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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Wegeleben - Wegeordnungen
mission bei der Akademie der Wissenschaften zn
München, an deren Arbeiten er sicb als Mitheraus-
geber der "Allgemeinen Deutschen Biographie" (Lpz.
1875 fg.) und der "Forschungen zur dentschen Ge-
schichte^ beteiligt. Er starb 16. Okt. 1897 in Würz-
burg. Von seinen bistor. Arbeiten sind hervor-
zuheben: "Karl Angust von Weimar" (Lpz. 1850),
"Dante Alighieris Leben und Werke" (3. Aufl.,
Jena 1879), "Thüring. Geschichtsquellen" (2 Bde.,
ebd. 185-1-55), "Ncmumonta, I^dßi'Nconssiw) (Nördl.
1863), "Zur Litteratur und Kritik frank. Nekrologen"
(ebd. 1864), "Friedrich der Freidige, Markgraf von
Meißen" (ebd. 1870), "Graf Otto von Hennenberg-
Botenlauben und sein Geschlecht" (ebd. 1875),
"Goethe als Historiker" (Würzb. 1875), "Geschichte
der Universität Würzburg" (2 Tle., ebd. 1882), "Ge-
schichte der deutschen Historiographie seit dem Auf-
treten des Humanismus" (Münch. 1885), "Johannes
Aventin" (Vamb. 1890).
Wegeleben, Stadt im Kreis Ofcherslcben des
preuß. Reg.-Bez. Magdeburg, rechts am Goldbach,
nabe bei seiner Einmündnng in die Bode, an den
Linien Halle-Halberstadt-Seesen und Magdeburg-
Halberstadt-Thale der Preuß. Staatsbahnen, bat
i1895) 3291 E., darunter 630 Katholiken, Post, Te-
legraph, evang. Kirche, königl. Domäne und zwei
Rittergüter' Zuckerfabrik, zwei Mälzereien und eine
Fabrik für Kupferwaren.
Wegeordnungen oder Wegegesetze, die
Gesetze, welche die öffentlichen Wege und ihre Zu-
behö'rungen, ihre Anlegung, Einziehung, Unter-
haltung, Reinigung und Benutzung, die an den-
selben bestehenden Rechtsverhältnisse, die Klassifi-
zierung der öffentlichen Wege und die sich daraus er-
gebende Wegedaulast, die Verpflichtungen der Grund-
besitzer und anderer Interessenten in Beziehung
auf den Wegebau, die Erbcbung von Wegegeld,
die Wegepolizei, die Zuständigkeit der Behörden in
Wegebaufachen u. s. w. betreffen. Nur enthält nickt
jede Wegeordnung Bestimmungen über alle diese
Gegenstände, und einzelne dieser Materien sind zum
Teil auch in Gesetzen geordnet, welche noch andere
Materien betreffen. Die öffentlichen Wege sind die
dem allgemeinen Verkehr eröffneten; sie können nicht
auf Gruud von Privatrechtstitcln der öffentlichen
Benutzung entzogen werden. Die W. entbalten Be-
stimmungen über die Beschränkungen in Benutzung
der Fahrstraßen (Breite der Räder, Belastungen,
Ausweichen u. s. w.) und der öffentlichen Fußwege.
Alle öffentlichen Wege stehen unter Aufsicht der zu-
ständigen staatlichen Verwaltungsbehörden. Streitig-
keiten über die Öffentlichkeit eines Weges, über die Not-
wcndigkeit, die Klassifizierung, die Benutzung öffent-
licher Wege, die von der Wegepolizeibehörde wegen
Instandhaltung eines öffentlichen Weges und der Er-
füllung der in dieser Beziehung bestehenden Pflichten
getroffenen Zwangsmaßregeln, überhaupt die Wege-
baulast, die Einziehung oder Verlegnng öffentlicher
Wege u. s. w. sind in der Regel den Vcrwaltungsge-
richtenzugewiesen, vorbehaltlich des Rechtswegs über
bestehende Privatrechte. Der Grund und Boden ge-
hört, soweit nicht ein besonderer Rechtstitel nach-
gewiesen wird, den Unterhaltungspflichtigen.
