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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Wanderkrabbe - Wandlungsklage
15 cm hoch bedeckten und in wenigen Stunden alle
Pflanzen vollständig vertilgten. Deutschland wird
von diesen Schwärmen verhältnismäßig selten
heimgesucht (in letzter Zeit 1875 der Reg.-Bez.
Potsdam). Im Südwesten Europas wird die W.
durch den nahe verwandten, auch in Deutschland vor-
kommenden ?ack)^1u8 oineraLeeng ^. vertreten,
der manchmal auch in großen Mengen auftritt, aber
nicht wandert. In den Mittelmeerländern bildet
die tatarische Schnarrbeuschrecke (^ridinin
tiUaricuin ^.) denen der W. ähnliche verheerende
Schwärme, andere Arten treten in Südafrika,
Amerika u. s. w. in gleicher Weise auf. Man be-
kämpft die W., indem man die in der Erde liegenden
Eierhaufen aufsucht und zerstört und indem man
die Tiere gegen Wachstuchschirme und in Gräben
treibt, wo sie sich in großen Massen ansammeln und
vernichtet werden können.
Wandertrabbe, s. Krabben.
Wanderlager, s. Wanderhandel.
Wanderlagersteuer, s. Hausiersteuer.
Wandermilz, s. Milzkrankheiten.
Wandermuschel (Di6i886UÄ M^morpdk
I^M.), eine zu den Miesmuscheln (s. d.) gehörige,
dreiseitige Muschel, die bis 4 cin lang wird und da5
süße Wasser Europas bewolmt. Ursprünglich ge-
kört sie den Flüssen des südöstl. Europas an, ist
aber mit der Schiffahrt, da sie sich an Schiffe, Floße
u. s. w. festsetzt, seit Ende des vorigen Jahrhun-
derts in alle größeren Flüsse auch des westl. Europas
eingedrungen.
Wanderniere (R<sn inodilis ^. mi^i-mi"), eine
eigentümliche Lageveränderung der einen oder beider
Nieren, bei der die letztern infolge einer Lockerung
ihrer Kapsel und ihrer Aufhängebänder aus ihrer
normalen Lage sich zeitweise oder dauernd entfernen
können und als bewegliche Körper unter dem freien
Rande des Nippenbogens oder tiefer nuten in der
Bauchhöhle gefühlt werden. Meist wird die rechte
Niere beweglich gefunden. Am häufigsten findet sich
die W. bei Frauen, bei denen namentlich das Tragcu
fester Rockbänder und Schnürleiber, Schwanger-
schaften sowie schwere körperliche Arbeit u. a. da5
Zustandekommen einer W. zu begünstigen scheinen.
In vielen Fällen macht eine bewegliche Niere gar
teine Symptome; mitunter kommt es aber auch
durch Einklemmuug der wandernden Niere zu schwe
ren Krankheitscrscheinungen (Schüttelfrost, Er-
brechen, kaltem Schweiß mit großem Angstgefühl,
heftigen Leibschinerzen u. s. w.). Die Bebandlung be-
steht in Neposition und Fixierung der Niere durch ge-
eignete Bruchbänder oder elastische Leibbinden. Bei
hochgradigen Beschwerden empfiehlt sich die opera-
tive Behandlung, d. h. Reposition der W. an ibre
richtige Stelle und Befestigung derselben durch Nähte.
Wanderratte, s. Ratte.
Wanderrose, s. Rose (Krankheit).
Wandersleber Schloß, s. Gleichen.
Wandertaube (Newpj^ws mi^uoi-W" 2v.,
s. Tertabdildung '2, beim Artikel Tauben), die
bekannteste Art der Schweistaubeu (s. d.), ein zwi-
schen 40 und 4^m langer Vogel mit langen spitzen
Flügeln und mit 12 stufig angeordneten, einen langen
Schwanz bildenden Steuerfedern. Oben ist die Fär-
bung hell-schiefergrau, unten rötlich-grau. Berühmt
ist die W., welche ganz Nordamerika nördlich vom
Golf von Meriko bewohnt, durch ihre Herbst und
Frühjahrswandl'nmgcn, zu denen sich früher Scha-
ren, die auf 20 Mill. Stück veranschlagt wurden,
Vrockhaus' Konversations-Lexikon. 14. Aufl.. XVI.
versammelten. Jetzt habeil die Mengen bedeutend
nachgelassen.
