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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Wasserreinigung

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Wasserreinigung'

quantitativen Leistung sind Kombinationen von mehrern Kerzen konstruiert worden. Wo der Druck einer Wasserleitung fehlt, müssen Druckpumpen angewendet werden. Eine gute centrale Wasserversorgung muß das Wasser schon in tadellos gereinigtem Zustand jedem Haushalt zuführen; die besprochenen Systeme der Filtration im Hause sind daher nur als Notbehelf anzusehen.

Die Beseitigung von Krankheitserregern geschieht durch Abkochen des verdächtigen Wassers; hält man dies fünf Minuten im Sieden, so sind alle in Betracht kommenden Keime vernichtet. W. von Siemens hat einen Wasserabkochapparat konstruiert, der die im Kühlgefäß abgegebene Wärme des abgekochten Wassers zur Vorwärmung des frischen verwendet. Ferner bietet die richtige Anwendung der besprochenen Chamberland- und Berckefeld-Filter eine völlige Sicherheit gegen Trinkwasserinfektion. Brunnen, die, wie dies häufig vorkommt, mit Typhus- oder Cholerakeimen infiziert sind, lassen sich nach den Untersuchungen von M. Neisser einfach, billig und sicher durch Kochen des Brunneninhalts mittels Einleiten von Wasserdampf reinigen. Chem. Desinfektionsmittel, wie Kalk, Carbolschwefelsäure, wirken nicht sicher. Einfaches Abpumpen des Brunneninhalts ist ganz unwirksam. Auch Schließung des Brunnens auf einige Zeit, die bisher meist in der Praxis angewendet wurde, und wobei man auf ein Zugrundegehen der Krankheitserreger unter dem Einfluß der Wasserbakterien rechnete, ist unsicher, weil der Zeitpunkt, an dem das Wasser wieder hygieinisch zulässig ist, sich sehr schwer feststellen läßt und weil Typhusbacillen erwiesenermaßen in einigen Fällen sich mehrere Wochen lang im Wasser lebensfähig erhalten haben. Ist endlich eine ganze Wasserleitung infiziert, so läßt sie sich nach Stutzers Methode in einfacher und absolut sicherer Weise durch Schwefelsäure desinfizieren. Im Hauptreservoir der Leitung wird eine 0,2prozentige Lösung hergestellt und durch Öffnen aller Hähne in die Leitungsröhren geleitet; dort bleibt die Lösung nach Abschluß der Hähne mehrere Stunden stehen; endlich wird gründlich mit reinem Wasser nachgespült. Die Leitungsrohre werden fast gar nicht angegriffen. Das Verfahren ist bei Anwendung roher Schwefelsäure sehr billig, (13M. für 80000 l Wasser).

Die Enteisenung des Wassers gelingt leicht und vollständig durch Durchlüftung des regenartig herabfallenden und über Koksstücke rieselnden Wassers, wobei aus dem darin enthaltenen doppeltkohlensauren Eisen die Kohlensäure entweicht und durch reichlichen Sauerstoffzutritt Oxydation zu unlöslichem Eisenoxydhydrat erfolgt; letzteres wird dann durch nachträgliche Filtration durch Sand zurückgehalten. Am gebräuchlichsten ist der Piefkesche Regenapparat.

Man hat auch versucht das Meerwasser trinkbar zu machen. Einfache Destillation genügt hierzu nicht, da hierbei einerseits das im Meerwasser enthaltene Chlormagnesium sich zersetzt und Salzsäure ins Destillat übergehen läßt, und andererseits das Wasser durch die Destillationsprodukte der darin enthaltenen organischen Beimengungen (Fischexkremente u. s. w.) einen widrigen scharfen Beigeschmack erhält; es ist daher eine Voroperation nötig. Durch Erwärmen mit Kalkmilch werden das Chlormagnesium und die organischen Bestandteile zersetzt; dann wird geklärt und endlich destilliert. Neuere Versuche, dem Meerwasser seinen Salzgehalt ↔ mittels Durchpressen unter hohem Druck durch Baumstämme zu entziehen, haben keinen praktischen Erfolg gehabt, da nur sehr wenig salzfreies Wasser geliefert wird und das Holz sich sehr rasch mit den Salzen sättigt, wodurch seine Wirkung aufhört.