Die öffentlichen Wege sind: die auf Kosten des
Staates tunstmäßig ausgeführten Staatsstraßen
(Land- oder Heerstraßen), welche außer dem
lokalen namentlich dem durchgehenden Verkehr die-
nen; die Provinzial-, Distrikts- und Kreis-
-straßen, die teils auf Kosten der Provinz, des
Distrikts oder des Kreises angelegt werden, teils
früder Staatsstraßen waren und diesen Verbänden
nnter Dotation aus Staatsmitteln überwiesen sind;
Gemeindewege (Vicinalwege, Nachbar-
wege), welche die Verbindung zwischen Ortsckaften
und zwischen diesen und für den Verkehr wicktigen
Punkten vermitteln; Ortsstraßen innerbalb der
einzelnen Ortschaften, zum Teil mit Ausnahme der-
jenigen, welche im Zuge einer Staats-, Provinzial-
oder Kreisstraße liegen. Von den Unterthanen, den
Angehörigen der Provinz, des Kreises u. s. w. wur-
den früher Naturaldienste für die Herstellung und
Unterhaltung der öffentlichen Straßen gefordert;
jetzt werden diefelben vom Staate und den genann-
ten Verbänden meist selbst hergestellt oder es wird
die Herstellung an Privatunternehmer verdungen
oder es werden Prämien gezablt. Die Kosten
werden dann aus den znr Verfügung stehenden
öffentlichen Mitteln oder durch Steuern aufgebracht.
Gegen die anliegenden Grundeigentümer besteht ein
Enteignungsrecht, auch die Verpflichtung, die zum
Wegebau erforderlichen Materialien gegen Ent-
schädigung herzugeben. Fabriken, Bergwerke oder
andere gewerbliche Unternehmungen, welche einen
öffentlichen Weg in gröfterm Umfange für sich in
Anspruch nehmen, dürfen zu außerordentlichen Bei-
trägen herangezogen werden. Innerhalb der Städte
ist den Hauseigentümern vielfach eine Verpflichtung
zn besondern Beiträgen für Herstellung der Orts-
strasie und des Trottoirs sowie die Straßenreini-
gung auferlegt. Weg egelder (Chausseegelder)
find in den meisten Staaten für die Staatsstraßen
abgeschafft. NachdemZollvereinsvertragvom8.Juli
1867 sollen sie nur in dem Betrage erhoben werden,
als sie den Herstellungs- und Unterhaltungskosten
angemessen sind. Dabei ist ein Vorbehalt für Olden-
burg und Schaumburg-Lippe gemacht.
Die W. erscheinen am frühesten entwickelt in Eng-
land. Schon die anglo-normann. Gefetzgebung
legt die Erhaltung der öffentlichen Fahr-, Reit-
und Fußwege den Ortsgemeinden auf. Die Gesetz-
gebung dieses Jahrbunderts hat nun die Erhal-
tung der Wege gänzlich den zuständigen Behörden
in die Hände gegeben. Die Behörden für Auf-
rechterhaltung der Nebenstraßen sind: 1) die be-
treffende V68tr^ (f. I'Hi-isli); 2) die Union (f. ?00r
l^n); 3) der besonders bestellte IliFi^va^ Distt-ict
l>0M'(1, gebildet aus den ^su8tic6ä oi' tii" I>03^6
(s. d.), die in dem Bezirke wohnen, und die von den
?Äi-i8ii68 gewählten Wegepfleger (^Va^wHi-doi^);
4) deri^orouSli lüouncil (f. Nnnic ipal (^orpoi-ationz;),
der I^0( al Uoarä oder die Iinprov^msut Ooniinis-
8i0N6i'8 (s. I^ocal N05lrä8), je, nach der Organisation
der betreffenden Stadt. Die Oolmt^ ^0nnc:il8 (s. d.)
babcn ein Oberaufsichtsrccht. Die I^ocili (lovoi-n-
in0nt ^ct von 1888 bestimmt, daß alle Haupt-
straßen (in^in ronxl8) von den Oount^ (^ounciig zn,
erhalten sind, doch kann eine städtische Behörde be-'
anspruchen, die Hauptstraßen in ihrem Gebiete unter
Zahlung einer jährlichen Entschädigungssumme aus
der Grafschaftskasfe zu übernehmen; auch kann die
Graffckaftsbehörde den erwähnten Behörden für
Nebenstraßen die Hauptstraßen in ibrem Gebiete
übertragen, und hat dafür einen jäbrlichen Veitrag
aus der Grafschaftskasse zu entrichten. - Die W.
sind in Deutschland Landesgesetze. Dem Reiche
steht nach der Reichsverfasfnng Art. 4, Nr. 8 die
Gesetzgebung über die Herstellung von Landstraßen
im Interesse der Landesverteidigung und des ösfent-