Wandern, Asse, j. Makako.
Wanderunterstüizung, auch Reiseunter-
stützung, eine sehr frühe, auf dem althergebrachten
Wandern der Handwcrksburschen und dem Herbcrgs-
wesen beruheude, genossenschaftliche .Hilfe, welche
teils von den Meistern, teils von den Gesellen- und
Arbeiterverbänden nach bestimmten Sätzen gewäbrt
wird und vielfach mit den Gewerkvereinen, beson-
^ ders zur Arbeitsvermittelung, verbunden ist.
Wanderverbot, Wanderzeit, s. Wander-
, zwang.
! Wanderzellen, s. Blut.
^ Wanderzwang. Bei der bekannten Wanderlust
des Deutschen ließe sich annehmen, auch wenn man
nicht in Handweckstatuten des 14. Jahrh. Bestim-
mungen über die Behandlung der abziehenden oder
zukommenden Knechte hätte, daß schon in früher Zeit
die Gesellen regelmäßig von einem Ort zum andern
nach Arbeit gezogen wären. Eine Vorschrift zum Wan-
dern, ein W. zeigte sich auch zu Beginn des 15.Iabrh.,
ist aber zu dieser Zeit noch nicht allgemein verbreitet.
Gegen Ende des Jahrhunderts läßt er sich am häu-
figsten nachweisen. Man beabsichtigte zunächst mit
dem W. eine Erweiteruna der technischen und ge-
schäftlichen Kenntnisse und Fertigkeiten des Wandern-
den, doch leuchtet auch die Absicht deutlich hervor,
die Konkurrenz im Handwerk zu mindern oder ganz
abzuschneiden und die Erlangung des Meisterrechts
zu erschweren. Übrigens hatte der W. nicht in allen
.Handwerken Geltung, vielmehr zeigt sich bei manchen
der strikte Gegensatz, nämlich ein Wanderverbot.
.Vier kam es darauf an, daß gewisse Gewerbe nicht
in die Fremde getragen und dort verbreitet und ge-
pflegt würden. Die vorgeschriebene Wanderzeit
wechselt von einem bis zu sechs Jahren und betrug am
! läufigsten drei oder vier Jahre. Unterwegs mußte
> sich der Wandernde durch Arbeit unterbalten und
! erhielt da, wo sich keine fand, einen bestimmten Be-
trag als Unterstützung, das Geschenk. Die
Wanderbücher (s. d.) der Gesellen hießen Kund-
schaften. - Vgl. Stahl, Das deutsche Handwerk,
! Bd. 1 (Gieß. 1874); Schanz, Zur Geschichte der
deutfchcn Gesellenverbände (Lpz. 1877).
Wandhobel, s. Hobel
Wandkanker, s. Kanter.
Wandkran, s. Kran.
Wandlafetten, Lafetten, bei denen im Gegen-
fatz zu den Blocklafetten (s. d.) das Rohr zwischen
zwei besondern voneinander getrennten Wänden
ruht; sie sind jetzt allgemein eingeführt.
Wandlager, s. Lager (im Maschinenbau).
Wandlungsklage (Wandelungsklage,
^ctin i cädiditori^), die Klage, welche der Käufer
gegen den Verkäufer, überhaupt derjenige, welcher
eine Sacke gegen Entgelt erwirbt gegen den, von
wem er sie erwirbt, auf Wicderaufhebung des Ver-
trags und Wiederherstellung des frühern Zustandes
dann bat, wenn die veräußerte Sache zugesagte
Eigenschaften nicht bat; oder wenn sie Mängel bat,
deren Abwesenheit der Veräußerer versprach, oder,
auch obne solches Versprechen, wenn die Mängel den
Wert oder die Tauglichkeit der Sache zu dem ge-
wöhnlicken oder dem nach dem Vertrag vorausge-
setzten Gebrauch aufbeben oder erheblich mindern
und nicht fo offenkundig sind, das; sie dem Erwcrber
in die Augen fallen mußten (Deutsches Bürgert.
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