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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Weißes Präcipitat - Weißkirchen

stürmisch. Mittels der Dwina und des Herzog-Alexander-von-Württemberg-Kanalsystems (s. d.) tritt das W. M. in Verbindung mit dem Baltischen und Kaspischen Meer. Der Hauptstapelplatz ist Archangelsk. Die kleinern Häfen sind Onega, Sumskij-Possad und Kem. 1895 trafen 1581 Schiffe ein und 1635 verließen das Meer. Die Ausfuhr besteht aus Hafer (1895: 2,02 Mill. Pud), Leinsamen (241011 Pud), Flachs, Holz (6,04 Mill. Pud), Teer, Pech, Häuten u. a. Den Seeweg nach diesem Meere entdeckte der Engländer Richard Chancellor 1553 bei der zur Auffindung einer nordöstl. Durchfahrt ausgegangenen Polarexpedition unter dem Oberbefehl Hugo Willonghbys.

Weißes Präcipitat (weißes Quecksilber-präcipitat), s. Quecksilberchlorid.

Weißes Pulver, weißes Schießpulver, verschiedene Pulversorten, namentlich Augendres Schießpulver, Schultzes Pulver (s. d.) und Uchatiuspulver (s. d.).

Weißes Spodium, s. Knochen.

Weiße Substanz, Marksubstanz, s. Gehirn.

Weißes Vorgebirge, s. Blanco (Kap).

Weiße Tinktur, s. Alchimie.

Weiße Woche, die Woche nach Ostern, weil während derselben in der alten Kirche die in der Osternacht getauften Katechumenen in ihren weißen Taufkleidern erschienen.

Weißfäule, ein der Rotfäule (s. d.) ähnlicher, durch verschiedene Schmarotzerpilze hervorgerufener Fäulnisprozeß im Stamme lebender Bäume, bei dem das Holz eine weißliche oder überhaupt helle Färbung annimmt. Vorzüglich sind einige Arten der Pilzgattung Polyporus Ursachen der W., so z. B. Polyporus igniarius Fr. in Weiden, Polyporus fulvus in Tannen und Fichten, Polyporus borealis in Fichten, Polyporus sulphurens Fr. in den verschiedenen Laubhölzern, ferner Hydnum diversidens Fr. in Eichen und Rotbuchen. Nicht selten erscheint die W. mit der Rotfäule in demselben Baum.

Weißfelchen, Fisch, s. Felchen.

Weißfichte, s. Fichte.

Weißfisch (Leuciscus), eine aus 84 Arten bestehende, die nördl. Hälfte der Alten und Neuen Welt bewohnende Gattung Fische aus der Familie der Karpfen, von den echten Karpfen unterschieden (und auch als besondere Unterfamilie der Leucisciden abgetrennt) durch eine der ziemlich kurzen Rückenflosse an Länge gleichende Afterflosse. Je nach der Bildung des Mauls und der innern Schlundzähne hat man die Gattung in zahlreiche Untergattungen zerlegt. Die zahlreichen Arten der W. bewohnen die süßen Gewässer, werden selten über 30 cm lang und über 1 Pfd. schwer, leben von Wasserwürmern und Wasserpflanzen, sind weißlich gefärbt und oft mit bunten Flossen geziert. Zu den W. gehören unter anderm die Plötze, Ellritze, der Döbel und Aland.

Weißfüchse, s. Fuchsfelle.

Weißgelbglut, s. Glühen.

Weißgerberei, s. Lederfabrikation.

Weißglühen, Weißglut, s. Glühen.

Weißgroschen, s. Blanc.

Weißgültigerz, alter bergmännischer Name für zwei verschiedene Erze. Das dunkle W., stahlgrau bis eisenschwarz, ist eine sehr silberreiche Varietät von antimonhaltigem, arsenfreiem Fahlerz (s. d.); es führt außerdem Kupfer, Eisen und Zink. Das lichte W., derb und von sehr fein-

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körniger Zusammensetzung, dabei von rein blaugrauer Farbe, wie es sich auf den Gruben Himmelsfürst und Hoffnung Gottes bei Freiberg findet, kann, obschon ihm auch die allgemeine Formel der Fahlerze zuzukommen scheint, doch mit diesen nicht vereinigt werden, da es einen, diesen sonst ganz fremden Gehalt an Blei (38,4 Proz.) besitzt; außerdem enthält es, im fernern Gegensatz zu dem dunkeln W., nur äußerst wenig Silber und fast gar kein Kupfer.