II. Die W. für technische und Haushaltungszwecke hat sich insbesondere auf den Eisengehalt, die Härte, den Gehalt an suspendierten Stoffen und an Mikroorganismen zu erstrecken. Ein hoher Eisengehalt macht das Wasser zur Herstellung von Kaffee und Thee sowie auch zum Waschen ungeeignet; ganz besonders ungünstig ist es für Bleichereien, Färbereien und Papierfabriken, da hierbei Flecken und Farbenänderungen entstehen. Die Beseitigung des Eisens geschieht, wie schon oben angegeben ist. Eine übermäßige Härte des Wassers ist für die Zwecke der Küche ungünstig, da Hülsenfrüchte sich darin nicht weich kochen lassen; beim Waschen erfordert es einen unverhältnismäßig großen Aufwand an Seife, da Kalk und Magnesia mit den Fettsäuren der Seife unlösliche Verbindungen eingehen; in Färbereien kann der Ton mancher Farbstoffe durch hartes Wasser unvorteilhaft geändert werden; bei der Zuckerfabrikation wirkt es störend auf den Krystallisationsprozeß ein. Vor allem aber kann ein übermäßiger Gehalt an Kalk- und Magnesiumsalzen die Verwendung eines Wassers für Speisung von Dampfkesseln hindern, indem es die Kesselbleche von innen angreift und zu reichlicher Ablagerung von Kesselstein führt. Die Beseitigung der übermäßigen Härte eines Wassers für häusliche Zwecke sowie für Tuchwalkereien erfolgt am einfachsten durch Aufkochen desselben mit Soda, wobei kohlensaurer Kalk ausfällt, und Abgießen vom Niederschlage. Bei Dampfkesselspeisewasser wird die auf der Anwesenheit der doppeltkohlensauren Salze beruhende vorübergehende Härte durch Erwärmen mit Kalkmilch, die auf dem Gehalt an Sulfaten beruhende bleibende Härte durch Soda entfernt; die Salze fallen aus und das Wasser wird klar. Trübes, mit schlammigen Beimengungen und Fäulniskeimen durchsetztes Wasser ist für die Stärkefabrikation und ganz besonders für die Gärungsgewerbe, als Bierbrauerei, Bäckerei, Gerberei, unbrauchbar; im Brot wird die normale Gärung gestört, im Bier entstehen unberechenbare wilde Gärungen, die seinen Geschmack vollständig verderben u. s. w. Diese Übelstände sind am besten durch Filtration des Wassers zu beseitigen; speciell für Zwecke der Brauerei und Papierfabrikation hat Gerson ein Filter aus eisenimprägniertem Bimsstein, Kies und Sand angegeben, welches bis 1600 cbm pro Tag zu leisten vermag.

III. Reinigung der Abwässer. Die Abwässer sind je nach ihrer Herkunft mit sehr verschiedenen Stoffen verunreinigt; über die beiden Hauptgruppen dieser Verunreinigungen s. Abwässer. Werden die Abwässer in die Flüsse gelassen, so tritt, wenn die sog. Selbstreinigung des Flusses gegenüber der Menge der Abfallstoffe nicht mehr ausreicht, eine hochgradige Verunreinigung des Wasserlaufs auf (s. Flußverunreinigung). Hinsichtlich der Mittel zur Reinigung der Abwässer lassen sich nur für die durch stickstoffhaltige, fäulnisfähige Stoffe verschmutzten Abwässer gewisse allgemeine Normen und Verfahren aufstellen, während bei den Abwässern von vorwiegend mineralischem Gehalt die Art der Reinigung vielfach ganz vom einzelnen Fall abhängt und oft noch eine anderweitige technische Verwertung der Abgänge anstrebt. Für die Reinigung der mit or-

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 534.