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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Wespen – Wessely

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Wespe'

Insekten II, Fig. 3), Weibchen 18, Männchen 16 und Arbeiterin 11 mm lang, schwarz mit gelben Flecken an Kopf und Brustschild, Kopfschild gelb mit schwarzem Mittelstrich, Hinterleibsringe breit gelb gesäumt, im Saum in der Mitte ein schwarzer dreieckiger Fleck und jederseits ein gelber Punkt. Die Zeichnung ist nicht konstant. Die gemeine W. baut unter der Erde und ist wie die, ihre citronenförmigen Nester an Bäumen bauende mittlere W. (Vespa media Degeer) und die gleichfalls unter der Erde bauende deutsche W. (Vespa germanica Fab.) dem Obst und den Weintrauben sehr schädlich. Zum Schutz des Obstes gegen die W. hängt man unter besonders wertvolle Stücke (Prachtpfirsiche u.s.w.) zur Hälfte mit verdünntem Honig oder Zuckerwasser gefüllte Medizinflaschen, in die die W. hineinkriechen, aus denen sie aber nicht wieder heraus können. Trauben näht man in Gazesäckchen ein. Hauptsache bleibt Zerstören der Nester, das nachts vorzunehmen ist, wenn die W. unbeholfen sind. Freihängende verbrennt man mit Pechfackeln, oder schneidet sie, wo das nicht angeht, mit einer Baumscheere ab, läßt sie in einen Sack fallen, den man in kochendes Wasser wirft. Nester unter der Erde sprengt man mittels Schießpulvers in die Luft; in Bäumen befindliche schwefelt man aus.

Wespen, Witzblatt, s. Deutsche Wespen.

Wespenbiene (Nomada F.), eine sehr artenreiche Gattung von Schmarotzerbienen (s. Bienen), durch verhältnismäßig schlank gebauten, wenig behaarten und meist schwarz und gelb gezeichneten Körper an die Wespen erinnernd. Häufig ist die rothörnige W. (Nomada ruficornis L., s. Tafel: Insekten II, Fig. 2), die wie viele andere bei den Erdbienen (s. d.) schmarotzt.

Wespenbockkäfer, s. Clytus.

Wespenbussard, s. Bussard.

Wespenschwärmer, s. Glasschwärmer. Die größte deutsche Art, der Bienenschwärmer (Sesia apiformis L., Trochilium apiforme Clerck, s. Tafel: Schmetterlinge I, Fig. 4), lebt als Raupe hauptsächlich in Pappeln und ist schon schädlich geworden.

Wespenstein, Schloß bei Gräfenthal (s. d.).

Wessel, Johannes, auch Gansfort genannt, Vorläufer der Reformation, geb. um 1419 zu Groningen, erhielt seine Erziehung in der Schule der Brüder des gemeinsamen Lebens zu Zwolle, wo Thomas (s. d.) a Kempis auf ihn einwirkte, lehrte dann Philosophie in Köln, Löwen, Heidelberg und Paris und lebte dann teils in Groningen, teils auf dem Agnetenberge bei Zwolle. Er starb 4. Okt. 1480. W. faßte das Christentum als etwas rein Innerliches auf und wurde dadurch zur Opposition gegen die kath. Kirche getrieben. Nach seinem Tode wurde ein großer Teil seiner Schriften als ketzerisch verbrannt; ein anderer erschien u.d.T. «Farrago rerum theologicarum» und wurde sehr oft, unter anderm auch mit einer Vorrede von Luther (Wittenb. 1522), herausgegeben. Die vollständigste Ausgabe seiner Werke besorgte Joh. Lydius (Amsterd. 1617). – Vgl. Ullmann, Reformatoren vor der Reformation, Bd. 2 (2. Aufl., Gotha 1866); Bäbring, Leben Johann W.s (2. Aufl., Bielef. 1852); J. Friedrich, Johann W. (Regensb. 1802); Hofstede de Groot, Johan W. Ganzevoort (Groningen 1871).

Wesselburen, Dorf im Kreis Norderdithmarschen des preuß. Reg.-Bez. Schleswig, 5 km von der Nordseeküste, in der Marsch, an der Nebenlinie ↔ Heide-Büsum der Preuß. Staatsbahnen, Sitz eines Amtsgerichts (Landgericht Kiel) und Strandamtes, hat (1895) 2700, als Kirchspiel 6347 E., Post, Telegraph, evang. Kirche, Denkmal des Dichters Friedr. Hebbel, elektrische Beleuchtung; Zuckerfabrik, Rübenbau, Viehzucht, Getreide- und Viehhandel.