Weißguß oder Weißmetall, eine in verschiedenem Verhältnis zusammengesetzte Legierung von Zinn und Antimon mit Zusätzen von Blei, Kupfer und Zink, die häufig zu Zapfenlagern benutzt wird. (S. Antifriktionsmetall.)

Weißhaupt, Pseudonym des Herzogs Karl (s.d.) von Mecklenburg-Strelitz.

Weißhohlglas, Kalkglas, s. Krystallglas.

Weißhorn, Name vieler Gipfel in den Alpen; darunter der höchste Gipfel der Arollagruppe in den Penninischen Alpen, im schweiz. Kanton Wallis, der sich westlich von Randa im Vispthale, nordnordwestlich von Zermatt, zu 4512 in erhebt und der fünfthöchste Gipfel der gesamten Alpen ist. Das W. wurde zum erstenmal 19. Aug. 1861 von dem berühmten engl. Physiker Tyndall mit zwei Führern bestiegen und gilt hellte noch als eine sehr schwierige Tour. Am Hoben Licht befindet sich seit 1876 die Weißhornhütte (2859 m). Wichtig sind ferner: ein 2655 in hober Gipfel im Arosathal, welcher vom Kurhaus Arosa in 2 1/2 Stunden leicht zu besteigen ist, das W. (3010 m) in der Wildhorngruppe der Freiburger Alpen, dem Stock der Wildstrubelhörner angehörig, das W. (2846 m) in den Plessuralpen, östlich von Parpan, das W. (3089 m) in der Scalettagruppe, nordöstlich vom Flüelapaß, und W. (2840 m) in der Fermuntgruppe, südöstlich von Klosters; ferner das W. (2703 m) im Penser Gebirge, südlich von Sterzing, ein W. (2312 m) in der südl. Randumwallung des Porphyrplateau vou Bozen, ein W. (2860 m) in der Venedigergruppe, im O. des Habachthals u. a. m.

Weißkehlchen, die Dorngrasmücke (s. Grasmücke).

Weißkirchen oder Mährisch-Weißkirchen. 1) Bezirkshauptmanuschaft in Mähren, hat 595,59 qkm und (1890) 55827 (26409 männl., 29418 weibl.) meist czech. E. in 82 Gemeinden mit 98 Ortschaften und umfaßt die Gerichtsbezirke Leipnik und W. - 2) Mährisch-Weißkirchen, czech. Hranice, Stadt und Sitz der Bezirkshauptmannschaft und eines Bezirksgerichts (383,22 qkm, 34376 E.), in hügeliger Gegend, an der zur March gehenden Betschwa und den Linien Wien-Krakau und W.-Wsetin (46 km) der Kaiser-Ferdinands-Nordbahn, hat (1890), einschließlich der Israelitengemeinde (341 E.), 8136 E., Pfarrkirche (1760) mit sechs wertvollen Bildern, altes Schloß, deutsches Staatsobergymnasium, deutsche höhere Forstlehranstalt, deutsche Bürgerschule, Militär-Oberrealschule, Kavalleriekadettenschule, Krankenhaus; Tuch-, Flanell-, Kartonnagen-, Liqneur-, Schokolade- und Kanditenfabrikation, Färberei, Hanfspinnerei und drei Dampfmühlen. Unweit der Stadt im Betschwathale der Kurort Teplitz mit einem warmen Säuerling und einer Molkenturanstalt. - 3) Ungarisch-Weißkirchen, ungar. Fehértemplon, Stadt mit geordnetem Magistrat im ungar. Komitat Temes, im Neratbal, 8 km von der Donau, an der Linie Temesvär-Bäziäs der Ungar. Staatsbahnen, Sitz eines Gerichtshofs, Bezirksgerickts, Forstamtes, Finanzkommissariats und