Geschwindigkeit in der Stunde erreichte. Gesteuert wird das W. mit einem hydraulischen Ruder. Auf der Werft von St. Denis bei Paris lief 1896 das erste Versuchsschiff von Stapel (s. Walzenschiff, Bd. 17), das indes nicht die erhoffte praktische Brauchbarkeit bewährt haben soll.

Walzenspinnen (Solifugae), eine Ordnung der Spinnentiere (s. d.). Sie sind von allen übrigen Spinnentieren durch den deutlich von dem dreigliedrigen Bruststück getrennten Kopf unterschieden. Sie besitzen scherenförmige Kieferfühler und lange beinartige Kiefertaster. Ihr Hinterleib ist gegliedert und walzen- oder birnförmig. Die W. sind nächtliche Tiere von blaßgelber Farbe und finden sich in Erdlöchern und Rissen in wüsten, steppenartigen Gegenden der wärmern Länder. Die spinnenartige Walzenspinne (Galeodes araneoides Pall., s. Tafel: Spinnentiere und Tausendfüßer Ⅱ, Fig. 3) wird bis 6 cm lang und bewohnt die südruss. Steppen bis zur Wolga; ihr schmerzhafter Biß soll giftig wirken und kleinere Tiere töten.

Walzenstraße, s. Walzwerk.

Walzenstuhl, im ursprünglichen Sinne das Gestell, in welchem die Walzen eines Walzwerkes oder einer andern Maschine gelagert sind; im besondern Sinne eine Gattung der Mahlmaschinen (s. d.)

Walzentisch, s. Walzwerk.

Walzenumschalter, s. Elektrische Telegraphen.

Walzenwalke, Walzenwaschmaschine, s. Appretur.

Walzer, ein deutscher Tanz im ¾- oder ⅜-Takt von heiterm, fröhlichcm Charakter. Früher von mäßigerer Bewegung, hat er sich durch die Herrschaft der Wiener W. zu größerer Lebhaftigkeit gesteigert. Um die Einförmigkeit zu vermeiden, und den W. zu größern Tanzscenen geeignet zu machen, haben die Meister der Wiener Schule (Strauß, Lanner, Gungl, Labitzky u. a.) mehrere Melodien aufeinander folgen lassen. Der W. ist der populärste Tanz der Gegenwart. Seine Beliebtheit ist auch daraus zu ersehen, daß neuere Komponisten ihn teils national, teils sogar gesangmäßig behandeln, wie Brahms («Ungarischer W.» und «Liebesliederwalzer»).

Wälzfeile, s. Feile.

Walzhütte, eine technische Anlage, in welcher Walzeisen, Blech, Röhren oder Draht mittels Walzwerken (s. d.) gewalzt werden.

Wälzkorb, Rollkorb, cylindrisches Geflecht von 3 m Länge und 1 m Durchmesser; mit Strauchwerk und Stangen ausgefüllt, diente er früher als bewegliche Deckung der Sappentête bei Ausführung der völligen Sappe (s. d., Fig. 2).

Walzmaschine, s. Lederfabrikation und Schokolade.

Walzmaschine, in der Uhrenfabrikation, s. Arrondiermaschine.

Walzwerk, Maschinenanlage zur Herstellung von Blech, Walzeisen, Röhren, Draht. Zur Formgebung dienen Walzen (s. d.), meist aus Gußeisen (Hartguß), die paarweise zwischen zwei gußeisernen