Wesselényi (spr. wéschelehnji), Franz, geb. 1601 zu Teplitz, Palatin von Ungarn, ließ sich nach dem Vasvárer (Eisenburger) Friedensschlusse (10. Aug. 1664) zur Teilnahme an einer Magnatenverschwörung verleiten. (S. Frangipani.) Noch ehe die Verschwörung entdeckt und die Hauptteilnehmer gefangen genommen und hingerichtet wurden, starb W. 28. März 1667. – Vgl. Pauler, Die Verschwörung W.s (2 Bde., ungarisch, Pest 1876).

Wesselówskij, Alexander Nikolajewitsch, russ. Literarhistoriker, s. Bd. 17.

Wessely, Joseph, Forstmann, geb. 6. März 1814 in Wien, besuchte daselbst Polytechnikum und Universität, dann die Forstlehranstalt Mariabrunn. Er trat in den österr. Forstdienst, richtete 1852 die mähr.-schles. Forstschule in Aussee (jetzt in Eulenberg) ein und übernahm an derselben die erste Lehrkanzel. 1855 folgte er einem Ruf der Österreichisch-Ungarischen Staatseisenbahngesellschaft als Lokaldirektor für deren ausgedehnte Besitzungen im ungar. Banat, und war 1858–65 als Generalinspektor für Domänen und Montanwerke in der Wiener Generaldirektion der Gesellschaft thätig. 1867 wurde W. zum Direktor der k.k. österr. Forstakademie in Mariabrunn ernannt, legte diese Stellung jedoch 1870 wieder nieder. Große Verdienste erwarb er sich um die Kultivierung des sog. Karstes in Kroato-Slawonien. Er schrieb: «Die österr. Alpenländer und ihre Forste» (2 Bde., Wien 1853), «Dienstunterricht für die öffentlichen Forst- und Jagdwachen des österr. Kaiserstaates» (ebd. 1855; 2. Aufl. 1868), «Die Einrichtung des Forstdienstes in Österreich» (ebd. 1861; neue Ausg. 1866), «Verrechnung der Urproduktion. Tl. 1: Theorie» (ebd. 1870), «Jahrbuch der k.k. Forstakademie Marienbrunn» (ebd. 1870), «Der europ. Flugsand und seine Kultur. Besprochen im Hinblick auf Ungarn und die Banater Wüste insbesondere» (ebd. 1873), «Die Bodenkultur Österreichs» (mit Lorenz, 3 Abteil., ebd. 1873), «Das Karstgebiet Militär-Kroatiens und seine Rettung, dann die Karstfrage überhaupt» (Agram 1876), «Das Futterlaub. Seine Zucht und Verwendung» (Wien 1877), «Forstliches Jahrbuch für Österreich-Ungarn» (1. bis 3. Jahrg., ebd. 1880-82), «Schutzdienstunterricht für das Forst- und Jagdpersonal Niederösterreichs» ebd. 1884), «Österreichs Jagdrecht, seine morschen Stellen u.s.w.» (ebd. 1890). Er redigierte die «Österr. Monatsschrift für Forstwesen» (1862–82).

Wessely, Josephine, Schauspielerin, geb. 18. März 1860 in Wien, erhielt 1874–76 ihre Ausbildung in der Schauspielschule des Wiener Konservatoriums und debütierte 1. Juli 1876 als Luise Miller am Stadttheater zu Leipzig, dem sie bis 1879 angehörte. Gastspiele in Berlin und Wien vermehrten ihren rasch erworbenen Ruf, und 1879 wurde sie mit zehnjährigem Kontrakt an das Burgtheater in Wien engagiert und 1884 zur k.k. Hofschauspielerin ernannt. Sie starb 12. Aug. 1887 in Karlsbad. Eine hochbegabte Darstellerin jugendlich tragischer Rollen, hatte sie etwas eigenartig Anmutendes, auch hinreißende und zündende Kraft; sie fand vor allem als Gretchen, Marie Beaumarchais, Luise, Marianne viele Anerkennung.